Der Begriff der Transgression stammt aus dem Lateinischen und bedeutet zu Deutsch Überschreitung. Dies betrifft vor allem die Überschreitung von Gesetzen. Die Tragödie mit dem Titel „Penthesilea“ von Heinrich von Kleist wird häufig als eine Tragödie der Transgression bezeichnet. Das betrifft sowohl inhaltliche, als auch formale Aspekte. Die formalen Unterschiede werden vor allem sichtbar, wenn man die „Penthesilea“ mit den Merkmalen des klassischen Dramen vergleicht. Hier kommen Aspekte wie Szeneneinleitung, Personenkonstellation, Zeiteinteilung und Haupt - bzw. Nebentext zum tragen. Dass die „Penthesilea“ zahlreiche inhaltliche Überschreitung aufweist, zeigt sich besonders an der inkonventionellen Verarbeitung des antiken Mythenstoffs. Besonders, wenn man diesbezüglich die Parallelen der „Penthesilea“ mit dem klassizistischen Achill - Fragment von Goethe heranzieht. Diese beiden Werke weisen stofflich, wie zeitlich eine hohe Konvergenz auf, sind von der Verarbeitung aber grundverschieden.
Inhaltsverzeichnis
1. Hinführung zum Thema
1.2 Biographische Daten zum Autor
2. Fakten zum Werk
2.1 Inhalt des Werks
3. Vergleich des klassischen Dramas mit der Penthesilea von Kleist
3.1 Das klassische Drama
3.2 Inwiefern weicht die Tragödie „Penthesilea“ von den Merkmalen des klassischen Dramas ab
4. Die inhaltliche Transgression
5. Fazit: Wie Wurde Kleists Penthesilea von der Gesellschaft seiner Zeit aufgenommen?
5.1 Inwiefern hat Kleist mit der Transgression in der Penthesilea die Entwicklung des modernen Dramas vorangetrieben bzw. beeinflusst?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Drama „Penthesilea“ von Heinrich von Kleist unter dem Aspekt der Transgression. Dabei wird analysiert, inwieweit das Werk formale und inhaltliche Grenzen des klassischen Dramas überschreitet und welche Rolle diese Grenzüberschreitungen für die Rezeption durch Kleists Zeitgenossen sowie für die Entwicklung des modernen Dramas spielen.
- Analyse des Begriffs der Transgression im Kontext der Kleistschen Tragödie.
- Vergleichende Gegenüberstellung von Merkmalen des klassischen Dramas und der „Penthesilea“.
- Untersuchung der inhaltlichen Grenzüberschreitungen, insbesondere der emotionalen Maßlosigkeit und der Tiermetaphorik.
- Darstellung der zeitgenössischen Ablehnung durch namhafte Autoren wie Goethe.
- Einordnung des Werkes als Vorläufer moderner dramatischer Strömungen.
Auszug aus dem Buch
4. Die inhaltliche Transgrssion in der „Penthesilea“
Die Gestalt der Penthesilea zeigt außerordentliche Maßlosigkeit in ihren emotionalen Extremen Hass und Liebe.
Die Penthesilea, die auf der einen Seite Achill grenzenlos liebt, kann auf der anderen Seite die gleiche Person so über alle Maße hassen, dass sie Achill umbringt. Dies vollbringt sie mit außergewöhnlicher Grausamkeit, was wiederum ein Merkmal für die Trangrssion ihrer Verhaltensweisen ist. Die Person Penthesilea kennt nur Extreme. Sie besitzt ein klassisches schwarz – weiß – Denken, denn sie kann Achill entweder lieben oder nur hassen. Ein Kompromiss, den Achill durchaus bereit ist einzugehen, existiert in Penthesileas Handlungsspektrum überhaupt nicht. Auch Penthesileas engste Freundin und Vertraute Prothoe sagt über Penthesilea: „Es lässt sich ihre Seele nicht berechnen.“3
Nahezu alle Aussagen Penthesileas haben diesen ausschließlichen, extremen Charakter. Ihre grenzenlose Liebe zu Achill wird besonders deutlich, wenn sie sagt: „O Pelide! Mein ewiger Gedanke, wenn ich wachte, / Mein ew’ger Traum warst du!“ (V.2186)3
Zusammenfassung der Kapitel
1. Hinführung zum Thema: Definition des Begriffs Transgression und erste Hinführung zur Bedeutung von Kleists Werk als Tragödie der formalen und inhaltlichen Grenzüberschreitung.
