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Kudrun - Ein Frauenroman?

Titel: Kudrun - Ein Frauenroman?

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2003 , 32 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Monique Weinert (Autor:in)

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Jedem, der sich eingehend mit mittelalterlicher Dichtung beschäftigt, muss schon beim Lesen des Titels das Besondere des Kudrunepos auffallen: Das Epos trägt den Namen einer Frau, Kudrun, mehr noch der Dichter erklärt: „Ditze buoch ist von Kudrun“. Diese Tatsache, die eine tragende Rolle der Figur Kudrun vermuten lässt, die allgemein übliche Dreiteilung des Epos in einen Hagen-, Hilde- und Kudrunteil (? männlich vs. ? weiblich) , sowie die ab Hilde 1 auftretende matrilineare Genealogie könnten aufgrund ihrer Besonderheit als ›Indizien‹ betrachtet werden, die die Aufstellung der These gestatten, dass es sich bei der ›Kudrun‹ um einen Frauenroman handelt. Hugo Kuhn geht jedoch noch weiter und schreibt: „Die ›Kudrun‹ ist ein Frauenroman, bis in erstaunliche politische Eingriffe der Frau hinein.“ Ziel dieser Abhandlung soll es sein zu untersuchen, ob und inwieweit diese These über die genannten ›Indizien‹ hinaus durch das Kudrunepos gestützt wird. Frauenroman – Begriffsklärung und Prognosen. Vorab bedarf es einer Klärung, was der Begriff Frauenroman meint und wie er im Rahmen der Abhandlung verstanden werden soll.

Die Definition des Frauenromans, als ein „von Frauen verfasster Roman [...] um ein Frauenleben“, als „Literatur [...], die sich kritisch mit der Erfahrung von Frauen auseinandersetzt“6 oder kurz gesagt als „Literatur von, für und über Frauen“, auf den Begriff des Frauenromans in dieser Abhandlung anzuwenden, hieße, die These bereits in ihrem Keim zu ersticken. Zum einen sind die Werke des Mittelalters in einer überwältigenden Mehrheit von Männern verfasst. Es hat zwar auch schreibende Frauen, z. B. Marie de France oder die Mystikerinnen, gegeben, doch schrieben sie „an und für Gott, der sich ihnen in mystischen Erlebnissen unmittelbar und spürbar offenbart hatte“ oder sie thematisierten „den Bruch zwischen Schweigen und Schrift selbst“, „beschrieben das Szenarium, den Raum, in welchem sich Schrift für sie ereignen konnte“. Letzteres ist definitiv kein Thema der ›Kudrun‹. Ersteres betreffend lässt sich sagen, dass das Kudrunepos zwar keineswegs ›Gott-los‹ ist, wie sich vor allem im Kudrunteil zeigt, dass sich dessen Rolle aber auch nicht dahingehend erstreckt, dass von dem Epos als Text „an und für Gott“ gesprochen werden kann.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung.

Frauenroman – Begriffsklärung und Prognosen.

Exkurs: Situation der adligen Frau im Mittelalter.

Die Frauen in der ›Kudrun‹.

Ute 1.

Ute 2.

Hilde 1.

Hilde 2.

Gerlint.

Hergart.

Ortrun.

Hildburg.

Kudrun.

›Kudrun‹ - Ein Frauenroman?

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das mittelalterliche Epos ›Kudrun‹ auf die These hin, ob es als "Frauenroman" klassifiziert werden kann. Dabei steht die Analyse der weiblichen Figuren, ihrer Handlungsmacht, politischen Rolle und Entwicklung im Kontrast zu traditionellen männlichen Heldenmustern und anderen Werken wie dem Nibelungenlied im Fokus der Forschungsfrage.

  • Die Analyse der weiblichen Charaktere (Ute, Hilde, Kudrun, Gerlint u.a.) hinsichtlich Persönlichkeit und politischem Einfluss.
  • Die Überprüfung der These des "Frauenromans" anhand spezifischer literaturwissenschaftlicher Kriterien.
  • Die Untersuchung von Konfliktlösungsstrategien jenseits reiner Gewalt und Rache.
  • Der Vergleich der Rollenbilder in ›Kudrun‹ mit denen des Nibelungenliedes.

Auszug aus dem Buch

Kudrun.

Kudrun muss, auch wenn sie erst in der fünften Generation auftritt, als die „Mittelpunktsgestalt“ des Epos bezeichnet werden. Sie hat mit 532 Strophen den größten Strophenanteil von immerhin 31, 02 %. Die vorangegangenen Ereignisse können nur als Vorbereitung für die Geschehnisse im Kudrunteil, der mit 24 Abenteuern auch quantitativ die beiden anderen Teile mit jeweils vier Abenteuern überragt, betrachtet werden. Die Frauenfiguren vor und um Kudrun dienen dazu, Charaktereigenschaften anzudeuten, zu spiegeln oder zu kontrastieren, die in Kudrun ihre volle Blüte erreichen. Keine andere Figur im Kudrunepos ist in ihrem Sein und in ihrer Entwicklung klarer umrissen als Kudrun.

