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Kleists Erzählung Der Findling

Título: Kleists Erzählung Der Findling

Trabajo Escrito , 2002 , 14 Páginas , Calificación: 2 -

Autor:in: Juliane Meyer (Autor)

Filología alemana - Literatura alemana moderna
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Der Findling ist sowohl in der Radikalität des Themas als auch in der Härte und Kühnheit der Motivverschränkung in Kleists Werk einzigartig. Kleists konstruktive Phantasie hat in dieser Erzählung, deren Entstehungszeit unbestimmt ist, Extremfälle menschlichen Handels und Leidens gestaltet. Nirgends in Kleists Werken ist das Böse so wirksam und mächtig als hier.1 Mein erster Leseeindruck ist typisch für die gesamte Novelle: ich war verwirrt. Am Ende der Novelle wusste ich nicht mehr, wer der Bösewicht war und wer nicht. Wurde Nicolo nicht am Anfang so unschuldig und hilflos dargestellt? Wieso hat er sich zu dem entwickelt was er ist? Interessanterweise spiegelt sich dies auch in der Sekundärliteratur wieder. Stets wurde Nicolo als durchtriebener, falscher Bösewicht dargestellt. Im Gegensatz dazu waren Piachi und Elvire die Güte und Liebenswürdigkeit in Person und Piachis Tat ist am Ende durchaus verständlich. In den späten 70er Jahren jedoch wandelte sich die Richtung der Sichtweise. Den Höhepunkt dieser anderen Lesart bildet Schröders Plädoyer für Nicolo (1985). Nicolo war von nun an eben nicht mehr der teuflische Falschspieler, sondern vielmehr ein Opfer. Er war das Opfer einer falschen Erziehung, eines lieblosen Elternhauses, einer kapitalistischen Gesellschaft, eines korrupten Klerus.2 Fakt ist zwar, dass Nicolo böse ist: er versucht seine Adoptivmutter zu vergewaltigen und wirft seinen Adoptivvater aus seinem eigenen Haus. Allerdings drängt sich einem die Frage auf: ist Nicolo von Natur aus böse oder sind es die äußeren Umstände, die ihn im Verlaufe der Erzählung böse werden lassen? Da sich die Forschung ebenfalls mit dieser Frage auseinandergesetzt hat, ist es Ziel meiner Arbeit, diese zwei Sichtweisen des „Findlings“ genauer zu betrachten. 1 Hoffmeister, Werner: Heinrich von Kleists „Findling“. In: Monatshefte 58 (1966) S. 49 2 Oesterle, Günter: Der Findling Redlichkeit versus Verstellung – oder zwei Arten böse zu werden. In: Interpretationen Kleists Erzählungen Reclam Stuttgart 1998, S. 163

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 „Ein Plädoyer für Nicolo“ nach Jürgen Schröder

2.1 Inkarnation des Bösen?

2.2 Die zwei Leidenschaften des Nicolo

2.3 Wer ist der höllische Bösewicht, Nicolo oder Piachi?

2.3.1 Piachi – moralischer Zuchtmeister

2.3.2 Nicolo – Lückenbüßer und Unperson

2.4 Gestörte Kommunikation

3 Die Affekte des Nicolo und ihre Entwicklung nach Günter Oesterle

3.1 Kein Plädoyer für Nicolo

3.2 Grundmotiv der Infektion

3.3 Affekte und ihre Logik

3.4 Die zweite Novellenhälfte entwickelt Dynamik aus Kalkül, Zufällen und Erkennungen, Recherche und Projektion

3.5 Die Wendung

4 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die ambivalente Charakterisierung der Titelfigur in Heinrich von Kleists Erzählung „Der Findling“. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, ob Nicolo als ein von äußeren Umständen geprägtes Opfer oder als eine Inkarnation des radikal Bösen zu verstehen ist, indem zwei gegensätzliche literaturwissenschaftliche Sichtweisen kritisch gegenübergestellt werden.

