Karl Bühler entwickelte in seiner „Sprachteorie“ eine Theorie der Deixis, mit der sich die linguistische Forschung seit dem aus vielen Blickwinkeln befasst hat, wobei es bisher noch nicht zu einer einheitlichen Konzeption gekommen ist.
Wolfgang Klein stellt seinen „Präliminarien zu einer Untersuchung der lokalen Deixis“ die Überlegung voran, dass Bühlers „klassische Betrachtungsweise“ die Funktionsweise hinweisender Ausdrücke in der Sprache zu sehr vereinfache. Er entwickelt in diesem Beitrag zur lokalen Deixis einen „Fragenkatalog“, aus dem weniger eine abschließende Theorie, als vielmehr eine „angemessene Strategie“ zur systematischen Erforschung des Hinweisens in der sprachlichen Äußerung hervorgehen soll.
Entlang einiger Fragen, die Wolfgang Klein im Anschluss an seine Darstellung formuliert, sollen hier Lösungsansätze aus der neueren linguistischen Forschung zur Erklärung der Funktionsweise deiktischer Ausdrücke in der verbalen Kommunikation dargestellt werden. Schwerpunkt dieser Darstellung ist die „lokale Deixis“.
In einem ersten Schritt hat diese Arbeit in Abschnitt I die Klärung zentraler Begriffe zur Beschreibung hinweisender Raumausdrücke zum Ziel. Dort soll neben einer allgemeinen Übersicht über die verschiedenen Arten der „Deixis“ der Versuch einer Abgrenzung zwischen lokaldeiktischen Ausdrücken und anderen Varianten der Raumreferenz unternommen werden. In Abschnitt II werden einige Probleme im Zusammenhang mit der deiktischen Raumreferenz aufgezeigt. Im Mittelpunkt stehen dabei – aus syntaktischer Sicht – Fragen nach den Grenzen der formalen Darstellbarkeit „deiktischer Eigenschaften“ von Ausdrücken, einige Aspekte der Semantik des Hinweisens (hier soll die Möglichkeit angerissen werden, das „Funktionieren“ der Ausdrücke in der Kommunikation aus den Denotaten der Begriffe selbst zu erklären) und schließlich wird im Versuch einer Darstellung der „Pragmatik der Deixis“ die starke Kontextabhängigkeit der Lokaldeixis diskutiert. Abschnitt III dieser Arbeit hat einen Vergleich der vorangestellten Lösungsvorschläge mit den Forderungen Kleins an eine praktikable Systematik zum Ziel.
Inhaltsverzeichnis
I Zentrale Begriffe
1. Referenz
2. Deixis
3. Lokaldeixis
4. Kontext
II Probleme im Zusammenhang mit lokaldeiktischen Ausdrücken
1. Syntax
2. Semantik
3. Pragmatik
III Lösungsvorschläge
1. Formale Aspekte
2. Semantische Implikationen
3. Pragmatische Überlegungen zum Origo-Modell
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Funktionsweise deiktischer Ausdrücke in der verbalen Kommunikation zu analysieren, wobei der Schwerpunkt auf der lokalen Deixis liegt. Dabei wird untersucht, wie sprachliche Ausdrücke in einer gegebenen Sprechsituation auf räumliche Aspekte verweisen und welche syntaktischen, semantischen sowie pragmatischen Herausforderungen sich aus dieser Kontextabhängigkeit ergeben.
- Grundlagen der Referenz und Deixis in der linguistischen Theorie.
- Syntaktische und semantische Analyse lokaldeiktischer Ausdrücke.
- Die Rolle des Kontextes und das Origo-Modell nach Karl Bühler.
- Formale Beschreibungstechniken und die Pragmatik des Sprechaktes.
- Vergleich verschiedener wissenschaftlicher Ansätze zur Systematisierung der Raumreferenz.
