Nach einigen allgemeinen Informationen zur Exilliteratur zwischen 1933 und 1945 möchte ich am Beispiel auserwählter Texte aus der oppositionellen Exilzeitung Argentinisches Wochenblatt zeigen, wie literarische Texte, die nicht immer von den betreffenden Dichtern als „politische Waffe“ eingesetzt wurden, politisch interpretiert und explizit politisiert werden können. Auf den ersten Blick wirken die auserwählten Gedichte unpolitisch - sie implizieren lediglich Momente der Ohnmacht und Hilflosigkeit. Durch die zeiträumlichen Verhältnisse und vor allem durch die Veröffentlichung bekommen sie allerdings eine politische Dimension. Literatur als Waffe gegen den Nationalsozialismus.
Zum anderen ist in den Gedichten, die in dieser Zeit entstanden sind, eine Entwicklung festzustellen: Anfangs thematisierten die Gedichte Heimweh und die Hoffnung auf eine Besserung der momentanen Situation und auf eine baldige Rückkehr nach Deutschland und gaben somit Trost und Stärkung in Zeiten von Trauer und Leid. Als sich allerdings eine längere Dauer der Verbannung abzeichnete, waren die Hauptthemen in der Lyrik das erlittene Leid und vor allem Resignation. Alle Hoffnungen auf ein baldiges Ende waren zerschlagen.
Dies gilt es im weiteren Verlauf der Arbeit zu beweisen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Exilliteratur (von 1933 bis 1945)
1.1 Emigration und Presse
1.2 Das Argentinische Wochenblatt als Beispiel
2. Lyrik als literarische Form der Exilpublikation
2.1 Die Topoi der Exillyrik
2.2 Die Entwicklung in der Exillyrik
3. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand ausgewählter Gedichte aus der oppositionellen Exilzeitung Argentinisches Wochenblatt, wie literarische Texte, die nicht explizit politisch verfasst wurden, durch ihren Entstehungskontext und ihre Veröffentlichung im Exil eine politische Dimension erhielten und als Widerstand gegen den Nationalsozialismus fungierten.
- Analyse der Exilpresse als Medium des Widerstands
- Untersuchung der Lyrik als literarische Ausdrucksform im Exil
- Die Entwicklung von Hoffnung hin zu Resignation und Pessimismus in der Exillyrik
- Interpretation der „doppelten Adressiertheit“ in Gedichten von Erika Mann, Mascha Kaléko und Else Lasker-Schüler
- Die Rolle des Argentinischen Wochenblatts bei der Universalisierung individueller Schicksale
Auszug aus dem Buch
2. Lyrik als literarische Form der Exilpublikation
Die Exilanten hatten eine Unzahl an neuen Eindrücken und Erfahrungen zu verarbeiten: die Konfrontation mit dem fremden Land, der fremden Sprache und den neuen Lebensumständen - viele taten dies in der literarischen Form der Lyrik. Jeder Emigrant musste zunächst sein individuelles Schicksal subjektiv verarbeiten. Nach der Befriedigung des menschlichen Selbsterhaltungstriebes trat die Verantwortung aller, zusammen das „Erbe“ zu bewahren und politisch wirksam zu werden, ins Bewusstsein.
Das Exil der „Hitlerflüchtlinge“ stellte sich literarisch als unglaublich produktiv heraus und brachte eine große Anzahl aller Arten von Gedichten hervor, die in den verschiedenen Exilzeitschriften veröffentlicht wurden. Aufgrund der Fülle konnten sie allerdings nur ein kleines Publikum erreichen. Die Entscheidung für die Literaturgattung der Lyrik mag einerseits daran liegen, dass sie sich - wie Trapp formuliert - „wie kaum eine andere Gattung zum politischen Kampfinstrument“ eignet, da sie durch ihre Verknappung und Konzentration auf das Wesentliche am prägnantesten und „einprägsam memorierbar“ sind. Andererseits war das Gedicht von je her Ausdruck von Gefühlsregungen - und es ist leicht nachvollziehbar, dass die Geschehnisse in Deutschland und gleichzeitig die Exil Erfahrungen der vertriebenen Dichter Gefühlsäußerungen in Form von Gedichten hervorriefen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einführung legt die Zielsetzung der Arbeit dar, die politische Dimension von zunächst unpolitisch wirkenden Gedichten im Exil aufzuzeigen.
1. Exilliteratur (von 1933 bis 1945): Dieses Kapitel definiert den Begriff der Exilliteratur und beleuchtet die Rolle der Emigrantenpresse, insbesondere des Argentinischen Wochenblatts, als intellektuelles Zentrum.
2. Lyrik als literarische Form der Exilpublikation: Hier wird die Eignung der Lyrik für Exilschriftsteller untersucht, die sowohl individuelle Erfahrungen als auch das kollektive Leid der Emigration reflektiert.
3. Schlussbetrachtung: Dieses Kapitel resümiert den Wandel der Stimmung in der Lyrik von Hoffnung und Solidarität hin zu Resignation und pessimistischer Weltanschauung.
Schlüsselwörter
Exilliteratur, Exilpublizistik, Nationalsozialismus, Argentinisches Wochenblatt, Lyrik, Emigration, Antifaschistischer Widerstand, Politische Dimension, Erika Mann, Mascha Kaléko, Else Lasker-Schüler, Resignation, Hoffnung, Identität, Doppelte Adressiertheit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Rolle oppositioneller Exilzeitschriften, speziell des Argentinischen Wochenblatts, und analysiert, wie literarische Texte im Exil politisiert wurden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Exilpublizistik, die literarische Auseinandersetzung mit der Heimat sowie die psychologische Entwicklung von Hoffnung zu Resignation bei den Exilanten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu belegen, dass auch individuelle, zunächst unpolitisch erscheinende Gedichte im Kontext der Exilpresse eine klare antifaschistische und politische Wirkung entfalteten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine literaturwissenschaftliche Analyse ausgewählter Gedichte und den historischen Kontext der Exilpresse, unterfüttert durch Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Entstehung der Exilliteratur, die Bedeutung der Presse als Forum der Opposition und eine detaillierte Analyse der Lyrik von Erika Mann, Mascha Kaléko und Else Lasker-Schüler.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Exilliteratur, Widerstand, Politische Dimension, Emigrantenpresse und die subjektive Verarbeitung von Verlust und Heimatlosigkeit.
Inwiefern hat die Veröffentlichung im Argentinischen Wochenblatt die Interpretation der Gedichte beeinflusst?
Durch die Publikation in einem expliziten Oppositionsblatt wurden individuelle Liebesgedichte oder persönliche Schmerzäußerungen universalisiert und von den Herausgebern gezielt als Instrument des politischen Widerstands eingesetzt.
Was bedeutet der Begriff der „doppelten Adressiertheit“ in diesem Kontext?
Er beschreibt das Phänomen, dass ein Text sowohl eine persönliche Ebene (z.B. eine Liebesbeziehung) als auch eine kollektive Ebene der Emigrantengemeinschaft anspricht, die sich in einer ähnlichen existentiellen Notsituation befindet.
- Arbeit zitieren
- Silvia Asser (Autor:in), 2006, Exilpublizistik 1933-1945, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72496