Immer neue Rekordgewinnmeldungen der Unternehmen prägen die momentane Wirtschaft
(Stand 2008). Werden die Rekordgewinne jedoch nicht in der von den Anlegern und Banken erträumten Höhe ausgewiesen, reagieren die Börsenkurse mitunter sehr negativ und die Firmen geraten unter Druck.
Die vielfach angewandte Lösung gegen diesen Druck ist, dass versucht wird, die Produktivität zu erhöhen und/oder Kosten einzusparen, um den Gewinn zu optimieren. Dies geschieht dann häufig so, dass sich die Unternehmen von Mitarbeitern trennen und die anfallenden Arbeiten auf weniger Köpfe verteilt werden. Daraus resultiert wiederum mehr Druck auf den Einzelnen, was zu Stress und im Extremfall sogar zu einem Burnout führen kann.
Für Firmen besteht nun die Gefahr, dass sie so wertvolle Mitarbeiter mit ihrem Wissen verlieren, was wiederum einen negativen Einfluss auf die Produktivität hat. Daher sollte es ein Anliegen der Betriebe sein, ihre Mitarbeiter vor einem solchen Schicksal zu beschützen, indem sie allfällige notwendige Vorbeugemassnahmen einführen. Im Moment werden diese aber von den Beschäftigten vielfach nicht so wahrgenommen, da sie von solchen Präventionsmassnahmen subjektiv nicht viel mitbekommen oder die Unternehmen gar keine Massnahmen initialisierten.
Die Nichtinitialisierung geschieht aus Sicht der Unternehmen zum Teil auch darum, da sie aus der Fachliteratur keine Anhaltspunkte bekommen, ob sich kostspielige Präventionsmassnahmen lohnen und ob, beziehungsweise wie solche eingesetzt werden sollen. Daher bearbeitet diese Arbeit folgende Fragestellungen:
Wie gehen Unternehmen mit dem Thema Burnout und dessen Präventionsmassnahmen um?
Wirken sich Präventionsmassnahmen positiv auf den Unternehmens-Erfolg aus?
Beim Studium der Fachliteratur musste festgestellt werden, dass Burnout bis heute keine offiziell anerkannte Krankheit ist. Dieser Umstand vereinfachte die Beantwortung der an diese Studie gestellten Fragen nicht, da wegen der fehlenden Differenzialdiagnose zum Syndrom grosse Massen an Literatur mit zum Teil sehr widersprüchlichen Aussagen erstellt wurden. Ausserdem betrachtet die Mehrheit der vorhandenen Fachbücher das Schicksal des Betroffenen und gibt Ratschläge für das Individuum. Tipps und Empfehlungen oder Kosten/Nutzen-Analysen für Firmen finden sich jedoch kaum.[...]
Inhaltsverzeichnis
1 Management Summary
2 Einleitung
2.1 Phänomen
2.2 Arbeitsinhalt und Abgrenzung
3 Theorie
3.1 Die Entwicklung von Burnout
3.2 Der Krankheitsstatus von Burnout
3.3 Heutige anerkannte Erklärung von Burnout
3.4 Symptome und Phasen von Burnout
3.5 Einflüsse auf die Entstehung eines Burnout-Falles
3.5.1 Einfluss der Persönlichkeit auf ein Burnout
3.5.2 Einfluss des Unternehmens auf ein Burnout
3.6 Rechtliche Situation für Arbeitgeber
3.7 Abgrenzung zu Arbeitsunzufriedenheit, Depression, Müdigkeit und Stress
3.8 Messung von Burnout
3.9 Burnout-Prävention
3.10 Stand der Burnout-Forschung
3.11 Auswirkungen von Burnout auf ein Unternehmen
3.12 Weitere finanzielle Einflussfelder von Burnout
3.12.1 Die Krankentaggeldversicherung
3.12.2 Die Krankenkasse
