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Objektiv-hermeneutische Sequenzanalyse: Interview mit einem Drogenabhängigen

Titel: Objektiv-hermeneutische Sequenzanalyse: Interview mit einem Drogenabhängigen

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2007 , 41 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Olga Herbel (Autor:in)

Pädagogik - Wissenschaftstheorie, Anthropologie
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Mittels der Rauschmittel wird versucht, der sozialen Wirklichkeit zu entfliehen, indem eine eigene Realität, eine Traumwelt aufgebaut wird. Wäre es anderen Menschen objektiv möglich, einen Blick in diese irreale geschaffene Welt der Suchtkranken zu werfen und dadurch ihre Vorstellung der Realität besser verstehen und nachvollziehen zu können, so wäre es möglicherweise einfacher, dem abhängigen Menschen zu helfen, seiner unechten Welt zu entfliehen. So wäre es vielleicht realisierbar, ihn dabei zu unterstützten, die von ihm erwünschte Realität in der sozialen Wirklichkeit ohne Drogen aufzubauen, anstelle mit Hilfe von Rauschmitteln in eine andere entfliehen zu müssen. Die vorliegende Arbeit hat sich aus diesem Grund zum Ziel gemacht, anhand einer durchgeführten Fallanalyse der Frage nachzugehen, wie diese Realitätsvorstellung von drogenabhängigen Menschen aussieht. Bei dem verwendeten Textmaterial handelt es sich um ein biografisches Interview. Die Befragung fand im Mai 2005 in einem Drogenhilfezentrum in Mainz statt. Diese Einrichtung bietet Menschen mit Drogen¬problemen eine vierwöchige Übernachtungsmöglichkeit und Beratungsgespräche an.

Das Interview wurde dort von einer Mitarbeiterin vorgenommen. Befragt wurde eine männliche drogenabhängige Person von 45 Jahren, welche die Einrichtung für einige Zeit aufgesucht hatte.

Die Analyse dieses Protokolls wird im Folgenden mittels des objektiv-hermeneutischen Verfahrens vorgenommen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Strukturanalyse des Interviews

2.1 Analyse der Interviewfrage

2.2 Analyse der Antwort

3 Fallstrukturhypothese

4 Kurzüberprüfung der Fallstrukturhypothese

4.1 Analyse einer neuen Textsequenz

4.2 Bestätigung der Fallstrukturhypothese

4.2.1 Analyse einer weiteren Textstelle

4.2.2 Bestätigung der Fallstrukturhypothese

5. Widerlegung der Fallstrukturhypothese

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, mittels einer objekt-hermeneutischen Fallanalyse die Realitätsvorstellung einer drogenabhängigen Person zu untersuchen und zu verstehen, wie diese ihr Leben und ihre Sucht wahrnimmt.

  • Analyse der biographischen Hintergründe und psychologischen Struktur des Interviewten.
  • Untersuchung von Vermeidungsstrategien und Sprachmustern im Interview.
  • Kritische Reflexion der Rolle von Drogen bei der Realitätsflucht.
  • Überprüfung und Widerlegung der aufgestellten Fallstrukturhypothese anhand konkreter Beispiele.

Auszug aus dem Buch

2.1 Analyse der Interviewfrage

Frage (Interviewer): Wie ist es gekommen, dass du drogenabhängig geworden bist? Erzähl mir das bitte von Beginn bis heute.

Auffällig ist zunächst, dass der Interviewer den Probanden mit „du“ adressiert. Mittels dieser persönlichen Anrede eröffnet sich die Frage, ob zwischen den beiden eine vertraute Beziehung und Nähe besteht, da sonst zu erwarten wäre, dass der Interviewer stattdessen „Sie“ benutzen würde. Die Verwendung des „du“ könnte aber auch darauf hinweisen, dass sich der Interviewer dem Befragten gegenüber überlegen fühlt und sich eher respektlos verhält, indem er sich sein Gegenüber durch diese Anrede praktisch unterstellt. Diese Vermutung würde sich auch in dem Adjektiv drogenabhängig widerspiegeln, das der Interviewer gleich zu Beginn zur näheren Beschreibung des Interviewte verwendet. Die Verwendung des Wortes „drogenabhängig“ verleiht dem Befragten einen schwachen und etwas unterwürfigen Charakter, da „Abhängigkeit“ andeutet, dass ein Mensch ohne eine gewisse Sache nicht existieren kann. Anstelle dieses Ausdrucks hätte der Interviewer die Frage auch anders formulieren können wie beispielsweise: „Wie ist es gekommen, dass du drogenkrank geworden bist?“ Bei einem Alkoholiker ist beispielsweise „alkoholkrank“ eine gängige Formulierung.

