BLADE RUNNER 2049 (USA 2017, Denis Villeneuve) beschäftigt sich mit der grundlegenden Frage, ob man geboren werden muss, um eine Seele zu haben und was es heißt menschlich zu sein. Mein Fokus liegt dabei auf der künstlichen Intelligenz Joi (Ana De Armas), die neben Menschen und Replikanten eine dritte Gruppe repräsentiert und für mich das Novum des Films darstellt. Sie ist ein beliebtes Produkt der Wallace Corp. und dient Replikanten und Menschen, die es sich leisten können, als Mittel gegen die Einsamkeit. Ihre ambivalente Existenz als Programm führt zu der Frage, ob sie eine eigenständige Identität besitzen und menschliche Gefühle entwickeln kann. Weiterführend wirft die Verwirrung K´s, bezüglich seiner Identität, durch Joi die Frage auf, ob unsere eigene Identität von Werbung und Unterhaltung geformt wird. Folglich lautet meine These: Die künstliche Intelligenz Joi lenkt durch ihre angenehme Gesellschaft und programmierte Unterwürfigkeit von der Unterdrückung des alltäglichen Lebens unter einem totalitären Regime ab. Gleichzeitig dient sie aber auch der Manipulation unterprivilegierter Arbeitskräfte, wie K, damit diese gehorsam für das kapitalistische System arbeiten. Zur Einführung widme ich mich den Mitteln der Naturalisierung und Verfremdung nach Simon Spiegel, die das Novum im Rahmen des Science-Fiction Films plausibel erscheinen lassen. Um meine Forschungsfragen beantworten zu können, untersuche ich die filmischen Mittel, die Villeneuve einsetzt und die sich der Frage nach Identität widmen. Dafür untersuche ich die Inszenierung der KI Joi und ihre Beziehung zu K im Rahmen der Diegese. Dabei beachte ich vor allem, wie ihre Handlungen seine Identitätsentwicklung beeinflussen und umgekehrt. Abschließend erfolgt ein Resümee der elaborierten Punkte und die Klärung der Fragen in Hinsicht auf meine These.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Das Novum: Joi
2. Darstellung von Joi mittels Verfremdung und Naturalisierung
3. Untersuchung filmischer Mittel
3.1 Interpretation der Handsymbolik
3.2 Die Bedeutung von Namen für die Identität
3.3 Der Baseline-Test
4. Analyse von Joi´s Beziehung zu K
4.1 Joi´s Einfluss auf K´s Identitätskrise
4.2 Joi´s Identität
Resümee
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der künstlichen Intelligenz Joi im Film "Blade Runner 2049" und analysiert, inwiefern sie als Novum zur Identitätsformung des Protagonisten K beiträgt und als Instrument des kapitalistischen Systems fungiert.
- Analyse von Naturalisierung und Verfremdung als filmische Erzählmittel.
- Untersuchung der Bedeutung von Handsymbolik und Namensgebung für die Identitätskonstruktion.
- Die psychologische Dimension des "Baseline-Tests" bei Replikanten.
- Die ambivalente Beziehung zwischen K und Joi als Illusion von Zwischenmenschlichkeit.
- Kritische Reflexion über die künstliche Erzeugung von Gefühlen und deren Funktion zur Manipulation unterprivilegierter Arbeitskräfte.
Auszug aus dem Buch
3.3 Der Baseline Test
Der Baseline Test untersucht die psychische Belastbarkeit der Replikanten. Um sicher zu stellen, dass das Töten ihrer eigenen Art sich nicht, als Trauma, negativ auf ihre Psyche auswirkt. Dafür befindet sich K, nach der Eliminierung von Sapper Morton (Dave Bautista), in einem gut ausgeleuchteten Raum, in dem er von einer Maschine ausgefragt wird. Bei diesem Test wird K als konstant eingestuft und darf weitermachen. Der Text, den K am Anfang des Tests rezitieren muss, stammt ursprünglich aus dem Buch Pale Fire von Alexander Nobakov. Es ist der Roman, den Joi vorlesen will zu Beginn des Films. Diese Passage beschreibt wie der Verstand schnell eine Fälschung erkennt. Eine Fälschung zu durchschauen ist auch der Job der Blade Runner, wenn sie andere Replikanten ausfindig machen sollen.
