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Passau und das Nibelungenlied

Title: Passau und das Nibelungenlied

Term Paper (Advanced seminar) , 2001 , 35 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: MA Ulrike Ziegler (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Die Forschung beschäftigt sich schon seit rund 200 Jahren mit dem Nibelungenlied, aber da auf viele Fragen - z.B. nach dem Autor oder der definitiven Entstehungszeit - keine belegbaren Antworten zu finden sind, kann vieles nur spekulativ sein. Viele Vorschläge können nicht mehr als eine Hypothese sein; manches Hypothesengerüst fällt bald in sich zusammen, andere Hypothesengerüste sind in sich schlüssig und scheinen den wahren Begebenheiten zu entsprechen.
Bei der Annahme, dass das Nibelungenlied in Passau, bzw. im Umkreis des Passauer fürstbischöflichen Hofes von Wolfger von Erla entstanden ist, scheint es sich um ein stabiles Gerüst zu handeln. Zwar gibt es außerordentlich gegensätzliche Anläufe, das Nibelungenlied z. B. in Soest oder Worms zu verorten, um nur zwei der Alternativen zu nennen, aber bei genauerem Hinsehen kann keine der Thesen einer Untersuchung standhalten.1
Dagegen sprechen viele Punkte für eine Lokalisierung nach Passau. Darauf hat sich die Forschung relativ einmütig geeinigt.
Ziel dieser Untersuchung soll es sein, darzulegen, weshalb man auf Passau und den fürstbischöflichen Hof kommt, was dafür und möglicherweise auch dagegen spricht oder Fragen aufwirft.
Ein grundlegendes Problem für eine hieb- und stichfeste Verortung ist, dass das Nibelungenlied und seine Quellen aus der Zeit der germanischen Völkerwanderung stammen. Dementsprechend erscheint der Handlungsspielraum der Geschichte sehr weit gefasst und geht vom Ober- und Niederrhein bis nach Bayern, Österreich und schließlich Ungarn. Jedoch ist der Raum im Bistum Passau lebendiger beschrieben, als die restliche Reise, was schon eine erste Spur zum Donauraum ist.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Passau im Nibelungenlied

2.1 Grobe Einordnung in den südlichen Donauraum durch den Dialekt

2.2 Die regionale Tradition der Theologie im Nibelungenlied

2.3 Die Ortskenntnis des Autors innerhalb der Stadt Passau

3. Bischof Wolfger von Erla

3.1 Das Bistum Passau in der Zeit der Territorialfürstentümer

3.2 Die Vogtei über Kloster Niedernburg

3.3 Strophe 1302, die Bayernfeindlichkeit und die Ortenburger Grafen

3.4 Die Kultur am Hofe Wolfgers

4. Bischof Pilgrim im Nibelungenlied und in der Klage

5. Die Ortskenntnis des Autors innerhalb des Bistums Passau

6. Zusammenfassung der Ergebnisse

Zielsetzung & Themen

Ziel dieser wissenschaftlichen Arbeit ist es, die Hypothese zu überprüfen, dass das Nibelungenlied im Umkreis des fürstbischöflichen Hofes von Wolfger von Erla in Passau entstanden ist, und dabei die Argumente für eine solche Verortung kritisch zu beleuchten.

  • Analyse der Ortskenntnisse des Nibelungenautors mit Bezug auf Passau und das umliegende Bistum.
  • Untersuchung der historischen Rolle und der Literaturförderung durch Bischof Wolfger von Erla.
  • Betrachtung der Funktion von Bischof Pilgrim als literarische Figur im Nibelungenlied und in der Klage.
  • Diskussion der sprachlichen und geographischen Indizien für eine Lokalisierung im bairisch-österreichischen Raum.
  • Reflexion über den Einfluss zeitgeschichtlicher Ereignisse, wie die Vogtei über Kloster Niedernburg, auf das Epos.

Auszug aus dem Buch

2.3 Die Ortskenntnis des Autors innerhalb der Stadt Passau

Die Stadt Passau wird im Text teils explizit angesprochen, teils wird eine Beziehung zu Passau hergestellt, indem von Bischof Pilgrim die Rede ist, der in Passau von 971 - 991 Bischof war. Auf Pilgrims Person möchte ich aber an späterer Stelle im Zusammenhang mit der Klage genauer eingehen.

Viermal ist im Nibelungenlied die Rede von der Stadt Passau. Einmal bei Kriemhilds Reise in das Hunnenland, zweimal bei der Hin- und Rückreise der Spielleute Werbel und Swämmel und schließlich beim Zug der Burgundenkönige an den Hof Etzels. Die Durchreise Kriemhilds durch Passau wird folgendermaßen geschildert:

1295 „Si zogeten dannen balde nider durch Beyer lant. / dô sagte man diu maere, dâ waeren für gerant / vil unkunder geste, dâ noch ein klôster stât / unt dâ daz In mit fluzze in die Tuonouwe gât.

