Ziel dieser Arbeit soll es sein, Antwortversuche auf die Frage zu liefern, weshalb das "Horst-Wessel-Lied" in der NS-Zeit zu derartigem Ruhm gelangte.
Eine definitive Antwort kann nach knapp 90 Jahren nicht mehr geliefert werden, denn heute existieren kaum Dokumente ohne Einwirkung oder Manipulation durch das NS-Regime. Im Jahre 1993 verstarb Wessels Schwester Ingeborg, die wahrscheinlich letzte Zeitzeugin.
Zunächst soll geklärt werden, welchen ästhetischen Wert die Musik im Dritten Reich abzubilden hatte, damit sie als „deutsche Musik“ anerkannt und gefördert wurde. Um zu verstehen, warum Wessel nach seinem Tod in den Mittelpunkt der Propaganda rückte, wird danach sein Lebenslauf thematisiert. Im Anschluss werden verschiedene Charakteristika aus Text und Melodie des „Horst-Wessel-Lieds“ analysiert, um darzustellen, weshalb dieses nahezu perfekt für das NS-Regime geeignet war. Hierbei erfolgt unter anderem eine Musikanalyse. Zuletzt soll ausgeführt werden, welche Funktion das Lied besaß und wie es im Dritten Reich für Propagandazwecke verwendet wurde.
Auch wenn die Person Wessel heutzutage außerhalb rechter Kreise nicht mehr bekannt ist, war sie im Dritten Reich allgegenwärtig. Unschwer kann man erkennen, dass es sich hier um ein weiteres Ergebnis nationalsozialistischer Propaganda handelte, an dem auch Goebbels maßgeblich beteiligt war. Sicherlich mag sich der Leser fragen, wieso ein Personenkult gerade um Wessel bestand. Nach jahrzehntelanger mangelnder Forschung und Untersuchung konnte Thomas Oertel im Jahre 1988 den Mythos aufklären. Allerdings dauerte es weitere Jahre, bis die erste vollständige Analyse des „Horst-Wessel-Lieds“ vorlag.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Einführung in die Thematik
1.2 Zielsetzung
2. Die Rolle der Musik im dritten Reich
2.1 Hitler und die Musik
2.2 Staatliche Organisation der NS-Kulturpolitik
3. Die Personalie Horst Wessel
3.1 Herkunft und früher Werdegang
3.2 Politische Aktivitäten
3.3 Tod und Stilisierung zum Märtyrer
4. Das „Horst-Wessel-Lied“
4.1 Der Text
4.2 Musikalische Gestaltung
4.3 Nutzung zu Propagandazwecken
5. Resümee
Zielsetzung & Themen
Diese Seminararbeit untersucht die Bedeutung und Funktion des „Horst-Wessel-Liedes“ im nationalsozialistischen Deutschland, wobei insbesondere die Wechselwirkung zwischen der Inszenierung der Person Horst Wessel und der propagandistischen Instrumentalisierung der Musik analysiert wird.
- Nationalsozialistische Kulturpolitik und der Stellenwert der Musik
- Biographische Analyse der Person Horst Wessel
- Strukturelle und inhaltliche Untersuchung des „Horst-Wessel-Liedes“
- Funktion des Liedes als Propagandamittel im NS-Staat
- Einfluss von Musik auf die Massenpsychologie
Auszug aus dem Buch
4.1 Der Text
Betrachtet man nun den Text des „Horst-Wessel-Lieds“ (siehe Abb. 1), so kann man durchaus einige autobiographische Züge Wessels ausmachen; im Allgemeinen wird diesem der Text auch zugeschrieben. Wessel versucht hierbei, eine Atmosphäre zu erzeugen, wie er sie wohl auch selbst in der SA vorgefunden haben mag. Gleich zu Beginn des Textes wird die Hakenkreuzfahne gehisst und eine Formation vorbereitet, bevor der Marsch beginnt (Strophe 1). Diese in NS-Kreisen weit verbreiteten Tätigkeiten sollten die Aktivierung eines Gemeinschaftsgefühls bewirken. Außerdem werden mit „Rotfront und Reaktion“ (Strophe 1) zwei klare Feindbilder geschaffen. Während die „Rotfront“ für alle kommunistischen und linksradikalen Kräfte in der Weimarer Republik steht, charakterisiert die „Reaktion“ alle kaisertreuen Bewegungen, die sich aus Sicht der NSDAP gegen eine Revolution gewandt hatten.