Nachdem K von Ana erfährt, dass seine Kindheitserinnerung echt ist, verläuft der zweite Baseline Test leicht anders und K wird als: „You´re not even close to baseline.“ von der Maschine abgestempelt. Die Abweichungen des zweiten Tests, so wie das Resultat, beweisen, dass K in eine Identitätskrise geraten ist, welche sich auf seinen Verstand und auf sein Gesamtbefinden auswirkt. Seine Identitätskrise wird unter anderem ausgelöst durch die falsche Bestätigung von Joi, die ihm stets einredet das besondere Kind zu sein.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Welt von Blade Runner 2049 und Vorstellung der zentralen Fragestellung bezüglich der künstlichen Intelligenz Joi.
1. Das Novum: Joi: Analyse von Joi als künstlich geschaffenes Novum, das durch Verhaltensanalyse und programmierte Unterwürfigkeit den Wünschen des Protagonisten entspricht.
2. Darstellung von Joi mittels Verfremdung und Naturalisierung: Untersuchung der filmischen Darstellungstechniken, die Joi trotz ihrer digitalen Natur als realitätskompatiblen Charakter etablieren.
3. Untersuchung filmischer Mittel: Detaillierte Betrachtung spezifischer Symbole wie Hände und Namen sowie die Funktion des Baseline-Tests für die Identität der Charaktere.
4. Analyse von Joi´s Beziehung zu K: Erörterung der Wechselwirkung zwischen K und Joi und wie diese die Identitätskrise des Protagonisten verstärkt.
Resümee: Synthese der Ergebnisse, die Joi als Produkt identifiziert, das durch Liebe eine eigene Charakterausprägung erfährt und gemeinsam mit K an der gesellschaftlichen Illusion des "Besonderen" scheitert.
Schlüsselwörter
Blade Runner 2049, Joi, Identität, Künstliche Intelligenz, Replikanten, Novum, Identitätskrise, Kapitalismus, Verfremdung, Naturalisierung, Handsymbolik, Zwischenmenschlichkeit, Filmwissenschaft, Film, Science-Fiction.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert die Figur Joi aus "Blade Runner 2049" und ihre Bedeutung als künstliches Novum, das als Spiegel und Manipulationsinstrument im Leben des Replikanten K dient.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der Konstruktion von Identität, der Unterscheidung zwischen Mensch und Maschine sowie der Wirkung filmischer Erzähltechniken wie Verfremdung und Naturalisierung.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Ziel ist es zu klären, ob Joi eine eigenständige Identität entwickeln kann und wie ihre programmierte Existenz zur Unterdrückung und Manipulation im totalitären System des Films beiträgt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Analyse verwendet?
Die Arbeit nutzt eine filmwissenschaftliche Analyse, bei der mittels theoretischer Ansätze (z.B. von Sklovskij und Spiegel) die filmischen Mittel und die Bedeutung der Diegese untersucht werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Jois künstlicher Natur, die Analyse der filmischen Gestaltungsmittel (Handsymbolik, Namensgebung) und die Auswirkung ihrer Beziehung auf Ks Identitätsfindung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Künstliche Intelligenz, Identitätskrise, Novum, Kapitalismuskritik und die Dekonstruktion menschlicher Einzigartigkeit geprägt.
Warum spielt die Symbolik der Hand eine so zentrale Rolle für die Argumentation?
Die Hand wird als visuelles Merkmal für Individualität und Menschsein gedeutet, an dem sowohl Replikanten als auch KIs ihre eigene (abwesende oder ersehnte) Identität messen.
Welche Rolle spielt das kapitalistische System für Jois Existenz?
Joi dient als käufliches Produkt der Wallace Corp. dazu, die Einsamkeit zu lindern, lenkt jedoch gleichzeitig durch ihre programmierte Unterwürfigkeit von den sozialen Missständen des totalitären Regimes ab.
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- Anonym (Author), 2018, Analyse und Interpretation des Novums 'Joi' in "BLADE RUNNER 2049" als Teil der Identitätsformung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1025980