Nadine Eckert 12/3
-Erörterung-
Thema
Zensuren sollten in einer modernen Schule abgeschafft werden.
Das Schuljahr neigt sich langsam dem Ende zu und wieder stehen tausende deutscher Schüler vor der selben Frage: „Wie erkläre ich DIE Noten bloß meinen Eltern?“. Zunächst kann man bei einzelnen „Fehltritten“ noch behaupten, der betreffende Lehrer wäre Schuld. Doch häufen sich schlechte Zensuren und der Schüler sieht keinen Ausweg mehr, wird aus Lernlust schnell Lernfrust. Denn obgleich die Noten mies sind, kann der Schüler trotzdem ein guter Mensch sein und über einen gesunden Wissensfundus verfügen. Ebenso ist es dann aber auch möglich, das vermeintlich sehr gute Schüler bloß durch ihren guten Notenspiegel überbewertet und somit also gar nicht so schlau sind, wie alle denken. Diese Überlegungen sind Lehrern, als auch Schülern sehr wohl bekannt, doch kaum einer denkt wirklich darüber nach und nimmt sich vor, etwas zu verändern. Sollte man sich da nicht fragen, ob die althergebrachte Benotung überhaupt noch zeitgemäß ist?
Ich persönlich habe in meinem mittlerweile bald 12jährigen Schülerdasein sehr vielschichtige Erfahrungen mit dieser Thematik gemacht. Da ich eigentlich meistens zu frieden war, kamen solche Probleme für mich nur wenig in Frage. Mir selbst gefällt das Notensystem von 1 - sehr gut bis 6 - schlecht ziemlich gut und ich könnte mir auch keine wirklich praktikable Alternative vorstellen. Dennoch machen mich die Äußerungen mancher Mitschüler und Lehrer etwas nachdenklich. Ich finde, dass es sich beide zu leicht machen, immer die Schuld auf den anderen Part zu schieben. Die Noten sind ja schließlich nicht völlig subjektiv erteilt, sondern der Lehrer kann seine Entscheidung ja schließlich auch begründen. Das Argument vieler Schüler, der Lehrer wolle sich rächen, da er sie bloß nicht leiden kann, hat da keine Berechtigung. Auch die Forderung nach schriftlichen Einschätzungen in jedem Einzelfach kann ich nicht nachvollziehen. Im folgenden werde ich versuchen, meinen Standpunkt deutlich zu machen und die oben genannte These kritisch zu betrachten. Seit jäh her gibt es zwei verschiedene „Schüler-Typen“: den faulen gähnenden Nichtsnutz mit dementsprechenden Zensuren und den strebsamen wissbegierigen Brillenträger der nur die besten Noten bekommt. Klingt doch ganz plausibel, oder? Aber so einfach ist es eben nicht! Für viele reicht der vorgegebene Leistungsmaßstab mancher Lehrer nicht aus. Sie brauchen individuelle Beurteilung und das Hinterfragen der Fähigkeiten ihrer Schüler, um ein klares Urteil fällen zu können. Jeder Schüler hat besondere Eigenschaften und Eigenarten, die berücksichtigt werden sollten, bevor ein Lehrer einfach nur eine Note erteilt. Desweiteren wird eine Arbeit meist nur in ihrer vorliegenden Endform betrachtet und der Lehrer bezieht den Entwicklungsprozess und die Umstände der Entstehung nicht mit ein. Damit meine ich, dass einige Lehrer sensibler auf die Art eingehen sollten, mit der ihre Schüler an eine Aufgabe heran gehen und sie bei der Ausarbeitung beobachten und gegebenenfalls korrigieren sollten. Dem Anfertigen einer Arbeit müsste also mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden, als dem bloßen Vortrag oder der abgegebenen Endform. Diese Teile würden in vielen Fällen zu einer schlüssigen und nachvollziehbaren Benotung führen.
