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Das Miteinander von Deutsch und Türkisch in der multikulturellen Jugendsprache Deutschlands

Ungesteuerter Spracherwerb nicht-türkischer Jugendlicher und das Phänomen Ethnolekt

Title: Das Miteinander von Deutsch und Türkisch in der multikulturellen Jugendsprache Deutschlands

Term Paper (Advanced seminar) , 2008 , 16 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Isabell Falter (Author)

Speech Science / Linguistics
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Auch wer sich nicht von der wissenschaftlichen Seite mit dem Phänomen Sprachkontakt beschäftigt, dem bleibt die zunehmende Tendenz einer multikulturellen und damit eben auch gemischtsprachigen Gesellschaft in Deutschland nicht verborgen. In nahezu allen Situationen des alltäglichen Lebens, beim Einkauf, in Bus und Bahn sowie im Schul- und Arbeitsleben trifft auf man Menschen, die sich eben nicht nur monolingual in Deutsch unterhalten können. Gerade in Stadtteilen mit einer multiethnischen Bevölkerungszusammensetzung (wie etwa in Hamburg-Altona oder Berlin-Neukölln) liegt keine einheitliche Sprachlandschaft vor. Schilder, Aushänge, Werbeplakate, Speisekarten und sogar amtliche Formulare sind längst mehrsprachig oder in den jeweiligen Landessprachen formuliert.
Vor allem das Türkische ist in genau diesem multikulturellen Deutschland stets präsent. Bedingt durch die Zuwanderung in den 1960er Jahren existiert heute in der 3. Generation eine große Sprechergemeinschaft, die sowohl Türkisch als auch Deutsch beherrscht und anwendet. So kommt es gerade in der Schule und Freizeit zu Begegnungen zwischen türkischen Jugendlichen und Jugendlichen nicht-türkischer Herkunft.
Im Fokus dieser Arbeit steht genau dieser Sprachkontakt. Viele anderssprachige Jugendlichen beginnen bewusst oder unbewusst mit dem Erlernen des Türkischen. Hierbei geht es immer um den natürlichen, ungesteuerten Spracherwerb der im Alltag geschieht und nicht von Institutionen wie der Schule gesteuert wird. Die Türkischkompetenz der Lerner weist ein breites Spektrum auf und reicht von floskelhaften Begrüßungen bis hin zu einer Sprachkompetenz, die von der eines Muttersprachlers kaum zu unterscheiden ist. Im Vordergrund der Arbeit stehen weniger die soziokulturellen Beweggründe der Lerner, sondern die Strategien des Spracherwerbs sowie die pragmatische Anwendung der Kenntnisse in der Kommunikation.
Auf der anderen Seite steht der Bevölkerungsteil Deutschlands, der nicht zwangsläufig in direktem Kontakt zu Türkischsprechern stehen muss und dennoch den Eindruck vermittelt, mit den Grundzügen der Sprache vertraut zu sein. Der ethnolektale Sprachstil erfreut sich nicht nur unter Jugendlichen großer Beliebtheit und ist dank der Medien und einiger „Comedians“ in aller Munde. Auch diesem Phänomen wendet sich diese Arbeit zu, stellt die Grundzüge vor und grenzt gleichzeitig den Ethnolekt von anderen sprachlichen Registern wie dem Gastarbeiterdeutsch ab.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Türkischerwerb durch jugendliche Sprecher nicht-türkischer Herkunft

2.1 Kontext der Datenerhebung

2.2 Erwerbssituationen

2.3 Strategien des Spracherwerbs

3 Anwendung türkischer Sprachkenntnisse

3.1 Türkische Routinen in der Anrede

3.2 Sprachliche Routinen zu Beginn und Ende eines Diskurses

3.3 Diskurssteuernde Elemente

4 Das Phänomen Ethnolekt

4.1 Definition

4.1.1 Der primärer Ethnolekt

4.1.2 Der Sekundäre Ethnolekt

4.1.3 Der tertiäre Ethnolekt

4.2 Gründe für Aneignung und Verwendung des stilisierten Ethnolekts

5 Fazit

6 Bibliographie

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den ungesteuerten Spracherwerb des Türkischen durch Jugendliche ohne türkischen Migrationshintergrund und beleuchtet, wie diese Sprachkenntnisse in den Alltag integriert sowie durch das Phänomen des Ethnolekts stilisiert werden.

  • Methodik des ungesteuerten Spracherwerbs im Alltagskontext
  • Nutzung türkischer Anredeformen und diskurssteuernder Marker
  • Differenzierung zwischen primärem, sekundärem und tertiärem Ethnolekt
  • Soziale Funktionen und Identitätsbildung durch Sprachstil
  • Einfluss medialer Vermittlung auf die Verbreitung ethnolektaler Merkmale

Auszug aus dem Buch

3.3 Diskurssteuernde Elemente

Auch gesprächsstrukturierende Marker werden aus dem Türkischen übernommen und von den Jugendlichen eingesetzt. Dirim nennt eine ganze Reihe türkischer Diskursmarker, die ich im Folgenden kurz zusammenfasse. So fungiert sey beispielsweise als Verzögerungspartikel, yeter als Abschlussmarkierung und tabii für eine emphatische Rückbestätigung. Biliyon mu (wörtlich: ´weißt du?´) und anladim mi (wörtlich: ´hast du verstanden?´) stehen oft am Ende eines Gesprächsbeitrags und schließen den Turn ab. Oftmals findet sich der Diskursmarker sen de söyle (wörtlich: ´na sag schon´), der ebenfalls als Verzögerungsmarker dazu dient, um Zeit für die eigene Formulierung zu gewinnen. Der gesamte Redebeitrag wird gerne mit olsun ya: (wörtlich: ´macht nichts´) abgerundet.

