Kooperation zwischen Lehrkräften und Schulsozialarbeit, das wohl wichtigste Thema dieses Berufsfeldes.
In dieser Hausarbeit werden vier möglichen Kooperationsmodelle vorgestellt sowie der Augenmerk auf mögliche Kooperationsbarrieren gelegt.
Das Handlungsfeld der Schulsozialarbeit hat in den letzten Jahrzehnten zunehmend an Bedeutung gewonnen. Während im Jahr 1998 gerade einmal insgesamt 755 Personen in der gesamten Bundesrepublik Deutschland in diesem Bereich tätig waren, erhöhte sich dies innerhalb von 12 Jahren um knapp das Vierfache auf 3025 Schulsozialarbeiter*innen im Jahr 2010. Hinzu kommt, dass verschiedene Bundesländer Förderprogramme ins Leben gerufen haben, um die Schulsozialarbeit spezifisch zu fördern. So stellt das Bundesland Baden-Württemberg beispielsweise seit 2012 jährlich 15 Millionen Euro, seit 2014 sogar 25 Millionen Euro, zur Mitfinanzierung von Schulsozialarbeit im Rahmen des „Paktes für Familien mit Kinder“ zur Verfügung. Dies hat zur Folge, dass in den letzten Jahren eine Vielzahl an Stellen im Bereich der Schulsozialarbeit geschaffen wurde beziehungsweise auch in den kommenden Jahren geschaffen werden und somit immer mehr Fachkräfte der Sozialen Arbeit Anstellungen in der Schulsozialarbeit annehmen. Die Sozialarbeiter*innen, die diese Stellen antreten werden beziehungsweise schon angetreten haben, kommen in ihrem Berufsalltag zwangsläufig mit Lehrkräften in Berührung und müssen höchstwahrscheinlich auch mit ihnen gemeinsame Projekte durchführen und somit mit ihnen kooperieren. Seithe konstatierte bereits 1998 in ihrem Abschlussbericht „Jugendarbeit an Thüringer Schulen“, dass der Erfolgsgrad eines Projektes der Schulsozialarbeit, ausgenommen der Einzelfallhilfe für sozial benachteiligte und/oder psychisch belastete Kinder und Jugendliche, maßgeblich von dem verwirklichten Ausmaß und der Qualität der Zusammenarbeit zwischen den Lehrkräften und den Schulsozialarbeiter*innen beeinflusst wird. Dies wirft die Frage auf, wie in der Schulsozialarbeit Kooperation mit Lehrkräften gelingen kann.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2. Schulsozialarbeit
2.1 Definition und Begriffsklärung
2.2 Rechtsgrundlage
2.3.Aufgabenfelder
3. Kooperationsmodelle
3.1 Distanzmodell
3.2 Integrations-/Subordinationsmodell
3.3 Kooperative Modelle
3.4 Delegatives Kooperationsmodell
4. Kooperationsbarrieren und Möglichkeiten, diese zu beseitigen
5. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedingungen für eine gelingende Zusammenarbeit zwischen Schulsozialarbeit und Lehrkräften an Schulen. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie Kooperation trotz unterschiedlicher Berufsrollen, Organisationsstrukturen und bestehender Barrieren erfolgreich gestaltet werden kann, um eine qualitativ hochwertige Unterstützung für Kinder und Jugendliche zu gewährleisten.
- Definition und rechtliche Grundlagen der Schulsozialarbeit
- Analyse verschiedener Kooperationsmodelle (Distanz-, Integrations- und Kooperative Modelle)
- Identifikation und Kategorisierung von Hindernissen in der Zusammenarbeit
- Lösungsansätze zur Beseitigung von Kooperationsbarrieren
- Strategien zur Etablierung einer partnerschaftlichen Kommunikation und Arbeitsweise
Auszug aus dem Buch
3.1 Distanzmodell
Bei diesem Modell der Kooperation bleibt die Trennung der Bereiche Schule und Jugendhilfe weitgehend bestehen und beschreibt somit die ursprüngliche Kooperationsart beider Professionen. Damit erhält die Schulsozialarbeit zwar ein Höchstmaß an Autonomie, dementgegen bleibt sie aber bei Veränderungen im Schulsystem und dessen Abläufe weitgehend ausgeschlossen. Kontakt beider Parteien ist möglich, findet jedoch nur selten statt und wird meist im Voraus geplant, so dass spontane Treffen zu den Ausnahmen zählen. Die Transparenz beider Bereiche ist ebenfalls gering (vgl. KRÜGER 2009, S.158; SCHMIDTCHEN, 2005, S.50; SEITHE 1998, S46). Speck betont die sehr kritische Haltung, die Jugendhilfe und Schule in Bezug auf den jeweils anderen einnehmen, sowie die Kontaktlosigkeit als Hauptcharakteristika dieses Modells (vgl. 2014, S. 115).
