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Dichter in Uniform

Gottfried Benns Emigration in die Armee

Title: Dichter in Uniform

Essay , 2009 , 20 Pages

Autor:in: Magister Artium Frank Gerlich (Author)

History of Germany - National Socialism, World War II
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Es sind fast ausschließlich Literaturwissenschaftler, die die Standards der biographischen Benn-Forschung setzen, unter anderen Paul Raabe, Werner Rübe, Christian Schärf, Helmut Lethen und besonders Joachim Dyck. Der emeritierte Professor für Literaturtheorie und Vorsitzende der Gottfried-Benn-Gesellschaft ragt mit den untersuchten 20 Jahre vom ersten internationalen Ruhm bis zum fulminanten Comeback Benns aus der Forschung hervor. Er beschreibt Benn erstmals ausführlich als Dichter in Uniform. Das ist sinnvoll, denn Benn überlebte die NS-Zeit und den Zweiten Weltkrieg in Wehrmachtsuniform. Es ist zu zeigen, dass seine literarischen Veröffentlichungen nach 1945 ohne seinen Eigensinn und seine Zeit als Sanitätsoffizier nicht angemessen zu verstehen sind. Die Militärzeit strahlte auf Benns Lebensweg aus und beeinflusste sein weiteres künstlerisches Schaffen maßgeblich.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

1. Einführung

2. Kunst und Macht

3. Emigration in die Armee

3.1. April 1935: Benns Reaktivierung in Hannover

3.2. Ein Liebesleben in guter Regie

3.3. Völkischer Angriff. Das Schwarze Korps versus Benn

3.4. Versetzt nach Berlin. Der Oberstabsarzt zur Verfügung des OKH

4. Dichten für die Schublade

4.1 Benns Ausschluss aus der Reichsschrifttumskammer

4.2. Die oberste Instanz der Wehrmacht für Versorgung und Dienstbeschädigung

4.3. Kunst und Drittes Reich. Ein provoziertes Leben

4.4. Benns schöpferische Hochform in Landsberg an der Warthe

5. Rauschgift der Poesie. Sein Comeback nach dem Krieg

6. Ein Täter, ein Verfolgter

7. Literatur

7.1. Primärliteratur

7.2. Sekundärliteratur

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die Arbeit untersucht das Leben und Wirken des Dichters Gottfried Benn während der Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs, wobei insbesondere seine Tätigkeit als Sanitätsoffizier als Form der inneren Emigration analysiert wird. Der Fokus liegt dabei auf dem Spannungsfeld zwischen seiner ästhetischen Selbststilisierung und seiner realen Einbindung in das NS-Militärsystem sowie seinem künstlerischen Schaffen in dieser Phase.

  • Die Analyse von Benns Reaktivierung und Dienstzeit als Oberstabsarzt.
  • Die Untersuchung von Benns literarischer Produktion im Kontext des "Doppellebens".
  • Die Betrachtung von Benns Verhältnis zum NS-Regime und dem politischen Abseits.
  • Die Auswertung des künstlerischen Comebacks nach 1945 und der Verdrängung eigener Verfehlungen.

Auszug aus dem Buch

3.1. April 1935: Benns Reaktivierung in Hannover

Nach seinem Kniefall vor den Nationalsozialisten wagte Benn die Flucht nach vorn. Er trat mit ehemaligen Studienkollegen aus der Pépinière-Zeit in Verbindung, die in die Reichswehr übernommen worden waren und jetzt an Entscheidungsstellen saßen. Oberstarzt Professor Dr. Walther Kittel (1887-1971), Chef des Stabes der Heeressanitätsinspektion in Berlin, sorgte für Benns Reaktivierung. So gelang ihm die Flucht in die Reichswehr, die er als „aristokratische Form der Emigrierung“ bezeichnete. Unter aristokratisch verstand Benn die isolierte, die schweigende, die mönchische Form seiner Lebensführung. Den Ausdruck als Herabsetzung der literarischen Emigranten zu interpretieren, ist falsch.

Mit dem „Gesetz zur Wiedererlangung der Wehrhoheit und der Wehrfreiheit“ vom 16. März 1935 wurde die Voraussetzung zum Aufbau der Wehrmacht geschaffen. Es entstanden die Wehrersatzinspektionen, darunter jene des Wehrkreises XI in Hannover, bei der Benn am 1.April 1935 seinen Dienst antrat. Seine Probezeit in Zivil lief nach sechs Monaten ab und er wurde im Majorsrang als Oberstabsarzt (E) übernommen. Der Zusatz (E) steht für Ergänzung und wurde Reaktivierten zuteil, die das so genannte E-Offizierskorps bildeten.

„Ach ich bin nicht glücklich in der Uniform! Seit ich sie trage, ist mir mies“, klagte Benn gegenüber Friedrich Wilhelm Oelze. Doch pflichtbewusst gab er zum Einstand für zwölf Männer seiner Dienststelle einen feierlichen Herrenabend in „Friedrich Wolfs Weingroßhandlung und Weinstuben“, wo er oft und gerne zu Gast war. Es gab ein kaltes Buffet, Korn und Bier. „Die meisten hatten bald schwere Schlagseite u. langsamen Zungenschlag.“ Benn schloss seine Rede mit dem alten Soldaten-Schlachtruf „Hurra“ auf die Wehrersatzinspektion Hannover.

