Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Sport - Sport Sociology

Die Wirkung des Sports bei der Integration von Migrant(inn)en im Spannungsfeld von Minderheitenbildung und Assimilation

Title: Die Wirkung des Sports bei der Integration von Migrant(inn)en im Spannungsfeld von Minderheitenbildung und Assimilation

Diploma Thesis , 2007 , 142 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Fabian Heinl (Author)

Sport - Sport Sociology
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Kontroverse Debatten um Integrationsfragen sind dauerpräsent in den deutschen Medien: „Ehrenmorde“, Zwangsehen, Hilferufe von Lehrern aus ethnischen Kolonien in Berlin, oder Ausschreitungen in den Pariser Vorstädten lieferten hier medienwirksame Anlässe. Integration ist ein gesellschaftspolitisches Thema, das immer dann in den Fokus der Öffentlichkeit rückt, wenn Defizite in der Eingliederungspolitik sichtbar werden.
Die Diskussionen sind dabei häufig von Gemeinplätzen begleitet. Je nach Einschätzung der Integrationssituation werden Parallelgesellschaften angeprangert oder Multi-Kulti-Utopien beschworen. Als Reaktion auf die angespannte Lage zwischen ethnischen Minderheiten und Mehrheitsgesellschaft, berufen sich Politiker gerne auf den Sport.
Die Welt des Sports ist eine bunte. In den Nationalmannschaften Deutschlands sind Sportler jeglicher Hautfarbe vertreten. Fußballnationalspieler, mit Namen, wie Asamoah, Klose und Odonkor sind gefeierte Stars. Der Sport ist ein positiv besetzter Lebensbereich und verleitet Funktionäre und Politiker auf der Jagd nach Wählerstimmen dazu ihn als das ideale Integrationsmedium anzupreisen:

„Sport ist nicht Mittel zur Integration, Sport ist Integration“ (DOSB 2007)

Dieses Zitat von DOSB-Präsident Thomas Bach ist nur eines von zahlreichen Bei-spielen. Insbesondere dem organisierten Sport werden dabei positive soziale Funktionen zugeschrieben. Den wissenschaftlichen Beleg bleiben die Betroffenen schuldig.
Was also kann der Sport tatsächlich leisten? Wo liegt, jenseits leerer Floskeln, sein Potential und wo birgt er Risiken?
Die Staatsministerin für Integration, Maria Böhmer erklärt:

"Sport ist einer der wichtigsten Integrationsmotoren in unserem Land" (Bundesregierung 2007)

Derartige Statements implizieren einerseits, dass eine hohe Sportbeteiligung der Migranten gegeben sei und anderseits eine quasi automatische Eingliederungsgarantie durch die sportliche Teilnahme gewährleistet würde. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

