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Die Reinmar-Walther Fehde

Title: Die Reinmar-Walther Fehde

Seminar Paper , 1998 , 21 Pages , Grade: sehr gut

Autor:in: Elmar Korte (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Die sogenannte Dichterfehde zwischen Walther von der Vogelweide und Reinmar dem Alten gehört wohl zu den interessantesten und gleichermaßen umstrittensten Themen der mittelhochdeutschen Literaturgeschichte. Das Fehlen von biographischen Verbindlichkeiten auf Seiten beider Dichter beschränkt die Forschung auf einen intertextuellen Vergleich der erhaltenen Schriften. Einige Fragen kommen in diesem Zusammenhang zum Vorschein: Wo ereignete sich die Fehde? Läßt sich die Fehde genau datieren, gibt es die Möglichkeit, unterschiedliche Fehde-Phasen herauszustellen? Welche Lieder der beiden Dichter können in den Fehden-Kontext einbezogen werden? Diese Fragen setzen nun freilich die Existenz einer Fehde voraus. Auch solche Meinungen aber, die die Existenz einer Fehde infragestellen und eher von einer Rivalität der beiden Dichter sprechen, werden von mir berücksichtigt.
Zunächst werde ich kurz auf den Versuch der Herstellung einer stilistisch-chronologischen Ordnung der Waltherschen Schaffensperioden Bezug nehmen, da diese in engem Zusammenhang zu der Fehde gesehen werden. Desweiteren wird die zentrale Frage nach der Motivation der Fehde gestellt. Handelte es sich um einen Konflikt, der auf unterschiedlichen Minnekonzeptionen von Reinmar und Walther basierte oder gab die Rivalität um eine Stelle als Hofsänger in Wien den Ausschlag für die Fehde? Die unterschiedlichen Thesen sollten dabei auf ihre Prämissen hin überprüft werden, etwa, ob die Annahme von Reinmars Stellung als Hofsänger in Wien überhaupt aufrechtzuerhalten ist angesichts der mangelhaften biographischen Überlieferungen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die verschiedenen Schaffensperioden in Walthers Werk

3. Zur Motivation der Fehde: Stellenrivalität oder literarische Konzeption?

4. Lieder der Reinmar-Fehde

4.1 Walthers „Schachlied“ (L 111,23)

4.2 Das Sumerlaten-Lied (L 72,31)

5. Die beiden Reinmar-Nachrufe (L 82,24 und L 83,1)

6. Schlusswort

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die literarische Auseinandersetzung, die sogenannte Dichterfehde, zwischen Walther von der Vogelweide und Reinmar dem Alten. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob es sich um eine reale biografische Rivalität, etwa um eine Stelle als Hofsänger, oder primär um einen intellektuellen Konflikt aufgrund divergierender Minnekonzeptionen handelt.

  • Analyse der Waltherschen Schaffensperioden und deren Bezug zur Fehde.
  • Kritische Prüfung der Hypothese einer Stellenrivalität am Wiener Hof.
  • Untersuchung der literarischen Parodien (Schachlied, Sumerlaten-Lied) als Ausdruck poetischer Kontroverse.
  • Interpretation der Totenklagen Walthers auf Reinmar als Abschluss der Auseinandersetzung.
  • Diskussion der minnetheoretischen Grundlagen von Reinmars „hoher Minne“ gegenüber Walthers neuen Auffassungen.

Auszug aus dem Buch

4.1 Walthers „Schachlied“ (L 111,23)

Das „Schachlied“ von Walther gehört unbestritten zu den zentralen Liedern der Fehde, es wird von einigen Interpreten sogar an den Anfang der literarischen Auseinandersetzungen der beiden Dichter gestellt. Das Lied enthält eindeutige parodistische Anspielungen auf zwei Reinmar-Lieder (MF 159,1 und 170,1). Um die Übersichtlichkeit der Analyse zu gewährleisten, sollten zunächst die drei relevanten Strophen dieser beiden Lieder Reinmars betrachtet werden:

MF 159,1: Ich wirbe umbe allez, daz ein man ze werltlîchen fröiden iemer haben sol: Daz ist ein wîp, der ich enkan nâch ir vil grôzem werde niht gesprechen wol. Lobe ich si, sô man ander frouwen tuot, daz genimet si niemer tac von mir für guot. doch swer ich des, si ist an der stat, dâs ûz wîplîchen tugenden nie fuoz getrat. daz ist iu mat.

MF 159,37: Unde ist mirs mîn saelde gan, daz ich abe ir wol redendem munde ein küssen mac versteln, Gît got, daz ich ez bringe dan, sô wil ich ez tougenlîchen tragen und iemer heln. Und ist, daz siz für grôze swaere hât und vêhet mich durch mîne missetât, waz tuon ich danne, unsaelic man? dâ nim eht ichz und trage ez hin wider, dâ ichz dâ nan, als ich wol kan.

MF 170,15: Swaz in allen landen mir ze liebe mac geschehen, Daz stât in ir handen, anders niemen wil ich sîn jehen. Sî ist mîn ôsterlicher tac, und hân si in mînem herzen liep. daz weiz er wol, dem man niht geliegen mac.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Dichterfehde zwischen Walther und Reinmar ein, beleuchtet die problematische Quellenlage und definiert die Zielsetzung der Arbeit hinsichtlich der Frage nach der Motivation des Konflikts.

2. Die verschiedenen Schaffensperioden in Walthers Werk: Hier werden die Versuche der Literaturwissenschaft diskutiert, das Werk Walthers chronologisch zu ordnen, und die Bedeutung der jeweiligen Minnebegriffe für die Interpretation der Biografie des Dichters hervorgehoben.

3. Zur Motivation der Fehde: Stellenrivalität oder literarische Konzeption?: Dieses Kapitel kritisiert die These einer realen beruflichen Rivalität am Wiener Hof und plädiert stattdessen für einen literarischen Schlagabtausch, der auf unterschiedlichen Minneidealen gründet.

4. Lieder der Reinmar-Fehde: Die Analyse konzentriert sich auf die parodistischen Lieder Walthers, insbesondere das Schachlied und das Sumerlaten-Lied, um die inhaltliche Abgrenzung von Reinmars Konzeption der hohen Minne aufzuzeigen.

5. Die beiden Reinmar-Nachrufe (L 82,24 und L 83,1): Walther setzt sich hier mit Reinmars Tod auseinander; die Analyse zeigt, dass diese Totenklagen sowohl die Solidarität mit der Kunst des Verstorbenen als auch persönliche Racheelemente und Ironie enthalten.

6. Schlusswort: Das Fazit fasst zusammen, dass die Fehde primär als minnetheoretische Auseinandersetzung zu verstehen ist, deren biografische Ursprünge aufgrund der Quellenlage nicht zweifelsfrei geklärt werden können.

Schlüsselwörter

Walther von der Vogelweide, Reinmar der Alte, Dichterfehde, Minnesang, hohe Minne, Parodie, literarische Konzeption, Totenklage, Schachlied, Sumerlaten-Lied, Minnebegriff, Literaturgeschichte, Stellenrivalität, Hofsänger, Mittelalter.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt die literarische Auseinandersetzung, bekannt als Dichterfehde, zwischen Walther von der Vogelweide und Reinmar dem Alten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit fokussiert sich auf die Interpretation der Texte vor dem Hintergrund minnetheoretischer Differenzen und der historischen Einordnung der Beziehung beider Dichter.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es zu ergründen, ob die Fehde auf einer konkreten Stellenrivalität basierte oder primär ein theoretischer Konflikt über Minnekonzeptionen war.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine textanalytische Methode unter Einbeziehung intertextueller Vergleiche und kritischer Reflexion der bisherigen Forschungsliteratur.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert spezifische Lieder (Schachlied, Sumerlaten-Lied) und die Totenklagen Walthers als direkte Zeugnisse der Fehde.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Walther von der Vogelweide, Reinmar der Alte, Dichterfehde, hohe Minne, Parodie und minnetheoretische Auseinandersetzung.

Warum wird die These der Stellenrivalität kritisch hinterfragt?

Aufgrund fehlender biographischer Beweise für Reinmars feste Anstellung am Wiener Hof und der mangelnden Thematisierung einer solchen Konkurrenz in den Liedern Walthers.

Wie unterscheidet sich Walthers Minneauffassung von der Reinmars?

Während Reinmar die unerreichte, hohe Minne als schmerzhaften Verzicht inszeniert, fordert Walther Gegenseitigkeit und bezieht auch andere gesellschaftliche Stände in seine Minnekonzeption ein.

Welche Bedeutung kommt dem Sumerlaten-Lied zu?

Es gilt als Höhepunkt der Verhöhnung Reinmars durch Walther, da es die Absolutsetzung der Frau durch den Dichter als ironische Parodie demaskiert.

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Details

Title
Die Reinmar-Walther Fehde
College
RWTH Aachen University  (Germanistisches Institut)
Grade
sehr gut
Author
Elmar Korte (Author)
Publication Year
1998
Pages
21
Catalog Number
V46882
ISBN (eBook)
9783638439688
ISBN (Book)
9783640351008
Language
German
Tags
Reinmar Fehde
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Elmar Korte (Author), 1998, Die Reinmar-Walther Fehde, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46882
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