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Methodische Probleme der historischen Demographie - Am Beispiel der Bevölkerungsentwicklung des Hoch- und Spätmittelalters

Title: Methodische Probleme der historischen Demographie - Am Beispiel der Bevölkerungsentwicklung des Hoch- und Spätmittelalters

Seminar Paper , 2008 , 20 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Christoph Sprich (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Wie jedes spezielle Erkenntnisinteresse verfügt auch die historische Demographie über einige spezifische Vorteile, sowie erkenntnistheoretische Blindstellen. Diese Blindstellen vor allem sind es, denen in dieser Arbeit nachgegangen werden soll. Als Beispiel bietet sich die west- und mitteleuropäische Bevölkerungsentwicklung am Übergang von Hoch- zu Spätmittelalteran, wo das Ende eines lang anhaltenden Bevölkerungswachstums durch die Pestepedemie von 1348 markiert wird. Die Schätzung der Seuchenverluste wie auch die Einordnung dieses demographischen Knicks in die größeren Zusammenhänge der spätmittelalterlichen Krisenerscheinungen erlauben Rückschlüsse auf die Leistungsfähigkeit historischer Demographie.

In einem ersten Schritt wird die Quellensituation des Mittelalters hinsichtlich ihrer Ergiebigkeit und gängiger Probleme erläutert. Das Spätmittelalter liegt weit hinter der frühen Neuzeit zurück, sowohl was den Umfang der Schriftlichkeit betrifft als auch in der Genauigkeit bzw. überhaupt dem Vorhandensein schriftlicher Zeugnisse, die Rückschlüsse auf Bevölkerungsentwicklungen zulassen. Zur Erläuterung wird im nächsten Schritt auf einige Ergebnisse der einschlägigen Forschung zur Bevölkerungsentwicklung zurückgegriffen und die Methoden dargestellt, mit denen sie ermittelt werden. In einem weiteren Schritt werden konkurrierende Interpretationsansätze der demographischen Daten im Kontext der allgemeinen Faktoren der Gesellschaftsentwicklung dargestellt, namentlich die Neo- Malthuisianische und die Marxistische Schule, die beide die Agrarkrise des Spätmittelalters und ihre Zusammenhänge in den Fokus nehmen. Das Augenmerk soll dabei auf ihrer Abhängigkeit von der Präzision der quantitativ erhobenen demographischen Daten liegen, sowie in ihren Erklärungsleistungen, Schnittmengen und Widersprüchen. Als Fazit dieser Arbeit sollten folgende Fragen geklärt sein:Was sind die Schwächen spätmittelalterlicher Quellen bei der demographischen Auswertung? Wie präzise sind die auf
den Quellen basierenden Schätzungen der Einwohnerzahlen? Und sind die Daten verlässlich genug, um umfassendere Interpretationen der gesellschaftlichen Verhältnisse der untersuchten Zeit zu fundieren?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Hoch- und Spätmittelalterliche Quellen als Grundlage statistischer Erhebungen

2 Historische Demographie und Bevölkerungsentwicklungen

2.1 Methoden der Bevölkerungsschätzung

2.1.1 Lokale Hochrechnungen

2.1.2 Regionale Hochrechnungen

2.2 Ergebnisse von Bevölkerungsschätzungen

3 Weiterführende Interpretationen: Bevölkerungsrückgang und Agrarkrise

3.1 Die Neo-Malthusianische Interpretation

3.2 Die Marxistische Interpretation

Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die methodischen Herausforderungen der historischen Demographie bei der Analyse der Bevölkerungsentwicklung im Hoch- und Spätmittelalter. Im Zentrum steht die kritische Hinterfragung der Quellenlage sowie die Überprüfung der Verlässlichkeit quantitativer Schätzungen, die als Grundlage für sozioökonomische Interpretationsmodelle dienen.

  • Quellenkritik mittelalterlicher statistischer Dokumente
  • Methoden der Bevölkerungs- und Herdfeuer-Hochrechnung
  • Diskussion neo-malthusianischer Interpretationsansätze
  • Marxistische Perspektiven auf die Krise des Feudalismus
  • Validität demographischer Daten für gesellschaftliche Analysen

Auszug aus dem Buch

2.1.1 Lokale Hochrechnungen

Wie in Abschnitt 1 dargestellt, bestehen die Hauptproblematiken bei der demographischen Auswertung hoch- und spätmittelalterlicher Quellen darin, dass sie begrifflich teilweise Indifferent sind, sowie darin, dass sie aufgrund ihrer Bestimmung immer Teile der jeweiligen Bevölkerung nicht erfassen, beziehungsweise nur indirekte Rückschlüsse auf die Bevölkerungszahl zulassen. Die Unsicherheiten in der Begrifflichkeit lassen sich durch Methoden der Quellenkritik größtenteils ausräumen, insbesondere durch die Untersuchung ihrer Entstehung.

Bei der Extrapolation der Gesamtbevölkerung ist man jedoch zwangsläufig darauf angewiesen, die nicht erfassten Teile der Bevölkerung rechnerisch zu ergänzen. Letztlich kann dies nur auf der Basis von Schätzungen geschehen, an die der Anspruch gerichtet werden muss, so fundiert wie möglich zu sein. Dabei beinhalten die einzelnen Methoden diverse Vor- und Nachteile.

