In dieser Bachelorthesis soll es primär darum gehen, auf welche Art und Weise ungewollt schwangere Frauen einen Abbruch der Schwangerschaft bewältigen. Die Gründe für einen Abbruch aus der Sicht der betroffenen Frauen und die Folgen eines Schwangerschaftsabbruches für die Frau bilden den Mittelpunkt. Keine Frau wünscht sich einen Schwangerschaftsabbruch. Die Meinung einer breiten Öffentlichkeit ist aber, wenn eine Frau ungewollt schwanger wird und die Schwangerschaft abbrechen möchte, dass mit großer Wahrscheinlichkeit Schuldgefühle, wenn nicht sogar Depressionen auf sie warten.
Es soll dargelegt werden, welche Krankheitsbilder im Kontext eines Schwangerschaftsabbruches entstehen können und ob unter dem Leitspruch Abbruch als Chance eine positive Verarbeitung möglich ist. Ziel soll es sein, einen Vergleich zwischen negativen und positiven psychologischen Folgen herzustellen.
Im ersten Schritt wird der Begriff Schwangerschaftsabbruch definiert und wichtige Hintergründe, wie Methoden, rechtliche Aspekte und die aktuelle Situation in Deutschland erläutert, um die Thematik erfassen zu können. Im Anschluss daran werden die Gründe für einen Schwangerschaftsabbruch aus der Sicht betroffener Frauen näher beleuchtet. Mit Hilfe von Informationen zum Entscheidungsprozess der Frau, welcher im Endeffekt zum Schwangerschaftsabbruch führt, soll der Frage nachgegangen werden, wie sich die Entscheidung zum Abbruch entwickelt und wie er verarbeitet werden kann. Darauf aufbauend wird im fünften Schritt die Diskussion über die Folgen, vor allem die psychologischen Folgen, geführt. Genauer thematisiert werden dabei die häufigsten Krankheitsbilder Depression, Angststörung, posttraumatische Belastungsstörung und das Post-Abortion-Syndrom. In Bezug auf die psychologischen Folgen sollen insbesondere die positiven Folgen fokussiert werden. Im sechsten Kapitel werden mögliche Bewältigungsstrategien eines Schwangerschaftsabbruches und mögliche Schlussfolgerungen vorzufinden sein. Die vorliegende Arbeit findet im Fazit/ Ausblick ihren Abschluss.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Hintergründe zum Schwangerschaftsabbruch
2.1 Definition des Schwangerschaftsabbruches
2.2 Die häufigsten Methoden eines Schwangerschaftsabbruches
2.3 Aktuelle Rechtslage eines Schwangerschaftsabbruches in Deutschland
2.4 Aktuelle Situation zum Schwangerschaftsabbruch in Deutschland
2.5 Kampagnen der Abtreibungsgegner*innen
3 Gründe der Frauen für einen Schwangerschaftsabbruch
3.1 Persönliche Gründe
3.2 Gesellschaftlich bedingte Hintergründe
4 Entscheidungsprozess der Frau zum Abbruch einer Schwangerschaft
4.1 Die Information zur ungewollten Schwangerschaft
4.2 Der Konflikt der schwangeren Frau
4.3 Männer im Schwangerschaftskonflikt
4.4 Die Entscheidung zum Abbruch der Schwangerschaft
4.5 Die Verarbeitung des Schwangerschaftsabbruches
4.6 Die Rolle der Schwangerschaftskonfliktberatung
5 Folgen eines Schwangerschaftsabbruches für die Frau
5.1 Komplikationen und physische Folgen
5.2 Psychische Folgen
5.3 Die häufigsten Krankheitsbilder
5.3.1 Depression
5.3.2 Angststörungen
5.3.3 Posttraumatische Belastungsstörung
5.3.4 Post-Abortion-Syndrom
5.4 Positive psychologische Folgen
6 Mögliche Bewältigungsstrategien eines Schwangerschaftsabbruches
6.1 Erkenntnisse aus der Resilienzforschung
6.1.1 Definition des Resilienzbegriffes
6.1.2 Das Resilienzkonzept
6.1.3 Risiko- und Schutzfaktoren im Resilienzkonzept
6.1.4 Mögliche Wege zur Erlangung von Resilienz
6.2 Erkenntnisse aus der Trauerarbeit
6.2.1 Definition Trauer
6.2.2 Trauer und Schwangerschaftskonflikt
6.2.3 Modell der Trauerbewältigung
6.2.4 Verarbeitung der Trauer nach einem Schwangerschaftsabbruch
7 Fazit/ Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie ungewollt schwangere Frauen einen Schwangerschaftsabbruch bewältigen, welche Faktoren ihre Entscheidung beeinflussen und welche psychischen sowie physischen Folgen für die Betroffenen entstehen können, wobei ein besonderer Fokus auf Bewältigungsstrategien liegt.
