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Der Dialog im Dialog

Title: Der Dialog im Dialog

Textbook , 2010 , 209 Pages

Autor:in: Rolf Todesco (Author)

Communications - Intercultural Communication
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Summary Excerpt Details

Mit Dialog im Dialog lege ich einige Berichte von inszenierten Dialogen vor. Inszeniert werden solche Dialoge in Form von Veranstaltungen, in welchen durch Protokolle darüber, wie man spricht, verhindert wird, dass der Gesprächsgegenstand die Führung darüber übernimmt, was man spricht. Die Protokolle, die die Gesprächsform festlegen, sollen verhindern, dass die Sprechenden zu Subjekten verkommen, die der jeweils verhandelten Sache unterworfen sind. In diesen Dialog sollen nicht die Gesprächsgegenstände bestimmen, was gesagt wird, sondern der Logos durch die Form der Sprache. Die Protokolle verlangen vordergründig, dass die Formulierungen eine bestimmte Form einhalten, so dass ich jedes Mal bevor ich spreche, noch etwas über die Formulierung nachdenken muss. So bleibe ich stets gewahr, dass ich spreche und dass ich das, was ich sage, auf verschiedene Weise sagen könnte, wobei ich dann natürlich Verschiedenes sagen würde. Ich treffe eine Wahl und bedenke so, was ich mit dem, was ich sage und wie ich es sage, aneignen will. Dieses Aneignen verstehe ich als allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden. Ich spreche so, damit mir klarer wird, wie ich zu andern, zum Du spreche.

Solche Dialogveranstaltungen kann man als Fortsetzung der Konversationssalons sehen, in welchen sich die Rhetorik des Mittelalters aufgehoben hat. In der kultivierten Salonkonversation zielt die Aufmerksamkeit immer darauf, dass keine Festschreibungen entstehen, obwohl oder gerade weil in diesen Salons immer die Zeit nach der nächsten angestrebten sozialen Revolution antizipiert wird. Die Konversation betrifft immer die Utopie, die nur erwogen wird, die man auch dort, wo sie sich als Historie gibt, nur erkennen, aber nicht kennen kann. In diesen Dialogen will ich keine Wahrheit finden und nicht darüber sprechen, wie es wirklich ist. Indem ich zum Du spreche, will ich erkennen, was gemeinsam formulierbar ist. Man kann darin eine Erwägungskultur sehen.

Die in unseren Dialogveranstaltungen verwendeten Protokolle stammen nicht aus den aristokratisch-frühbürgerlichen Salons, sondern werden im Dialog selbst entwickelt. In diesen Dialogprotokollen ist die Differenz zwischen Vorschrift und Beschreibung insofern aufgehoben, als jede Dialoggruppe ihre Regeln immer so umschreibt und anpasst, dass sie zum Verhalten der Dialogteilnehmer passen. Anhand des Protokolls kann jede Dialoggruppe erkennen, woran sie sich als Dialoggruppe halten wollte.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Vorwort

2 Einladungen

3 Ein Anfang

4 Fragen im Dialog

5 Die Veranstaltung

6 Verheissungen

7 Wahrheit und Konflikt

8 Dialog als Kunst

9 Sinn und Verstehen

10 Reflexion

11 Nachwort

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit verfolgt das Ziel, das Wesen des Dialogs durch die Praxis inszenierter Dialogveranstaltungen zu explorieren. Dabei wird der Dialog nicht als bloße Methode oder Ziel, sondern als Ausdruck von zwischenmenschlichen Beziehungen verstanden, wobei die Forschungsfrage darauf abzielt, wie ein dialogischer Raum geschaffen werden kann, in dem Wahrheitsansprüche in der Schwebe gehalten werden und Erkenntnis jenseits von Diskussionen möglich ist.

  • Die Differenz zwischen Dialog und Diskurs
  • Die Rolle von Dialogprotokollen und Veranstaltungsregeln
  • Die Abkehr von themenzentrierten Diskussionen hin zur dialogischen Vielfalt
  • Die Bedeutung der Beziehung zwischen Ich und Du
  • Praktische Erfahrungen mit Dialogverfahren und deren Widerständen

Auszug aus dem Buch

1 Vorwort

Mit Dialog im Dialog lege ich einige Berichte von inszenierten Dialogen vor. In szeniert werden solche Dialoge in Form von Veranstaltungen, in welchen durch Protokolle darüber, wie man spricht, verhindert wird, dass der Gesprächsgegen stand die Führung darüber übernimmt, was man spricht. Die Protokolle, die die Gesprächsform festlegen, sollen verhindern, dass die Sprechenden zu Subjek ten verkommen, die der jeweils verhandelten Sache unterworfen sind. In diesen Dialog sollen nicht die Gesprächsgegenstände bestimmen, was gesagt wird, sondern der Logos durch die Form der Sprache. Die Protokolle verlangen vor dergründig, dass die Formulierungen eine bestimmte Form einhalten, so dass ich jedes Mal bevor ich spreche, noch etwas über die Formulierung nachdenken muss. So bleibe ich stets gewahr, dass ich spreche und dass ich das, was ich sage, auf verschiedene Weise sagen könnte, wobei ich dann natürlich Ver schiedenes sagen würde. Ich treffe eine Wahl und bedenke so, was ich mit dem, was ich sage und wie ich es sage, aneignen will. Dieses Aneignen verste he ich als allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden. Ich spreche so, damit mir klarer wird, wie ich zu andern, zum Du spreche.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Vorwort: Der Autor erläutert die Grundidee inszenierter Dialogveranstaltungen und deren Ziel, die Sprechenden durch Protokolle von der Vorherrschaft der Gesprächsgegenstände zu befreien.

