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Koloniale Mimikry in Shakespeares Othello

Titel: Koloniale Mimikry in Shakespeares Othello

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2002 , 21 Seiten , Note: 2,3

Autor:in: Silke Nufer (Autor:in)

Anglistik - Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Vielleicht ist Shakespeares Werk „Othello, the moor from Venice“, welches in den Anfängen der Kolonialzeit entstand, im Hinblick auf den aktuellen kolonialen Diskurs gerade deshalb so interessant, da in der Entstehungszeit des Werkes der Grundstein für jeglichen kolonialen Diskurs gelegt wurde. England war zu einer bedeutenden Seemacht aufgestiegen und das Empire begann, sich auszudehnen. Neue Kolonien wurden erobert und einige der Kolonisierten wurden als Arbeitskräfte nach England gebracht. Der Umgang mit den kolonialisierten Menschen wurde einerseits von einem Gefühl der kulturellen Überlegenheit und gleichzeitig von Neugier und Furcht beherrscht. Man wollte die fremden Völker und ihre Kulturen erforschen, unzählige Reiseberichte der Renaissancezeit dokumentieren diese Etappe der Geschichte und liefern Einblicke über den Kontakt und die Einstellung der Kolonialmächte gege nüber den Kolonisierten in jener Zeit.

Verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen stimmen darin überein, dass der dominante Diskurs von Shakespeares Kultur bezüglich Annahmen von Hautfarbe und fremden Sitten ethnozentrisch war. Die Diskurse sind nicht einstimmig, ob Shakespeare selbst diese Annahmen teilte. Bei allen Kritikern herrscht Einigkeit über Stereotypisierung der kolonisierten Völker. Nichtübereinstimmung herrscht bezüglich der Auswertung dieser Stereotypisierung. (Vaughan 64) Im Kontrast zum kolonialen Diskurs des 18. und 19. Jahrhunderts war die Mimikry des 16. Jh. nicht betroffen von der konfliktgeladenen Ökonomie des kolonialen Diskurses, welche Edward Said als Spannung zwischen der synchronischen panoptischen Vision der Beherrschung - dem Bedürfnis nach Identität, Stasis - und dem Gegendruck der Diachronie der Geschichte - Veränderung, Differenz beschreibt (Said, 240) In der Renaissance wurde die Geschichte nicht als allumfassendes Konzept des ‚Ursprungs’, der Entwicklung und unvermeidlicher historischer Natur von allem und jedem Geschehen gesehen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ziel der Arbeit

3. Die europäische Überlegenheit

3.1. Schwarze im England des 16. Jahrhunderts

3.2. Die partielle Kolonisation

4. Die Terminologie race im 16. Jahrhundert

4.1. Kurzer Abriss der Geschichte des Rassismus

4.2. Die Interpretation schwarzer Hautfarbe

4.2.1. wissenschaftliche Erklärung der schwarzen Hautfarbe

4.2.2. religiöse Interpretation der schwarze Hautfarbe

4.2.3. Die Bedeutung des bibelorientierten Weltkonzepts

5. Das Konstrukt des Anderen

5.1. Die Farbensymbolik von Schwarz

5.2. Der orientalistische Split

5.3. Das Konstrukt des Anderen im kolonialistischen und orientalistischem Diskurs

5.4. Schwarz/Weiß Gegensätze im Stück: ist das Stück rassistisch ?

6. Mimikry als Diskurs „zwischen den Zeilen“

6.1. Die Sichtbarkeit der Mimikry

6.2. Die Offstage-Handlung

6.3. Das Hochzeitsbett

6.4. Die Offstage-Handlung in Othello als Diskurs zwischen den Zeilen

7. Die Rolle des Fetisches

7.1. Die Tragödie um das Taschentuch

7.1.1. Das Bindeglied zwischen Femininität und dem Monströsen

7.1.2. Othellos Tragödie: Das Taschentuch als feminine Trivialität

7.2. Der Verlust der Magie des Taschentuchs

7.2.1. Definition des Begriffs ‚Fetisch’ nach Pietz

7.2.2. Die Fetischisierung und Ent-Fetischisierung des Taschentuchs

7.3. Der Fetisch als Teil-Objekt

8. Othello als mimic man

8.1. Shakespeares und Bhabas Chamäleon-Menschen

8.2. Othellos zwiespältiges Selbstkonzept

8.2.1. Desdemona als Garantie für gesellschaftliche Akzeptanz

8.2.2. Othellos Persönlichkeitsspaltung

8.3. Othello als Quelle und Objekt einer endlosen textuellen Produktion

8.4. Hat Othello seine Identität verloren?

9. Endbemerkung

Zielsetzung und Themenfelder

Die Arbeit untersucht die Ambivalenz des kolonialen Diskurses in Shakespeares Othello, indem sie das Konzept der kolonialen Mimikry nach Homi Bhabas Theorie auf das Werk anwendet, um die literarische Verarbeitung von Identität, Fremdheit und Machtverhältnissen zu analysieren.

