Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education

Sexualität und Sexualerziehung von geistig behinderten Menschen

Title: Sexualität und Sexualerziehung von geistig behinderten Menschen

Diploma Thesis , 2001 , 41 Pages , Grade: Ausgezeichnet

Autor:in: Solvejg Brennig (Author)

Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Zu diesem Diplomthema habe ich mich durch mehr oder weniger regelmäßige Kontakte mit geistig behinderten Menschen anregen lassen. In den meisten Praktika, die ich im Laufe meiner Schulausbildung absolvierte, kam das Thema "Sexualität und geistige Behinderung" kaum bis gar nicht zur Sprache. Als ich in der dritten Klasse der Fachschule für Sozialberufe I ein Praktikum im de La Tour Treffen - Lindenschlössel hatte, lernte ich eine junge Frau mit geistiger Behinderung und Epilepsie kennen. Sie erzählte mir von ihrem Freund, der damals noch im gleichen Umfeld, in der Meierei, lebte, und ihrem gemeinsamen Liebesleben. Einmal pro Woche durfte er sie im Speisesaal des Lindenschlössels besuchen und einmal pro Woche besuchte sie ihn in seinem Zimmer in der Meierei. Von Betreuerinnen der Einrichtung erfuhr ich nur, dass sie vom Frauenarzt die Spirale eingesetzt bekommen hatte. Auf weitere Fragen wurde leider nicht eingegangen. Zu meinem Bedauern musste ich während meines Sommerpraktikums, welches ich im Rahmen der Lehranstalt für Heilpädagogische Berufe absolvierte, erfahren, dass diese Partnerschaft nicht mehr bestand. Der junge Mann wurde in einer anderen Institution untergebracht.
Weiteres erfuhr ich in der zweiten Klasse der Fachschule für Sozialberufe II im Unterricht - Methodik und Didaktik der Behindertenarbeit - mehr zu diesem Thema. Seit dieser Zeit, begann ich mich mehr mit der Sexualität geistig behinderter Menschen zu beschäftigen. Also lag kein Thema näher für meine Diplomarbeit als dieses.
In Gesprächen mit Freunden und Bekannten stieß ich immer wieder auf die gleichen Vorurteile, die auch in der einschlägigen Literatur behandelt wurden. Eines der größten Vorurteile ist wohl, dass Behinderte - egal ob körperlich oder geistig behindert - keine Sexualität brauchen bzw. dass diese Menschen gar nicht wissen, was Sexualität, Gefühle oder Zärtlichkeiten sind.
Meine Meinung wird jedoch durch die Bedürfnispyramide von Abraham H. Maslow gestärkt: Sexualität, Liebe und Zärtlichkeit ist genauso ein Grundbedürfnis wie Nahrung, Kleidung, Schlaf und das Gefühl der Sicherheit und der Selbstverwirklichung.
Mit meiner Arbeit möchte ich die Schwierigkeiten und Probleme geistig behinderter Menschen und deren Sexualität, die zum größten Teil durch ihr soziales Umfeld entstehen, ansprechen. Mein Ziel ist es auch, die Leser meiner Diplomarbeit zum Nach- und vielleicht zum Umdenken zu bewegen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Historischer Abriss

