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Künstlerisches Gestalten und psychische Erkrankung

Title: Künstlerisches Gestalten und psychische Erkrankung

Diploma Thesis , 2001 , 103 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Silvia-Gabriela Baumgärtner (Author)

Social Work
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Bei meiner Arbeit mit den verschiedensten Zielgruppen (Kinder, Jugendliche, Erwachsene, behinderte und psychisch kranke Menschen) machte ich während den unterschiedlichsten Gestaltungsangeboten mit den verschiedensten Materialien die Erfahrung, dass künstlerisches Gestalten eine Ausdruckform ist. Dabei stelle ich nicht das WAS sondern das WIE des künstlerischen Gestaltens in den Mittelpunkt. Es geht mir dabei viel weniger um das Ergebnis des Künstlerischen als Kunstwerk, sondern vielmehr um den künstlerischen Prozess an sich, um den Weg dahin. Damit wird klar, dass ich bei dem Begriff „künstlerisches Gestalten“ nicht von einer Definition als solche und Bestimmung der Kunst ausgehe, sondern von dem Schaffungs- bzw. Entstehungsprozess des Gestaltens. Dieser Prozess des Gestaltens (ob mit Farben, Ton, Gips oder anderen Materialien) ist meiner Ansicht nach eine Ausdrucksform. Das Ergebnis und der Weg dahin drücken Gefühle und Erlebnisse des Gestaltenden aus.
Ich machte die Erfahrung, dass insbesondere Kinder das Malen von Bildern als Medium der Kommunikation nutzen. Sie drücken in Bildern das aus, was sie in Worten nicht fassen können. Diese Erfahrung ist auch auf andere Zielgruppen übertragbar, auch wenn in einer anderen Form des Vorgehens.
Während meiner fünfwöchigen Arbeit im Sommer 2000 in der Außenwohngruppe „Katharina-Zell-Haus“ – Teileinrichtung des Wohnheimes „Haus an der Christuskirche“ machte ich die Erfahrung, dass psychisch kranke Erwachsene ähnlich wie die Kinder das Malen als Medium des Sich - Ausdrückens nutzten. Ich bot ihnen als Freizeitangebote Malaktivitäten an. An dem Tag des Gestaltens mit Farben erzählten sie mir von ihren Erlebnissen im Verlaufe des Tages. Man konnte deutlich an den Bildern die Verarbeitungsversuche der jeweiligen Erlebnisse erkennen, d.h. sie stellten diese beim Malen in konkreter Form oder symbolisch dar, die sie anschließend erklärten. Auch bei der Farbenauswahl konnte man deutliche Verbindungen mit den jeweiligen Erlebnissen herstellen – war der Tag positiv verlaufen, drückte sich dies in deutlicher Betonung von hellen, warmen Farben aus (z.B. Gelb, Orange, Grün). Ich kann mich noch an eine Teilnehmerin erinnern, die sich angespannt und unausgeglichen vor dem Angebot fühlte und nach ca. 30 Minuten konzentriertes und ruhiges Malen den Raum verließ mit den Worten: „Das war gut. Jetzt kann ich schlafen.“.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Künstlerisches Gestalten

1.1 Annäherung an einen komplexen Begriff

1.1.1 Künstlerisches Gestalten und Wahrnehmung

1.1.2 Künstlerisches Gestalten und Ästhetik

1.1.3 Künstlerisches Gestalten und Kreativität

1.2 Kunsttherapie

1.2.1 Allgemeine Darstellung der Kunsttherapie

1.2.2 Ansätze in der Kunsttherapie

1.2.3 Kunsttherapie in der Praxis

2. Psychische Erkrankung

2.1 Endogene Psychosen

2.1.1 Schizophrenien

2.1.2 Affektive Störungen

2.2 Persönlichkeitsstörungen

3. Kunstprojekt

3.1 Sozialpädagogische Didaktik/Methodik nach Johannes Schlling - theoretische Darstellung

3.1.1 Konzeptionelle Überlegungen eines Zielgruppen-Konzeptes

3.1.2 Überlegungen zur Auswertung eines Zielgruppen-Konzeptes

3.2 Zielgruppenkonzept für das Kunstprojekt mit psychisch kranken Menschen

3.3 Beschreibung der einzelnen Kunstangeboten

3.4 Reflexion des Kunstprojektes

4. Künstlerisches Gestalten – auch eine Aufgabe sozialpädagogischer Arbeitsfelder

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Potenziale und Möglichkeiten des künstlerischen Gestaltens als pädagogisches Handlungsfeld innerhalb der gemeindepsychiatrischen Arbeit mit psychisch kranken Menschen. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie ein solches Projekt unter Berücksichtigung sozialpädagogischer Didaktik und Methodik geplant, durchgeführt und reflektiert werden kann, um sowohl den kreativen Prozess als auch das therapeutische Milieu zu unterstützen.

  • Verknüpfung von künstlerischem Ausdruck mit Wahrnehmung, Ästhetik und Kreativitätsentwicklung.
  • Darstellung klinischer Krankheitsbilder (endogene Psychosen, Persönlichkeitsstörungen) als Hintergrund für das Kunstprojekt.
  • Anwendung des sozialpädagogischen Didaktik- und Methodik-Modells nach Johannes Schilling auf die Gruppenarbeit.
  • Praktische Erprobung verschiedener gestalterischer Medien (Farben, Ton, Gipsbinden, Papiermache).
  • Reflexion der pädagogischen Rolle gegenüber therapeutischen Interventionen in der Kunsttherapie.

