Türkische Migranten der zweiten Generation wachsen bzw. wuchsen gleichzeitig in zwei unterschiedlichen Kulturen heran, da sie entweder in Deutschland geboren wurden oder als Kinder nach Deutschland kamen. Daher neigen sie in hohem Maße zu Veränderungen ihrer sozialen Identitäten.
Zahlreiche Untersuchungen berichten von Identitätsdiffusion, Identitätsstörungen, Identitätskonflikten, Identitätskrisen etc. Es entsteht der Eindruck, türkische Migrantenjugendliche in Deutschland seien überwiegend von negativen Persönlichkeitsmerkmalen belegt, also desillusioniert, isoliert, depressiv, resignativ, orientierungslos und sozial handlungsunfähig, eventuell sogar psychisch oder psychosomatisch erkrankt. Sicherlich müssen türkische Jugendliche in Deutschland erhebliche Bewältigungsleistungen und Verarbeitungsstrategien aufwenden, um die divergierenden Handlungsanforderungen von türkischer Familie und deutscher Gesellschaft mit ihren eigenen Bedürfnissen und Interessen in Einklang zu bringen und auszubalancieren. Jedoch muss aus diesen Tatsachen keine defizitäre Persönlichkeit resultieren, vielmehr entwickeln die Betroffenen möglicherweise besondere persönliche, soziale und interkulturelle Kompetenzen, die es ihnen ermöglichen, in beiden Kulturen, der deutschen und der türkischen, handlungsfähig zu sein und sich anzupassen. Heute gehen zahlreiche Untersuchung von bikulturellen– oder Patchwork-Identitäten aus, bei denen aus den zur Verfügung stehenden Ressourcen beider Gesellschaften, der Herkunfts- und der Aufnahmegesellschaft, durch Kreativität und Selektion eine neue, eigene Identität gebildet wird.
Die bikulturelle Identität steht im Zentrum dieser Arbeit und soll hinsichtlich der psychosozialen Bedingungen und Einflussfaktoren am Beispiel der Situation von türkischen Migrantenjugendlichen in der Bundesrepublik Deutschland beleuchtet werden. Dabei dient die Theorie der sozialen Identität von Henry Tajfel der Definition und Kennzeichnung des Begriffes ‚soziale Identität’. Die theoretische Basis der Arbeit soll schließlich durch empirische Untersuchungen von Atabay, Ilhami (1994, 1998) und Ülger Polat (1997), welche die Identitätsentwicklung türkischer Jugendlicher in Deutschland behandeln, überprüft werden. Identität und Kultur werden als dynamischer „sich fortentwickelnder Prozess“ angenommen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Die Theorie der sozialen Identität
- Einflüsse psycho-sozialer Faktoren auf die soziale Identität
- Familie und Erziehung
- Schule und Ausbildung
- Peer-Groups und Freizeitkultur
- Sprachsituation
- Religion
- Diskriminierung und Ausländerfeindlichkeit
- Ausgewählte Untersuchungen
- Ülger Polat
- Ilhami Atabay
- Schlussbetrachtung
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit befasst sich mit der sozialen Identität türkischer Migranten der zweiten Generation in Deutschland und untersucht, wie die bikulturelle Identität in diesem Kontext entsteht. Die Arbeit analysiert die Theorie der sozialen Identität von Henry Tajfel und untersucht, wie psycho-soziale Faktoren wie Familie, Schule, Peer-Groups, Sprache, Religion und Diskriminierung die Identitätsentwicklung beeinflussen. Die Arbeit stützt sich auf empirische Untersuchungen von Atabay und Ülger Polat, die die Identitätsentwicklung türkischer Jugendlicher in Deutschland beleuchten.
- Soziale Identität und bikulturelle Identität
- Einfluss psycho-sozialer Faktoren auf die Identitätsentwicklung
- Theorie der sozialen Identität von Henry Tajfel
- Empirische Untersuchungen zur Identitätsentwicklung türkischer Jugendlicher in Deutschland
- Herausforderungen und Chancen der bikulturellen Identität
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt die Thematik der sozialen Identität türkischer Migranten der zweiten Generation in Deutschland vor und erläutert die Relevanz der Untersuchung. Die Theorie der sozialen Identität von Henry Tajfel wird im zweiten Kapitel vorgestellt und erklärt, wie Individuen durch Gruppenzugehörigkeit eine positive soziale Identität erlangen. Das dritte Kapitel beleuchtet die psycho-sozialen Faktoren, die die Identitätsentwicklung beeinflussen, darunter Familie und Erziehung, Schule und Ausbildung, Peer-Groups und Freizeitkultur, Sprachsituation, Religion und Diskriminierung. Das vierte Kapitel präsentiert ausgewählte Untersuchungen von Ülger Polat und Ilhami Atabay, die die Identitätsentwicklung türkischer Jugendlicher in Deutschland untersuchen.
Schlüsselwörter
Die Schlüsselwörter und Schwerpunktthemen des Textes umfassen die soziale Identität, die bikulturelle Identität, türkische Migranten der zweiten Generation, Deutschland, psycho-soziale Faktoren, Familie, Schule, Peer-Groups, Sprache, Religion, Diskriminierung, Theorie der sozialen Identität, Henry Tajfel, empirische Untersuchungen, Ülger Polat, Ilhami Atabay.
Häufig gestellte Fragen
Was versteht man unter einer bikulturellen Identität?
Eine bikulturelle Identität (oder Patchwork-Identität) entsteht, wenn Migranten Ressourcen aus der Herkunfts- und Aufnahmegesellschaft kreativ zu einer eigenen Identität verknüpfen.
Welche Theorie bildet die Basis für die Definition der sozialen Identität?
Die Arbeit stützt sich primär auf die Theorie der sozialen Identität von Henry Tajfel.
Welche psycho-sozialen Faktoren beeinflussen die Identitätsentwicklung?
Wichtige Faktoren sind die Familie, Erziehung, Schule, Ausbildung, Peer-Groups, die Sprachsituation, Religion sowie Erfahrungen mit Diskriminierung.
Ist die Identitätsentwicklung bei türkischen Migranten zwangsläufig defizitär?
Nein. Obwohl oft von Identitätskrisen berichtet wird, können Betroffene besondere interkulturelle Kompetenzen entwickeln, die sie in beiden Kulturen handlungsfähig machen.
Welche empirischen Studien werden in der Arbeit herangezogen?
Die Arbeit bezieht sich auf Untersuchungen von Ilhami Atabay (1994, 1998) und Ülger Polat (1997).
- Arbeit zitieren
- Christin Kießling (Autor:in), 2005, Soziale Identität türkischer Migranten der zweiten Generation in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112532