Im Falle der Kopfsteuer („poll tax“) sind bestenfalls alle Menschen über 14 oder 15 Jahren erfasst, was einen Anteil an der Bevölkerung von etwa 2/3 darstellt. Beispiele für solche Steuern sind die englische „poll tax“ 1377 oder der „gemeine Pfennig“ in Deutschland von 1495. Dabei ist der Anteil der erfassten Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung durch die eindeutige Altersschranke in der Erfassung mittels anderen demographischen Erkenntnissen über die damalige Altersstruktur verifizierbar.

Der häufigere Fall, die Besteuerung von Feuerstätten, wirft als Grundlage profunder Schätzungen größere Probleme auf. Das Problem der regional/temporär differierenden Auslegung, was eine solche Feuerstätte darstellt und was nicht (vgl. 1) ist zumindest größtenteils lösbar. Im Hinblick auf die Genauigkeit der Schätzung problematischer ist der nur indirekt mögliche Schluss von der Zahl der Feuerstätten auf die Zahl der Einwohner. Hierzu bedarf es eines Multiplikators, von dessen Höhe das Ergebnis entscheidend abhängt. Entscheidend ist also „the number of persons to the hearth and its relation to the family“.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in die historische Demographie und Erläuterung der Relevanz quantitativer Ansätze in der Mediävistik.

1 Hoch- und Spätmittelalterliche Quellen als Grundlage statistischer Erhebungen: Analyse der methodischen Schwierigkeiten bei der Nutzung mittelalterlicher Quellen für statistische Zwecke.

2 Historische Demographie und Bevölkerungsentwicklungen: Detaillierte Betrachtung der Hochrechnungsmethoden sowie der Ergebnisse bisheriger Bevölkerungsstudien in verschiedenen europäischen Regionen.

3 Weiterführende Interpretationen: Bevölkerungsrückgang und Agrarkrise: Gegenüberstellung von neo-malthusianischen und marxistischen Erklärungsmodellen zur spätmittelalterlichen Agrarkrise.

Fazit: Kritische Würdigung der Validität demographischer Schätzungen und ein Plädoyer für regionalgeschichtlich begrenzte Ansätze.

Schlüsselwörter

Historische Demographie, Spätmittelalter, Hochmittelalter, Bevölkerungsentwicklung, Quellenkritik, Herdsteuer, Kopfsteuer, Neo-Malthusianismus, Marxismus, Agrarkrise, Bevölkerungsdichte, Mittelalterforschung, Sozialgeschichte, Hochrechnung, Bevölkerungszahl.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der methodischen Problematik der historischen Demographie, speziell mit der Schwierigkeit, Bevölkerungszahlen für das Mittelalter basierend auf lückenhaften Quellen verlässlich zu schätzen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Arbeit verbindet eine methodische Analyse der Quellenlage mit der Diskussion sozioökonomischer Theorien, die den Bevölkerungsrückgang und die Agrarkrise des Spätmittelalters erklären sollen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist die kritische Evaluation der Leistungsfähigkeit historischer Demographie sowie die Beantwortung der Frage, ob vorliegende Datensätze eine wissenschaftlich fundierte Interpretation der gesellschaftlichen Verhältnisse der Zeit erlauben.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?

Es wird eine quellenkritische Analyse vorgenommen, bei der die Methoden der Extrapolation (wie das Herdfeuer-Verfahren) und die Interpretationsmodelle verschiedener historischer Schulen (Malthusianer vs. Marxisten) analysiert und verglichen werden.

Welche Inhalte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von statistischen Quellen, die methodischen Ansätze zur Schätzung (lokal vs. regional) und die vergleichende Darstellung konkurrierender Interpretationsansätze der Krisengeschichte.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?

Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Historische Demographie, Quellenkritik, Agrarkrise und methodische Herausforderungen beschreiben.

Wie bewertet der Autor die Rolle des "Metropolenprinzips" in Deutschland?

Der Autor bewertet die Übertragung dieses Prinzips auf Deutschland als äußerst problematisch, da die Basisdaten (nur 1,5% der Bevölkerung in Hauptstädten) zu gering sind und die regionalen Voraussetzungen stark von mediterranen Mustern abweichen.

Welche Schlussfolgerung zieht die Arbeit hinsichtlich der "Neo-Malthusianischen" Schule?

Der Autor stellt fest, dass es sich dabei weniger um Theorien mit umfassender Allgemeingültigkeit handelt, sondern eher um Erklärungsversuche begrenzter Reichweite, deren Validität stark von der Genauigkeit der demographischen Ausgangsdaten abhängt.

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Details

Title
Methodische Probleme der historischen Demographie - Am Beispiel der Bevölkerungsentwicklung des Hoch- und Spätmittelalters
College
University of Freiburg  (Historisches Seminar )
Course
Proseminar: Das Spätmittelalter – Krise und Aufbruch
Grade
1,0
Author
Christoph Sprich (Author)
Publication Year
2008
Pages
20
Catalog Number
V111648
ISBN (eBook)
9783640097364
Language
German
Tags
Methodische Probleme Demographie Beispiel Bevölkerungsentwicklung Hoch- Spätmittelalters Proseminar Spätmittelalter Krise Aufbruch Historische Demographie Annales logue duree Pest Methode Methodologie Quellen Quellenbasis Malthus Malthusianer Neo-Malthusianer
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christoph Sprich (Author), 2008, Methodische Probleme der historischen Demographie - Am Beispiel der Bevölkerungsentwicklung des Hoch- und Spätmittelalters, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/111648
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