Auszug aus dem Buch
3. Pragmatische Überlegungen zum Origo-Modell
In einem neueren Beitrag zum Thema „Sprache und Raum“ entwickelt Wolfgang Klein aus der prinzipiellen Kontextabhängigkeit lokaler Bezüge die Erweiterung von Bühlers Modell um eine flexiblere Sprecher-Positionierung durch vier kognitive Prozesse, die eine Verlagerung der Kommunikationssituation (der „Origo“) bewirken können:
- Die Position des jeweiligen Hörers (Origo ist normalerweise die Position des Sprechers; in vielen Fällen, wie beispielsweise häufig im Imperativ, antizipiert der Sprecher aber die Blickrichtung des Rezepienten, der die intendierte physische Handlung vollziehen wird.)
- „Gefrorene Origo“ (Es gibt innerhalb einer Kommunikationsgemeinschaft quasi kanonisierte Eigenschaften von Entitäten, die auch dann als zutreffend akzeptiert werden, wenn augenscheinlich im Moment der Äußerung eine Abweichung vorliegt oder der referierte Gegenstand abwesend ist.)
- Gestische Verschiebung (Der Verweis auf einen physischen Ort kann die gesamte deiktische Äußerung oder einen Teilaspekt, wie beispielsweise die Platzierung von „hier“ und „dort“, repräsentieren.)
- Deixis am Phantasma (In Anlehnung an Bühler nimmt Klein hier die Möglichkeit einer komplexeren kontextuellen Einbettung der Äußerung als Kriterium auf.)
Zusammenfassung der Kapitel
I Zentrale Begriffe: Dieses Kapitel definiert grundlegende terminologische Voraussetzungen wie Referenz, Deixis, Lokaldeixis und den Begriff des Kontextes für die weitere Untersuchung.
II Probleme im Zusammenhang mit lokaldeiktischen Ausdrücken: Hier werden die Herausforderungen bei der Bestimmung von deiktischer Referenz auf den Ebenen der Syntax, Semantik und Pragmatik analysiert.
III Lösungsvorschläge: Dieser Abschnitt vergleicht verschiedene theoretische Ansätze zur Modellierung der Deixis, mit Fokus auf formale Aspekte, semantische Implikationen und die pragmatische Erweiterung des Origo-Modells.
Schlüsselwörter
Deixis, Lokaldeixis, Referenz, Raumreferenz, Origo-Modell, Sprechakt, Kontextabhängigkeit, Pragmatik, Semantik, Syntax, Raumausdrücke, Kommunikation, Sprechsituation, Karl Bühler, Wolfgang Klein.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die sprachwissenschaftlichen Mechanismen der lokalen Deixis und wie diese genutzt werden, um räumliche Bezüge in der Kommunikation herzustellen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit gliedert sich in die Untersuchung von Referenz, die problematische Natur deiktischer Ausdrücke in verschiedenen linguistischen Ebenen und die Entwicklung praktikabler Erklärungsmodelle.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, ausgehend von Kritik an klassischen Theorien, Lösungsansätze aus der neueren Linguistik zur Erklärung der Funktionsweise deiktischer Ausdrücke aufzuzeigen und zu systematisieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-linguistische Analyse, die verschiedene Modelle (insbesondere das von Karl Bühler und die Erweiterungen von Wolfgang Klein) vergleicht und diskutiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition zentraler Begriffe, der Identifikation von Problemen bei der formalen und semantischen Erfassung der Deixis sowie der Diskussion pragmatischer Aspekte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben dem zentralen Begriff der Deixis sind Kontextabhängigkeit, Origo, Sprechakt und Raumreferenz für das Verständnis der Arbeit essentiell.
Was besagt das „Origo-Modell“ nach Bühler in diesem Kontext?
Das Origo-Modell definiert das „Hier-Jetzt-Ich“ als den Koordinatenausgangspunkt der menschlichen Sprache, von dem aus alle anderen räumlichen und zeitlichen Positionen referentiell erschlossen werden.
Wie erweitert Wolfgang Klein das klassische Origo-Modell?
Klein führt kognitive Prozesse wie die „Gefrorene Origo“ und die „Gestische Verschiebung“ ein, um eine flexiblere Sprecher-Positionierung und eine komplexere kontextuelle Einbettung zu ermöglichen.
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- Aydin Günbeyi (Author), 2004, Deixis und Raumreferenz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88503