1.1 Problemstellung - Zielsetzung

2. MIGRANTEN IN DEUTSCHLAND

2.1 Der lange Weg in das Einwanderungsland Deutschland

2.2 Migrantensozialisation – Zwischen Aufnahme- und Herkunftsgesellschaft

2.2.1 Familie im Wandel

2.2.2 Identitätsfindung

3. PARTIZIPATIONSFORMEN VON MIGRANTEN AM ORGANISIERTEN SPORT?

3.1. Gesellschaftliche Partizipation der ethnischen Minderheiten allgemein und im Sport

3.2. Die Integration von Migranten in deutschen Sportvereinen

3.2.1 Das Programm „Integration durch Sport“

3.2.2 Fazit

3.3 Die Integration von Migranten in eigenethnischen Sportvereinen

3.3.1 Entstehung, Funktionen und Dysfunktionen Ethnischer Kolonien

3.3.2 Entstehungsprozesse eigenethnischer (Sport)Vereine

3.3.3 Der eigenethnische Verein: Integrationshindernis oder Mittel zur Binnenintegration?

3.3.4 Gründe für einen Wechsel in den eigenethnischen Verein

3.3.5 Fazit

3.4 Migrantinnen – Sportinteressiert doch sportabstinent

3.4.1 Lebenslagen muslimischer Frauen in Deutschland und deren Auswirkungen auf das Sportengagement

3.4.2 Sportengagement bei türkischen Muslima – Ein Drahtseilakt zwischen zwei Welten

3.4.3 Modellprojekte zur Integration von Migrantinnen im und durch den Sport

3.4.4 Fazit

4. ETHNISCH-KULTURELLE KONFLIKTE IM SPORT

4.1 Ursachen für ethnisch-kulturelle Konflikte im Sport

4.1.1 Das Problem der körperlichen Fremdheit

5. EXKURS: WANN IST MAN INTEGRIERT?

5.1 Ausgewählte Theorien aus der Migrationsforschung

5.1.1. Die Assimilationstheorie von Milton M. Gordon

5.1.2 Die Assimilationstheorie von Hartmut Esser

6. MÖGLICHKEITEN UND GRENZEN DES SPORTS BEI DER INTEGRATION VON MIGRANTEN

6.1 Potentiale und Risiken des Sports als Feld sozialer Integration

6.2 Wie kann der Sport(verein) sein integratives Potential entfalten?

6.2.1 Interkulturelles Lernen in multikulturellen Gesellschaften

6.2.2. Interkulturelles Lernen im Sport

6.2.3 Voraussetzungen für interkulturelles Lernen im Sport

7. ANGEWANDTE SOZIALFORSCHUNG: DER EIGENETHNISCHE VEREIN: INTEGRATION ODER SEGREGATION?

7.1 Untersuchungsinstrument

7.2 Inhalt der Untersuchung

7.3 Auswahl der Befragten

7.4 Durchführung der Interviews

7.5 Auswertungsmethode

7.6 Interpretative Darstellung der Untersuchungsergebnisse

7.6.1 Erfahrungen der türkischen Befragten im deutschen Fußballverein

7.6.2 Gründe für den Wechsel in den eigenethnischen Verein

7.6.3 Konflikte zwischen deutschen und türkischen Mannschaften

7.6.4 Der Einfluss von Schiedsrichtern, Fußballverband und Sportamt auf die interethnischen Beziehungen

7.6.5 Der türkische Sportverein: Integration vs. Segregation

7.6.6 Mädchen/Frauenmannschaft

7.6.7 Integration in Deutschland

7.6.8 Die Zukunft des eigenethnischen Vereins: Entwicklung und Wünsche

7.7 Diskussion der Ergebnisse

8. FAZIT UND AUSBLICK

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der Integration von Migranten im organisierten Sport und den Tendenzen zur Minderheitenbildung durch die Gründung eigenethnischer Vereine. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, inwieweit der Sport tatsächlich als Integrationsmedium fungieren kann und welche Rolle dabei die Organisationsstruktur von Vereinen, interethnische Konflikte sowie soziokulturelle Faktoren spielen.

  • Sozialisationsprozesse von Migranten in der Aufnahmegesellschaft
  • Partizipationsformen von Migranten im organisierten Sport
  • Integrationspotentiale und Segregationsrisiken eigenethnischer Sportvereine
  • Ursachen für ethnisch-kulturelle Konflikte im Sport (insb. im Fußball)
  • Herausforderungen und Modellprojekte für das Sportengagement von Migrantinnen

Auszug aus dem Buch

3.3.1 Entstehung, Funktionen und Dysfunktionen Ethnischer Kolonien

Eine Alternative zur Mitgliedschaft im deutschen Verein, stellen für Migranten die eigenethnischen Vereine dar. Bevor man sich mit dem eigenethnischen Sportverein auseinandersetzt ist es unabdingbar sich mit der ethnischen Kolonie zu beschäftigen, da die Migrantenvereine nur eine Institution dieser Kolonie darstellen.

Nach HECKMANN entstehen ethnische Kolonien als institutionelle Antwort auf die Bedürfnisse der Migranten in der Migrations- und Minderheitensituation. Die ethnischen Kolonien bieten Schutz vor den Unsicherheitsmomenten, die durch Migration entstehen können (Vgl. Heckmann 1992, 98). Eine aversive Grundhaltung der Mehrheitsgesellschaft fördert dabei die Herausbildung einer kollektiven Identität (Vgl. Hadeed 2005, 25). Für Neuankömmlinge bedeutet dies, dass Ihnen der „Kulturschock“ zum Teil erspart bleibt, da sie bestimmte Elemente des Vertrauten aus ihrem Herkunftskontext wiederfinden. Zugleich bietet ihnen die Ethnische Kolonie bestimmte praktische, kognitive und emotive Anpassungshilfen.

Sie kann das Bedürfnis nach primärgruppenhaften Beziehungen befriedigen. Sei es durch Kettenwanderung verpflanzte Verwandtschafts- und Nachbarschaftsbeziehungen, religiöse Gemeinden oder ethnische Vereine. All diese Strukturelemente der Ethnischen Kolonie bieten die Möglichkeit die Herkunftskultur zu praktizieren und einer eigenkulturellen Gruppe anzugehören, was eine wichtige Voraussetzung für die Identitätssicherung bzw. die Identitätsrekonstruktion ist. Dies führt zur Stabilisierung der Persönlichkeit. Die Wanderungsprozesse und die Akkulturation an die neue Gesellschaft stellen für die Zuwanderer der ersten Generation gewissermaßen eine zweite Sozialisation dar, die mit starkem Lern- und Anpassungsdruck verbunden ist. Die Möglichkeit sich in eigenkulturellen Strukturen zu bewegen bedeutet eine Entlastung von diesem Druck.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die Debatte um die integrative Kraft des Sports und stellt die zentrale Forschungsfrage nach den Möglichkeiten und Risiken für Migranten.

2. MIGRANTEN IN DEUTSCHLAND: Dieses Kapitel zeichnet den historischen Kontext von Zuwanderungsprozessen nach und analysiert Sozialisations- sowie Identitätsfindungsprozesse bei Migranten.

3. PARTIZIPATIONSFORMEN VON MIGRANTEN AM ORGANISIERTEN SPORT?: Es werden die verschiedenen Organisationsformen im Sport untersucht, wobei insbesondere auf deutsche Sportvereine, eigenethnische Vereine und das spezifische Engagement von Migrantinnen eingegangen wird.