Die unterschiedliche Sichtweisen und Haltungen von Seiten der Lehrkräfte und der sozialpädagogischen Fachkräfte veranlassten Seithe, dieses Modell 1998 weiter zu differenzieren und zwischen einem additiv-destruktiven und einem additiv-konstruktiven Kooperationsmodell zu unterscheiden.
Kennzeichnend für das additiv- destruktive Kooperationsmodell ist einerseits die Grundstimmung, die sich als überwiegend distanziert, misstrauisch und negativ zusammenfassen lässt sowie die nicht vorhandenen Berührungspunkte zwischen der Schulsozialarbeit und der Schule (vgl. SEITHE 1998, S.217).
Dementgegen steht das additiv- konstruktive Kooperationsmodell. Auch bei diesem Modell sind die Berührungspunkte nur spärlich, wenn überhaupt vorhanden, aber die Grundstimmung ist positiver, denn die Haltung der Schulsozialarbeiter*innen und Lehrkräfte ist geprägt von einer grundsätzlichen Akzeptanz der jeweils anderen Profession (vgl. SEITHE 1998, S. 217).
Beide Modelle werden meist dann im Alltag realisiert, wenn die Schulsozialarbeiter*innen freizeitpädagogische Projekte durchführen (vgl. SPECK 2014, S. 115).
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Dieses Kapitel führt in die steigende Bedeutung der Schulsozialarbeit ein und formuliert die zentrale Fragestellung, wie die Kooperation zwischen Sozialarbeitern und Lehrkräften gelingen kann.
2. Schulsozialarbeit: Hier werden Definitionen, die fehlende rechtliche Eindeutigkeit sowie die zentralen Aufgabenfelder der Schulsozialarbeit erörtert.
3. Kooperationsmodelle: Das Kapitel stellt verschiedene theoretische Modelle der Zusammenarbeit zwischen Schule und Jugendhilfe vor, von distanzierten bis hin zu kooperativen Ansätzen.
4. Kooperationsbarrieren und Möglichkeiten, diese zu beseitigen: Hier werden Ursachen für Zusammenarbeitsschwierigkeiten analysiert und konkrete Ansätze zur Verbesserung, wie etwa Kooperationsverträge, präsentiert.
5. Resümee: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer begrifflichen Klarheit sowie einer Angleichung der professionellen Rahmenbedingungen.
Schlüsselwörter
Schulsozialarbeit, Lehrkräfte, Kooperation, Jugendhilfe, Kooperationsmodelle, Distanzmodell, Integrationsmodell, Kooperationsbarrieren, Schulsystem, Professionalität, Schulentwicklung, Interdisziplinarität, Sozialpädagogik, Einzelfallhilfe, Kommunikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der professionellen Zusammenarbeit zwischen Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeitern sowie Lehrkräften im schulischen Kontext.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den Aufgabenfeldern der Schulsozialarbeit, den theoretischen Kooperationsmodellen und der Identifikation von Barrieren, die eine effektive Zusammenarbeit hemmen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie eine gelingende, partnerschaftliche Kooperation zwischen den beiden Professionen trotz struktureller Unterschiede ermöglicht werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert primär auf einer systematischen Literaturrecherche und der Analyse bestehender theoretischer Modelle und empirischer Erklärungsansätze.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsdefinition der Schulsozialarbeit, die Darstellung verschiedener Kooperationsmodelle nach Wulfers und Seithe sowie die detaillierte Untersuchung von Kooperationsbarrieren und entsprechenden Lösungsstrategien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Kooperation, Schulsozialarbeit, Kooperationsbarrieren, Schulentwicklung, Interdisziplinarität und professionelle Zusammenarbeit.
Was unterscheidet das Distanzmodell von den kooperativen Modellen?
Im Distanzmodell arbeiten Schule und Jugendhilfe weitgehend getrennt und autonom, während kooperative Modelle auf einem gleichberechtigten Informationsaustausch und gemeinsamer Problembearbeitung basieren.
Welche Rolle spielen Kooperationsverträge in der Praxis?
Sie dienen als schriftliche Grundlage und Orientierungshilfe, um Rechte, Pflichten und Arbeitsgrundsätze zwischen Schule und Trägern der Jugendhilfe verbindlich zu regeln.
Warum ist die getrennte Entwicklung der Institutionen ein Problem?
Die historische Trennung führt zu fehlenden Berührungspunkten in der Ausbildung und zu Informationsdefiziten, die gegenseitige Vorurteile begünstigen und eine fachliche Zusammenarbeit erschweren können.
- Quote paper
- Staatlich anerkannter Sozialarbeiter/Sozialpädagoge (B.A.) Tim Winkelmann (Author), 2018, Schulsozialarbeit: Wie kann Kooperation mit Lehrkräften gelingen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1139582