- Gründe für einen Schwangerschaftsabbruch aus der Sicht betroffener Frauen
- Prozess der Entscheidungsfindung im Schwangerschaftskonflikt
- Vergleich von negativen und positiven psychologischen Folgen des Abbruchs
- Anwendung der Resilienzforschung und Trauerarbeit zur Bewältigung
Auszug aus dem Buch
4.2 Der Konflikt der schwangeren Frau
Ein Zitat aus Maja Langsdorffs Buch beschreibt sehr bildhaft, in welchem Konflikt sich eine Frau in so einer Situation befindet. „Ein Kind zu bekommen, das war eine reizvolle Idee, aber der Gedanke erschreckte mich bis in alle Glieder. Ich war hin und hergerissen. Richtete in Gedanken schon ein Kinderzimmer ein. Hatte ich einen Punkt für das Kind, standen gleich zehn Punkte dagegen.“ (vgl. ebd., 95). Wie im Punkt 4.1 bereits erwähnt wurde, soll an dieser Stelle nochmals gesagt werden, dass es Frauen gibt, für die ihre Entscheidung für einen Schwangerschaftsabbruch von Anfang an feststeht und die nicht diesen beschriebenen Konflikt erleben.
Andere wiederum erleben die für diese Phase des Schwangerschaftskonfliktes ein breites Spektrum an Stimmungen, wie z.B. Traurigkeit, Zorn, Wut, Hass, Träume und Hoffnungen u.v.m. Es ist für die Frau unabdingbar in dieser Phase eine Lösung zu finden. Frauen erleben eine unendliche Zerrissenheit, Angst vor Überforderung, vor negativen Auswirkungen auf die Partnerschaft und auch Angst vor dem Abbruch selbst. Wie schwer es für die Frau ist, eine Entscheidung zu treffen, hängt von der Ambivalenz ihrer Gefühle und ihren Bewältigungsstrategien im Umgang mit Konflikten ab. Zusätzlich sitzt ihr immer die Zeit im Genick. Oft sind die Frauen mit ihrem Konflikt allein, weil sie sich nicht trauen, den Partner, Verwandte und Bekannte mit einzubeziehen, weil sie die Befürchtung haben, unter Druck gesetzt zu werden (vgl. ebd., 95-96). „Susanne von Paczensky meint: Der Druck, die Schwangerschaft und auch den Abbruch geheim halten zu müssen, ist für manche Frauen fast unerträglich. Sie fühlen sich isoliert, in ihren Ängsten allein gelassen, in ihrer Entscheidung unsicher. […] Die Heimlichkeit macht einsam, sie löst Schuldgefühle aus und erschwert oft, wenn alles vorbei ist, die Erfahrung zu verarbeiten und zu überwinden.“ (Paczensky in Langsdorff 1996, 96-97).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Motivation der Autorin, die durch Praktikumserfahrungen in einer Beratungsstelle angeregt wurde, und skizziert das Ziel, die Bewältigung ungewollter Schwangerschaften sowie die psychologischen Folgen zu untersuchen.
2 Hintergründe zum Schwangerschaftsabbruch: Dieses Kapitel definiert den Schwangerschaftsabbruch, beschreibt medizinische Methoden und erläutert die aktuelle Rechtslage sowie die öffentliche Debatte in Deutschland.
