Diese Arbeit behandelt das Verhältnis von wissenschaftlichem Erkenntnisdrang und religiös konnotierten
Weltvorstellungen. Moralistische Autoren wie La Bruyère kommentieren den Widerspruch der Zeit. Ausgehend von Textauszügen der Caractères wird es die Aufgabe dieser Arbeit sein, Berührungspunkte der beiden Autoren anhand eines Vergleichs mit Textpassagen aus den Pensées zu extrapolieren, um dann in einem weiteren Schritt zu zeigen, wie verschieden sich die beiden Apologien gegenüber dem wissenschaftlichen Fortschritt verhalten. Für den Aufbau der Erörterungen bietet es sich an, zunächst den terminologischen Rahmen der Darstellung zu bestimmen sowie auch den sozio-historischen Kontext zu erläutern, in welchem die Werke der Autoren entstanden sind.
Im Mittelpunkt der Arbeit steht dabei die Suche nach den Schnittpunkten und Reibungsflächen der klassischen moralistischen Literatur einerseits und einer sich rasch verändernden Welt der Naturwissenschaften sowie dem damit zusammenhängenden Aufbrechen traditioneller philosophischer Denkmuster andererseits. Eine Suche, die um die Frage nach dem Zusammenhang von technischer Entwicklung, Naturerklärung und Glaube erweitert wird - eine Frage, die ein wesentlicher Bestandteil der Romane Cyranos und Fontenelles ist.
Bei dem Vorhaben, jene Schnittpunkte und Reibungsflächen sichtbar zu machen, muss berücksichtigt werden, dass es einer Abhandlung dieses Umfangs nicht möglich sein wird, sämtliche moralistischen Autoren mit den Aussagen auch nur der bekanntesten Naturforscher oder liberalen Denker zu vergleichen und die auftretenden Gemeinsamkeiten und Widersprüche zu analysieren. Da insbesondere die Auseinandersetzung zwischen christlicher Religion und den Vertretern ‚moderner’ Naturerforschung prägend für das Jahrhundert ist, stehen apologetische Aussagen zweier Autoren im Fokus der Arbeit, die als Repräsentanten der klassischen französischen Moralistik gelten: La Bruyère und Blaise Pascal.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Klassische Moralistik
- Französische Klassik
- Französische Moralistik im Frankreich des 17. Jahrhunderts
- Die Pensées und die Caractères
- Die wissenschaftliche Revolution
- Die Problematik der Terminologie
- Zur Situation der Wissenschaften im 17. Jahrhundert
- Schlüsselfiguren der wissenschaftlichen Revolution
- Empirie, Teleskop und Mikroskop
- Wissenschaftliche Revolution im Spiegel der Literatur
- Literatur der libertins
- Fontenelles Entretiens
- Wissenschaft und libertins bei Pascal und La Bruyère
- Die Wissenschaften in den Pensées
- Die esprits forts bei La Bruyère
- Die Ordnung bei Pascal und La Bruyère
- Der Begriff der ,Ordnung'
- EF43
- EF44
- Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Schnittpunkte und Reibungsflächen zwischen der klassischen moralistischen Literatur des 17. Jahrhunderts und der sich rasant entwickelnden Welt der Naturwissenschaften. Im Zentrum steht die Frage nach dem Zusammenhang von technischer Entwicklung, Naturerklärung und Glauben, insbesondere im Kontext des Aufstiegs der „modernen“ Wissenschaften und der Verteidigung des christlichen Glaubens. Die Arbeit analysiert die apologetischen Aussagen von Blaise Pascal und Jean de La Bruyère, zwei herausragenden Vertretern der französischen Moralistik, und untersucht, wie sie auf den wissenschaftlichen Fortschritt reagierten.
- Der Einfluss der wissenschaftlichen Revolution auf die französische Moralistik
- Die Auseinandersetzung zwischen christlicher Religion und „moderner“ Naturerforschung
- Die Rolle der Ordnung und der Moral in den Pensées von Blaise Pascal und den Caractères von Jean de La Bruyère
- Die apologetischen Strategien von Pascal und La Bruyère im Angesicht des wissenschaftlichen Fortschritts
- Der Vergleich der Werke von Pascal und La Bruyère in Bezug auf ihre Reaktion auf den wissenschaftlichen Fortschritt
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung skizziert den historischen Hintergrund der Arbeit, der sich auf die Zeit zwischen dem Beginn und dem Ende des 17. Jahrhunderts in Frankreich konzentriert. Sie beschreibt die Auseinandersetzung zwischen den „Alten und den Modernen“ und die sich entwickelnde wissenschaftliche Revolution, die traditionelle Denkmuster in Frage stellte. Die Arbeit konzentriert sich auf die moralistische Literatur und die apologetischen Strategien von Pascal und La Bruyère angesichts des wissenschaftlichen Fortschritts.