3.12.3 Die Invalidenversicherung
3.12.4 Schadensersatzklagen / Gerichtsurteile
3.13 Die Rolle der Unternehmen auf die Ausbreitung des Syndroms
3.14 Herleitung der Theorie
3.15 Aus der Theorie abgeleitete Hypothesen
4 Methodologie
4.1 Lösungsstrategie, Erhebungsdesign, Untersuchungsanordnung
4.2 Erhebungsmethoden
4.3 Methodenumsetzung
4.4 Datenauswertung
5 Ergebnisse aus Interview- und Erhebungsanalyse
5.1 Resultate aus Interviews
5.1.1 Burnout als Thema im Unternehmen
5.1.2 Burnout-Fälle im Unternehmen: Entstehung, Umgang und Kosten
5.1.3 Umgang mit Präventionsmassnahmen und deren Einfluss
5.1.4 Zukünftiger Umgang mit Burnout im Unternehmen
5.2 Resultate weiterer Einflussfelder
5.2.1 Krankentaggeldversicherung
5.2.2 Krankenkasse
5.2.3 Invalidenversicherung
5.3 Auswertung Kosten/Nutzen-Betrachtung
5.4 Hypothesenabgleich
6 Konklusion
6.1 Fazit Datenauswertung
6.1.1 Umgang der Unternehmen mit Burnout
6.1.2 Einfluss von Präventionsmassnahmen auf den Unternehmenserfolg
6.2 Prophylaktische Handlungsempfehlung
6.2.1 Arbeitsmodell
6.2.2 Führung durch Vorgesetzten oder Human Resources
6.2.3 Unternehmenskultur
6.2.4 Weiterbildung
6.2.5 Umgang und Support im Unternehmen
6.2.6 Events für Gesundheit, Fitness und Networking fördern
6.2.7 Rahmenbedingungen für Präventionsmassnahmen
6.3 Kritische Hinterfragung mit Literaturabgleich und Praxis
6.3.1 Kritische Hinterfragung der Vorgehensweise
6.3.2 Kritische Hinterfragung der Auswertung
6.4 Neue Erkenntnisse aus der Arbeit
6.5 Empfehlungen für zukünftige Forschungen
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Masterarbeit ist die Untersuchung des Umgangs von Unternehmen mit dem Phänomen Burnout und dessen Präventionsmassnahmen. Die Arbeit zielt darauf ab, zu klären, ob sich Burnout-Fälle im Betrieb negativ auf den Unternehmenserfolg auswirken, welche konkreten Massnahmen dagegen ergriffen werden können und inwieweit sich eine aktive Burnout-Prävention wirtschaftlich für Unternehmen lohnt.
- Analyse der Verbreitung und des Umgangs mit Burnout in Schweizer Grossunternehmen.
- Untersuchung der wirtschaftlichen Auswirkungen und Kostenstrukturen von Burnout (direkte und indirekte Kosten).
- Evaluation des Kosten-Nutzen-Verhältnisses von Burnout-Präventionsmassnahmen.
- Erstellung eines praxisorientierten Präventionskatalogs für Unternehmen.
- Ableitung von Handlungsempfehlungen zur psychischen Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz.
Auszug aus dem Buch
3.4 Symptome und Phasen von Burnout
Für den richtigen Umgang mit der Problematik ist es für die Unternehmen respektive den Vorgesetzten, Human Resources Betreuer oder auch den Mitarbeiter wichtig, die Symptome zu kennen, um möglichst früh im Entwicklungsstadium reagieren zu können. Dies ist ausserdem eine wichtige Voraussetzung, um nötige Präventionsmassnahmen entwickeln und einsetzen zu können. Deshalb soll in diesem Kapitel auf die Symptome von Burnout eingegangen werden. Wobei beim Gefährdeten respektive Betroffenen nicht die Symptome einzeln betrachtet werden sollten, sondern eher die Veränderungen.