3 Gründe der Frauen für einen Schwangerschaftsabbruch: Hier werden empirische Daten zu persönlichen Motiven wie Partnerschaftssituationen und beruflichen Unsicherheiten sowie gesellschaftliche Einflüsse auf die Entscheidung dargelegt.
4 Entscheidungsprozess der Frau zum Abbruch einer Schwangerschaft: Das Kapitel beleuchtet die Phasen des Entscheidungsprozesses, den internen Konflikt der Frau, die Rolle des Partners und die Funktion der professionellen Schwangerschaftskonfliktberatung.
5 Folgen eines Schwangerschaftsabbruches für die Frau: Dieser Abschnitt analysiert physische Komplikationen, psychische Auswirkungen sowie Krankheitsbilder wie Depressionen und betrachtet kritisch positive Verarbeitungsmöglichkeiten.
6 Mögliche Bewältigungsstrategien eines Schwangerschaftsabbruches: Das Kapitel führt in die Resilienzforschung und Trauerarbeit ein, um Wege aufzuzeigen, wie Frauen den Abbruch seelisch verarbeiten und gestärkt aus dieser Krise hervorgehen können.
7 Fazit/ Ausblick: Das Fazit fasst die Kernergebnisse zusammen, hinterfragt die gesellschaftliche Stigmatisierung und fordert einen reflektierten Umgang mit dem Thema sowie weitere Langzeitstudien.
Schlüsselwörter
Schwangerschaftsabbruch, Entscheidungsprozess, Schwangerschaftskonfliktberatung, psychische Folgen, physische Folgen, Resilienz, Trauerarbeit, ungewollte Schwangerschaft, Selbstbestimmung, Krankheitsbilder, Depression, Angststörungen, Beratungsregelung, Krisenbewältigung, Stigmatisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelor-Thesis grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die verschiedenen Aspekte eines Schwangerschaftsabbruchs, insbesondere aus der Sicht betroffener Frauen, und beleuchtet den Entscheidungsprozess, mögliche Folgen sowie Bewältigungsstrategien.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Kernbereichen gehören die rechtlichen Rahmenbedingungen, Gründe für den Abbruch, psychologische und physische Auswirkungen, die Rolle der Schwangerschaftskonfliktberatung sowie die Anwendung von Resilienz- und Trauermodellen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, den Entscheidungsprozess und die Verarbeitung von Schwangerschaftsabbrüchen zu verstehen und einen Vergleich zwischen negativen und potenziell positiven psychologischen Folgen herzustellen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche, der Auswertung empirischer Studien (wie "frauen leben 3") und der Einbeziehung fachlicher Erkenntnisse aus der psychologischen Forschung und der Sozialen Arbeit.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Gründe für Abbrüche, den Prozess der Entscheidungsfindung, medizinische und psychische Auswirkungen, die Bedeutung der Beratung sowie verschiedene psychologische Bewältigungsansätze.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Thesis?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Schwangerschaftskonflikt, Resilienz, Selbstbestimmung, psychische Verarbeitung und gesellschaftliche Debatte geprägt.
Welche Rolle spielt die "Zwangsberatung" im Kontext der Arbeit?
Die Autorin diskutiert die Schwangerschaftskonfliktberatung als notwendige, aber aufgrund des gesetzlichen Rahmens ambivalente "Dreiecksbeziehung" zwischen Klientin, Gesetz und Beraterin, wobei sie deren Potenzial als unterstützendes Angebot hervorhebt.
Welche Bedeutung kommt der Resilienzforschung für die Bewältigung zu?
Die Resilienzforschung bietet laut der Autorin einen wertvollen Rahmen, um Ressourcen zu identifizieren, die es Frauen ermöglichen, aus der Krise des Schwangerschaftsabbruchs gestärkt hervorzugehen und eine positive Lebensgestaltung zu erreichen.
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- Michaela Köditz (Author), 2018, Der Schwangerschaftsabbruch. Gründe, Entscheidungsprozess, Bewältigungsstrategien und Folgen für schwangere Frauen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1041991