Dieses Essay handelt über die Frage, welche Elemente dazu beigetragen haben, dass Artus zu einer historisch-literarischen Integrationsfigur wurde.
Geschichten und Sagen, Legenden und Mythen rund um den berühmten König Artus existieren bereits seit dem frühen Mittelalter. Bis in die gegenwärtige Zeit konnte nicht eindeutig belegt werden, ob Artus eine reale historische Person war, oder lediglich eine literarische Figur. Fest steht jedenfalls, dass Artus eine historisch-literarische Integrationsfigur darstellt. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Anfänge der Artuserzählung bei Nennius
2.1 Die Rolle christlicher Symbolik
2.2 Einfluss von Geistlichkeit und Kopisten
3. Artus als Held in der Hagiographie
4. Die Institutionalisierung durch Geoffrey of Monmouth
5. Fazit: Zwischen historischer Person und literarischer Figur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung der König-Artus-Figur als historisch-literarische Integrationsfigur und analysiert, inwieweit die literarische Darstellung durch frühmittelalterliche Geschichtsschreiber zur Mythenbildung beitrug.
- Analyse der Quellenlage (Gildas, Beda, Nennius)
- Bedeutung christlicher Symbolik in der Artussage
- Wandel der Figur vom historischen Versatzstück zum christlichen Idealbild
- Einfluss der mündlichen Überlieferung und handschriftlichen Tradierung
- Rolle von Geoffrey of Monmouth bei der Popularisierung des Artus-Mythos
Auszug aus dem Buch
Die Instrumentalisierung des Artus-Mythos durch Nennius
Zu Beginn des neunten Jahrhunderts findet sich erstmals die Erwähnung des Artus in dem Geschichtswerk „Historia Brittonum“ des walisischen Mönchs Nennius. Nennius konnte als Quellen, neben den Geschichtswerken Gildas und Beda, auf viele mündliche Überlieferungen zurückgreifen, wodurch er eine große Quellenvielfalt hatte. Insbesondere da die mündlichen Überlieferungen aus den Erinnerungen und Erzählungen der Menschen der letzten Jahrhunderte bestand, ist zu vermuten, dass den historischen Fakten einige Details hinzugefügt wurden. So berichtete er ebenfalls von der Schlacht am Berg Badon, schrieb diese nun aber Artus zu. Dieser Schlacht fügte er nun noch elf weitere erfolgreiche Schlachten hinzu, die Artus geführt haben soll. Nennius instrumentalisierte König Artus zu einem idealen Vorbild auf politischer und religiöser Ebene. Da Nennius in der Zeit lebte, in der die Christianisierung Britanniens nahezu abgeschlossen war, ist es nicht verwunderlich, dass er Artus zu einem christlichen Vorbild werden ließ.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Artusfigur als historisch-literarische Integrationsfigur und Darstellung der historischen Ungewissheit.
2. Die Anfänge der Artuserzählung bei Nennius: Untersuchung, wie Nennius Artus erstmals in der Historia Brittonum verarbeitete und durch christliche Symbolik aufwertete.
2.1 Die Rolle christlicher Symbolik: Analyse der Bedeutung der Zahl zwölf und deren Bezug zur christlichen Trinität und den Stämmen Israels.
2.2 Einfluss von Geistlichkeit und Kopisten: Betrachtung der Rolle klösterlicher Abschriften und der mündlichen Überlieferung bei der Transformation des Stoffes.
3. Artus als Held in der Hagiographie: Darstellung der Integration des Artus in Heiligenviten, insbesondere der Vita des Gildas, als zentraler König.
4. Die Institutionalisierung durch Geoffrey of Monmouth: Beschreibung der Auftragsarbeit durch König Stephan und der literarischen Glorifizierung durch Geoffrey of Monmouth.
5. Fazit: Zwischen historischer Person und literarischer Figur: Synthese der Ergebnisse über die Unbeweisbarkeit der historischen Existenz bei gleichzeitiger kultureller Wirksamkeit.
Schlüsselwörter
König Artus, Mittelalter, Nennius, Historia Brittonum, Geoffrey of Monmouth, Mythos, Christianisierung, Literaturgeschichte, Geschichtsschreibung, Integrationsfigur, Heiligenviten, Berg Badon, Britanien, Heldenfigur, Überlieferung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit untersucht die Entstehung und Entwicklung der Figur König Artus von ihren frühmittelalterlichen Ursprüngen bis hin zur Etablierung als zentrale literarische Integrationsfigur.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse frühmittelalterlicher Geschichtsschreiber, der Bedeutung christlicher Symbolik und der Wandlung der Artussage durch mündliche und schriftliche Weitergabe.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Es wird der Frage nachgegangen, welche historischen und literarischen Elemente dazu beitrugen, dass Artus zu einer bedeutenden Integrationsfigur des Mittelalters werden konnte.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Der Autor nutzt die historische Quellenanalyse, indem er die Schriften von Gildas, Beda, Nennius und Geoffrey of Monmouth kritisch gegenüberstellt und auf ihre Intentionen hin untersucht.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil behandelt die Transformation von Artus durch Nennius, die Einbettung in Heiligenviten und die spätere Popularisierung durch Geoffrey of Monmouth im 12. Jahrhundert.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Mythos, historische Kritik, Mittelalter, Geschichtsschreibung und christliche Instrumentalisierung geprägt.
Warum spielt die Zahl Zwölf bei der Artuserzählung laut Nennius eine wichtige Rolle?
Die Zahl Zwölf dient als christlich-symbolisches Element, um Artus indirekt mit der Trinität und der biblischen Tradition zu verknüpfen und ihn als christliches Vorbild zu stilisieren.
Welchen Einfluss hatte Geoffrey of Monmouth auf die Wahrnehmung des Artus-Mythos?
Geoffrey of Monmouth fasste die verschiedenen Überlieferungen zusammen und glorifizierte Artus als Herrscher, der Cäsar oder biblischen Königen ebenbürtig war, wodurch die Sage europaweit bekannt wurde.
- Arbeit zitieren
- Lea Wicker (Autor:in), 2021, Auf der Suche nach König Artus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1129070