Das Entgegenkommen mancher Lehrer, unter die erteilte Note noch eine kurze Begründung und Verbesserungsvorschläge zu schreiben, kann ich nur begrüßen. Diese Art hilft viel mehr, eventuelle Fehler auszumerzen und gute Eigenschaften auszubauen, als die Marotte anderer Pädagogen, einfach nur riesige Fragezeichen gleichmäßig über den Text zu verteilen, als sei es ein Wettbewerb. Wer eine solche Arbeit mit noch dazu schlechter Note drunter bekommt, kann doch nur verzweifeln! Falls die Zensur aber doch mal schlechter als erwartet wird, kann der Lehrer dann wenigstens noch durch die kurze Notiz aufmuntern und verbessern. Anscheinend dauert das den meisten aber zu lange. Ist es doch schließlich viel einfacher nur eine einzige Zahl darunter zu schreiben, als sich mit dem Schüler genauer auseinanderzusetzen. Es gibt halt für manche Lehrer wichtigere Dinge, als das Wohlergehen ihrer Schüler. Sicherlich hat ein Schüler ebenso wie die Lehrer mal einen schlechten Tag, doch das dann gleich kategorisch an den Eleven auszulassen ist keineswegs „pädagogisch wertvoll“.
Leider werden viele persönliche Probleme zwischen Lehrern und Schülern über des Lehrers einzige „Waffe“, die Noten, ausgetragen. Fühlt sich der Lehrer bedrängt oder gar denunziert, hagelt es schlechte Zensuren für den „Feind“ Schüler. Das Benoten ist ja eben „Ermessensfrage“, wie man so schön sagt. Diese Tatsache würde sich aber durch das Abschaffen von Noten zu Gunsten einer schriftlichen Einschätzung auch nicht ändern. Würde der Lehrer eine Beurteilung schreiben, könnte er die sozialen und autoritären Defizite des betreffenden Schülers noch besser aufdecken und er würde dann auch nicht besser wegkommen. Wie man es auch dreht und wendet, respektloses Verhalten könnte immer schlecht bewertet werden, wenn auch die eigentlichen Aufgaben noch so gut erledigt wurden. Diese Art der Benotung durch Lehrer hat also den Vorteil, dass auch das Verhalten und die Kooperationsbereitschaft des Schülers mit einbezogen wird.
Noten üben auf Viele auch sehr großen Druck aus. Also stehen sie 10 Jahre oder noch mehr unter fast permanentem Druck und reagieren mit Unmut und Unverständnis für ihre Lehrer. Sie kommen gar nicht auf die Idee, sich mit ihren Noten zu identifizieren, da sie nicht wirklich dafür gearbeitet haben, sondern missmutig das tun, was von ihnen verlangt wurde. Jegliche Kreativität wir unterdrückt und verurteilt, weil alle nur genau die Vorgaben erfüllen sollen und nichts anderes. Es gibt halt Lehrer, die schätzen Untergebenheit mehr, als neue und andere Ideen. Da kommt als Erklärung nur: „Thema verfehlt.“ und plötzlich bekommt die Ermessensfrage eine ganz andere Bedeutung. In diesem Fall sind dann die simplen Zahlen von 1 bis 6 nur ein Vorwand, auch mal andere Meinungen gelten zu lassen und diese zu hinterfragen. Da wäre eine schriftliche Beurteilung wohl angebrachter. Es gibt ja bereits sogenannte Waldorf-Schulen, an denen ohne Notenvergabe nach normalem Vorbild gelehrt wird. Vor allem in sehr christlichen Gebieten findet man diese Schulart. Das System baut auf schriftlichen Beurteilungen in jedem Fach und auf zwischenzeitliche Information an die Eltern. An sich klingt das ja gut, aber ich denke, dass diese Schüler mit ihrem ungewöhnlichen Abschluss uns gegenüber einen großen Nachteil haben, da man sie im Berufsleben nicht ernst genug nimmt. Ich habe schon mehrere Diskusionen mit Wahldorf- und „normalen“ Schülern verfolgt und musste zu dem Schluss kommen, dass Firmenchefs und Universitäten Noten als Beurteilungskriterium mehr schätzen, als bloße Worte. Das mag daran liegen, dass der Vergleich bei Zensuren viel leichter fällt, als bei mannigfaltigen Einzelbeurteilungen ohne genauen Vergleich mit anderen.