Im folgenden Beispiel werden Beginn und Ende des Gesprächs mit türkischen Routinen hinterlegt. Dabei fällt außerdem auf, dass die Unterhaltung zwischen drei Mädchen ohne türkischen Hintergrund stattfindet, und die türkischen Routinen auch ohne die Anwesenheit eines türkischen Muttersprachlers verwendet werden.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung führt in die zunehmende Mehrsprachigkeit in deutschen Ballungsgebieten ein und definiert den Fokus der Arbeit auf den natürlichen, ungesteuerten Erwerb türkischer Sprachfragmente durch nicht-türkische Jugendliche.

2 Türkischerwerb durch jugendliche Sprecher nicht-türkischer Herkunft: Dieses Kapitel erläutert den Kontext der Datenerhebung und beschreibt die individuellen Erwerbssituationen sowie die Strategien, mit denen Jugendliche sich die Fremdsprache im Alltag aneignen.

3 Anwendung türkischer Sprachkenntnisse: Hier wird analysiert, wie die Jugendlichen türkische Routinen bei der Anrede, in der Diskursstrukturierung sowie als gesprächssteuernde Elemente in ihre Kommunikation integrieren.

4 Das Phänomen Ethnolekt: Dieses zentrale Kapitel definiert den Begriff Ethnolekt und unterscheidet zwischen primären, sekundären (medialen) und tertiären Formen sowie deren jeweilige soziale Motivationsgründe.

5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Türkisch für viele Jugendliche ein Symbol ihrer Identität ist und dass sich ethnolektale Sprachstile über mediale Kanäle weit über die ursprünglichen Kontaktgruppen hinaus verbreitet haben.

6 Bibliographie: Ein Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Literatur.

Schlüsselwörter

Sprachkontakt, Ethnolekt, Türkisch, Jugendsprache, ungesteuerter Spracherwerb, Language Crossing, Sprachroutine, Identitätsbildung, Diskursmarker, Sprachstilisierung, Mehrsprachigkeit, Migrationsgesellschaft, Peer-Group, Sprachrepertoire, Medialer Ethnolekt

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den Sprachkontakt zwischen Türkisch und Deutsch bei Jugendlichen in Deutschland, speziell den ungesteuerten Spracherwerb durch nicht-türkische Jugendliche.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Fokus stehen die Lernstrategien der Jugendlichen, die Verwendung spezifischer türkischer Sprachroutinen und die theoretische Einordnung als Ethnolekt.

Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?

Ziel ist es, die Gründe für die Aneignung des Türkischen zu verstehen und aufzuzeigen, wie Jugendliche diese Sprachkenntnisse pragmatisch im Alltag und zur Identitätsstilisierung einsetzen.

Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit verwendet?

Die Arbeit basiert auf der Auswertung von Daten aus einem Forschungsprojekt von Peter Auer, das Tonbandaufnahmen und biografische Interviews von Jugendlichen analysiert.

Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil behandelt den Erwerbsprozess, die Anwendung türkischer Routinen in Anrede und Diskurs sowie die Differenzierung zwischen verschiedenen Stufen des Ethnolekts.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Ethnolekt, Sprachkontakt, Jugendsprache, Language Crossing und der ungesteuerte Spracherwerb.

Was unterscheidet den primären vom tertiären Ethnolekt?

Der primäre Ethnolekt basiert auf direktem Sprachkontakt, während der tertiäre Ethnolekt durch mediale Vermittlung ohne persönlichen Kontakt zu türkischen Muttersprachlern entsteht.

Welche Funktion hat die Verwendung des Türkischen für die befragten Jugendlichen?

Die Sprache dient primär der Identitätsstiftung, der sozialen Integration in die Peer-Group und der Abgrenzung von Erwachsenennormen.

Warum wird der Begriff "Language Crossing" in der Arbeit angeführt?

Der Begriff wird genutzt, um die bewusste Aneignung von Sprachelementen durch Personen zu beschreiben, denen diese Sprache ethnisch oder sozial eigentlich nicht "gehört".

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Details

Title
Das Miteinander von Deutsch und Türkisch in der multikulturellen Jugendsprache Deutschlands
Subtitle
Ungesteuerter Spracherwerb nicht-türkischer Jugendlicher und das Phänomen Ethnolekt
College
University of Cologne  (Allgemeine Sprachwissenschaft)
Course
Soziolinguistik
Grade
1,3
Author
Isabell Falter (Author)
Publication Year
2008
Pages
16
Catalog Number
V112253
ISBN (eBook)
9783640110759
ISBN (Book)
9783640110810
Language
German
Tags
Miteinander Deutsch Türkisch Jugendsprache Deutschlands Soziolinguistik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Isabell Falter (Author), 2008, Das Miteinander von Deutsch und Türkisch in der multikulturellen Jugendsprache Deutschlands, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112253
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