Auszug aus dem Buch

1.1.1 Künstlerisches Gestalten und Wahrnehmung

Die Innen- und Außenwelt des Menschen ist an die innere und äußere Wahrnehmung gekoppelt. Die Sicht der Außenwelt entsteht u.a. durch das Erfassen dieser über die Sinnesorgane.

Ohne Wahrnehmung gibt es keine Empfindungen und umgekehrt auch nicht. Jeder genügend starke Reiz, der eines unserer Sinnesorgane trifft, erzeugt eine Empfindung ( vgl. Rohracher 1988, S.126 ). „Aus dem Zusammenwirken verschiedener Sinnesempfindungen und dem Wissen, das davon zurückbleibt, entstehen die Dinge, die uns umgeben; dazu kommt noch ihre ‚Bedeutung’: der Sinn, den sie in unserer Welt haben“ ( ebd.).

Die Wahrnehmung spielt eine entscheidende Rolle. Ohne die Wahrnehmung wäre menschliches Verhalten und Erleben nicht möglich. Wir sind auf die Deutungen und Bedeutungen der Wahrnehmung angewiesen, um uns ausdrücken zu können. So ist beispielsweise ein Stück Ton ein Medium, mittels dessen die eigenen Erlebnisse dargestellt werden können. Dies wäre ohne die Wahrnehmung nicht möglich. Die Menschen begegnen der Wirklichkeit über Empfindung und Wahrnehmung.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Künstlerisches Gestalten: Definition des Begriffs als kreativer Prozess und Ausdrucksform, verknüpft mit menschlichen Funktionen wie Wahrnehmung, Ästhetik und Kreativität, sowie eine theoretische Einordnung der Kunsttherapie.

2. Psychische Erkrankung: Klinische Beschreibung endogener Psychosen (Schizophrenie) und affektiver Störungen (Depression) sowie verschiedener Persönlichkeitsstörungen als Grundlage für das Verständnis der Zielgruppe.

3. Kunstprojekt: Konzeptionelle und methodische Planung eines Kunstprojekts mit psychisch kranken Menschen basierend auf dem Modell von Johannes Schilling, inklusive detaillierter Beschreibungen einzelner Kunstangebote und deren Reflexion.

4. Künstlerisches Gestalten – auch eine Aufgabe sozialpädagogischer Arbeitsfelder: Abgrenzung und Verortung der künstlerischen Arbeit im sozialpädagogischen Kontext, wobei die Betonung auf der pädagogischen Förderung und nicht auf einer therapeutischen Behandlung liegt.

Schlüsselwörter

Künstlerisches Gestalten, Kunsttherapie, Sozialpädagogik, Psychische Erkrankung, Schizophrenie, Depression, Wahrnehmung, Kreativitätsforschung, Didaktik, Methodik, Gruppenarbeit, Ausdrucksform, Persönlichkeitsstörungen, Identitätsfindung, Kunstprojekt

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit dem Einsatz künstlerischer Gestaltungsmittel in der sozialpädagogischen Arbeit mit psychisch kranken Erwachsenen in einer gemeindepsychiatrischen Einrichtung.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die theoretische Fundierung des künstlerischen Gestaltens, klinische Grundlagen psychischer Erkrankungen, die sozialpädagogische Projektplanung und die praktische Durchführung sowie Reflexion von Kunstangeboten.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist die theoretische und praktische Überprüfung, inwiefern künstlerisches Gestalten als pädagogisches Handlungsfeld zur Stabilisierung und Ausdrucksfähigkeit psychisch kranker Menschen genutzt werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse zu psychologischen und kunsttherapeutischen Themen sowie auf ein Projektkonzept nach dem sozialpädagogischen Didaktik-/Methodik-Modell von Johannes Schilling.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen der Kunsttherapie und Psychopathologie konkrete Planungsschritte, Fallbeschreibungen der Zielgruppe und die Durchführung spezifischer Kunstangebote (Malen, Ton, Gipsbinden) dokumentiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Künstlerisches Gestalten, Kunsttherapie, Sozialpädagogik, Schizophrenie, Depression, Kreativität und Projektplanung charakterisiert.

Wie unterscheidet die Autorin zwischen pädagogischer und therapeutischer Arbeit?

Die Autorin betont, dass die pädagogische Arbeit auf die Förderung der Handlungskompetenz und Selbsttätigkeit fokussiert, während die Kunsttherapie gezielter an den Ursachen der Störung im Unbewussten arbeitet.

Welche Bedeutung hat das "Dialogische Gestalten" in diesem Kontext?

Das Dialogische Gestalten dient als Methode zur nonverbalen Kommunikation, die den Beziehungsaufbau zwischen Teilnehmern oder zwischen Sozialpädagoge und Klient fördert, ohne auf verbale Interpretationen angewiesen zu sein.

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Details

Title
Künstlerisches Gestalten und psychische Erkrankung
College
University of Applied Sciences Koblenz  (Fachbereich Sozialpädagogik)
Grade
1,3
Author
Silvia-Gabriela Baumgärtner (Author)
Publication Year
2001
Pages
103
Catalog Number
V4426
ISBN (eBook)
9783638127417
Language
German
Tags
Kunsttherapie endogene Psychosen Ästhetik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Silvia-Gabriela Baumgärtner (Author), 2001, Künstlerisches Gestalten und psychische Erkrankung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4426
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