  • Analyse der moralischen Zerrissenheit von Nicolo und Piachi
  • Untersuchung der Rolle von Affekten und Leidenschaften in der Novelle
  • Kritische Auseinandersetzung mit der Deutung von Jürgen Schröder
  • Diskussion der Thesen von Günter Oesterle bezüglich der Genese des Bösen
  • Analyse der narrativen Struktur als „Experimentalanordnung“

Auszug aus dem Buch

3.2 Grundmotiv der Infektion

Der Titel „Der Findling“ wirft die Assoziation mit einem guten Ende auf. Kleist macht sich dies zunutze, indem er die Erzählung ins Extrem führt. Der pestinfizierte Nicolo trifft in seiner Not auf Piachi und seinen Sohn. In einer scheinbar großen Gemütsbewegung fleht er um Hilfe. Piachi nimmt ihn aus Mitleid mit, was dazu führt, dass sich Paolo infiziert und schließlich stirbt. Gleich am Anfang wird das Grundmotiv der Infektion deutlich, das sich im weitern Verlauf der Erzählung fortführen wird, dergestalt, dass die Kleinfamilie und auch Nicolo selbst noch den Tod finden werden.

Auf der Heimreise wird deutlich, dass Nicolos Gemütsbewegung verschwunden sind, er wird beschrieben als eine „starre Schönheit“ (S. 200), der „seine Mienen niemals veränderte“ (S. 200) und der dem traurigen Piachi unsensibel gegenüber tritt, indem er Nüsse knackt. Der Leser kann nur aus dem abrupten Wechsel von der Pathognomik des Bittens und Flehens zu einer steifen und unzugänglichen Haltung Rückschlüsse auf die Dissimulationsfähigkeit dieses Protagonisten machen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung stellt die Forschungsfrage nach der Natur des Bösen in Kleists Erzählung vor und problematisiert die in der Forschung existierenden gegensätzlichen Sichtweisen auf die Figur des Nicolo.

2 „Ein Plädoyer für Nicolo“ nach Jürgen Schröder: Dieses Kapitel analysiert die Sichtweise Schröders, welcher Nicolo primär als Opfer gesellschaftlicher und erzieherischer Missstände betrachtet.

3 Die Affekte des Nicolo und ihre Entwicklung nach Günter Oesterle: Hier wird Oesterles Interpretation dargelegt, die Nicolo weniger als soziales Opfer denn als Subjekt einer bösen, von Affekt und Kalkül geleiteten Logik begreift.

4 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Interpretation von Günter Oesterle gegenüber der einseitigen Verteidigung Nicolos durch Jürgen Schröder die tieferliegenden motivischen Strukturen der Erzählung überzeugender erfassen kann.

Schlüsselwörter

Heinrich von Kleist, Der Findling, Nicolo, Piachi, Radikal Böses, Affekte, Dissimulation, Familienpsychologie, Identität, Literaturkritik, Schuld, Moral, Jürgen Schröder, Günter Oesterle, Novelle

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit befasst sich mit der literaturwissenschaftlichen Analyse von Kleists Erzählung „Der Findling“ und untersucht dabei die ambivalente Motivation der Protagonisten.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen sind die Natur des Bösen, die Rolle von Affekten, das Motiv der Stellvertretung sowie die gestörte Kommunikation innerhalb der dargestellten Familie.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen zwei gegensätzlichen Forschungsmeinungen zu klären: Ist Nicolo ein Opfer widriger Umstände oder ein aus innerem Antrieb böswilliger Charakter?

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine komparative Literaturanalyse und stützt sich dabei auf methodische Ansätze der poetologischen und philosophiehistorischen Interpretation.

Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Auseinandersetzung mit der Position von Jürgen Schröder (Nicolo als Opfer) und der Position von Günter Oesterle (Nicolo als Inkarnation des Bösen).

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Kleist, Findling, Affekte, radikal Böses, Identität, Dissimulation und die Gegenüberstellung der Positionen von Schröder und Oesterle.

Inwiefern spielt das „Grundmotiv der Infektion“ eine Rolle?

Es fungiert als struktureller Ausgangspunkt der Erzählung, bei dem das Mitleid zu einer verhängnisvollen Kette von Ereignissen führt, die das Schicksal der gesamten Familie bestimmt.

Warum wird Nicolo als „Unperson“ bezeichnet?

Weil er im Verlauf der Erzählung ständig andere Rollen übernimmt, keine eigene Identität besitzt und als funktionaler Stellvertreter für andere Figuren agiert.

Final del extracto de 14 páginas  - subir

Detalles

Título
Kleists Erzählung Der Findling
Universidad
Free University of Berlin
Calificación
2 -
Autor
Juliane Meyer (Autor)
Año de publicación
2002
Páginas
14
No. de catálogo
V40142
ISBN (Ebook)
9783638387279
Idioma
Alemán
Etiqueta
Kleists Erzählung Findling
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Juliane Meyer (Autor), 2002, Kleists Erzählung Der Findling, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40142
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