Von dem Kind Kudrun erfährt man nur, dass es bei Verwandten in Dänemark aufgezogen wurde (575). Dort wächst sie zu einer schönen jungen Frau heran, „daz si loben muosen mán únde wîp“ (576, 2). Schönheit ist wie bei ihrer Mutter Hilde das erste Attribut, das ihr beiseite gestellt wird. Doch „swie schœne waere Hilde, des ‹künic› Hetelen wîp, noch wart michel schœner der Kudrûnen lîp“ (578, 1f.). Gleichsam ist wiederum, wie schon bei Hilde, Kudruns Schönheit der Ausgangspunkt dieses Teils des Epos. Nacheinander werben die Könige Siegfried von Mohrland, Hartmut von Ormanieland und Herwig von Seeland um die schöne Königin und werden alle von Hetel und Hilde abgelehnt. Kudrun selbst kommt nicht zu Wort, sie ist nur das „Objekt“ der Begierde.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in die Thematik und Fragestellung, ob das Kudrunepos als Frauenroman zu verstehen ist.

Frauenroman – Begriffsklärung und Prognosen: Klärung des Begriffs Frauenroman im mittelalterlichen Kontext und Analyse des Autors.

Exkurs: Situation der adligen Frau im Mittelalter: Darstellung der gesellschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen adliger Frauen im 13. Jahrhundert.

Die Frauen in der ›Kudrun‹: Detaillierte Charakterstudie der einzelnen weiblichen Figuren von Ute 1 bis Kudrun.

›Kudrun‹ - Ein Frauenroman?: Fazit und Zusammenführung der Ergebnisse zur Beantwortung der Ausgangsthese.

Schlüsselwörter

Kudrun, Frauenroman, Mittelalter, Epik, Heldenepik, Hilde, Weiblichkeit, politischer Einfluss, Konfliktlösung, Rache, Versöhnung, Triuwe, Minne, Literaturanalyse, Geschlechterrollen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Hausarbeit untersucht die Frauenfiguren im mittelalterlichen Epos ›Kudrun‹, um zu klären, ob das Werk aufgrund der tragenden Rolle und Handlungsfähigkeit der Frauen als "Frauenroman" bezeichnet werden kann.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Rolle der Frau im Mittelalter, die Entwicklung weiblicher Identität, Strategien der Konfliktlösung (insbesondere die Abkehr von reiner Rache hin zur Versöhnung) sowie die Machtstrukturen innerhalb der höfischen Gesellschaft.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das primäre Ziel ist es, die These, dass die ›Kudrun‹ ein Frauenroman sei, durch eine detaillierte Analyse der weiblichen Charaktere und ihrer Funktionen im Epos zu verifizieren oder zu falsifizieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die literaturwissenschaftliche Analyse des Epos unter Einbeziehung von Sekundärliteratur zur mittelalterlichen Epik und zur Rolle der Frau im Mittelalter sowie eine statistische Auswertung des Strophenanteils der einzelnen Figuren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die einzelnen Frauenfiguren des Werkes – Ute 1 und 2, Hilde 1 und 2, Gerlint, Hergart, Ortrun, Hildburg und schließlich Kudrun – in Bezug auf ihre Persönlichkeit, ihre Entscheidungen und ihre Bedeutung für den Handlungsverlauf analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Kudrun, Frauenroman, Mittelalter, Weiblichkeit, Friedenspolitik, Versöhnung und die kritische Auseinandersetzung mit dem Abstraktionsprinzip männlicher Heldensagen geprägt.

Welche Rolle spielt der Vergleich mit dem Nibelungenlied?

Der Vergleich dient als Kontrastfolie, um zu zeigen, dass in ›Kudrun‹ Frauen nicht nur als passive Objekte fungieren, sondern aktiv an politischen Entscheidungen teilnehmen und als Agentinnen der Versöhnung agieren, anders als im Nibelungenlied.

Warum ist Kudrun als "Mittelpunktsgestalt" so besonders?

Kudrun ist besonders, weil sie die Rache und Gewalt überwindet und ein Versöhnungswerk initiiert, das weit über die traditionelle Rolle einer Königin hinausgeht und eine neue Art der politischen Bündnisbildung darstellt.

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Kudrun - Ein Frauenroman?
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Literaturwissenschaft)
Note
2,0
Autor
Monique Weinert (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2003
Seiten
32
Katalognummer
V28322
ISBN (eBook)
9783638301374
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kudrun Frauenroman
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Monique Weinert (Autor:in), 2003, Kudrun - Ein Frauenroman?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28322
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Leseprobe aus  32  Seiten
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