Kapitel 2 beleuchtet die französische Klassik und die moralistische Literatur des 17. Jahrhunderts. Es analysiert die gattungstypologische Einordnung der Caractères von La Bruyère und der Pensées von Pascal und stellt die Unterschiede zwischen ihren apologetischen Strategien heraus.
Kapitel 3 geht auf die wissenschaftliche Revolution ein und untersucht die Situation der Wissenschaften im 17. Jahrhundert, die Schlüsselfiguren dieser Epoche und die Bedeutung von Empirie, Teleskop und Mikroskop für die wissenschaftliche Erkenntnis.
Kapitel 4 analysiert die Literatur der libertins und Fontenelles Entretiens, die Thesen der „modernen“ Philosophie und Naturerforschung verarbeiten. Es stellt die Bedeutung dieser Literatur für die Auseinandersetzung zwischen Religion und Wissenschaft im 17. Jahrhundert dar.
Kapitel 5 untersucht die Rolle der Wissenschaften in den Pensées von Pascal und bei La Bruyère. Es analysiert die apologetischen Strategien beider Autoren im Kontext der wissenschaftlichen Revolution und zeigt die unterschiedlichen Perspektiven auf die Beziehung zwischen Religion und Wissenschaft auf.
Kapitel 6 untersucht den Begriff der „Ordnung“ bei Pascal und La Bruyère. Es analysiert die Ordnungsprinzipien in ihren Werken und die Bedeutung von Moral und Glauben im Kontext des wissenschaftlichen Fortschritts.
Schlüsselwörter
Die Arbeit konzentriert sich auf die Themenbereiche der klassischen französischen Moralistik, der wissenschaftlichen Revolution, der apologetischen Strategien, der Ordnung, der Moral und des Glaubens. Sie untersucht die Werke von Blaise Pascal und Jean de La Bruyère im Kontext ihrer Zeit und analysiert die Reaktion dieser beiden Autoren auf den wissenschaftlichen Fortschritt. Weitere wichtige Schlüsselbegriffe sind Empirie, Teleskop, Mikroskop, Libertins, esprits forts, Pensées, Caractères, Querelle des Anciens et des Modernes.
Häufig gestellte Fragen
Wie beeinflusste die wissenschaftliche Revolution die Literatur des 17. Jahrhunderts?
Die Entdeckungen in der Naturwissenschaft stellten traditionelle Weltbilder in Frage und zwangen Autoren wie Pascal und La Bruyère dazu, das Verhältnis von Glaube und Vernunft neu zu bewerten.
Was ist das Hauptthema von Blaise Pascals "Pensées" in diesem Kontext?
Pascal setzt sich apologetisch mit dem christlichen Glauben auseinander und versucht, die Grenzen der menschlichen Vernunft angesichts der unendlichen Natur aufzuzeigen.
Wie reagiert La Bruyère in "Les Caractères" auf den Fortschritt?
La Bruyère kommentiert den Widerspruch seiner Zeit und analysiert die gesellschaftlichen Typen (esprits forts), die sich vom traditionellen Glauben abwenden.
Welche Rolle spielten Teleskop und Mikroskop für die Moralisten?
Diese Instrumente erweiterten die Wahrnehmung der Natur (das unendlich Große und Kleine) und dienten als Symbole für die neue empirische Wissenschaft, die das religiöse Weltbild herausforderte.
Was bedeutet der Begriff "Ordnung" in den Werken dieser Autoren?
Der Begriff bezieht sich auf die göttliche oder gesellschaftliche Struktur, die durch den wissenschaftlichen Erkenntnisdrang ins Wanken geriet und von den Moralisten verteidigt oder neu interpretiert wurde.
- Quote paper
- Robin Lackas (Author), 2006, Die wissenschaftliche Revolution im Spiegel der klassischen Moralistik. Ein Vergleich von La Bruyères "Les Caractères" und Blaise Pascals "Pensées", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1133682