Wann wird aus einem Mann ein Verführer? Welche Eigenschaften benötigt er dafür? Und gibt es in der deutschsprachigen Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts überhaupt solche Verführer? Mit diesen Fragen beschäftigt sich diese Bachelorarbeit. Im Mittelpunkt steht hierbei die sexuelle Verführung von Frauen.
Um einen Verführer überhaupt definieren zu können, muss ein Vorbild herausgearbeitet werden. Denkt man an große Verführer, so geht es vor allem um zwei Namen: Giacomo Casanova und Don Juan. Ersterer lebte jedoch selbst im 18. Jahrhundert und während seine Bekanntschaft erst im langen 19. Jahrhundert zunahm, wirkte der Mythos um Don Juan bereits wesentlich früher. Es erscheint somit sinnvoll, den Spanier dem Venezianer vorzuziehen. Da es jedoch unzählige Bearbeitungen des Don-Juan-Stoffes gibt, kann es im ersten Teil dieser Arbeit nur darum gehen, eine Art Prototypen zu erstellen, an dem sich die drei untersuchten Charaktere im zweiten und umfangreichsten Teil dieser Abschlussarbeit messen müssen. Eine Rezeptionsgeschichte des Don-Juan-Mythos‘ erscheint zu umfassend, deshalb widmet sich diese Arbeit dem Werk von Tirso de Molina.
Im zweiten Teil werden der Reihe nach Hettore Gonzaga aus Lessings Emilia Galotti, Läuffer aus Lenz‘ Der Hofmeister und schließlich Schach von Wuthenow aus Fontanes gleichnamiger Erzählung auf ihre Verführerqualitäten hin untersucht, immer wieder rekurrierend auf Molinas Don Juan – Der Verführer von Sevilla und der steinerne Gast. Was unterscheidet die Figuren der deutschsprachigen Literatur von dem Hidalgo und was haben sie gemeinsam?
Im dritten und letzten Teil werden die drei Verführerfiguren noch einmal abschließend miteinander verglichen. Lassen sich gleichbleibende Muster, trotz der gänzlich unterschiedlichen Herkunft der Charaktere, festhalten?
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Wann ist ein Mann ein Mann? Don Juan als Prototyp des sexuellen Verführers
2. Verführer in der deutschsprachigen Literatur
2.1 Emilia Galotti
2.2 Der Hofmeister
2.3 Schach von Wuthenow
2.4 Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Verführerfiguren
3. Zusammenfassung
Literaturangaben
Häufig gestellte Fragen
Wer gilt als Prototyp des Verführers in der Weltliteratur?
Don Juan (insbesondere nach dem Werk von Tirso de Molina) gilt als der klassische Prototyp des sexuellen Verführers, an dem viele spätere literarische Figuren gemessen werden.
Welche deutschen Literaturfiguren werden in der Arbeit untersucht?
Die Arbeit analysiert Hettore Gonzaga (Lessing: Emilia Galotti), Läuffer (Lenz: Der Hofmeister) und Schach von Wuthenow (Fontane).
Was unterscheidet Casanova von Don Juan?
Während Casanova eine historische Person des 18. Jahrhunderts war, ist Don Juan ein zeitloser Mythos. Don Juan verkörpert oft den rücksichtslosen, fast dämonischen Verführer.
Gibt es ein gleichbleibendes Muster bei literarischen Verführern?
Die Arbeit untersucht, ob trotz unterschiedlicher Herkunft der Charaktere Muster wie Manipulation, soziale Machtstellung oder das Spiel mit gesellschaftlichen Tabus erkennbar sind.
Welche Rolle spielt die sexuelle Verführung im 18. und 19. Jahrhundert?
Sie dient oft als Katalysator für tragische Konflikte und zur Darstellung von Machtverhältnissen zwischen den Geschlechtern und sozialen Klassen.
Wie wird Schach von Wuthenow als Verführer charakterisiert?
Bei Fontane wird die Verführung oft subtiler und im Kontext preußischer Ehrbegriffe und gesellschaftlicher Zwänge dargestellt, was ihn vom klassischen Don-Juan-Typus unterscheidet.
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- Markus Trautwein (Author), 2016, Die Figur des Verführers in der deutschsprachigen Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1009654