2. Begriffserklärungen

2.1 Definition geistige Behinderung

2.2 Definition Sexualität

3. Menschliche Entwicklung

3.1 Allgemeine Entwicklungsphasen

3.1.1 Orale Phase: Vertrauen ÁË Misstrauen

3.1.2 Anale Phase: Autonomie ÁË Zweifel

3.1.3 Phallische Phase: Iniative ÁË Schuldgefühl

3.1.4 Latenzphase: Leistung ÁË Minderwertigkeit

3.1.5 Pubertät: Identität ÁË Rollenverwechslung

3.2 Sexualentwicklung geistig behinderter Menschen

4. Bedeutung von Sexualität und Partnerschaft für geistig behinderte Menschen

4.1 Bedeutung von Sexualität

4.2 Bedeutung von Partnerschaft

5. Verhaltensweisen der Sexualität

5.1 Sexueller und genitaler Infantilismus

5.2 Selbstbefriedigung

5.3 Heterosexualität

5.4 Homosexualität

5.5 Abnormes Sexualverhalten

6. Sexueller Missbrauch bei Menschen mit geistiger Behinderung

7. Empfängnisverhütung

7.1 Antibabypille

7.2 Implantat

7.3 Intra-Uterin-Pessar (Spirale)

7.4 Diaphragma

7.5 Spermicide

7.6 Kondom

7.7 Sterilisation

8. Sexualpädagogische Grundlagen

8.1 Sexualerziehung

8.2 Auswahl und Beurteilung von Materialien

9. Konzepte und Materialien

10. Schlussbemerkung

Zielsetzung & Themen

Die Diplomarbeit untersucht die Bedeutung von Sexualität und Partnerschaft für Menschen mit geistiger Behinderung. Ziel ist es, Vorurteile abzubauen, auf die Bedürfnisse geistig behinderter Menschen aufmerksam zu machen und die Notwendigkeit einer individuellen Sexualerziehung aufzuzeigen, um eine selbstbestimmte Lebensführung zu fördern.

  • Historische Entwicklung des Umgangs mit behinderten Menschen
  • Sexualität als Grundbedürfnis und Teil der Identitätsentwicklung
  • Herausforderungen in Partnerschaften und Missbrauchsprävention
  • Verhütungsmethoden und deren Eignung im Behindertenkontext
  • Sexualpädagogische Konzepte und Materialauswahl

Auszug aus dem Buch

Praxisbeispiel:

Ein sechsundzwanzig jähriger Mann fiel durch seine Distanzlosigkeit unangenehm auf. Vor allem Frauen gegenüber suchte er verstärkten Kontakt durch Umarmen und ständiges Verfolgen.

Schließlich nahm sich eine Betreuerin seiner an und ließ sich auf die Rolle der „Ersatzmutter“ ein. Sie ließ Körperkontakt zu, streichelte und umarmte ihn. Als der Mann lernte, seine emotionalen Spannungszustände auf eine weibliche Puppe („Corinna“) zu projizieren - Differenzierungsphase – fing sie vorsichtig an, den Körperkontakt zu reduzieren.

Er lernte, sich mit seiner Umwelt auseinander zusetzen und die Bedeutung von Eigentum wurde ihm bewusst. Er nahm sein Zimmer an, räumte es aus und gestaltete es um. Auch die Körperpflege, die ihn bislang überforderte, begann er selbst durchzuführen. Er fand jedoch an den weiblichen Attributen wie lackierte Fingernägel, lange Haare oder Röcke mehr gefallen. Die männlichen Mitglieder seiner Gruppe interessierten ihn wenig. Seine Neigungen konnte er mit seiner „Corinna“ befriedigen, indem er ihr die Nägel lackierte und ihr die Haare kämmte.

Während des „Trotzalters“ zeigte er heftigen Widerstand, wollte seinen Willen durchsetzen, aber doch Zuneigung erfahren. Wenig später fing er an, sich mit der Geschlechterzugehörigkeit zu befassen. Er merkte, dass Frauen keinen Bart, Männer aber sehrwohl Bartwuchs haben. Schließlich bekam er eine männliche Puppe namens „Paul“. Er wurde sich bewusst, dass Paul ein Junge wie er war, und ebenfalls Hosen trug. Nun begann er auch, sich den männlichen Gruppenmitgliedern, besonders den „bärtigen“ Betreuern zuzuwenden. Er ahmte Redewendungen, Haltungen und Handlungen nach. Bis er beschloss, sich wie seine männlichen Gruppenmitglieder, einen Bart wachsen zu lassen. Die Identifizierung mit seiner männlichen Rolle, war durch die phasengerechten Beziehungsangebote seine „Ersatzmutter“ gelungen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Historischer Abriss: Beschreibt den Wandel der Lebensumstände behinderter Menschen vom Mittelalter über die Aufklärung bis hin zur Psychiatrie und modernen Ansätzen.

2. Begriffserklärungen: Definiert geistige Behinderung sowie den komplexen Begriff der Sexualität in Bezug auf den Behindertenkontext.

3. Menschliche Entwicklung: Erläutert allgemeine psychosexuelle Entwicklungsphasen und deren spezifische Ausprägung bei geistig behinderten Menschen.

