Die Konzeption des sozialen Raums wird von der Empirie isoliert und ein alternatives mathematisches Verfahren verwendet, um die Eigenschaft des sozialen Raums als Möglichkeitsraum zu schärfen. Damit eröffnet sich ein neuer Blick auf die Funktionsweisen des bei Bourdieu als Wahrnehmungs- und Verhaltensmuster verhafteten Habitus. Die zu erwartenden Probleme bei der Wiedereinführung der Empirie werden diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
Bourdieu und der soziale Raum
1. Einleitung
1.1. Motivation
1.2. Rahmen
2. Grundlagen
2.1. Sozialstruktur
2.2. Bourdieus Begriffsfeld
2.2.1. Kapitalsorten
Ökonomisches Kapital
Kulturelles Kapital
Soziales Kapital
Symbolisches Kapital
2.2.2. Transformation von Kapital
2.2.3. Die Konstruktion des Sozialen Raums bei Bourdieu
3. Alternative Konstruktion des sozialen Raums
3.1. Kapitalausstattung als Vektor
3.2. Bögen und Bogenabschnitte als Struktur
3.3. Die dritte Dimension
4. Anwendung des Modells
4.1. Symbolisches Kapital
4.2. Soziale Ungleichheit
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, Bourdieus soziologisches Modell des sozialen Raums in eine mathematische, mikroökonomische Infrastruktur zu übersetzen, um eine methodische Basis für eine wirtschafts-sozialwissenschaftliche Analyse gesellschaftlicher Strukturen zu schaffen.
- Überwindung der Disziplinengrenzen zwischen Ökonomie und Soziologie
- Konstruktion eines Vektormodells zur Abbildung von Kapitalausstattungen
- Analyse der Transformation und Akkumulation von Kapitalsorten
- Mathematische Darstellung sozialer Positionen und Ungleichheiten
Auszug aus dem Buch
2.2.1. Kapitalsorten
Kapital ist das „grundlegende Prinzip der inneren Regelmäßigkeiten der sozialen Welt“ (Bourdieu 1997: 49). Es „stellt Verfügungsmacht im Rahmen eines Feldes dar, und zwar über das in der Vergangenheit erarbeitete Produkt (insbesondere die Produktionsmittel) wie zugleich über die Mechanismen der Produktion einer bestimmten Art von Gütern, und damit über eine bestimmte Menge an Einkommen und Gewinnen“ (Bourdieu 1991: 10).
Die Mechanismen der Produktion können durch ständige Kämpfe um die Herrschaft in den Feldern verändert werden, nämlich dann, wenn eine andere Gruppe von Akteuren mit einer anderen Kapitalausstattung es schafft, die Mechanismen der Produktion auf ihre Vorraussetzungen, also ihre Kapitalausstattung anzupassen. Die Erfolgsaussichten im Kampf um die Festlegung der Produktionsmechanismen hängen wiederum von der Kapitalausstattung ab. Die Mechanismen der Produktion stehen damit in einer beidseitigen Wechselwirkung mit der Kapitalausstattung innerhalb und zwischen den Gesellschaftsgruppen.
Die Kapitalarten oder –sorten dienen in der „Ökonomie der Praxis“ (Bourdieu 1997: 51) spezifischer Felder als Gegenstand der für das Feld charakteristischen Form von Arbeit. Bei dem „Versuch, die Pluralität der relativen autonomen Felder in ein analytisch umfassenderes Modell zu integrieren“ muss Bourdieu die zu Grunde liegenden Kapitalien „unter dem Preis komplementärer analytischer Nachteile“ wie dem „Verlust an ,Schärfe’ und Differenziertheit des analytischen Rasters“ (Schwingel 103) reduzieren. Übrig bleiben das ökonomische, das kulturelle und das soziale Kapital9 zu dem Schwingel (86) das symbolische Kapital als vierte entscheidende Variable zählt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit motiviert eine interdisziplinäre Annäherung zwischen Soziologie und Ökonomie, um gesellschaftliche Prozesse durch ein gemeinsames Begriffsverständnis besser analysierbar zu machen.
2. Grundlagen: Hier werden die zentralen Bourdieu-Begriffe wie Habitus, Feld und die verschiedenen Kapitalsorten eingeführt und deren Bedeutung für die soziale Struktur erläutert.
3. Alternative Konstruktion des sozialen Raums: Dieser Teil entwickelt ein mathematisches Vektormodell, um individuelle Kapitalausstattungen und deren Transformation innerhalb des sozialen Raums präzise darzustellen.
4. Anwendung des Modells: Das theoretische Modell wird auf das symbolische Kapital und die Analyse sozialer Ungleichheit angewandt, wobei Konzepte wie das der Zentrum-Peripherie-Metapher integriert werden.
5. Zusammenfassung: Die Ergebnisse werden gebündelt und das Potenzial des entwickelten Vektormodells als heuristisches Instrument für die Sozialforschung kritisch reflektiert.
Schlüsselwörter
Bourdieu, Soziale Struktur, Ökonomisches Kapital, Kulturelles Kapital, Soziales Kapital, Symbolisches Kapital, Vektormodell, Transformation, Habitus, Soziale Ungleichheit, Feldtheorie, Kapitalvolumen, Kapitalstruktur, Mikroökonomie, Sozialraum
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit versucht, die soziologische Theorie von Pierre Bourdieu, insbesondere sein Modell des sozialen Raums, in eine mathematische und mikroökonomische Sprache zu übertragen, um eine neue analytische Basis zu schaffen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Konzepte von Kapital, Habitus und Feld sowie die mathematische Modellierung von sozialen Positionen und deren Veränderung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, eine methodische Brücke zwischen Wirtschafts- und Sozialwissenschaften zu schlagen, indem Bourdieu-Begriffe für eine mathematisch greifbare Analyse von Sozialstruktur und Ungleichheit operationalisiert werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine modelltheoretische und mathematische Methode (Vektorrechnung, geometrische Raumdarstellung) angewandt, um soziologische Konzepte zu systematisieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Kapitalsorten definiert, die Transformation von Kapital thematisiert und das soziale Raummodell in ein dreidimensionales Vektorkoordinatensystem überführt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Kapital, Sozialraum, Vektormodell, Habitus und soziale Ungleichheit charakterisiert.
Warum wird das soziale Kapital als Variable im Vektormodell eingeführt?
Um den sozialen Raum nicht nur als zweidimensionale Fläche, sondern als vollständiges dreidimensionales Gebilde darzustellen, das die soziale Position eines Individuums realitätsnäher abbildet.
Wie unterscheidet sich die im Text vorgeschlagene „Zentrum-Peripherie-Metapher“ von traditionellen Modellen?
Im Gegensatz zu starren, vertikalen Schichtungsmodellen erlaubt die Metapher eine dynamischere, sektorale Einteilung der Gesellschaft, in der Positionen über Distanzen im Vektorraum bestimmt werden.
- Arbeit zitieren
- Sven Sygnecka (Autor:in), 2004, Bourdieu und der soziale Raum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/110855