In dieser Arbeit soll der Fokus auf eine der zahlreichen Varietäten der Alltagskommunikation gelegt werden, nämlich der Jugendsprache, und anhand des Jugendmagazins „BRAVO“ das Vorhandensein beziehungsweise eine etwaige Zunahme einer gendergerechteren Sprache im diachronen Verlauf von 30 Jahren festgestellt werden. Seit Bekanntmachung der Genderproblematik in den frühen Siebziger Jahren durch die Pionierinnen Senta Trömel-Plötz und Luise Pusch hat sich definitiv einiges in Bezug auf eine gendergerechtere Sprache getan, aber nichtsdestotrotz wird bis heute immer wieder heftig und emotional darüber debattiert, inwiefern die Forderungen der Sprachkritikerinnen, nämlich eine androzentrische Verwendung der deutschen Sprache durch eine neutrale, Frauen-inkludierende Sprech- und Schreibweise zu substituieren, um auch Frauen in der Sprache zu repräsentieren, bislang von Erfolg gekrönt gewesen sein mochten.
Eine erste (wenn auch etwas kritisch zu sehende) Antwort auf diese Frage lieferte in den frühen Zweitausenderjahren Trömel-Plötz dann selbst, als sie den angeblichen Erfolg der Sprachaktivistinnen resümierte und behauptete, in Deutschland müsse eine Notwendigkeit sprachlicher Gleichbenennung nicht mehr diskutiert werden, denn die praktische Umsetzung sprachlicher Gleichheit gehe in den Kommunen ihren nun natürlichen Gang (vgl. Trömel-Plötz 2004: 641). Im Lichte der nach wie vor geführten, öffentlichen Kontroversen bezüglich einer etwaigen Wichtig- und Richtigkeit der gendergerechten Sprache kann man ihr hier aber allenfalls einen Erfolg auf administrativer, teils politischer Ebene eingestehen. Keinesfalls jedoch ist die alltägliche Kommunikation untereinander, in den Schulen, in der Werbung oder auch die Mediensprache selbst bereits durchgehend und konsequent von einer gendergerechten Sprache geprägt.
Fast 20 Jahre sind seit dieser ‚Zukunftsprognose‘ im Jahre 2004 nun vergangen und vor dem Hintergrund einer aktuell eher ablehnenden gesellschaftlichen Grundhaltung zum Thema gendergerechter Sprache, bietet es sich daher geradezu an, einen genaueren Blick auf den Status-Quo-Zustand zu werfen, um zu eruieren, ob Trömel-Plötz mit ihrer Prognose wohl Recht behalten haben mochte.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Die feministische Linguistik – Gegenstand und (sprach)historische Meilensteine
- Untersuchungsgegenstand: Das Jugendmagazin „BRAVO“
- Empirische Untersuchung: die diachrone Verwendung von gendergerechter Sprache im Jugendmagazin „BRAVO“
- „BRAVO“ 01/1991 (27. Dezember 1990): Korpus 1 „BRAVO 1991“
- „BRAVO“ 09/2021 (21. Juli 2021): Korpus 2 „BRAVO 2021“
- Schlussgedanken
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und dem Stand von gendergerechter Sprache im Jugendmagazin „BRAVO“. Ziel ist es, durch eine diachrone Analyse von Textkorpora aus den Jahren 1991 und 2021 herauszufinden, inwiefern die Verwendung von gendergerechter Sprache in dieser Zeitspanne zugenommen hat oder ob sich weiterhin ein traditioneller Sprachgebrauch ohne genderspezifische Adaptionen durchsetzt.
- Die Rolle der feministischen Linguistik im Sprachwandel
- Die Repräsentation von Frauen und anderen Geschlechtsidentitäten in der Sprache
- Der Einfluss von Jugendmagazinen auf die Sprachentwicklung
- Die Bedeutung von gendergerechter Sprache in der jugendlichen Kommunikation
- Die Herausforderungen und Chancen einer gendergerechten Sprachkultur
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt die Forschungsfrage und die Relevanz des Themas vor. Kapitel 2 beleuchtet die Geschichte und die Ziele der feministischen Linguistik. Kapitel 3 stellt das Jugendmagazin „BRAVO“ als Untersuchungsgegenstand vor. Kapitel 4 umfasst die empirische Untersuchung der Verwendung von gendergerechter Sprache in den Textkorpora, aufgeteilt in die beiden Zeiträume 1991 und 2021. Das Fazit in Kapitel 5 diskutiert die Ergebnisse der Untersuchung und bewertet die Entwicklung der gendergerechten Sprache in der Jugendsprache im Kontext des Gesamtsprachwandels.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit Themen wie gendergerechter Sprache, feministische Linguistik, Jugendsprache, Sprachwandel, Sprachkritik, Jugendmagazine, generisches Maskulinum, Diachronie, BRAVO, Gendersternchen, Gender-Unterstrich, Queer-Theorie und Sprachkultur.
Häufig gestellte Fragen
Wie hat sich die gendergerechte Sprache im Magazin BRAVO entwickelt?
Die Arbeit untersucht diachron über einen Zeitraum von 30 Jahren (1991 bis 2021), inwiefern gendergerechte Sprache im Jugendmagazin zugenommen hat.
Was ist der Fokus der feministischen Linguistik in dieser Arbeit?
Sie betrachtet die Repräsentation von Frauen in der Sprache und die Forderung, das androzentrische generische Maskulinum durch neutrale oder inklusive Formen zu ersetzen.
Wer sind die Pionierinnen der Genderproblematik in der Sprache?
Senta Trömel-Plötz und Luise Pusch gelten als Wegbereiterinnen, die bereits in den frühen siebziger Jahren auf die sprachliche Benachteiligung von Frauen aufmerksam machten.
Wurde das Ziel der sprachlichen Gleichberechtigung laut der Studie erreicht?
Während administrative Fortschritte erzielt wurden, ist die Alltagskommunikation und Mediensprache noch nicht durchgehend von gendergerechten Formen geprägt.
Welche konkreten sprachlichen Mittel werden analysiert?
Die Untersuchung umfasst Themen wie das generische Maskulinum, Gendersternchen, den Gender-Unterstrich und die Queer-Theorie.
- Quote paper
- Jannik Streeb (Author), 2021, Gendergerechte Sprache in der Jugendsprache, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1145798