Benn war in Hannover Leiter der Abteilung IV b und für das gesamte Heeressanitätswesen des Wehrkreises mit den Wehrbezirkskommandos Hannover, Braunschweig, Celle, Göttingen, Goslar, Hameln und Hildesheim verantwortlich. Zu seinen Aufgaben zählten die Aufstellung der Sanitätsabteilungen mit den Sanitätsstaffeln, die Organisation der Lazarette und die Arrangierung und Leitung von „Kriegsspielen“. Seine Ressortkollegen kamen alle aus alten Adelsfamilien, deren Umgang er schätzte. Er beherrschte das maskierte Offizierspielen. „Es war äußerst nett u. gemütlich! Nächst dem jüdischen ist mir ja das adlige das liebste Milieu. Auch hier etwas Überlegenes u. man könnte sagen: Unnordisches, eben Verfeinerung. [...]

Zusammenfassung der Kapitel

Zusammenfassung: Bietet einen Überblick über Benns Begeisterung für den NS-Staat, sein darauffolgendes Scheitern an den Kulturfunktionären und seine Flucht in die Armee, die als "Doppelleben" zwischen Anpassung und geistiger Autonomie verstanden wird.

1. Einführung: Setzt das Werk in den Kontext der biographischen Benn-Forschung und begründet die Relevanz der Militärzeit für sein späteres künstlerisches Schaffen.

2. Kunst und Macht: Analysiert Benns Verhältnis zur Preußischen Akademie der Künste und seine ideologische Nähe sowie spätere Enttäuschung gegenüber dem NS-Regime.

3. Emigration in die Armee: Dokumentiert Benns Reaktivierung als Sanitätsoffizier, sein "Doppelleben" zwischen soldatischer Pflicht und privatem Dichtertum sowie seine Konflikte innerhalb des NS-Systems.

4. Dichten für die Schublade: Beschreibt den Ausschluss aus der Reichsschrifttumskammer, die Arbeit im Versorgungswesen der Wehrmacht und die Entstehung bedeutender Werke im Stillen, insbesondere während der Zeit in Landsberg.

5. Rauschgift der Poesie. Sein Comeback nach dem Krieg: Thematisiert die Schwierigkeiten nach 1945, die Zensur und den erfolgreichen literarischen Neuanfang sowie Benns späte Heirat.

6. Ein Täter, ein Verfolgter: Reflektiert kritisch Benns Rolle als "Täter-Opfer"-Figur, seine ästhetische Pose gegenüber dem Politischen und sein Ausweichen in eine postfaschistische Haltung.

7. Literatur: Listet die verwendeten Primär- und Sekundärquellen auf, die der biographischen und werkgeschichtlichen Analyse zugrunde liegen.

Schlüsselwörter

Gottfried Benn, Nationalsozialismus, Wehrmacht, Sanitätsoffizier, Innere Emigration, Doppelleben, Literaturgeschichte, NS-Kulturpolitik, Dichtung, Künstlertum, Zweiter Weltkrieg, Nachkriegszeit, Biographik, Ästhetik, Kunsttheorie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Biografie Gottfried Benns zwischen 1933 und 1949, wobei der Fokus auf seinem Dienst als Sanitätsoffizier in der Wehrmacht und seinem künstlerischen Schaffen unter dem Druck der nationalsozialistischen Diktatur liegt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Im Zentrum stehen die Konzepte des "Doppellebens" und der "inneren Emigration", die wechselhafte Beziehung des Autors zum Nationalsozialismus sowie die Aufarbeitung seiner Rolle im Nachkriegsdeutschland.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Benns Militärzeit und die damit verbundenen Erfahrungen seine literarischen Werke prägten und warum seine Veröffentlichungen nach 1945 ohne diesen Kontext nur unzureichend verstanden werden können.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor stützt sich auf eine tiefgehende Auswertung von Primärquellen, insbesondere Korrespondenzen (vor allem Briefe an Friedrich Wilhelm Oelze) sowie auf die etablierte literaturwissenschaftliche Forschung zu Benn.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert chronologisch Benns Eintritt in die Wehrmacht, die Konflikte mit den NS-Kulturbehörden, seine administrative Tätigkeit in Berlin und Landsberg sowie sein literarisches Comeback nach dem Krieg.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind unter anderem Gottfried Benn, Innere Emigration, Wehrmacht, Sanitätsoffizier, Doppelleben und Nationalsozialismus.

Wie bewertet der Autor Benns Rolle im NS-Staat?

Der Autor zeichnet Benn nicht als Widerstandskämpfer, sondern als eine ambivalente Figur, die vom überzeugten Anhänger zum opportunistischen "Täter-Opfer" wurde, das die politische Realität weitgehend ausblendete.

Welche Bedeutung hatte die Zeit in Landsberg für Benn?

Die Zeit in Landsberg wird als eine Phase der "schöpferischen Hochform" beschrieben, in der Benn abseits des Berliner Zentrums Ruhe fand, um wichtige Texte wie den "Roman des Phänotyp" zu verfassen.

Wie verlief Benns "Comeback" nach 1945?

Trotz anfänglicher Zensur durch die Alliierten gelang Benn ab 1948 durch die Vermittlung neuer Verleger und die wohlwollende Kritik von Intellektuellen wie Friedrich Sieburg ein international beachteter literarischer Wiedereinstieg.

Warum wird das Thema der "Ehe" bei Benn in der Arbeit aufgegriffen?

Die Arbeit nutzt Benns persönliche Beziehungen und Eheschließungen, um sein Bedürfnis nach Ordnung und seine Anpassung an gesellschaftliche Konventionen, selbst in Krisenzeiten, zu illustrieren.

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Details

Title
Dichter in Uniform
Subtitle
Gottfried Benns Emigration in die Armee
Author
Magister Artium Frank Gerlich (Author)
Publication Year
2009
Pages
20
Catalog Number
V133006
ISBN (eBook)
9783640403868
ISBN (Book)
9783640404254
Language
German
Tags
Dichter Uniform Gottfried Benns Emigration Armee
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Magister Artium Frank Gerlich (Author), 2009, Dichter in Uniform, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133006
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