Die althergebrachte Methode hat sich bewährt und man will jetzt auch keine Änderung mehr, da es so für jeden am vorteilhaftesten ist.
Sollte ein Schüler doch mal nicht zufrieden sein, wäre vorsichtiges und taktvolles Anfragen bei dem Lehrer besser, als verurteilen oder gar resignieren. Möglicherweise stößt der Vorschlag, kleine Beurteilungen einzubauen ja auch auf mehr Anklang, wenn ein anderer Lehrer vermittelt. Aber die Überlegung Noten ganz abzuschaffen, kommt meiner Meinung nach von schlichtweg wirklich faulen Schülern, die denken, dass so alle nur gute Bewertungen bekommen und sie nichts mehr dafür tun müssen. Etwas Druck braucht ein Schüler schon,...damit muss er umzugehen lernen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dem Text „Zensuren sollten in einer modernen Schule abgeschafft werden“?
Der Text ist eine Erörterung über die Frage, ob Zensuren in einer modernen Schule abgeschafft werden sollten. Der Autor reflektiert seine eigenen Erfahrungen mit dem Notensystem, die Argumente von Mitschülern und Lehrern und die Vor- und Nachteile von traditionellen Noten im Vergleich zu schriftlichen Beurteilungen.
Welche Argumente werden für die Beibehaltung von Zensuren genannt?
Der Autor argumentiert, dass das Notensystem bewährt ist und eine praktikable Vergleichsgrundlage bietet. Außerdem werden Noten von Firmen und Universitäten als Beurteilungskriterium geschätzt. Die Verhaltensweise und die Kooperationsbereitschaft des Schülers kann so mit einbezogen werden.
Welche Kritik wird am Notensystem geäußert?
Kritisiert wird, dass Noten Druck ausüben können und die Kreativität der Schüler unterdrücken. Es wird auch bemängelt, dass Lehrer manchmal persönliche Probleme über die Noten austragen und die Leistungsbeurteilung zu subjektiv ist. Der Entwicklungsprozess und die Umstände der Entstehung einer Arbeit werden oft nicht ausreichend berücksichtigt.
Welche Alternativen zum Notensystem werden angesprochen?
Als Alternative wird die schriftliche Einschätzung genannt, wie sie beispielsweise an Waldorfschulen praktiziert wird. Diese Art der Beurteilung soll individueller auf die Schüler eingehen und ihre Fähigkeiten umfassender berücksichtigen. Es wird aber auch der Nachteil erwähnt, dass Waldorfschüler im Berufsleben möglicherweise benachteiligt werden.
Was ist die persönliche Meinung des Autors zum Thema?
Der Autor steht dem Notensystem grundsätzlich positiv gegenüber, räumt aber ein, dass Verbesserungen möglich sind. Er befürwortet kurze Begründungen und Verbesserungsvorschläge unter den Noten, um den Schülern konstruktives Feedback zu geben. Er ist jedoch gegen die generelle Abschaffung von Noten.
Was wird als Lösung für unzufriedene Schüler vorgeschlagen?
Der Autor empfiehlt, dass Schüler, die mit ihren Noten unzufrieden sind, das Gespräch mit dem Lehrer suchen und gegebenenfalls Verbesserungsvorschläge machen. Er hält es jedoch für falsch zu resignieren oder den Lehrer zu verurteilen.
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- Nadine Eckert (Author), 2001, Zensuren sollten in einer modernen Schule abgeschafft werden!, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/104805