Damit wird nicht nur Aufhetzung betrieben, um die eigene Anhängerschaft bei Laune zu halten, sondern auch die Schuld für die missliche Lage Deutschlands zugewiesen. Doch mit „Die Straße frei den braunen Bataillonen!“ (Strophe 2) wird deutlich gemacht, dass eben diese Gemeinschaft allen anderen überlegen ist. Mit dieser Gewissheit und dem daraus resultierenden Gefühl der Stärke und Sicherheit wird der Satz in abgeänderter Version wiederholt. Dieses Mal liegt der Bezug nicht auf der eigenen Gruppe, sondern auf dem höher gestellten „Sturmabteilungsmann“ (Strophe 2). Hier wird versucht, den Eindruck eines perfekt koordinierten und militärisch organisierten Verbandes zu erwecken; dies war meist schlichtweg nicht der Fall.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der nationalsozialistischen Propaganda ein und definiert die Zielsetzung der Arbeit, den Ruhm des „Horst-Wessel-Liedes“ kritisch zu hinterfragen.
2. Die Rolle der Musik im dritten Reich: Hier wird der Stellenwert der Musik für Hitler sowie die staatliche Organisation und die ideologische Ausrichtung der nationalsozialistischen Kulturpolitik beleuchtet.
3. Die Personalie Horst Wessel: Dieser Abschnitt beschreibt den Lebensweg, die politischen Aktivitäten und die gezielte Stilisierung von Horst Wessel zum Märtyrer nach dessen Tod.
4. Das „Horst-Wessel-Lied“: Dieses Kapitel liefert eine detaillierte textliche und musikalische Analyse des Liedes und untersucht dessen Anwendung zu Propagandazwecken.
5. Resümee: Das Schlusskapitel fasst die Erkenntnisse über die Verknüpfung von Personenkult und propagandistischem Liedgut zusammen und zieht Parallelen zu heutigen Manipulationsmechanismen durch Musik.
Schlüsselwörter
Horst-Wessel-Lied, Nationalsozialismus, Propaganda, SA, Personenkult, Musik, Ideologie, Kulturpolitik, NSDAP, Märtyrer, Massenmanipulation, Kampflieder, Drittes Reich, Hakenkreuzfahne, Instrumentalisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der kritischen Analyse des „Horst-Wessel-Liedes“ im Kontext des „Dritten Reiches“ und untersucht, warum gerade dieses Lied eine solch zentrale Rolle in der NS-Propaganda einnehmen konnte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die nationalsozialistische Kulturpolitik, die Biographie von Horst Wessel, die musikwissenschaftliche Analyse des Liedes sowie die psychologische Wirkung von Musik im politischen Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Gründe für den außerordentlichen Ruhm des Liedes im NS-Staat zu ergründen und aufzuzeigen, wie das Regime Musik zur Beeinflussung der Bevölkerung einsetzte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine historische Literaturanalyse und eine formale Untersuchung von Text und Musik des Liedes im Kontext zeitgenössischer Quellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung von Hitlers Musikverständnis, eine Analyse von Wessels Werdegang, eine detaillierte musikalische und inhaltliche Betrachtung des Liedes sowie eine Darstellung der Verbreitungswege des Liedes durch die NS-Propaganda.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Nationalsozialismus, Propaganda, Personenkult, SA und Musikinstrumentalisierung geprägt.
Wie trug Horst Wessels Hintergrund zu seiner Rolle bei?
Durch die gehobene Stellung seines Vaters in konservativen Kreisen und Wessels aktive Rolle in der SA konnte das NS-Regime ihn effektiv als ideologische Identifikationsfigur stilisieren.
Welche Rolle spielte die einfache Gestaltung des Liedes für dessen Erfolg?
Die einfache musikalische und textliche Struktur des Liedes ermöglichte eine leichte Erlernbarkeit und trug maßgeblich dazu bei, dass es als wirkungsvolles Propagandamittel bei Massenveranstaltungen und im Alltag eingesetzt werden konnte.
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- Anonym (Author), 2020, Die Bedeutung des „Horst-Wessel-Lieds" im „Dritten Reich". Eine kritische Analyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1005183