Eine dunkle Sage spinnt sich um ein abgelegenes Tal, wo Not und Verzweiflung die Bewohner zu einem schrecklichen Pakt mit dem Teufel treiben. Jeremias Gotthelfs Novelle "Die schwarze Spinne" entfesselt eine Welt, in der uralte Ängste und christlicher Glaube in einem unerbittlichen Kampf aufeinandertreffen. Als die Dorfbewohner unter der Last unmöglicher Frondienste zusammenbrechen, erscheint ein diabolisch verlockendes Angebot: Hilfe im Austausch für eine ungetaufte Seele. Doch dieser Handel mit dem Bösen hat entsetzliche Konsequenzen. Christine, eine mutige, aber verführte Frau, wird zum Gefäß einer unheilvollen Macht, als eine schwarze Spinne aus ihrem Körper geboren wird und Tod und Verderben über das Land bringt. Die Geschichte entfaltet sich über Generationen, wobei der Fluch der Spinne immer wiederkehrt, angetrieben von Hochmut und Unglaube. Ein Fensterpfosten, in dem das Böse gebannt ist, wird zum stummen Zeugen des Kampfes zwischen Gut und Böse. Gotthelf verwebt geschickt Realität und Mythos, indem er historische Bezüge und volkstümliche Elemente einfließen lässt, um eine beklemmende Atmosphäre zu schaffen. Tauchen Sie ein in eine Welt voller dramatischer Wendungen, in der die Grenzen zwischen Sage und Wahrheit verschwimmen und die Frage aufgeworfen wird, wie weit Menschen bereit sind zu gehen, um ihre Existenz zu sichern. "Die schwarze Spinne" ist eine zeitlose Parabel über die Gefahren des Götzendienstes, die Bedeutung des Glaubens und die zerstörerische Kraft des Bösen, die den Leser bis zur letzten Seite in ihren Bann zieht. Eine Novelle über Sünde, Erlösung, und die ewige Auseinandersetzung zwischen göttlicher Gnade und teuflischer Verführung, in der die Dorfbewohner mit den Konsequenzen ihrer Wahl konfrontiert werden und die Frage nach der moralischen Verantwortung in Zeiten der Not aufgeworfen wird. Die schwarze Spinne ist mehr als nur eine Kreatur; sie ist ein Symbol für das Böse, das lauert und darauf wartet, in die Herzen der Menschen einzudringen und ihre Seelen zu verderben. Entdecken Sie ein Stück Schweizer Literaturgeschichte, das bis heute nichts von seiner Aktualität und Brisanz verloren hat.
Buchreferat
über die Novelle ,,Die schwarze Spinne" von Jeremias Gotthelf
Biographie:
Jeremias Gotthelf: er hieß eigentlich Albert Beitzius und wurde am 4.10.1797 in Murten geboren. Gestorben ist er in Lützelflüh ( im Kanton Bern) am 22.10.1854. Er stammt aus einer altberner Patrizierfamilie. Als Pfarrerssohn studierte er Theologie in Bern und Göttingen; später war er Vikar in verschiedenen Orten der Schweiz und ab 1832 Pfarrer in Lützelflüh. Erst ab seinem 40. Lebensjahr begann er zu schreiben.
Inhaltsangabe:
In der Novelle ,,die schwarze Spinne" von Jeremias Gotthelf geht es um einen Pakt mit dem Teufel, den die Bewohner eines kleinen Tales aus großer Not eingehen.
