Schon in der Vorlesung zur Kunstgeschichte Altertum haben mich die Vasen aus Kreta, besonders die sogenannten Oktopusvasen, besonders fasziniert. Die Leichtigkeit der Linienführung und die beinahe zeitgemäße Darstellungsweise der Tier und Pflanzenwelt hat mich besonders beeindruckt. Die Oktopusdarstellungen wirkten auf mich wie aus einem modernen Komik entnommen und die Pflanzendarstellungen, als auch die Darstellung von Muscheln und Argonauten erinnerten mich stark an die Dekorstoffe des Jugendstils, und nicht nur des Jugendstils, auch dieses Jahr sind diese Meeresdekormotive wieder überall zu finden. Die Kreter haben mit diesen Motiven wohl die zeitlosesten Dekormotive geschaffen. Das 20. Jahrhundert rühmt sich stets der gefundenen Abstraktion der Dinge doch die Menschen der Frühzeit hatten bereits dieses Auge für das Wesentliche, für das Natürliche in ihrer Schönheit. Es ist wohl die einfache, lockere Harmonie der Zeichnungen welche den Betrachter der kretischen Vasen in ihren Bann ziehen. Diese Zeichnungen sind so klar, dass jener, der sie einmal betrachtet hat, sie nicht mehr vergisst. In den ersten Kapiteln möchte ich einen Überblick über die Geschichte der minoischen Kultur schaffen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. CHRONOLOGIE ZUR MINOISCHEN GESCHICHTE:
3. DIE ENTWICKLUNG DER MINOISCHEN KULTUR
3.1. DIE VORPALASTZEIT
3.2. ALTPALASTZEIT:
3.3. NEUPALASTZEIT
3.4. NACHPALASTZEIT
4. KRETISCHE TONGEFÄßE MIT MEERESDEKOR
4.1. MEERESLANDSCHAFTSMOTIVE
4.1.1. Korallenfelder mit Schuppenstruktur
4.1.2. Korallenfeld mit Linienstruktur
4.1.3. Astkoralle
4.1.4. Feder
4.2. MEERESTIERMOTIVE
4.2.1. Seeigel
4.2.2. Delphin
4.2.3. Muschel
4.2.4. Tritonschnecke
4.2.5. Argonaut
4.2.6. Krake
5. ZUSAMMENFASSEND
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Vielfalt und ästhetische Gestaltung von Meeresmotiven auf kretischen Tongefäßen der minoischen Kultur (Stufe SM Ib) zu untersuchen und deren kunsthistorische Bedeutung sowie den Bezug zur maritimen Lebenswelt Kretas aufzuzeigen.
- Historische Einordnung der minoischen Epochen und Kultur.
- Analyse von Meereslandschaftsmotiven wie Korallen und Algenstrukturen.
- Klassifizierung und kunstgeschichtliche Untersuchung von Meerestiermotiven (Seeigel, Delphin, Muschel, Tritonschnecke, Argonaut, Krake).
- Untersuchung der gestalterischen Abstraktion und der Verbindung von Naturbeobachtung und ornamentaler Umsetzung.
Auszug aus dem Buch
4.2.4. Tritonschnecke
Die stets in der gleichen, mit der Mündung dem Betrachter zugewandten Ansicht wiedergegebene Tritonschnecke folgt kanonisch dem mehrgliedrigen Aufbauschema, bei dem die einzelnen Teile durch mehr oder weniger starke Einschnürungen voneinander abgegrenzt sind. Eine markante Zäsur trennt nach der ersten großen Windung die gemalte Tritonschnecke in zwei Hälften – Kopf und Körper. Der Kopf besteht zu einer Hälfte aus der von der Seite gesehenen ersten Windung und zur anderen Hälfte aus der Mündung, deren Tiefe durch das flächig ausgemalte Mündungsoval angedeutet wird. Die beiden Enden des Mündungsrandes sind in Richtung der Längsachse zu einer schmalen Öffnung in die Länge gezogen, die in Analogie zu der zoologischen Bezeichnung der entsprechenden tüllenartigen Ausbuchtung bei der Tritonschnecke in der Natur Sipho benannt wird. Der Innenrand der Mündung wird von Innenzacken, der äußere Kontur von des Kopfes von Außenzacken gesäumt. Der Körper besteht aus der zweiten, in einigen Fällen auch aus der dritten Windung und der Spitze. Die gemalten Tritonschnecken sind aufgrund charakteristischer Details als Charonia tritonis zu bestimmen, deren bis zu 40 cm großes Gehäuse auch heute noch für verschiedene Zwecke Verwendung findet.