Die Sequenz als Ganze gesehen macht eher einen negativen, unheilvollen Eindruck. Beginnt ein Satz, so wie das hier der Fall ist mit „Wie ist es gekommen, dass…“, wird weiterhin eher ein negativer Verlauf erwarten, wie z.B.: „Wie ist es gekommen, dass er gestorben ist?“ Oder: „Wie ist es dazu gekommen, dass sie dich verlassen hat?“. Die Sequenz bekommt einen drohenden Charakter durch die Verwendung der Wörter „es gekommen“. Zu diesem Zeitpunkt ist noch völlig unklar, was mit „es gemeint ist, was „es“ in diesem Satz darstellt und welche Funktion „es“ hat. Da „es“ jedoch in Zusammenhang mit „gekommen“ steht, wird diesem unbekannten „es“ eine aktive Rolle zugeschrieben. Es ist nicht möglich einzuschätzen, worum es sich nun konkret bei dem „es“ handelt, was dazu führt, dass der Satz auf negative Art und Weise wirkt. Es scheint fast, als wäre dieses „es“ nicht aufhaltbar ist und den Abhängigen bedroht.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das Ausmaß der Drogenabhängigkeit in der EU und definiert das Ziel der Arbeit, anhand einer Fallanalyse die Realitätsvorstellung eines Betroffenen zu erforschen.

2 Strukturanalyse des Interviews: Dieses Kapitel zerlegt die Eingangssequenz des Interviews und analysiert die sprachliche Interaktion sowie die unbewussten Ausdrucksformen des Befragten.

3 Fallstrukturhypothese: Hier wird die zentrale Hypothese aufgestellt, dass der Befragte eine labile Person ist, die durch Realitätsflucht und mangelnde Selbstreflexion charakterisiert ist.

4 Kurzüberprüfung der Fallstrukturhypothese: Das Kapitel nutzt weitere Textstellen, um die aufgestellte Hypothese durch eine Analyse des Verhaltens in Entzugssituationen und Alltagsbeschreibungen zu untermauern.

5. Widerlegung der Fallstrukturhypothese: Abschließend werden Gegenbeispiele angeführt, die zeigen, dass der Befragte trotz seiner Sucht über Selbstwahrnehmung und den Wunsch nach einem geregelten Leben verfügt.

Schlüsselwörter

Drogenabhängigkeit, Fallanalyse, Realitätsvorstellung, objektive Hermeneutik, Sucht, Suchtprävention, Identitätskonstruktion, Vermeidungsstrategien, Sozialpsychologie, biographisches Interview, Beschaffungskriminalität, Selbstbild, Krisenbewältigung, Gruppendynamik, Realitätsflucht.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die psychologische Struktur und die Realitätswahrnehmung einer drogenabhängigen Person auf Basis eines biographischen Interviews.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Mittelpunkt stehen die Drogenproblematik, die Mechanismen der Sucht, Sprachanalysen im Interviewkontext sowie die Frage nach der Eigenverantwortung der Betroffenen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, durch die Analyse der Ausdrucksweise und der Lebensgeschichte des Befragten zu verstehen, wie dieser seine Realität konstruiert und welche Rolle die Sucht dabei spielt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Analyse erfolgt mittels der objektiven Hermeneutik, einem Verfahren zur tiefgehenden, strukturellen Interpretation von Texten und Kommunikationssequenzen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Strukturanalyse des Interviews, die Formulierung einer Fallstrukturhypothese sowie eine anschließende Prüfung und kritische Auseinandersetzung mit dieser Hypothese.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Drogenabhängigkeit, biographisches Interview, Fallstruktur, Realitätsflucht und Selbstwahrnehmung.

Inwiefern zeigt das Interview eine passive Einstellung des Befragten?

Der Befragte verwendet häufig passive Formulierungen oder personifiziert abstrakte Konzepte wie "die Neugierde", um Verantwortung für sein Handeln von sich zu weisen.

Warum wird die anfängliche Fallstrukturhypothese im letzten Kapitel teilweise widerlegt?

Es zeigt sich, dass der Befragte trotz seiner Sucht über Phasen der Selbstkontrolle und ein ausgeprägtes Pflichtbewusstsein verfügt, was dem Bild der "völlig verantwortungslosen Person" widerspricht.

Ende der Leseprobe aus 41 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Objektiv-hermeneutische Sequenzanalyse: Interview mit einem Drogenabhängigen
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Pädagogisches Institut)
Veranstaltung
Objektive Hermeneutik. Methode und Methodologie
Note
1,3
Autor
Olga Herbel (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2007
Seiten
41
Katalognummer
V113070
ISBN (eBook)
9783640132324
ISBN (Buch)
9783640134816
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Objektiv-hermeneutische Sequenzanalyse Interview Drogenabhängigen Objektive Hermeneutik Methode Methodologie
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Olga Herbel (Autor:in), 2007, Objektiv-hermeneutische Sequenzanalyse: Interview mit einem Drogenabhängigen , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113070
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  41  Seiten
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