Die Balanced Scorecard wurde in den USA von Professor Robert S. Kaplan (Harvard University) und David P. Norten (Unternehmensberater) in Zusammenarbeit mit Vertretern der Industrie am Anfang der neunziger Jahre entwickelt. Inzwischen haben einige Unternehmen dieses Managementsystem eingeführt und auch Autoren haben dieses Thema von verschiedenen Seiten beleuchtet. Einige dieser Publikationen befassen sich mit der effektiven Implementierung eines solchen Systems und den damit verbundenen Problemen. Insbesondere der Einführungs- und Umsetzungsprozess muss sorgfältig geplant sein, denn bei einer unprofessionellen Einführung können viele Fehler gemacht werden und die Balanced Scorecard kann dadurch die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllen. Es wurden und werden auch heute noch zu viele Fehler gemacht, vor allem in der frühen Phase der Einführung. Da der Erfolg dieses Projekts aber zu einem großen Teil von dieser Phase abhängt, muss hier professionell agiert, Fehler erkannt und ausgeschlossen werden.
Aus diesem Grund widmet sich die folgendende Studienarbeit schwerpunktmäßig der Einführung der Balanced Scorecard im Unternehmen. Dabei werden häufig auftretende Fehler bei der praktischen Umsetzung aufgezeigt und Vorschläge zur Vermeidung dieser angeboten. Sie soll dem Leser einen Überblick über den kompletten Einführungsprozess der Balanced Scorecard verschaffen und dabei die erfolgsrelevanten Punkte ansprechen. Um ein grundsätzliches Verständnis für die komplexe Materie zu schaffen, wird in einem kurzen Ausschnitt das Konzept der Balanced Scorecard vorgestellt, um dann die Ursachen, die für die Entwicklung dieses Managementsystems verantwortlich waren, aufzuzeigen. Den Hauptteil bildet die eigentliche Einführung im Unternehmen, die sich in fünf Phasen untergliedern lässt. Ergänzt wird dies durch eine Schlussbetrachtung.
Inhaltsverzeichnis
I 10 Jahre Balanced Scorecard
1 Das Konzept der Balanced Scorecard
2 Gründe für die Einführung der Balanced Scorecard
2.1 Probleme bei der Strategieumsetzung
2.2 Die Kritik an den klassischen Messgrößensystemen
II Das fünf Phasen Modell der Balanced Scorecard
1 Klärung der strategischen Grundlagen
1.1 Von der Vision zur Strategie
1.2 Bestimmung der strategischen Stoßrichtung
2 Den organisatorischen Rahmen schaffen
2.1 Die „Architektur“ bestimmen
2.2 Die Projektorganisation gestalten
2.3 Sicherstellung der Kommunikation mit den Mitarbeitern
3 Balanced Scorecard entwickeln und implementieren
3.1 Konkretisierung der strategischen Ziele
3.2 Ursachen/-Wirkungsbeziehungen aufbauen
3.3 Messgrößen auswählen und Zielwerte festlegen
3.4 Strategische Aktionen bestimmen
4 Der Roll-Out der Balanced Scorecard
5 Den kontinuierlichen Einsatz der Balanced Scorecard sicherstellen
III Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einführungsprozess der Balanced Scorecard in Unternehmen. Ziel ist es, häufige Fehler bei der Implementierung aufzuzeigen, praxisnahe Lösungsansätze zu vermitteln und einen strukturierten Überblick über das Phasenmodell zur erfolgreichen Strategieumsetzung zu geben.
- Grundlagen und Konzept der Balanced Scorecard
- Kritik an rein finanziellen Kennzahlensystemen
- Strategische Planung und Definition von Zielen
- Strukturierung der Projektorganisation
- Operative Umsetzung und Roll-Out der Scorecard
Auszug aus dem Buch
3.2 Ursachen-/Wirkungsbeziehungen aufbauen
In einem nächsten Schritt soll das Erarbeiten von Ursachen-/Wirkungsbeziehungen die Kausalität der strategischen Zielüberlegungen widerspiegeln. Sie sollen eine intensive Diskussion zwischen den verschiedenen Perspektiven und eine Sensibilisierung für die Probleme anderer Funktionsbereiche bewirken. Dabei kann man mehrere Methoden anwenden, um Ursachen-/Wirkungsbeziehungen aufzubauen.