Die Trichterform des Gehäuses ist ein von der Natur geschaffenes Gefäß, das sich wegen des tüllenartigen Sipho zum fein dosierten Ausgießen einer Flüssigkeit eignet. Funde von originalen Tritongehäusen in Gräbern oder Heiligtümern auf Kreta bestätigen die zoologische Identifikation des Vasenmotivs als Tritonschnecke.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die maritime Herkunft der kretischen Kunst und die Bedeutung der Palastkultur sowie die enge Beziehung der Minoer zum Meer.
2. CHRONOLOGIE ZUR MINOISCHEN GESCHICHTE:: Darstellung der zeitlichen Einteilung der minoischen Epochen anhand einer Übersichtstabelle.
3. DIE ENTWICKLUNG DER MINOISCHEN KULTUR: Überblick über die historische Entwicklung Kretas von der neolithischen Zeit bis zur Nachpalastzeit und den Einfall der Mykener.
4. KRETISCHE TONGEFÄßE MIT MEERESDEKOR: Detaillierte Analyse der verschiedenen Meeres- und Landschaftsmotive, die für die minoische Keramik der Stufe SM Ib charakteristisch sind.
5. ZUSAMMENFASSEND: Reflexion über die Ergebnisse der Untersuchung bezüglich der ästhetischen Abstraktionsfähigkeit und des künstlerischen Ausdrucks der kretischen Vasenmaler.
Schlüsselwörter
Minoische Kultur, Kretische Keramik, Meeresdekor, Oktopusvasen, SM Ib, Meereslandschaftsmotive, Meerestiermotive, Tritonschnecke, Argonaut, Krake, Vasenmalerei, Kunstgeschichte Altertum, Palastkultur, Ornamentik, Abstraktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den kretischen Tongefäßen der minoischen Epoche, insbesondere mit der spezifischen Gruppe der Keramiken, die mit Meeresmotiven verziert sind.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die kunstgeschichtliche Analyse von Meeresfauna-Darstellungen sowie deren stilistische Einordnung im Kontext der minoischen Keramikproduktion.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Schönheit, Vielfalt und das darstellerische Geschick der kretischen Vasenmaler bei der Umsetzung von Naturmotiven in eine dekorative, abstrahierte Formensprache aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer archäologisch-kunsthistorischen Analyse der Motivik, gestützt durch den Vergleich von Vasenmalereien mit den jeweiligen zoologischen Vorbildern der Natur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine chronologische Übersicht der minoischen Kultur und eine detaillierte systematische Betrachtung einzelner Meeresmotive wie Korallen, Seeigel, Delphine und Kraken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem minoische Kultur, Meeresdekor, Vasenmalerei, SM Ib, Ornamentik und Abstraktion.
Warum ist die Darstellung der Tritonschnecke für die minoische Keramik so bezeichnend?
Sie folgt einem kanonischen Aufbauschema und zeigt die präzise Beobachtungsgabe der Künstler, da sie Merkmale wie den „Sipho“ der echten Tritonschnecke in das dekorative Schema integrierten.
Welche Rolle spielt die Krake innerhalb des Meeresdekors?
Das Krakenmotiv dient als zentrales, dynamisches Element, das den Gefäßkörper oft kunstvoll umgreift und die typische Abstraktionsfähigkeit der Minoer sowie deren ornamentale Gestaltungskraft unterstreicht.
- Citation du texte
- Martina Traxler (Auteur), 2002, Kretische Tongefäße mit Meeresdekor, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28307