Die Novelle beginnt mit einer Kindstaufe und dem anschließenden Taufmahl, bei dem man beschließt eine Pause einzulegen, da noch nicht alle Gäste erschienen sind. Unter einem Baum in einiger Entfernung des Hauses, drängen die Gäste den Großvater zu erzählen, was es mit dem alten Fensterpfosten au sich hat, der in das erst neu gebaute Haus eingearbeitet ist. Die Erzählung reicht etwa sechshundert Jahre in die Vergangenheit zurück, als in diesem Tal leibeigene Bauern lebten, die einem Ritter namens Hans von Stauffen Frondienste leisten mußten. Als das Schloß, das die Bauern unter großen Mühen für den Ritter errichten mußten, fertiggestellt ist, verlangt von Stauffen, das sie ihm einen Schattengang aus hundert Eichen innerhalb eines Monats aufstellen. Doch da sie, um ihre Familien ernähren zu können, ihre Felder noch bestellen müssen, erscheint diese Aufgabe den Bauern unmöglich. In dieser Verzweiflung erscheint ihnen der Teufel, der ihnen einen Handel vorschlägt: er pflanzt in Monatsfrist für sie den verlangten Schattengang, wenn die Bewohner des Dorfes ihm dafür das nächste Kind, das geboren wird ungetauft überlassen. Zuerst sind die Bauern über diesen Vorschlag entsetzt, doch als alle ihre Bemühungen die Aufgabe selbst zu bewältigen durch eine geheimnisvolle Macht zunichte gemacht werden, stürzen sie in eine noch größere Verzweiflung, und der Teufel erscheint ihnen zum zweitenmal. Aus Angst streben alle Bauern auseinander, nur eine Bäuerin, Christine, eine Auswärtige, bleibt dort und schließt den beschriebenen Pakt. Als Pfand gibt der Teufel ihr einen Kuß auf die Wange. Der Teufel hat sein Teil des Paktes eingehalten und den Schattengang für die Bauern errichtet. Nun werden die Dorfbewohner übermütig, und denken, es wäre ein Leichtes den Teufel zu überlisten. Als das nächste Kind im Tal geboren wird, rufen sie auf schnellstem Wege den Priester, der zwar entsetzt über den Pakt , aber trotzdem bereit ist, den Kampf mit dem Teufel aufzunehmen, um das Kind sofort nach der Geburt zu taufen. Doch nun schwillt Christines Wange unter höllischen Schmerzen an und aus der Stelle, an die der Teufel sie geküßt hat, wächst eine schwarze Spinne aus ihrer Wange heraus. Als der Teufel auch das nächst Kind nicht bekommen kann, gebiert Christine tausende kleiner schwarzer Spinnen aus ihrer Wange, die das Vieh der Dorfbewohner töten. Und da auf Christines Wange wieder eine Spinne wächst, bekommen die Dorfbewohner nun Angst und beschließen das nächste Kind dem Teufel zu opfern. Christine soll ihm dieses Kind überbringen. Doch kurz bevor es dazu kommen kann, greift der Priester ein. Er verjagt den Teufel und bespritzt das Kind und Christine mit Weihwasser. Dadurch schrumpft Christine mit der Spinne auf ihrer Wange zusammen. Der Priester und das Kind sterben zwar, doch die Seele des Kindes ist gerettet. Nun beginnt die Gehilfin des Teufels, die schwarze Spinne, ihr Werk um den Betrogenen zu rächen: sie tötet durch Berührung viele Bauern und deren Familien. Das einzige Haus, das sie zunächst verschont, ist das der jungen Mutter, dessen Kind geopfert werden sollte. Um ihre anderen Kinder zu schützen opfert sie sich: sie bohrt in einen Fensterpfosten ein Loch und schließt darin die Spinne, als sie schließlich auch ihr erscheint, ein.
Hier endet die Erzählung des Großvaters zum ersten Mal. Die Taufgesellschaft kehrt zum Tisch zurück, doch das Gespräch führt zur im Fensterpfosten eingeschlossene Spinne zurück und der Großvater beginnt wieder zu erzählen:
Zweihundert Jahre nachdem die Spinne in den Fensterpfosten gebannt wurde, wird sie , diesmal durch den Hochmut der Hausbesitzer, befreit. Diese fühlen sich in dem alten Haus, durch die Spinne, nicht mehr wohl, und bauen ein neues; das alte überlassen sie dem Gesinde. Um sich die Mägde gefügig zu machen, droht ein Knecht damit die Spinne frei zu lassen. Als ihnen die bloße Drohung keine Angst mehr macht, zieht er den Korken aus dem Loch, in dem die Spinne gefangen ist. Diesmal wütet die Spinne noch heftiger als beim ersten Mal. Doch wieder kann die Spinne durch die Hilfe Gottes - und aus Liebe zu seinen Kindern - von Christen, dem Hausbesitzer, in den Fensterpfosten gebannt werden. Christen stirbt, doch seine Kinder überleben. Das neugebaute Haus brennt auf geheimnisvolle Weise nieder. Mit der Zeit wird das alte Haus jedoch immer baufälliger. Die Besitzer haben Angst, daß die Spinne wieder ausbricht, wenn sie das alte Haus einreißen. Also holen sie sich bei einem alten Mann Rat, der ihnen erklärt, daß sie, solange das alte Holz, indem die Spinne gefangen ist, und der alte Sinn, mit dem die Spinne in dem Loch gefangen gehalten werden kann, nicht verloren gehen, sie nichts zu befürchten haben. Hier endet die zweite Erzählung des Großvaters.
Analyse:
Die unerhörte Begebenheit: ist wohl ohne Zweifel der Pakt, den die Bauern, zwar aus großer Not heraus mit dem Teufel geschlossen haben, bei dem sie aber vergessen haben, daß eine Menschenseele, auch wenn sie nur die eines Neugeborenen ist, immer noch mehr Wert besitzt als das Leben tausender Menschen. Da die Bauern das vergaßen, laden sie eine größere Schuld auf sich als die Ritter, die den Bauern eine unlösbare Aufgabe stellen.
In der dramatisch aufgebauten Handlung der Erzählung des Großvaters wechselt ein Höhepunkt den anderen ab. Einer ist dramatischer und mystischer aufgebaut als der andere: zuerst der Pakt, den Christine mit den Teufel schließt, dann die Geburt der Spinnen, der Kampf des Priesters gegen den Teufel und schließlich die zweimalige Opferung der Eltern um ihre Kinder vor der Spinne zu schützen und dadurch diese in den Holzpfosten zu verbannen.
Durch die schnelle Abfolge der Höhepunkte wirkt die Novelle sehr geschehnisbetont.
Auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht nicht so scheint, ist die Novelle auch auf das Bedeutsamste reduziert. Kleinigkeiten, die auf den ersten Blick vielleicht unwichtig erscheinen, stellen sich bei näherer Betrachtung als kleine Anspielungen auf die Verbindung der Rahmengeschichte mit der Erzählung des Großvaters heraus, wie z.B. die Szene der Taufe in der Rahmengeschichte als die Patin den Namen des Kindes vergißt, spiegelt die Angst vor einem ungetauften Kind der Dorfbewohner vor sechshundert Jahren wieder.
Interessant ist auch, daß die Spinne keinen Halt vor sozialen Stellungen macht, denn sie tötet die Bauern genauso wie die Ritter. Auch die Umstände, in denen die Spinne ausbricht, sind verschieden: zuerst sind es arme Bauern, die von einem tyrannischen Grundherren bedrängt werden, beim nächsten Mal sind es reiche Bauern, die im Wohlstand leben. Doch durch Christine einerseits und durch Wolf, den Knecht andererseits kann die Spinne erst ausbrechen.
Beide hatten weder Furcht vor Gott noch vor dem Teufel. Also könnte die ,,höhere Weisheit" sein, daß egal wer man ist, man nichts fürchten muß, solange man den ,,alten Sinn" bewahrt. Dieser ,,alte Sinn" ist Frömmigkeit und Furcht vor Gott, aber auch die Bereitschaft jederzeit gegen das Böse zu kämpfen, auch wenn das den eigenen Tod zur Folge hat.
Der Bezug zur Realität ist als erstes innerhalb der Novelle hergestellt in dem Dingsymbol des Fensterpfostens, in dem die Spinne seit Jahrhunderten gefangen ist. Durch ihn erscheint die Erzählung des Großvaters nicht nur als bloße Sage, sondern wird durch den Fensterpfosten mit der Gegenwart verbunden und steht damit als eine Art Warnung davor die alten Werte und Sitten nicht zu vergessen. Außerdem macht die zweite Erzählung des Großvaters (was eigentlich nur eine Art Abwandlung der ersten Erzählung ist) klar, daß die Spinne jederzeit wieder ausbrechen kann.
Außerhalb der Novelle gibt es viele Indizien, die die Novelle mit der tatsächlichen Realität verbinden. Als erstes diese, daß der Grundherr, Hans von Stauffen, wirklich existiert hat, allerdings war er nicht ganz so tyrannisch wie in der Novelle . Außerdem existiert auch das Bauernhaus, und da Gotthelf es so genau beschrieben hat, nimmt man sogar an, daß er selbst an der Taufe teilgenommen hat. Zu Gotthelfs Zeit wurde dort auch in der Tat der Fensterpfosten aufbewahrt um den es in der Novelle geht. Auch für die todbringende Spinne gibt es in beiden Fällen ein rationale Erklärung: genau zu dieser Zeit war nämlich die schwarze Pest ausgebrochen.
Wertung:
Da die Novelle um 1842 geschrieben wurde, ist auch die Sprache entsprechend alt, deshalb ist sie schwer zu verstehen und man muß ständig Wörter, die man nicht versteht, im Anhang nachschlagen.
Die Novelle an sich ist, wenn auch am Anfang etwas langatmig, recht interessant und spannend. Besonders interessant finde ich, daß ein Höhepunkt den anderen jagt und, daß einer dramatischer und spannender dargestellt ist als der andere, auch wenn sie dadurch an manchen Stellen etwas übertrieben wirken.
Quellen:
Benno von Wies: Die deutsche Novelle von Goethe bis Kafka; Band 1 Düsseldorf / 1968
Häufig gestellte Fragen zu "Die schwarze Spinne" von Jeremias Gotthelf
Wer war Jeremias Gotthelf?
Jeremias Gotthelf, eigentlich Albert Bitzius, wurde am 4. Oktober 1797 in Murten geboren und starb am 22. Oktober 1854 in Lützelflüh. Er stammte aus einer altberner Patrizierfamilie, studierte Theologie und war Pfarrer. Erst ab seinem 40. Lebensjahr begann er zu schreiben.
Worum geht es in der Novelle "Die schwarze Spinne"?
Die Novelle handelt von einem Pakt mit dem Teufel, den die Bewohner eines kleinen Tales aus großer Not eingehen.
Was ist die zentrale Handlung der Novelle?
Die Bauern schließen einen Pakt mit dem Teufel, um einen Schattengang für den Ritter Hans von Stauffen zu errichten, indem sie ihm das nächste ungetaufte Kind versprechen. Als sie versuchen, den Teufel zu überlisten, erscheint eine schwarze Spinne, die Unheil bringt.
Wer ist Christine und welche Rolle spielt sie?
Christine ist eine Bäuerin, die den Pakt mit dem Teufel schließt und als Pfand einen Kuss auf die Wange erhält. Aus dieser Stelle wächst eine schwarze Spinne.
Wie wird die Spinne gebannt?
Die Spinne wird zweimal in einem Fensterpfosten gebannt, zuerst durch die Opferung der jungen Mutter und später durch Christen.
Was ist die Bedeutung des Fensterpfostens?
Der Fensterpfosten dient als Dingsymbol und verbindet die Erzählung des Großvaters mit der Gegenwart, als Warnung davor, die alten Werte und Sitten nicht zu vergessen.
Was ist die "unerhörte Begebenheit" in der Novelle?
Die unerhörte Begebenheit ist der Pakt mit dem Teufel, bei dem die Bauern vergessen, dass eine Menschenseele mehr Wert besitzt als das Leben tausender Menschen.
Welche Rolle spielt der Priester in der Erzählung?
Der Priester versucht, den Teufel zu bekämpfen und das Kind vor dem Pakt zu retten, indem er es tauft und Christine mit Weihwasser bespritzt.
Was sind die möglichen Interpretationen der Spinne?
Die Spinne kann als Symbol für das Böse, die Pest oder die Folgen des Paktes mit dem Teufel interpretiert werden.
Wie wird der Bezug zur Realität in der Novelle hergestellt?
Der Bezug zur Realität wird durch das Dingsymbol des Fensterpfostens, die Existenz des Grundherren Hans von Stauffen und die mögliche Verbindung zur Pest hergestellt.
Was ist die Quintessenz oder die "höhere Weisheit" der Novelle?
Die "höhere Weisheit" könnte sein, dass man, egal wer man ist, nichts fürchten muss, solange man den "alten Sinn" bewahrt: Frömmigkeit, Furcht vor Gott und die Bereitschaft, gegen das Böse zu kämpfen.
Wie wird die Sprache der Novelle bewertet?
Die Sprache ist aufgrund des Alters der Novelle (um 1842 geschrieben) etwas schwer zu verstehen und erfordert das Nachschlagen von Wörtern.
Wie wird die Novelle insgesamt bewertet?
Die Novelle wird als recht interessant und spannend bewertet, mit einer schnellen Abfolge dramatischer Höhepunkte, die an manchen Stellen etwas übertrieben wirken können.
Welche Quellen werden für das Referat verwendet?
Benno von Wies: Die deutsche Novelle von Goethe bis Kafka; Band 1 Düsseldorf / 1968 und Brockhaus Enzyklopädie; Band 9 GOT - HERP Mannheim 1989.
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- C J (Author), 2000, Gotthelf, Jeremias - Die schwarze Spinne, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/100490