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Das Prinzip der Traumatisierung in den Romanen 'Der Vorleser' von Bernhard Schlink und 'weiter leben' von Ruth Klüger unter fachdidaktischem Aspekt

Title: Das Prinzip der Traumatisierung in den Romanen 'Der Vorleser' von Bernhard Schlink und 'weiter leben' von Ruth Klüger unter fachdidaktischem Aspekt

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 27 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Jana Marquardt (Author)

Didactics - German Studies
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Die psychischen Folgen, die der zweite Weltkrieg nicht nur bei den Opfern, sondern auch bei den Tätern hinterlassen hat, sind heute - und dies war nicht immer so - unbestritten.
Dass jedoch auch die zweite und dritte Generation von den Verbrechen der NS-Zeit zum Teil schwerwiegende Psychosen davongetragen haben, konnte erst in neueren Untersuchungen festgestellt werden. Die Traumatisierungen, die die Elterngeneration durch die Schrecken des Krieges erlitten hat, scheinen sich in meist abgewandelter Form auch auf die nachfolgenden Generationen übertragen zu haben. Das Konzept der Transposition, also der Übertragung, wurde in diesem Zusammenhang entwickelt, um psychische Schäden der Kinder von Überlebenden besser erkennen und behandeln zu können. Dabei stellt sich zuallererst die Frage, welche psychischen Spuren die NS-Verbrechen bei den Tätern und den Opfern hinterlassen haben, um daran anschließend die psychischen Schäden zu untersuchen, die eine solche Elterngeneration an ihre Kinder weitergegeben bzw. übertragen hat. Da kurz nach Ende des Krieges die weit verbreitete Meinung herrschte, dass durch die Beendigung einer traumatischen Situation eine hierdurch hervorgerufene Gesundheitsstörung ebenfalls bald zu Ende gehen würde, gibt es aus dieser Zeit und auch aus den folgenden Jahren kaum Untersuchungen über die unmittelbaren psychischen Auswirkungen, die der Krieg nicht nur bei den Opfern, sondern auch bei den Tätern hatte. Außerdem herrschte nach Kriegsende auf beiden Seiten das Bedürfnis die schrecklichen Ereignisse zu verdrängen oder totzuschweigen, wodurch eine Verarbeitung des Erlebten praktisch unmöglich wurde.
Klein und Kogan schrieben in ihren Untersuchungen zu diesem Thema, dass „ der Pakt der schamvollen Stille zwischen den Überlebenden und der Welt aus der Notwendigkeit der Opfer [entsteht], zu vergessen und der Notwendigkeit der Welt, zu verleugnen.“
Durch verschiedene psychologische Untersuchungen weiß man jedoch, dass gerade das Verdrängen und Verschweigen eines traumatischen Erlebnisses zu schwerwiegenden Psychosen führen können.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Traumatisierung/Transposition

1.1 Vorbemerkungen

1.2 Traumatisierung der Opfer und die Auswirkungen auf die zweite Generation

1.3 Traumatisierung der Täter und die Auswirkungen auf die zweite Generation

2. Traumatisierung/Transposition im ‚Vorleser’

2.1 Die Rolle des Vaters

2.2 Traumatisierung bei Hanna

2.3 Traumatisierung bzw. Transposition bei Michael

3.3.1 Das Prinzip der Schuld als Transposition

3.4 Didaktische Aspekte des ‚Vorlesers’

4. Traumatisierung in ‚weiter leben’

4.1 Vorbemerkungen

4.2 Traumatisierung der Ich-Erzählerin

4.2.1 Das Prinzip des Verschweigens

4.2.2 Das Prinzip der Schuld

4.3 Didaktische Aspekte

5. Literaturliste

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept der psychischen Traumatisierung und Transposition in Bernhard Schlinks Roman ‚Der Vorleser’ sowie Ruth Klügers autobiografischem Werk ‚weiter leben’ unter Berücksichtigung fachdidaktischer Perspektiven für den Schulunterricht.

  • Analyse psychischer Traumatisierung bei Tätern und Opfern
  • Untersuchung der generationsübergreifenden Auswirkungen (Transposition)
  • Darstellung von Bewältigungsmechanismen wie Verdrängung und Schweigen
  • Diskussion didaktischer Vermittlungsmöglichkeiten in der Sekundarstufe

Auszug aus dem Buch

2.2 Traumatisierung bei Hanna:

Viel größeren – jedenfalls bewussten - Einfluss auf Michaels Entwicklung scheint Hanna gehabt zu haben. Hannas Vergangenheit als Aufseherin in einem Konzentrationslager stellt sie eindeutig in den Bereich der Täter und lässt vermuten, dass sie gewisse Traumatisierungen aus dieser Zeit zurückbehalten hat.