4. Bedeutung von Sexualität und Partnerschaft für geistig behinderte Menschen: Beleuchtet, wie Sexualität und Partnerschaft zur Identitätsbildung, Selbstverwirklichung und Lebensqualität beitragen.

5. Verhaltensweisen der Sexualität: Analysiert verschiedene Aspekte wie Selbstbefriedigung, Hetero- und Homosexualität sowie den Umgang mit vermeintlich abnormem Sexualverhalten.

6. Sexueller Missbrauch bei Menschen mit geistiger Behinderung: Thematisiert Risikofaktoren für Missbrauch sowie notwendige Interventionsschritte und Schutzmaßnahmen.

7. Empfängnisverhütung: Diskutiert verschiedene Verhütungsmethoden, ihre praktische Anwendbarkeit und die ethischen Aspekte der Sterilisation.

8. Sexualpädagogische Grundlagen: Definiert Ziele der Sexualerziehung und Kriterien zur Auswahl geeigneter pädagogischer Materialien.

9. Konzepte und Materialien: Gibt einen Ausblick auf die praktische Arbeit mit sexualpädagogischen Angeboten für Erwachsene mit geistiger Behinderung.

10. Schlussbemerkung: Appelliert an Betreuer und Eltern, das Grundrecht auf Sexualität für behinderte Menschen aktiv zu unterstützen und Vorurteile abzubauen.

Schlüsselwörter

Geistige Behinderung, Sexualität, Sexualerziehung, Partnerschaft, Selbstbestimmung, Inklusion, Missbrauchsprävention, Verhütung, Sexualpädagogik, Lebensqualität, Identitätsentwicklung, Normalisierung, Behindertenbetreuung, Bedürfnisse, Körperwahrnehmung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beleuchtet die Sexualität geistig behinderter Menschen als integralen Bestandteil ihrer Persönlichkeit und untersucht, wie dieses Grundbedürfnis in einem unterstützenden Umfeld gelebt werden kann.

Welche zentralen Themenfelder behandelt das Dokument?

Die zentralen Themen umfassen die historische Entwicklung des Behindertenbildes, die psychosexuelle Entwicklung, die Bedeutung von Partnerschaften, Missbrauchsprävention sowie Konzepte der Sexualerziehung.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, Leser zum Umdenken zu bewegen und Betreuern sowie Eltern Wege aufzuzeigen, wie sie geistig behinderte Menschen in ihrer sexuellen Identitätsentwicklung respektvoll und professionell begleiten können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturrecherche und der Analyse von heilpädagogischen und sexualpädagogischen Grundlagen sowie praxisorientierten Fallbeispielen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Begriffen, der menschlichen Entwicklung, konkreten Verhaltensweisen der Sexualität, Verhütungsmethoden und der praktischen Umsetzung sexualpädagogischer Arbeit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Geistige Behinderung, Sexualität, Sexualerziehung, Partnerschaft, Inklusion und Selbstbestimmung sind zentrale Begriffe der Arbeit.

Wie kann das Risiko von sexuellem Missbrauch bei behinderten Menschen gesenkt werden?

Durch sexualpädagogische Aufklärung, die Förderung der Selbstbestimmung und die Etablierung klarer Interventionsstrukturen bei Übergriffen, um das Unterscheidungsvermögen und die Wehrhaftigkeit zu stärken.

Warum wird die Sterilisation in der Arbeit kritisch betrachtet?

Da der Wunsch selten von den Betroffenen selbst kommt, der Eingriff medizinische Risiken birgt und er häufig zur "einfachen Lösung" für überforderte Angehörige degradiert wird, ohne die eigentlichen Bedürfnisse der Menschen zu klären.

Excerpt out of 41 pages  - scroll top

Details

Title
Sexualität und Sexualerziehung von geistig behinderten Menschen
Grade
Ausgezeichnet
Author
Solvejg Brennig (Author)
Publication Year
2001
Pages
41
Catalog Number
V10828
ISBN (eBook)
9783638171519
Language
German
Tags
Sexualität Sexualerziehung Menschen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Solvejg Brennig (Author), 2001, Sexualität und Sexualerziehung von geistig behinderten Menschen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10828
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  41  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint