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Leiden unter der Zeit

Der Umgang mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in „Der letzte König von Orplid“

Titel: Leiden unter der Zeit

Seminararbeit , 1998 , 22 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Andreas Seemann (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Erkenntnis, daß das Verfließen von Zeit auf vielfältige und bedeutsame Art und Weise im Werk Eduard Mörikes thematisiert wird, ist nicht erst in den letzten Jahrzehnten entstanden. Die Betrachtung des „Maler Nolten“ hinsichtlich dieser Problematik führt zu besonders fruchtbaren und weitreichenden Ergebnissen, was angesichts der Komplexität und des Umfangs dieses Romans nicht erstaunlich ist. Die Formgestaltung und die Verankerung und Begründung des Geschehens der Gegenwart in der tiefsten Vergangenheit lassen schon auf den ersten Blick eine Untersuchung des Umgangs der Protagonisten im „Maler Nolten“ mit ihrem persönlichen Zeitempfinden als naheliegend erscheinen. Ob und wie der Autor dieses Verhalten seiner Protagonisten bewertet, ist eine zweite, schwierigere Frage. Die hierzu bereits vorliegenden Arbeiten werden eingangs zusammengefasst, außerdem werden die diesbezügliche Resultate des Seminars wiedergegeben. Dann soll aber „Der letzte König von Orplid“ im Mittelpunkt stehen.

In diesem Intermezzo wird der Umgang einer Person mit dem Phänomen Zeit auf die Probe gestellt. Das Verschwinden der Vergangenheit und das unbestimmte Hinauszögern der Zukunft läßt ein Vakuum der Sinnlosigkeit und der Zweifel entstehen, in dem sich der König positiv bewährt, weil er aktiv die Vollendung seiner Existenz, seine Apotheose betreibt und so aus seiner Gefangenschaft in der Zeit ausbrechen kann. Hierin unterscheidet er sich von Nolten, dessen Passivität schon vielfach angemahnt wurde. So kommt die Arbeit zu der Behauptung, die Figur des Königs von Orplid sei ein positiv bewertetes Gegenbeispiel zum glücklosen Nolten.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitende Bemerkungen. Umgang mit Zeit im Werk Mörikes

1.1 Themenstellung und These

1.2 Umgang mit Zeit im lyrischen Werk Mörikes

1.3 Bisherige Forschungsergebnisse: Zeit im „Maler Nolten“

2. Zeiterleben und Zeitverhalten im „Letzten König von Orplid“

2.1 Betonung der Fiktionalität des „Letzten Königs von Orplid“

2.2 Leiden unter der Zeit

2.3 Der Umgang mit der Vergangenheit

2.4 Der Umgang mit der Gegenwart

2.4.1 Schicksal und Vorherbestimmung

2.4.2 Implosion der Zeitachse

2.5 Der Umgang mit der Zukunft

3. Orplid als Alternativentwurf

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen Zeit bei Eduard Mörike, wobei der Fokus auf dem Vergleich zwischen dem Schicksal der Protagonisten im Roman „Maler Nolten“ und der Episode „Der letzte König von Orplid“ liegt. Ziel ist es zu ergründen, wie die Charaktere mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft umgehen und inwiefern der „König von Orplid“ als positiv bewerteter Gegenentwurf zur Passivität Noltens dienen kann.

  • Analyse des Zeitempfindens in Mörikes lyrischem Werk
  • Untersuchung der Schicksalsfrage und deterministischer Zeitkonzepte
  • Vergleich der psychologischen Motivierung mit dem Eingreifen transzendenter Mächte
  • Die Rolle der Fiktionalität und Selbstfindung im „Orplid“-Intermezzo
  • Die Bedeutung von Nacht- und Tag-Metaphorik für die Erkenntnis der Figuren

Auszug aus dem Buch

2.4.1 Schicksal und Vorherbestimmung

Das Schicksal, das Nolten in der Haupthandlung erleidet, wird in der tiefsten Vergangenheit verankert. In der Rückblende „Ein Tag aus Noltens Jugendleben“ wird durch die Wiedergabe des Tagebuchs des Onkel Friedrich nochmals zurückgeblendet. Erst in dieser doppelten Rückschau wird das Schicksal, das Nolten in der Figur der Elisabeth (die selbst unter der Vergangenheit leidet und in einer Art Zwang handelt) bis zur Erzählgegenwart verfolgt, begründet. Läßt man die psychologische Motivierung der Ereignisse und Handlungen der Hauptfiguren beiseite, so können wir also zunächst den Schicksalsbegriff in der Haupthandlung des „Nolten“ als Prädestination der Gegenwart durch die Vergangenheit definieren. Daß Nolten diesem Schicksal nicht entkommt, wirft die Frage auf, inwieweit die Vergangenheit das Geschehen der Gegenwart unbeeinflußbar vorherbestimmt und wieviel Gestaltungsfreiheit das Individuum noch hat.

Auch im Orplid-Zwischenstück leiden wichtige Personen unter einem schweren Schicksal. Ulmon ist ja nicht nur von Weyla zu einem tausendjährigen Dahinvegetieren verdammt, aufgrund eines Fluches ist er darüber hinaus noch der Willkür Thereiles ausgesetzt. Auch Silpelitt führt ein ruheloses Leben, da sie nachts der Thereile dienen muß und tagsüber in die Rolle der Tochter Kollmers schlüpft. Beide finden am Ende ihre Befreiung (gerade bei Silpelitt ist das eine radikale und vollständige Überwindung der Vergangenheit) und dies verdanken sie ihrem gemeinsamen aktiven Tätigwerden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitende Bemerkungen. Umgang mit Zeit im Werk Mörikes: Die Einleitung definiert das Interesse an Mörikes Zeitverständnis und stellt die These auf, dass der König von Orplid ein positives Gegenbeispiel zu Noltens Passivität darstellt.

2. Zeiterleben und Zeitverhalten im „Letzten König von Orplid“: Dieses Hauptkapitel analysiert das Leiden an der Zeit und den spezifischen Umgang der Figuren mit verschiedenen Zeitebenen innerhalb des fiktionalen Orplid-Raums.

3. Orplid als Alternativentwurf: Das Fazit stellt die Orplid-Episode als bewusste Projektion dar, die zeigt, dass durch aktives Handeln und ein Zusammenspiel mit dem Göttlichen eine Überwindung fatalistischer Schicksalsmuster möglich ist.

Schlüsselwörter

Eduard Mörike, Maler Nolten, Der letzte König von Orplid, Zeiterleben, Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, Schicksal, Determinismus, Fiktionalität, Identitätsfindung, Apotheose, Zeitkontraktion, Literaturanalyse, Selbstfindung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den Umgang der Protagonisten mit dem Phänomen Zeit in Eduard Mörikes Werken, insbesondere im Roman „Maler Nolten“ und dessen Intermezzo „Der letzte König von Orplid“.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Schwerpunkte liegen auf den Konzepten von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, der Frage nach der menschlichen Gestaltungsfreiheit versus Schicksalsbestimmung und der psychologischen Dimension des Zeitempfindens.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es zu belegen, dass die Figur des Königs von Orplid als ein positiv bewerteter, aktiver Gegenentwurf zum scheiternden Maler Nolten zu verstehen ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text des Romans sowie das Intermezzo unter Einbeziehung bestehender Forschungsliteratur interpretiert.

Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?

Der Hauptteil behandelt das „Orplid“-Stück im Detail und vergleicht das Schicksalsverhalten der dortigen Figuren mit demjenigen der Hauptfiguren des „Nolten“.

Welche Schlüsselbegriffe definieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Schicksalsbegriff, Zeitkontraktion, Fiktionalität, Apotheose, Identitätsfindung und das Verhältnis zwischen psychologischer und schicksalhafter Motivierung.

Inwiefern spielt die Lichtmetaphorik in der Arbeit eine Rolle?

Die Arbeit verweist auf eine konsistente Lichtmetaphorik, bei der Helligkeit mit Klarheit und Erkenntnis gleichgesetzt wird, was insbesondere für die Selbsterkenntnis des Königs von Orplid entscheidend ist.

Welche Rolle spielt die "doppelte Motivierung" im Roman?

Der Begriff beschreibt das Zusammenspiel zwischen psychologischen Prozessen der Figuren und einer wahrgenommenen dämonischen oder göttlichen Schicksalsmacht.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Leiden unter der Zeit
Untertitel
Der Umgang mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in „Der letzte König von Orplid“
Hochschule
Universität Konstanz
Veranstaltung
Mörikes Lyrik
Note
2,0
Autor
Andreas Seemann (Autor:in)
Erscheinungsjahr
1998
Seiten
22
Katalognummer
V82382
ISBN (eBook)
9783638873444
ISBN (Buch)
9783638883078
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Leiden Zeit Mörikes Lyrik
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Andreas Seemann (Autor:in), 1998, Leiden unter der Zeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82382
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  22  Seiten
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