„Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde nahm sie der Jünger zu sich.“
Dieses Zitat aus der Passionserzählung des Evangelisten Johannes sollte zur Generalüberschrift für die Stellung Mariens in der Ökumene unserer Zeit werden. Jesus gibt seine Mutter, auch wenn es den Anschein hat, dass er sie nicht sehr zu lieben scheint, einem anderen Menschen ans Herz. Sie soll von nun an mit Johannes, einer Art Bruder von Jesus, eine Gemeinschaft bilden. Leo Cardinal Scheffczyk interpretiert diese Stelle im Zusammenhang mit dem Thema „Die Glaubenszeugin“ folgendermaßen:
„Die tiefste Dunkelheit dieses Glaubens erfährt sie unter dem Kreuz des Sohnes. Aber gerade ihr Ausharren unter dem Kreuz (während die meisten Jünger geflohen waren) bedeutet zugleich eine entscheidende Wende dieses Glaubens von der Dunkelheit zum Licht und von der Last zum Trost; denn das Wort des sterbenden Sohnes an die Mutter, das sie zur geistig-universalen Mutterschaft gegenüber allen Jüngern und der glaubenden Kirche beruft, ist eine Bestätigung und Erfüllung ihres Glaubens.“
Diese Arbeit trägt den Titel „Maria – Mutter und Urbild der Kirche“. Es soll hier herausgearbeitet werden, welche Stellung Maria in den Kirchen und Glaubensgemeinschaften der Ökumene besitzt. Mein besonderes Augenmerk bezieht sich hierbei auf die Lutherische Glaubensgemeinschaft. In einem ersten Teil möchte ich einen Überblick über die Sicht Martin Luthers über Maria geben. Danach betrachten wir Maria in der evangelischen Theologie der Gegenwart. In einem abschließenden Fazit möchte ich Möglichkeiten aufzeigen, wie Maria gemeinsam als Mutter und Urbild der Kirche gesehen bzw. verehrt werden kann.
Inhaltsverzeichnis
- EINLEITUNG
- DIE SICHT MARIENS AUS DER PERSPEKTIVE MARTIN LUTHERS
- Die Sicht Mariens in den synoptischen Evangelien
- Maria im Urteil Luthers
- MARIA IN DER EVANGELISCHEN THEOLOGIE DER GEGENWART
- Mariologie in dialektischer und christozentrischer Theologie an den Thesen Karl Barths und Emil Brunners
- Karl Barth
- Emil Brunner
- Maria in der lutherischen Theologie
- Mariologie in dialektischer und christozentrischer Theologie an den Thesen Karl Barths und Emil Brunners
- MARIA - MUTTER UND URBILD DER KIRCHE CHRISTI: MÖGLICHKEITEN EINER ÖKUMENISCHEN MARIENVEREHRUNG
- FAZIT
- LITERATURVERZEICHNIS
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit der Stellung Mariens in der Ökumene, insbesondere aus der Perspektive der lutherischen Glaubensgemeinschaft. Ziel ist es, die Sicht Martin Luthers auf Maria zu beleuchten, die Entwicklung der Marienverehrung in der evangelischen Theologie der Gegenwart zu analysieren und Möglichkeiten einer ökumenischen Marienverehrung aufzuzeigen.
- Die Sicht Martin Luthers auf Maria
- Die Entwicklung der Marienverehrung in der evangelischen Theologie der Gegenwart
- Möglichkeiten einer ökumenischen Marienverehrung
- Die Rolle Mariens als Mutter und Urbild der Kirche
- Die Bedeutung der Marienverehrung in der Ökumene
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt die Thematik der Hausarbeit vor und erläutert die Relevanz der Stellung Mariens in der Ökumene. Sie führt in die Thematik ein und gibt einen Überblick über die Struktur der Arbeit.
Das erste Kapitel befasst sich mit der Sicht Martin Luthers auf Maria. Es analysiert die Rolle Mariens in den synoptischen Evangelien und beleuchtet Luthers eigene Interpretation und Bewertung der Marienverehrung. Dieses Kapitel untersucht, wie Luther die Marienverehrung im Kontext seiner Zeit und seiner eigenen Theologie verstand.
Das zweite Kapitel widmet sich der Marienverehrung in der evangelischen Theologie der Gegenwart. Es analysiert die Ansätze von Karl Barth und Emil Brunner und untersucht, wie die lutherische Theologie die Rolle Mariens in der heutigen Zeit interpretiert. Dieses Kapitel beleuchtet die verschiedenen Perspektiven und Debatten innerhalb der evangelischen Theologie zum Thema Maria.
Schlüsselwörter
Die Schlüsselwörter und Schwerpunktthemen des Textes umfassen Maria, Ökumene, Luther, evangelische Theologie, Marienverehrung, Mutter der Kirche, Urbild der Kirche, christozentrische Theologie, dialektische Theologie, Karl Barth, Emil Brunner, Synoptische Evangelien, Protoevangelium, Theotokos-Dogma, Magnifikat, Ave Maria.
Häufig gestellte Fragen zu Maria in der Ökumene
Wie sah Martin Luther die Rolle Mariens?
Luther schätzte Maria als Vorbild des Glaubens und der Demut, lehnte jedoch übertriebene Anbetung ab, die Christus als einzigen Mittler in den Hintergrund rücken könnte.
Was bedeutet Maria als „Urbild der Kirche“?
Es beschreibt Maria als erste Glaubende, die beispielhaft für die gesamte Gemeinschaft der Christen steht.
Welche Positionen vertreten Karl Barth und Emil Brunner zur Mariologie?
Barth und Brunner entwickelten eine christozentrische Theologie, in der Maria zwar gewürdigt wird, aber streng unter die Heilsbedeutung Christi gestellt wird.
Gibt es Möglichkeiten für eine ökumenische Marienverehrung?
Die Arbeit zeigt Wege auf, wie Maria gemeinsam als Mutter der Gläubigen und Zeugin des Evangeliums verehrt werden kann, ohne konfessionelle Trennungen zu vertiefen.
Was ist die Bedeutung des „Magnifikat“ in diesem Kontext?
Das Magnifikat wird als Marias Lobpreis Gottes analysiert, der sowohl in der katholischen als auch in der lutherischen Tradition einen hohen Stellenwert hat.
- Quote paper
- Martin Baier (Author), 2008, Maria - Mutter und Urbild der Kirche, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114650