2 Einladungen: Dieses Kapitel thematisiert die Entstehung des Interesses an Dialogveranstaltungen durch persönliche Einladungen und die damit verbundenen anfänglichen Fragen der Teilnehmer.

3 Ein Anfang: Hier wird der Verlauf der ersten Dialogveranstaltung geschildert, inklusive der Einführung von Regeln und der Herausforderung, wertungsfrei zu sprechen.

4 Fragen im Dialog: Dieses Kapitel beleuchtet die Rolle von Fragen und die Schwierigkeiten, die sich aus einem nicht-themenzentrierten Dialogansatz ergeben.

5 Die Veranstaltung: Es wird der Prozess der Verstetigung der Dialoggruppe beschrieben, bei dem die Teilnehmer gemeinsam über die Bedeutung von Regeln und das Format des Dialogs reflektieren.

6 Verheissungen: Das Kapitel diskutiert die Dialogregeln nicht mehr als Gebote, sondern als utopische Visionen oder Verheissungen für das zukünftige Sprechen.

7 Wahrheit und Konflikt: Hier werden unterschiedliche Auffassungen von Wahrheit, beeinflusst durch wissenschaftliche oder religiöse Hintergründe, und deren Konfliktpotenzial im Dialog verhandelt.

8 Dialog als Kunst: Der Fokus liegt auf der Metapher des Dialogs als Kunstform, in der Äußerungen als Ausdruck und Performance verstanden werden.

9 Sinn und Verstehen: Dieses Kapitel exploriert die Paradoxien des Verstehens im Dialog, bei dem das Ziel nicht die Deckungsgleichheit der Bedeutungen, sondern das Erschließen von neuen Perspektiven ist.

10 Reflexion: Der Autor und die Teilnehmer reflektieren ihre Erfahrungen mit dem Dialogformat und dessen Wirkung auf ihr Verständnis von Kommunikation und Wirklichkeit.

11 Nachwort: Das Nachwort zieht eine Bilanz über die Praxis der Dialoggruppen und deren Charakter als sich selbst organisierende, autopoietische Kreise.

Schlüsselwörter

Dialog, Diskurs, Kommunikation, Protokolle, Dialogveranstaltung, zwischenmenschliche Beziehung, Ich-Du-Beziehung, Schwebe, Partizipierendes Denken, Sinn, Verstehen, Konstruktivismus, Utopie, Verheissung, Gemeinschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit dokumentiert und reflektiert die Praxis von inszenierten Dialogveranstaltungen, in denen Menschen zusammenkommen, um über den Dialog selbst nachzudenken und eine dialogische Haltung zu erkunden.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Unterscheidung von Dialog und Diskurs, die Funktion von Regeln im Dialog, der Umgang mit dem "Sinn" und die Transformation von Vorstellungen über Wirklichkeit und Wahrheit.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, den Dialog als Raum der Beziehungsgestaltung zu etablieren, in dem die Teilnehmer lernen, ihre Mitteilungen und Wahrheitsansprüche in der Schwebe zu halten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die phänomenologische Beschreibung von Dialogprozessen, die stark konstruktivistisch geprägt ist, indem sie die sozialen Prozesse und die Bedeutung von Kommunikation für die Wirklichkeitskonstruktion analysiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil dokumentiert den praktischen Verlauf der Dialoge, die Herausforderungen bei der Einführung von Regeln wie dem Sprechstab und die erkenntnistheoretischen Auseinandersetzungen der Teilnehmer.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Dialog, Schwebe, Gemeinschaft, Verheissung, Konstruktivismus und das Verständnis der Äußerung als eine Form von "Kunst".

Wie unterscheiden sich Dialog und Diskussion laut dem Text?

Im Dialog geht es um das Entfalten von Vielfalt und das Teilen, während in der Diskussion eine Sichtweise argumentativ durchgesetzt werden soll, was in einem Monolog resultiert.

Warum wird im Dialog kein festes Thema vorgegeben?

Die Abwesenheit eines Themas verhindert, dass sich die Teilnehmer an ein vorgegebenes Ziel binden, und ermöglicht es, dass sich Grundthemen aus dem Dialogprozess selbst entwickeln.

Was ist mit "Verheissung" im Kontext der Dialogregeln gemeint?

Regeln werden hier als utopische Visionen begriffen, die beschreiben, wie die Teilnehmer sprechen möchten, wenn sie "dialogisch entwickelt" sind, statt sie als starre Vorschriften zu erzwingen.

Excerpt out of 209 pages  - scroll top

Details

Title
Der Dialog im Dialog
Course
-
Author
Rolf Todesco (Author)
Publication Year
2010
Pages
209
Catalog Number
V144502
ISBN (eBook)
9783640545575
ISBN (Book)
9783640545346
Language
German
Tags
dialog bohm konstruktivismus systemtheorie kunst ethik buber sokrates
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Rolf Todesco (Author), 2010, Der Dialog im Dialog, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144502
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