1.2 Biographische Daten zum Autor: Kurzer Abriss über das Leben von Heinrich von Kleist von seiner Geburt bis hin zu seinem Suizid.
2. Fakten zum Werk: Zusammenfassung der Entstehungs- und Publikationsgeschichte des Dramas sowie dessen erste kritische Aufnahme.
2.1 Inhalt des Werks: Inhaltsangabe der Tragödie, die den Kampf zwischen Penthesilea und Achill sowie das tragische Ende der Amazonenkönigin schildert.
3. Vergleich des klassischen Dramas mit der Penthesilea von Kleist: Einleitung des Vergleichs zwischen der aristotelischen Dramenform und Kleists Umsetzung.
3.1 Das klassische Drama: Erläuterung der aristotelischen Grundregeln, wie die drei Einheiten, die Katharsis und die Ständeklausel.
3.2 Inwiefern weicht die Tragödie „Penthesilea“ von den Merkmalen des klassischen Dramas ab: Analyse der Einhaltung formaler Regeln bei gleichzeitigem Bruch mit inhaltlichen und rhythmischen Konventionen.
4. Die inhaltliche Transgression: Detaillierte Untersuchung der emotionalen Extremzustände Penthesileas und der Verwendung von Tiermetaphorik zur Darstellung ihrer Entmenschlichung.
5. Fazit: Wie Wurde Kleists Penthesilea von der Gesellschaft seiner Zeit aufgenommen?: Analyse der zeitgenössischen Kritik, die das Werk als „Ungeheuer“ ablehnte und ästhetische Maßstäbe vermisste.
5.1 Inwiefern hat Kleist mit der Transgression in der Penthesilea die Entwicklung des modernen Dramas vorangetrieben bzw. beeinflusst?: Bewertung von Kleists Werk als revolutionär und als Vorwegnahme moderner dramatischer Themen wie Realismus und Geschlechterrollen.
Schlüsselwörter
Penthesilea, Heinrich von Kleist, Transgression, Klassisches Drama, Aristoteles, Grausamkeit, Amazonen, Achill, Moderne, Mythenstoff, Gefühlsverwirrung, Wahnsinn, Identifikation, Katharsis, Literaturkritik.
Hufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht Heinrich von Kleists Drama „Penthesilea“ unter dem speziellen Fokus des Konzepts der Transgression, also der systematischen Grenzüberschreitung auf formaler und inhaltlicher Ebene.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit fokussiert sich auf den Vergleich mit dem klassischen Drama, die Analyse der extremen emotionalen Zustände der Hauptfigur und die zeitgenössische sowie moderne Rezeption des Stücks.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Kleist durch formale und inhaltliche Brüche die Grenzen des klassischen Dramas sprengt und damit den Weg für das moderne Drama ebnet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Literaturanalyse, bei der das Werk Kleists mit der Dramentheorie des Aristoteles und anderen antiken Stoffverarbeitungen (z. B. von Goethe) verglichen wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die formalen Abweichungen vom klassischen Drama sowie die inhaltlichen Grenzüberschreitungen durch die Figur der Penthesilea, insbesondere ihre Grausamkeit und ihren emotionalen Extremismus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Transgression, Klassisches Drama, Wahnsinn, Grausamkeit und die Rolle der Amazonenkönigin Penthesilea als tragische Figur.
Warum wurde Penthesilea von Kleists Zeitgenossen abgelehnt?
Zeitgenossen wie Goethe und Dora Stock empfanden das Werk als befremdlich und krankhaft, da es Schönheit und Harmonie vermissen ließ und stattdessen das Grausame und Hässliche in den Mittelpunkt stellte.
Inwiefern gilt das Werk als Wegbereiter des modernen Dramas?
Das Drama greift moderne Probleme wie Geschlechterrollen und Emanzipation auf und verzichtet auf Beschönigungen zugunsten einer ungeschönten Realitätsdarstellung, was für die Zeit der Klassik untypisch war.
- Arbeit zitieren
- Meike Schöl (Autor:in), 2003, Transgression in Kleists Penthesilea, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/70394