Auch in dem Verhältnis zwischen Hanna und Michael wiederholt sich das Prinzip des Verschweigens, des Nicht-Kommunizierbaren. Während Michael unter dieser Situation offensichtlich leidet und Hanna ständig Fragen nach ihrer Vergangenheit stellt und das Gespräch mit ihr sucht, reagiert diese ausweichend. „Ich fragte nach ihrer Vergangenheit, und es war, als krame sie, was sie mir antwortete, aus einer verstaubten Truhe hervor. […] Das alles erzählte sie, als sei es nicht ihr Leben, sondern das Leben eines anderen, den sie nicht gut kennt und der sie nichts angeht.“

Diese kurze Beschreibung eines versuchten Gesprächs über die Vergangenheit zeigt deutlich, dass Hanna gelernt hat, diese soweit zu verdrängen, dass sie ihr schon nicht mehr als ihre eigene erscheint, sondern als die einer Fremden. Das wenige, was sie Michael von sich erzählt, tut sie widerstrebend und distanziert. Ihre Aufgabe und ihre Erlebnisse im Krieg verschweigt sie völlig. Ihren Drang nach Verdrängung und Vergessen bezeugt auch ihre ständige Flucht vor der Vergangenheit, die sich in ihren häufigen Umzügen ausdrückt.

Obwohl Michael also während seiner Beziehung zu Hanna nichts von deren Tätigkeit im Krieg weiß, bleibt diese doch seltsam präsent, da er spürt, dass es Dinge in ihrer Vergangenheit gibt, die er nicht ansprechen darf. Diese Situation ähnelt in etwas abgewandelter Form den Verhältnissen, in denen viele Nachkriegskinder aufwachsen mussten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Traumatisierung/Transposition: Einführung in die psychologischen Konzepte der Traumatisierung und der generationsübergreifenden Übertragung (Transposition) bei Tätern und Opfern des Zweiten Weltkriegs.

2. Traumatisierung/Transposition im ‚Vorleser’: Anwendung der theoretischen Konzepte auf die Hauptfiguren Hanna und Michael sowie Untersuchung der didaktischen Eignung des Romans.

4. Traumatisierung in ‚weiter leben’: Analyse der autobiografischen Erfahrungen der Ich-Erzählerin in Bezug auf ihre Traumatisierung und die didaktische Einbettung des Werks in den Unterricht.

Schlüsselwörter

Traumatisierung, Transposition, Übertragung, NS-Vergangenheit, Verdrängung, Schuld, Überlebensschuld, Trennungsschuld, Verschweigen, Identitätsfindung, Didaktik, Holocaust, Nachkriegsgeneration, Bernhard Schlink, Ruth Klüger.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die psychischen Folgen des Nationalsozialismus und der NS-Verbrechen, speziell das Phänomen der Traumatisierung und deren Übertragung auf nachfolgende Generationen (Transposition) anhand zweier literarischer Werke.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die psychische Belastung durch Verdrängung und Verschweigen, das Konzept der Schuld (sowohl Überlebens- als auch Täter-Schuld) und die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Traumatisierungen in den Romanen dargestellt werden und wie diese Erkenntnisse unter fachdidaktischen Aspekten im Schulunterricht vermittelt werden können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse mit psychologischem Fokus (Traumaforschung/Transposition) kombiniert, ergänzt durch eine didaktische Reflexion zur Einbindung in schulische Rahmenrichtlinien.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung, die spezifische Analyse der Figuren in Schlinks ‚Der Vorleser’ und Klügers ‚weiter leben’ sowie die Erarbeitung didaktischer Zugangsmöglichkeiten für Schüler.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Traumatisierung, Transposition, Verdrängung, Schuldgefühle, Holocaust und die didaktische Vermittlung historischer Verantwortung.

Wie unterscheidet sich die Traumatisierung bei Täterkindern und Opfern?

Die Arbeit verdeutlicht, dass Opfer unter dem direkten Trauma der Verfolgung leiden, während Täterkinder oft mit einer durch Schweigen und Verdrängung geprägten Identitätssuche sowie einer unbewussten Identifikation mit den Eltern zu kämpfen haben.

Warum wird im Unterricht eine vorsichtige Herangehensweise empfohlen?

Die Autorin warnt davor, literarische Figuren zu stark mit realen Personen gleichzusetzen ("auf die Couch legen"), da die psychologische Abstraktion für jüngere Schüler herausfordernd ist und die Komplexität der Thematik eine fachliche Begleitung erfordert.

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Details

Title
Das Prinzip der Traumatisierung in den Romanen 'Der Vorleser' von Bernhard Schlink und 'weiter leben' von Ruth Klüger unter fachdidaktischem Aspekt
College
University of Münster
Grade
1,3
Author
Jana Marquardt (Author)
Publication Year
2004
Pages
27
Catalog Number
V57160
ISBN (eBook)
9783638516815
ISBN (Book)
9783656790204
Language
German
Tags
Prinzip Traumatisierung Romanen Vorleser Bernhard Schlink Ruth Klüger Aspekt
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jana Marquardt (Author), 2004, Das Prinzip der Traumatisierung in den Romanen 'Der Vorleser' von Bernhard Schlink und 'weiter leben' von Ruth Klüger unter fachdidaktischem Aspekt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57160
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