Analyse von Benjamins Erzähler-Aufsatz PLUS eine Zusammenfassung der einzelnen Abschnitte des Aufsatzes.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Erzählen
3. Krise
4. Roman
5. Kritik
6. Inhaltszusammenfassung: Walter Benjamin, Der Erzähler (1936)
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich mit Walter Benjamins Essay "Der Erzähler" (1936) auseinander und analysiert dessen Theorie des epischen Erzählens in Abgrenzung zur Theorie des Romans, wobei insbesondere die theoretischen Bezugspunkte zu Georg Lukács untersucht werden.
- Die geschichtliche Transformation von Erzählformen
- Der Verlust der vermittelbaren Erfahrung in der Moderne
- Die mediale und strukturelle Differenz zwischen Erzählung und Roman
- Die Rolle von Nikolai Lesskow als idealtypischer Erzähler
- Die Auswirkungen des Wandels der Kommunikationsformen auf die Literatur
Auszug aus dem Buch
4. Roman
Eine neue Form der literarischen Kommunikation, die nicht der Erfahrungsübermittlung dient, rückt in von Erzählung hinterlassene Leerstelle ein: Roman.
Weil B. das Lukácssche bzw. Hegelsche System gesprengt hat, muss er nicht wie L. von „echtgeborenen Formen“ sprechen, die Legitimität aus ihrer schieren Existenz beziehen, weil Folge der Selbstentfaltung einer immanenten Systematik. Das erlaubt es B., Roman radikal zu kritisieren. B.’s Kritik an ihm ist gleichzeitig seine Definition des Romans.
Kritik und Definition erreicht B. durch Konfrontation mit Erzählung. Diff. Roman/Erzählung = Angewiesenheit auf Buch. Erst mit Druckerpresse möglich. Konsequenzen: a) Verlust der Aura. Vgl. Kunstwerk-Aufsatz (auch 1936). Kultwert vs. Ausstellungswert. Buch ist Reproduktion, Frage nach Original ist sinnlos. Mit Buch wird Literatur (im weiten Sinn) zur Ware: Anstelle von praktischem Nutzen als Rat (Erzählung) tritt finanzieller Gewinn (Roman) b) Durch medialen Wechsels von Mündlichkeit zu Schriftlichkeit Entkopplung von Kommunikation und Interaktion. Kollektive Rezeption hört auf. Roman kommt nicht länger aus der mündlichen Überlieferung, geht auch nicht in sie ein. Anstelle der Gemeinsamkeit des Erzählens tritt Einsamkeit des Schreibens:
„Die Geburtskammer des Romans ist das Individuum in seiner Einsamkeit, das sich über seine wichtigsten Anliegen nicht mehr exemplarisch auszusprechen vermag, selbst unberaten ist und keinen Rat geben kann. Einen Roman schreiben heißt, in der Darstellung des menschlichen Lebens das Inkommensurable auf die Spitze treiben. Mitten in der Fülle des Lebens bekundet der Roman die tiefe Ratlosigkeit des Lebenden.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel verortet Benjamins Essay im Kontext zeitgenössischer theoretischer Debatten und benennt die Bezugnahme auf Lukács.
2. Erzählen: Hier wird Benjamins Theorie des Epischen entwickelt, wobei die Weitergabe von Erfahrung und der handwerkliche Aspekt des Erzählens hervorgehoben werden.
3. Krise: Dieses Kapitel thematisiert die Entwertung von Erfahrung im Industriezeitalter und den Wandel der Kommunikationsformen durch die Tagespresse.
4. Roman: Es wird die mediale und ökonomische Abgrenzung des Romans gegenüber der Erzählung sowie das Motiv der Einsamkeit des Schreibens analysiert.
5. Kritik: Dieses Kapitel reflektiert die Schwierigkeit einer scharfen Trennung zwischen den Gattungen und identifiziert Widersprüche in Benjamins Argumentation.
6. Inhaltszusammenfassung: Walter Benjamin, Der Erzähler (1936): Dieses Kapitel liefert eine systematische, abschnittsweise Zusammenfassung der zentralen Thesen und Argumente von Walter Benjamins Originaltext.
Schlüsselwörter
Walter Benjamin, Der Erzähler, Roman, Erfahrung, Mündlichkeit, Schriftlichkeit, Nikolai Lesskow, Georg Lukács, Erzähltheorie, Moderne, Kommunikation, Sinn des Lebens, Ratlosigkeit, Handwerk, Epik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht Walter Benjamins essayistische Auseinandersetzung mit der Kunst des Erzählens und dessen Niedergang in der Moderne.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Transformation vom mündlichen Erzählen zum schriftbasierten Roman sowie die philosophische Bedeutung von Erfahrung und Sinnfindung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Benjamins theoretische Unterscheidung zwischen dem klassischen Erzähler und dem modernen Romancier systematisch aufzubereiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative und literaturtheoretische Analyse, die insbesondere den Dialog zwischen Benjamin und Lukács beleuchtet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung der Romanform, die Krise der Erfahrung und die Rolle der Medialität im literarischen Kontext.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Erfahrung, Rat, Einsamkeit, Aura, Medialität und Epik stehen im Zentrum der begrifflichen Untersuchung.
Welche Rolle spielt Nikolai Lesskow in der Theorie Benjamins?
Lesskow wird als idealer Erzähler dargestellt, der durch seine Verbindung von Volksglauben und handwerklicher Erzählkunst die Brücke zwischen Natur und Heilsgeschichte schlägt.
Warum wird die Tagespresse als Gefahr für das Erzählen gesehen?
Die Tagespresse etabliert die Information, die auf Neuigkeit und prompte Nachprüfbarkeit setzt, während das Erzählen von der Offenheit für Interpretationen und der zeitlosen Gültigkeit lebt.
Wie verhält sich der moderne Roman zur Ratlosigkeit?
Für Benjamin bekundet der Roman inmitten der Fülle des Lebens die tiefe Ratlosigkeit des Individuums, da er keine kollektive Lebensweisheit mehr vermitteln kann.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2002, Über Walter Benjamin: "Der Erzähler", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77084