Diese Arbeit beschäftigt sich mit den folgenden Fragen: Nimmt Ulm damit eine Ausnahmestellung im Vergleich mit gesellschaftlich ähnlich strukturierten Kommunen ein oder spiegeln nicht zuletzt die Wahlerfolge der NSDAP lediglich eine überregionale Situation wider? Welches waren die Triebfedern der gärenden Judenfeindschaft der in der Stadt? Welche frühen Entwicklungen können als Wegbereiter für die Katastrophe des Dritten Reiches gedeutet werden?
Schon lange bevor Antisemitismus und völkische Ideologie zum staatstragenden Dogma des sogenannten "Dritten Reiches" erhoben wurden, traf diese Geisteshaltung auf vielfache positive Resonanz in den Köpfen der Bevölkerung. Gerade die Feindlichkeit gegenüber Juden, welche im christlichen Europa auf eine lange, beschämende Tradition zurückgreifen kann, mutierte im Zeitalter von deutscher Reichsgründung und Historizismus von einer bislang religiösen Konnotation hin zu einer völkisch-rassisch determinierten Variante. Zwar erreichte diese Form des Antisemitismus in der Kaiserzeit sowie in der Weimarer Republik nicht die Brutalität und Radikalität, welcher die jüdische Bevölkerung nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten ausgeliefert waren, allerdings kann dargelegt werden, dass die geistigen Ansätze bereits in der Gesellschaft vorhanden waren und nur noch auf einen Abruf warteten. Auch im Untersuchungsraum dieser Arbeit, der württembergischen Stadt Ulm, waren judenfeindliche Strömungen und Tendenzen anfangs vor allem in Verbindung mit der dortigen Garnison zu beobachten. Zusammen mit dem ebenfalls durch Kasernen und Militär dominierten bayerischen Neu-Ulm bildete die Doppelstadt einen prädestinierten Nährboden für zunächst republikfeindliches, später völkisch-rassisches Gedankengut.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 1.1. Zu Untersuchungsraum und Quellenlage
- 1.2. Methodische Vorgehensweise
- 2. Rassischer Antisemitismus im Reich und im Untersuchungsgebiet
- 2.1. Abriss der Geschichte des Antisemitismus in Deutschland
- 2.2. Die Situation in Ulm
- 3. Tragende Parteien und Verbände des Antisemitismus
- 3.1. Rechte Propaganda und Agitation im Untersuchungsraum während der Weimarer Republik
- 3.2. Das Schwabenbanner : republikfeindlicher Wehrverein
- 3.3. Speerspitze der frühen NSDAP : Wilhelm Dreher
- 3.4. Die Entstehung der NSDAP-Ortsgruppen Ulm und Neu-Ulm
- 3.5. Wahlverhalten und Parteiarbeit in Ulm und Neu-Ulm zu Zeiten der Weimarer Republik
- 4. Die lokale Entwicklung des Antisemitismus in den Folgejahren
- 5. Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Entwicklung des Antisemitismus in den Städten Ulm und Neu-Ulm während der Weimarer Republik. Das Ziel ist es, die Ursachen und Triebkräfte dieser Entwicklung zu beleuchten und die Rolle der lokalen Akteure zu analysieren.
- Die Geschichte des Antisemitismus in Deutschland
- Die Situation in Ulm und Neu-Ulm während der Weimarer Republik
- Die Rolle von Parteien und Verbänden
- Die Entwicklung des Antisemitismus in den Folgejahren
- Die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt den Untersuchungsraum und die Quellenlage vor. Außerdem wird ein Abriss der Geschichte des Antisemitismus in Deutschland gegeben. Das zweite Kapitel analysiert die Situation in Ulm während der Weimarer Republik. Das dritte Kapitel untersucht die Rolle von Parteien und Verbänden, wie das Schwabenbanner und die NSDAP, in der Verbreitung des Antisemitismus. Das vierte Kapitel befasst sich mit der Entwicklung des Antisemitismus in den Folgejahren.
Schlüsselwörter
Die Arbeit konzentriert sich auf die Themen Antisemitismus, Weimarer Republik, Ulm, Neu-Ulm, NSDAP, Schwabenbanner, Propaganda, Agitation, Weltwirtschaftskrise.
Häufig gestellte Fragen
Wie entwickelte sich der Antisemitismus in Ulm während der Weimarer Republik?
Der Antisemitismus wandelte sich von einer religiösen hin zu einer völkisch-rassischen Ideologie, die besonders in Garnisonsstädten wie Ulm und Neu-Ulm auf Resonanz stieß.
Welche Rolle spielte die NSDAP-Ortsgruppe in Ulm?
Frühe Agitatoren wie Wilhelm Dreher trieben die Entstehung der Ortsgruppen voran und bereiteten den Boden für die späteren Wahlerfolge der Nationalsozialisten.
Was war das „Schwabenbanner“?
Das Schwabenbanner war ein republikfeindlicher Wehrverein, der als Träger rechter Propaganda und völkischen Gedankenguts in der Region agierte.
Hatte Ulm eine Ausnahmestellung im Vergleich zu anderen Städten?
Die Arbeit untersucht, ob die Entwicklungen in Ulm spezifisch lokal waren oder lediglich den überregionalen Trend der Radikalisierung widerspiegelten.
Welchen Einfluss hatte die Weltwirtschaftskrise auf den lokalen Antisemitismus?
Die Krise verstärkte die soziale Not und machte die Bevölkerung empfänglicher für die Agitation der NSDAP und die Suche nach Sündenböcken.
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- Ralph Manhalter (Author), 2021, Antisemitismus und Entstehung der NSDAP in Ulm und Neu-Ulm während der Weimarer Republik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1143111