  • Analyse der kolonialen Mimikry im 16. Jahrhundert
  • Bedeutung von Fetischen als bedeutungstragende Zeichen
  • Untersuchung von Identitätskonstruktionen und Persönlichkeitsspaltung
  • Rolle der Offstage-Handlung als Diskursraum
  • Konstruktion des „Anderen“ und rassistische Diskurse der Renaissance

Auszug aus dem Buch

7.2.1. Definition des Begriffs ‚Fetisch’ nach Pietz

Pietz: “A fetish is a meaningful fixation of a singular event, it is above all a „historical object“, the enduring material form and force of an unrepeatable event. This object is “territorialized” in material space (an earthly matrix), whether in the form of a geographical locality, a marked site on the surface of the human body, or a medium of inscription or configuration defined by some portable or wearable thing. The historical object is territorialized in the form of a “reification”…This reified, territorialized historical object is also “personalized” in the sense that beyond its status as a collective social object it evokes an intensely personal response from individuals [...]”

Ein gutes Beispiel der in der Renaissance herrschenden Auffassung einer ‚repräsentativen Qualität des Zeichens’ ist das „Geschenk“ der englischen Monarchie und auch das des Christentums. Diese wurden von den Ureinwohnern Nordamerikas erst dann akzeptiert, nachdem die europäische ‚Repräsentation’ (wie z.B. das Bildnis der Königin ) verzerrt und fetischisiert worden ist und so zu einem symbolischen Zeichen und Bedeutungsträger wurde. (Schlüting)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Relevanz von Shakespeares Othello im Kontext kolonialer Diskurse der Entstehungszeit.

2. Ziel der Arbeit: Darstellung der Forschungsabsicht, Bhabas Theorie der Mimikry auf Othellos Konstruktion anzuwenden.

3. Die europäische Überlegenheit: Erörterung der elisabethanischen Ängste vor den „Anderen“ und des Konzepts der partiellen Kolonisation.

4. Die Terminologie race im 16. Jahrhundert: Analyse der historischen Begriffsverwendung von ‚race’ und der Entstehung rassistischer Denkweisen.

5. Das Konstrukt des Anderen: Untersuchung der symbolischen Bedeutung von Hautfarbe und orientalistischer Klischees in der Renaissance.

6. Mimikry als Diskurs „zwischen den Zeilen“: Deutung der Offstage-Handlung als Raum, in dem koloniale Ambivalenzen ausgehandelt werden.

7. Die Rolle des Fetisches: Analyse des Taschentuchs als fetischisiertes Objekt und seine Bedeutung für die Tragik des Protagonisten.

8. Othello als mimic man: Betrachtung von Othellos Entwicklung und Identitätsverlust durch die Verinnerlichung kolonialer Zuschreibungen.

9. Endbemerkung: Resümee über die Komplexität des Stücks als Forschungsobjekt für Identitäts- und Rassentheorien.

Schlüsselwörter

Othello, Shakespeare, Kolonialer Diskurs, Mimikry, Homi Bhaba, Identität, Fetisch, Taschentuch, Rassismus, Renaissance, Andersheit, Offstage-Handlung, Orientalismus, Subjektivität, Ambivalenz.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Shakespeares Werk Othello unter postkolonialen Gesichtspunkten, insbesondere im Hinblick auf den kolonialen Diskurs der Entstehungszeit.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Arbeit befasst sich mit kolonialer Mimikry, der Konstruktion von Fremdheit, der Symbolik von Fetischen und der Identitätsbildung Othellos innerhalb einer rassistisch geprägten Gesellschaft.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist aufzuzeigen, wie sich Mimikry zur Zeit Shakespeares in Verbindung mit Zeichen, Personen und Besitz äußert und wie sich Othellos Selbstkonzept in diesem Spannungsfeld entwickelt.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Die Arbeit nutzt theoretische Konzepte von Homi Bhaba (Mimikry) und William Pietz (Fetischismus), um den Text des Dramas dezentriert und postkolonial zu analysieren.

Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die Entstehung rassistischer Vorurteile in der Renaissance, die Bedeutung der Offstage-Handlung, die Rolle des Taschentuchs als Fetisch sowie Othellos Entwicklung zum „mimic man“.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?

Zentrale Begriffe sind Mimikry, koloniale Ambivalenz, Identitäts-Performance, Fetischisierung, sowie die Konstruktion des „Anderen“.

Warum ist das Taschentuch als „Fetisch“ für Othellos Tragödie so bedeutsam?

Das Taschentuch fungiert als materieller Ankerpunkt für Liebesmagie, dessen Verlust oder Entzauberung Othellos moralisches und identitäres Fundament erschüttert.

Wie trägt die Offstage-Handlung zum Verständnis des Stücks bei?

Sie ermöglicht einen Diskursraum, in dem das Publikum mit eigenen rassistischen Vorurteilen und Spekulationen konfrontiert wird, die nicht direkt auf der Bühne ausgesprochen werden müssen.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Koloniale Mimikry in Shakespeares Othello
Hochschule
Universität zu Köln  (Englisches Seminar)
Veranstaltung
Renaissance Theatre and Postmodern Culture Theory
Note
2,3
Autor
Silke Nufer (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2002
Seiten
21
Katalognummer
V35995
ISBN (eBook)
9783638357500
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Koloniale Mimikry Shakespeares Othello Renaissance Theatre Postmodern Culture Theory
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Silke Nufer (Autor:in), 2002, Koloniale Mimikry in Shakespeares Othello, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35995
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Leseprobe aus  21  Seiten
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