Burisch (2006, S.25-34) hat aus der kompletten Burnout-Literatur die Symptome zusammengetragen und festgestellt, dass sie zwar sehr vielschichtig, aber auch überraschend einheitlich sind. Jedoch wird klar festgehalten, dass bei einem Burnout-Fall nicht zwingend alle Symptome vorhanden sein müssen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass bei mehreren zutreffenden Symptomen auch die Gefahr einer Burnout-Gefährdung steigt.
In der folgenden Tabelle werden die Symptome kurz aufgelistet. Dabei ist auch wieder der im vorangegangen Kapitel erläuterte Prozesscharakter von Burnout ersichtlich.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Management Summary: Bietet einen Überblick über die wirtschaftlichen Zusammenhänge von Burnout und die Zielsetzung der Studie.
2 Einleitung: Beschreibt den sozioökonomischen Wandel, den steigenden Leistungsdruck und die wachsende Relevanz von Burnout als unternehmerisches Thema.
3 Theorie: Erläutert die theoretischen Grundlagen, die Entstehung, Symptomatik sowie die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen von Burnout.
4 Methodologie: Definiert den Forschungsansatz, die Wahl von halbstrukturierten Interviews als Erhebungsmethode und das Vorgehen bei der Datenauswertung.
5 Ergebnisse aus Interview- und Erhebungsanalyse: Präsentiert die empirischen Daten aus den Unternehmensinterviews sowie die Kosten-Nutzen-Analyse und den Hypothesenabgleich.
6 Konklusion: Führt die Erkenntnisse zusammen, bietet Handlungsempfehlungen für die betriebliche Prävention und reflektiert die Vorgehensweise.
Schlüsselwörter
Burnout, Präventionsmassnahmen, Unternehmenserfolg, Gesundheitsmanagement, Betriebliches Gesundheitsmanagement, Humankapital, Arbeitsbelastung, Kosten-Nutzen-Analyse, Frühherkennung, psychische Gesundheit, Fehlzeiten, Personalführung, Leistungsdruck, Schweiz, Unternehmenskultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Schweizer Grossunternehmen mit dem Thema Burnout umgehen und welchen Einfluss Präventionsmassnahmen auf den Unternehmenserfolg haben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die betriebliche Gesundheitsvorsorge, die finanziellen Folgen von Burnout für Unternehmen sowie auf die Identifikation wirksamer Präventionsstrategien.
Welches ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel ist es aufzuzeigen, dass ein aktiver Umgang mit Burnout durch Prävention nicht nur ethisch geboten, sondern auch wirtschaftlich vorteilhaft ist, indem Burnout-Folgekosten minimiert werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer empirischen Querschnittsstudie, die mittels halbstrukturierter Interviews bei neun Schweizer Grossunternehmen durchgeführt wurde.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte Theoriebildung zu Symptomen und Ursachen, eine methodische Beschreibung des Vorgehens sowie eine detaillierte Auswertung der erhobenen Daten inklusive einer Kosten-Nutzen-Betrachtung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Burnout-Prävention, Humankapital, Kosten-Nutzen-Analyse und Unternehmenserfolg geprägt.
Warum betrachten die Autoren Burnout aus einer rein unternehmerischen Perspektive?
Die Autoren haben sich für diesen Fokus entschieden, da viele bestehende Fachbücher nur das Schicksal des Individuums beleuchten, während für Unternehmen kaum fundierte wirtschaftliche Analysen oder Handlungsempfehlungen zum Umgang mit Burnout vorlagen.
Zu welchem zentralen Ergebnis kommt die Kosten-Nutzen-Analyse?
Die Analyse zeigt, dass sich Präventionsmassnahmen langfristig auszahlen: Die Einsparungen durch verhinderte Burnout-Fälle sind deutlich höher als die für die Prävention aufgewendeten Kosten, wobei sich die Investitionen in etwa um den Faktor 2 zurückzahlen.
- Quote paper
- Stephan Bamert (Author), Markus Frei (Author), 2008, Burnout und Präventionsmassnahmen: Wie gehen Unternehmen damit um und was ist der Einfluss auf den Unternehmenserfolg?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112968