In dieser Arbeit wird ein genauer Blick auf die multiperspektivische Fallarbeit geworfen. Dabei zeigen sich Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Integrationsmöglichkeiten dieser so verschieden bewerteten Konzepte. In der Auseinandersetzung mit der multiperspektivischen Fallarbeit wird hinsichtlich des Wordings der Empfehlung von Ursula Hochuli Freund gefolgt. Der Oberbegriff 'Sozialpädagogik' wird durch 'Sozialarbeit' ersetzt.
Das Case Management steht in der Kritik. Es würde als Instrument zur Anpassung Sozialer Arbeit an den neuen, neoliberalen Zeitgeist des aktivierenden Sozialstaats, der auf mehr Konkurrenz, Effizienz und Kontrolle setzt, benutzt werden. Die multiperspektivische Fallarbeit steht für pragmatische Handhabbarkeit, die sozialarbeiterische Fallarbeit theoretisch gehaltvoll und der Komplexität angemessen möglich macht.
Den Grundstein für die multiperspektivische Fallarbeit legte Burkhard Müller 1993 mit seinem Lehrbuch "Sozialpädagogisches Können. Ein Lehrbuch zur multiperspektivischen Fallarbeit". Die aktuellste, achte Ausgabe erschien 2017. Er richtete sich mit seiner Ausarbeitung an seine Studierenden, sie sollten inspiriert werden, ihr eigenes Handeln mithilfe seiner Fallbetrachtung zu reflektieren und empfiehlt ihnen, dabei heuristisch vorzugehen. Mit dem Konzept der multiperspektivischen Fallarbeit brachte er den Diskurs über Kasuistik auf ein neues Niveau.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Multiperspektivische Fallarbeit
- Definition
- Dimensionen von Fällen
- Prozess
- Gegenüberstellung der Konzepte
- Entstehung und Ausrichtung
- Reduktion von Komplexität
- Soziale Diagnose
- Ressourcenorientierung
- Wirkungsebene
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Ausarbeitung befasst sich mit der multiperspektivischen Fallarbeit und analysiert deren Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum Case Management. Dabei werden die Integrationsmöglichkeiten der multiperspektivischen Fallarbeit in das Case Management beleuchtet.
- Definition und Grundlagen der multiperspektivischen Fallarbeit
- Dimensionen von Fällen in der multiperspektivischen Fallarbeit
- Vergleich der Entstehung und Ausrichtung von Case Management und multiperspektivischer Fallarbeit
- Analyse der Integrationspotenziale beider Konzepte
- Bewertung der multiperspektivischen Fallarbeit als Instrument der Sozialarbeit
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung
Die Einleitung stellt das Case Management in den Kontext der Kritik an seiner Anpassung an neoliberale Ideale. Im Gegensatz dazu wird die multiperspektivische Fallarbeit als pragmatische und theoretisch fundierte Alternative dargestellt. Die Ausarbeitung befasst sich mit den Gemeinsamkeiten, Unterschieden und Integrationsmöglichkeiten dieser beiden Konzepte.
Multiperspektivische Fallarbeit
Definition
Die multiperspektivische Fallarbeit, wie von Burkhard Müller eingeführt, verfolgt eine mehrdimensionale Fallbetrachtung. Dabei werden verschiedene Bezugsrahmen eines Falles getrennt betrachtet, aber in ihrer wechselseitigen Relevanz zueinander berücksichtigt. Müller formuliert Arbeitsregeln, die als Hilfsmittel zur Selbstüberprüfung dienen, aber keine starren Vorgehensschritte darstellen.
Dimensionen von Fällen
Müller unterscheidet drei Dimensionen von Fällen: "Fall mit Perspektive", "Fall von Perspektive" und "Fall für Perspektive". Jede Perspektive betrachtet den Fall aus einem anderen Blickwinkel und erfordert unterschiedliche Handlungsansätze.
Gegenüberstellung der Konzepte
Dieses Kapitel vergleicht die Entstehung und Ausrichtung von Case Management und multiperspektivischer Fallarbeit hinsichtlich verschiedener Aspekte, wie Reduktion von Komplexität, soziale Diagnose, Ressourcenorientierung und Wirkungsebene.
Schlüsselwörter
Multiperspektivische Fallarbeit, Case Management, Sozialarbeit, Fallarbeit, Falltypen, Perspektivenwechsel, Komplexität, Ressourcenorientierung, Integrationspotenziale, Handlungsinstrument, Kasuistik
Häufig gestellte Fragen
Was ist multiperspektivische Fallarbeit?
Ein von Burkhard Müller entwickeltes Konzept der Sozialen Arbeit, das Fälle aus verschiedenen Blickwinkeln (Perspektiven) betrachtet, um der Komplexität sozialer Problemlagen gerecht zu werden.
Wie unterscheidet sie sich vom Case Management?
Während Case Management oft wegen Effizienz und Kontrolle (neoliberaler Zeitgeist) kritisiert wird, setzt die multiperspektivische Fallarbeit auf theoretische Tiefe und professionelle Reflexion.
Welche drei Dimensionen von Fällen unterscheidet Burkhard Müller?
Er unterscheidet den „Fall mit Perspektive“, den „Fall von Perspektive“ und den „Fall für Perspektive“, die jeweils unterschiedliche methodische Herangehensweisen erfordern.
Was ist das Ziel der sozialen Diagnose in diesem Kontext?
Es geht um eine fundierte Einschätzung der Lebenslage des Adressaten unter Einbeziehung seiner Ressourcen, anstatt nur eine schnelle Komplexitätsreduktion zur Fallabwicklung vorzunehmen.
Können beide Konzepte integriert werden?
Die Arbeit untersucht Integrationsmöglichkeiten, um das prozessorientierte Case Management durch die inhaltliche Tiefe der multiperspektivischen Fallarbeit qualitativ zu bereichern.
Was bedeutet Kasuistik in der Sozialen Arbeit?
Kasuistik bezeichnet die Lehre von der Fallbearbeitung. Müller brachte diesen Diskurs durch sein Lehrbuch „Sozialpädagogisches Können“ auf ein neues, reflektiertes Niveau.
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- Simon Oliver Delle (Author), 2021, Multiperspektivische Fallarbeit im Case Management. Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Integrationsmöglichkeiten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1022718