An dieser Stelle wird der schematische Ablauf der Erarbeitung von Ursachen-/Wirkungsbeziehungen am Beispiel der ABB Industrie AG dargestellt, die den sogenannten Bottom-up Ansatz wählte. Dabei wird davon ausgegangen, dass jeder einzelne Manager über seine eigenen Denkmodelle und sein eigenes Wissen verfügt. Deshalb ermittelt jeder im Balanced Scorecard Team zuerst in Einzelarbeit die für ihn persönlich wichtigen Zielverknüpfungen. Bottem-up bedeutet, dass zuerst innerhalb einer Perspektive die verschiedenen Zielbeziehungen identifiziert werden und im Anschluss daran die Beziehungen zwischen den vier Perspektiven. Dabei ist wichtig, dass man von der untersten Perspektive ausgeht. In diesem Fall war die unterste Perspektive die Potentialperspektive. Man erarbeitet nun von dieser ausgehend für die nachfolgende Prozess-, Kunden- und Finanzperspektive die Ursachen-/Wirkungszusammenhänge. Dieses Vorgehen gibt im Grunde die Idee der Balanced Scorecard wieder, nämlich die aufeinander aufbauende Struktur der Perspektiven zur Erreichung der finanziellen Ziele. Im zweiten Schritt diskutiert man in einem Team über die individuellen Wirkungs-Verknüpfungen und erhält als Ergebnis ein Ursachen-/Wirkungsdiagramm, das als gemeinsam formuliertes Geschäftsmodell die Pfade beschreibt, auf denen die Unternehmensziele erreicht werden sollen.
Zusammenfassung der Kapitel
10 Jahre Balanced Scorecard: Einleitung in die Entwicklung des Managementsystems und Erläuterung der Zielsetzung der Arbeit.
Das Konzept der Balanced Scorecard: Vorstellung der Methode als Steuerungsinstrument zur Kommunikation von Strategien auf allen Hierarchieebenen.
Gründe für die Einführung der Balanced Scorecard: Analyse von Problemen bei der Strategieumsetzung und Defiziten klassischer, rein finanziell orientierter Kennzahlensysteme.
Klärung der strategischen Grundlagen: Erläuterung der Vision und der Ableitung strategischer Stoßrichtungen durch Analysen wie die SWOT-Analyse.
Den organisatorischen Rahmen schaffen: Darstellung der notwendigen Vorbereitungen, einschließlich der Architektur und der Gestaltung der Projektorganisation.
Balanced Scorecard entwickeln und implementieren: Konkrete Schritte zur Zielfindung, Kausalitätsprüfung und Definition von Mess- und Zielgrößen.
Der Roll-Out der Balanced Scorecard: Beschreibung der horizontalen und vertikalen Ausdehnung der Scorecard auf untergeordnete Organisationseinheiten.
Den kontinuierlichen Einsatz der Balanced Scorecard sicherstellen: Integration in das Management- und Planungssystem zur langfristigen Qualitätssicherung.
Schlussbetrachtung: Zusammenfassendes Fazit über Chancen und Risiken sowie die Notwendigkeit einer unternehmensspezifischen Anpassung.
Schlüsselwörter
Balanced Scorecard, Strategieumsetzung, Managementsystem, Kennzahlen, Unternehmenssteuerung, Implementierung, Finanzperspektive, Kundenperspektive, Prozessperspektive, Lern- und Entwicklungsperspektive, Leistungstreiber, Ursachen-Wirkungsbeziehungen, Projektmanagement, Zielwerte, Strategische Planung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der praktischen Einführung und Implementierung der Balanced Scorecard als Instrument zur strategischen Unternehmensführung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentral sind die strategische Ausrichtung, das fünf Phasen Modell, die Gestaltung der Projektorganisation, die Kommunikation mit Mitarbeitern und der Roll-Out im Unternehmen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Lesern einen Überblick über den gesamten Einführungsprozess zu verschaffen und durch das Aufzeigen häufiger Fehler bei der Umsetzung einen professionellen Projekterfolg zu unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender Managementpublikationen sowie auf Praxisbeispiele zur Veranschaulichung der methodischen Vorgehensweise.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in fünf Phasen: Klärung strategischer Grundlagen, Schaffung des organisatorischen Rahmens, Entwicklung und Implementierung, Roll-Out und Sicherstellung des kontinuierlichen Einsatzes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Balanced Scorecard, Strategieumsetzung, Kennzahlensysteme, Leistungstreiber, Projektorganisation und Unternehmenssteuerung.
Warum ist das "Bottom-up"-Prinzip beim Aufbau der Ursachen-Wirkungsbeziehungen relevant?
Es stellt sicher, dass das Wissen der einzelnen Mitarbeiter einfließt und die Kausalketten von der Potential- über die Prozess- und Kundenperspektive bis hin zu den finanziellen Zielen logisch aufgebaut werden.
Inwieweit spielt die Unternehmenskultur beim Roll-Out eine Rolle?
Die Arbeit betont, dass eine erfolgreiche Implementierung ohne die Einbindung und Motivation der Mitarbeiter kaum möglich ist, weshalb Kommunikation und Anreizsysteme essenziell sind.
- Quote paper
- Mario Kichner (Author), 2002, Die Einführung der Balanced Scorecard im Unternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10546