1296 In der stat ze Pazzouwe saz ein bischof. / die herberge wurden laere unt ouch des fürsten hof. / si îlten gegen den gesten ûf in Beyer lant, / dâ der bischof Pilgrîm die schoenen Kriemhilden vant (...)

1298 Der bischof mit sîner nifteln ze Pazzouwe reit. / dô daz den burgaeren von der stat wart geseit, / daz dar koeme Kriemhilt, des fürsten swester kint, / diu wart wol empfangen von den koufliuten sint.

1299 Daz si belîben solden, der bischof hete des wân. / dô sprach der herre Eckewart: „ez ist ungetân. / wir müezen varn nidere in Rüedegêres lant. / uns wartet vil der degene, wan ez ist in allen wol bekannt.“

Der unkundige Leser weiß in Strophe 1295 noch gar nicht, dass es sich überhaupt um Passau handelt, der Name der Stadt wird bis 1296, 1 verschwiegen. Der Autor spricht davon, dass eben dort, wo der Inn in die Donau fließt, ein Kloster steht.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die langjährige Forschungsdebatte um den Entstehungsort des Nibelungenliedes und stellt die These einer Lokalisierung in Passau auf.

2. Passau im Nibelungenlied: Dieses Kapitel prüft Indizien wie Dialektfärbungen, theologische Kontexte und die detaillierte Darstellung örtlicher Gegebenheiten als Beweise für den Passauer Bezug.

3. Bischof Wolfger von Erla: Hier wird die Rolle des Passauer Bischofs als Literaturmäzen sowie die politische Bedeutung der Vogtei über Kloster Niedernburg und die Auseinandersetzung mit den Ortenburger Grafen analysiert.

4. Bischof Pilgrim im Nibelungenlied und in der Klage: Untersuchung der literarischen Darstellung Pilgrims und der Klage als "Echtheitszertifikat" für den historischen Anspruch des Epos.

5. Die Ortskenntnis des Autors innerhalb des Bistums Passau: Detaillierte Analyse der im Text genannten Reisestationen und deren enger Anbindung an die Interessen und Besitztümer des Bistums Passau.

6. Zusammenfassung der Ergebnisse: Synthese der gesammelten Indizien, die eine Entstehung des Werkes im Umkreis von Bischof Wolfger von Erla in Passau als wahrscheinlich erscheinen lassen.

Schlüsselwörter

Nibelungenlied, Passau, Wolfger von Erla, Bischof Pilgrim, Literaturmäzenatentum, Ortskenntnis, Mittelalter, Hofkultur, Kloster Niedernburg, Territorialfürstentum, Datierung, Sprachgeschichte, Donauraum, Klage, Literaturwissenschaft

Hufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die These, dass das Nibelungenlied im Umkreis des Passauer Bischofshofes unter Bischof Wolfger von Erla entstanden ist.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Fokus stehen die geographischen Ortskenntnisse des Autors, die historische Rolle von Bischof Wolfger als Mäzen und die Funktion von Bischof Pilgrim als literarische Figur.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Argumente für eine Verortung des Epos in Passau zu sammeln, kritisch zu diskutieren und die Plausibilität dieser Lokalisierung im Vergleich zu anderen Theorien zu prüfen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit stützt sich auf eine literaturwissenschaftliche und historisch-kritische Analyse des Textes des Nibelungenliedes im Abgleich mit zeitgenössischen Quellen und historischen Ereignissen der Region Passau.

Was wird im Hauptteil des Buches behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der geographischen Bezüge (Passau und Donauraum), die Rolle von Bischof Wolfger als politische Größe und Förderer sowie die Bedeutung der literarischen Figur Bischof Pilgrim.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit ist charakterisiert durch Begriffe wie Nibelungenlied-Lokalisierung, Passauer Bistumsgeschichte, hochmittelalterliche Literaturförderung und historische Kontextualisierung von Heldenepik.

Welche Rolle spielt die Klage in der Argumentation?

Die Klage wird als ergänzendes Dokument herangezogen, das den Passauer Bischof Pilgrim als Auftraggeber nennt und zusätzliche ortskundige Details liefert, die für die Lokalisierung relevant sind.

Wie bewertet die Autorin die Rolle von Bischof Wolfger von Erla?

Die Autorin sieht in Wolfger von Erla einen bedeutenden Kirchenfürsten und Literaturmäzen, dessen Wirken und politische Erfolge, wie der Erwerb der Vogtei über Niedernburg, in den Text des Nibelungenliedes eingeflossen sein könnten.

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Details

Title
Passau und das Nibelungenlied
College
University of Passau
Grade
2,0
Author
MA Ulrike Ziegler (Author)
Publication Year
2001
Pages
35
Catalog Number
V54759
ISBN (eBook)
9783638498814
ISBN (Book)
9783656133001
Language
German
Tags
Passau Nibelungenlied Thema Das Nibelungenlied
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
MA Ulrike Ziegler (Author), 2001, Passau und das Nibelungenlied, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54759
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