4. ETHNISCH-KULTURELLE KONFLIKTE IM SPORT: Hier werden die Ursachen für Konflikte im Sportumfeld analysiert, wobei besonders das Problem der körperlichen Fremdheit und interethnische Spannungen im Fußball betrachtet werden.

5. EXKURS: WANN IST MAN INTEGRIERT?: Der Exkurs definiert den Begriff der Integration theoretisch und diskutiert klassische Assimilationsansätze von Gordon und Esser.

6. MÖGLICHKEITEN UND GRENZEN DES SPORTS BEI DER INTEGRATION VON MIGRANTEN: Dieses Kapitel diskutiert das Potential von Sport zur interkulturellen Verständigung und die Voraussetzungen für gelingendes interkulturelles Lernen.

7. ANGEWANDTE SOZIALFORSCHUNG: DER EIGENETHNISCHE VEREIN: INTEGRATION ODER SEGREGATION?: Der Hauptteil präsentiert eine qualitative Untersuchung am Beispiel des Fußballvereins Hilalspor, um praktische Erkenntnisse über Integration und Segregation zu gewinnen.

8. FAZIT UND AUSBLICK: Das Fazit fasst die Kernergebnisse zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit, Sportvereine bei ihrer Integrationsarbeit finanziell und personell besser zu unterstützen.

Schlüsselwörter

Integration, Migration, organisierter Sport, Sportverein, eigenethnische Vereine, Fußball, Assimilation, Akkulturation, interkulturelles Lernen, Minderheitenbildung, Sozialisation, ethnische Kolonie, Identitätsfindung, Migrantinnen, interethnische Konflikte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Rolle des Sports bei der Integration von Migranten in Deutschland. Dabei wird untersucht, ob der Sport tatsächlich ein "Integrationsmotor" ist oder ob er durch Strukturen zur Minderheitenbildung und Segregation eher Konflikte fördert.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die Migrationsgeschichte, die Bedeutung von Identitätsfindung, die Partizipation in verschiedenen Vereinsformen, die Entstehung interethnischer Konflikte im Sport sowie die besonderen Herausforderungen für Migrantinnen.

Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, das Potential und die Risiken des organisierten Sports für die Integration zu hinterfragen. Die Kernfrage lautet, inwieweit Sportvereine zur sozialen Integration beitragen und wo ihre Grenzen in einer Einwanderungsgesellschaft liegen.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor führt eine angewandte Sozialforschung mittels qualitativer Leitfaden-Interviews durch. Als Fallbeispiel dient der Berliner Fußballverein Hilalspor, bei dem Experten (Trainer und Jugendleiter) befragt wurden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden sowohl theoretische Konzepte der Migrationsforschung und Assimilation erläutert als auch eine praxisnahe, interpretative Darstellung der Untersuchungsergebnisse präsentiert, die sich auf konkrete Erfahrungen der Befragten im Sportbetrieb stützt.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Integration, Segregation, eigenethnische Vereine, Identitätsbildung, interkulturelles Lernen und der soziologische Begriff des Habitus nach Bourdieu.

Warum wechseln viele türkischstämmige Jugendliche in eigenethnische Vereine?

Die Untersuchung zeigt, dass dies oft weniger durch Diskriminierung begründet ist, sondern durch den Wunsch nach einem familiären Umfeld, flexiblen Beitragsregeln und die Chance für ältere Spieler, länger auf einem gewissen Leistungsniveau aktiv zu bleiben.

Wie bewerten die befragten Akteure die Rolle der Schiedsrichter?

Die befragten Vereinsmitglieder sehen in Schiedsrichterentscheidungen häufig einen auslösenden Moment für Konflikte. Sie fühlen sich oft benachteiligt und unsensibel behandelt, fordern jedoch gleichzeitig mehr interkulturelle Kompetenz und Schulungen für die Unparteiischen.

Ist die Gründung eigenethnischer Vereine ein Beleg für Integrationsunwilligkeit?

Nein. Laut der Arbeit ist die Gründung dieser Vereine eine legitime Antwort auf die Defizite in der Vereinslandschaft der Aufnahmegesellschaft. Sie bieten Migranten eine wichtige Identifikationsbasis, leisten jedoch ihren Beitrag zur Integration, sofern die Vereinsführung offen für den Austausch ist.

Excerpt out of 142 pages  - scroll top

Details

Title
Die Wirkung des Sports bei der Integration von Migrant(inn)en im Spannungsfeld von Minderheitenbildung und Assimilation
College
Humboldt-University of Berlin
Grade
1,3
Author
Fabian Heinl (Author)
Publication Year
2007
Pages
142
Catalog Number
V114483
ISBN (eBook)
9783640150274
Language
German
Tags
Wirkung Sports Integration Migrant(inn)en Spannungsfeld Minderheitenbildung Assimilation
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Fabian Heinl (Author), 2007, Die Wirkung des Sports bei der Integration von Migrant(inn)en im Spannungsfeld von Minderheitenbildung und Assimilation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114483
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  142  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint