Das Bewusstsein bezüglich der eigenen Sprachfähigkeit setzt reflexives Denken voraus. Die Betrachtung der einzelnen Stufen, in denen dem Menschen seine Fähigkeit zu sprechen bewusst wird, erfordert die Darlegung der historischen Entwicklung eines solchen reflexiven Denkens. Die vorliegende Arbeit gibt eine Übersicht über diese Entwicklung und beleuchtet die Bedeutung von Schrift in diesem Kontext näher. Zudem wird die menschliche Sprachfähigkeit auch aus anlage- und umwelttheoretischer Sichtweise betrachtet zu einer Beurteilung finden. Das abschließende Kapitel stellt reflektierend eine Aufgliederung des Sprachbegriffs dar, indem persönliche Erfahrungen mit Sprache auf die Vielschichtigkeit der Linguistik hinweisen sollen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Vom Mythos zur Wissenschaft
3 Entwicklung und Bedeutung der Schrift
4 Sprachfähigkeit und Umwelt
5 Abschließende Gedanken
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die historische und theoretische Entwicklung des menschlichen Sprachbewusstseins, beginnend bei mythischen Vorstellungen bis hin zur modernen Sprachwissenschaft und dem individuellen Sprachgebrauch.
- Historische Herleitung reflexiven Denkens über Sprache.
- Die Bedeutung der Schrift für die Abstraktionsfähigkeit.
- Anlage- und umwelttheoretische Einflüsse auf die Sprachfähigkeit.
- Die Vielschichtigkeit des Sprachbegriffs in der heutigen Linguistik.
Auszug aus dem Buch
3 Entwicklung und Bedeutung der Schrift
Die Entwicklung einer Schrift ist für die Sprachfähigkeit von grosser Bedeutung. Ihr historisches Entstehen trug dazu bei, „dass [...] Sprache selbst Gegenstand der Betrachtung werden konnte“13. Den einzelnen Stufen der Schriftentwicklung, beginnend mit der bildlichen Darstellung, sind demnach enorme psychische Leistungen, unter anderem die wachsende Abstraktionsfähigkeit, zuzuordnen.
Früheste Abbildungen, in Form von Wandbildern weisen auf eine intensive Beschäftigung mit der Tierwelt hin. Während Darstellungen des Menschen zunächst überhaupt nicht bzw. nur in sehr primitiver Form zu finden sind, erscheinen Zeichnungen und Bilder von Tieren äußerst genau und präzise dargestellt.
Grundlegend für alle bildlichen Darstellungen des mythischen Denkens ist die Tatsache, dass eine direkte Verbindung zwischen Bild und dargestellter Sache existiert. Bild und Objekt können nicht auseinander gehalten werden, da sie einander entsprechen. Dieses Verhältnis ändert sich mit der Einführung von schriftlichen Zeichen. Zu den ältesten zählt die Bilderschrift der Sumerer gefolgt von den Hieroglyphen Ägyptens. Beide Schriftsysteme entstanden aus einer wirtschaftlichen Notwendigkeit heraus. Tempelbedienstete, denen die organisatorischen Aufgaben eines Verwalters zukamen, benutzten wahrscheinlich Zählsteine oder Kerbhölzer als Gedächtnisstütze und zur Übersicht. Auffallend dabei ist, dass sich der direkte Bezug des Zeichens zum Bezeichneten auflöst.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung legt den Fokus auf die Bedeutung reflexiven Denkens für das Verständnis menschlicher Sprachfähigkeit und skizziert den Aufbau der Untersuchung.
2 Vom Mythos zur Wissenschaft: Dieses Kapitel zeichnet den Weg von mythischen Weltdeutungen über den Einfluss der jüdischen und griechischen Kultur bis hin zur philosophischen Reflexion über Sprache nach.
3 Entwicklung und Bedeutung der Schrift: Hier wird analysiert, wie die Entstehung der Schrift als psychische Leistung die Abstraktionsfähigkeit förderte und Sprache zum eigenständigen Untersuchungsobjekt machte.
4 Sprachfähigkeit und Umwelt: Das Kapitel erörtert den Einfluss des sozialen und kulturellen Umfelds auf die Entwicklung der menschlichen Sprachfähigkeit unter Ablehnung rein anlagetheoretischer Ansätze.
5 Abschließende Gedanken: Der Autor reflektiert den Sprachbegriff und zeigt anhand persönlicher Erfahrungen auf, wie vielfältig die modernen linguistischen Teildisziplinen miteinander verknüpft sind.
Schlüsselwörter
Sprachfähigkeit, Sprachbewusstsein, Reflexion, Mythos, Philosophie, Schriftentwicklung, Abstraktion, Zeichensystem, Kultur, Sozialisierung, Linguistik, Kommunikation, Semantik, Phonetik, Sprachwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Geschichte der Meinungen darüber, was Sprache ist, und wie sich das menschliche Bewusstsein für Sprache im Laufe der Zeit entwickelt hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit fokussiert sich auf den Übergang vom mythischen Denken zur Wissenschaft, die Rolle der Schriftentwicklung und den Einfluss der Umwelt auf die sprachliche Sozialisation.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Darlegung der historischen Entwicklung reflexiven Denkens über Sprache sowie eine Aufgliederung des heutigen Sprachbegriffs aus linguistischer Sicht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die auf der Analyse historischer, philosophischer und entwicklungspsychologischer Literatur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Sprachbewusstseins in der Mythologie und Philosophie, die Bedeutung der Schrift als Zeichensystem sowie die Bedeutung von Kultur für die Sprachentwicklung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen Sprachfähigkeit, Sprachbewusstsein, Schriftentwicklung, Reflexion und die Einbettung der Sprache in den soziokulturellen Kontext.
Warum spielt die Schrift eine so große Rolle für die Sprachwissenschaft?
Laut der Arbeit ermöglichte erst die Schrift eine Distanz zum Produzenten des Textes, wodurch Sprache selbst zum Gegenstand der objektiven Analyse und Betrachtung werden konnte.
Wie unterscheidet sich die Auffassung von Sprache in der Mythologie von der späteren Philosophie?
Während Sprache im Mythos oft als göttlich und unhinterfragt galt, führte die griechische Philosophie durch die Suche nach Wahrheit und die Kategorisierung von Begriffen zu einer rationalen und reflexiven Sprachbetrachtung.
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- Birte Glass (Author), 2001, Geschichte der Meinungen, was Sprache sei, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31169