Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Teufel & Teufelspakt: Adalbert von Chamisso - 'Peter Schlemihls wundersame Geschichte'

Titel: Teufel & Teufelspakt: Adalbert von Chamisso - 'Peter Schlemihls wundersame Geschichte'

Seminararbeit , 1998 , 25 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Katrin Miller (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Der Teufel, vom griech.`diabolos`(Verwirrer) deduziert, ist die Personifizierung des bösen Prinzips.
„[...] Johannes Weier, der Arzt und Kämpfer gegen den Hexenwahn, schildert in seinem Buch „De praestigiis Daemonum“ (dt.1586) die Erscheinungsform des Teufels nach dem zeitgemäßen Volksglauben:

„Da erscheint ihme der Teufel behende in gar erschrockentlicher gestalt / mit feuwrigen augen / hatt ein nasen die war gekrümmet wie ein Ochsenhorn / vnd lange zähne wie ein Eber / war harecht [behaart] vmb die backen wie ein Katz / vnnd sonst vberal schrecklich vnd grausam anzusehen.“1

„In der weiteren Entwicklung seines Erscheinungsbildes läßt sich eine zunehmende Vermenschlichung der Teufelsgestalt feststellen. [...] In anthropomorpher Gestalt sind dem Teufel fast keine Grenzen gesetzt, wenngleich sich auch hier Lieblingsgestalten
abzeichnen: der Fahrende, der Kavalier, der Jäger.“2

„Der alte Feind, den man zuvor eher außerhalb der christlichen Gesellschaftsordnung lokalisieren konnte und der sich durch sein bizarres Erscheinungsbild verriet, schleicht sich im Lauf der Zeit in die Reihen der Gläubigen ein und paßt sich ihnen bis aufs Haar an.“3

Und auch der Teufel in Chamissos Erzählung „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“ besitzt rein äußerlich keine teufelstypischen Züge und gibt sich mehr dem Bild des Kavaliers hin, als daß er seine teuflischen Attribute preisgibt.
Kann er aber auch als der typisch romantische Teufel betrachtet werden? Und wie fügt sich dieses Bild in die Epoche der Romantik ein?

„Das Motiv des Teufelspakts von seinen legenden- und sagenhaften Elementen zu lösen gelingt der Romantik nur dann, wenn sie die Gestalt des Verführers ganz der Perspektive der eigenen Zeit unterstellt, ihn seiner mittelalterlichen Häßlichkeit und Bizarrerie entkleidet und ihm statt dessen die Züge eines philisterhaften Bürgers verleiht.”4 [...]

1 zitiert nach Petzoldt, L., S.158
2 Petzoldt, L., S.158
3 Brall, H., S.225
4 Brittnacher, H.R., S.240

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Die Teufelsgestalt des „Grauen“ – Vom Volksglauben zum „bürgerlichen“ Teufel!

2. Teufel und Teufelspakt in „Peter Schlemihls wundersame Geschichte”

2.1 Gestalt und Charakteristik des „Grauen”

2.2 Die Vor-Pakt-Phase

2.3 Die erste Paktphase: Der Schattenhandel

2.4 Die zweite Paktphase: Der Seelenhandel

2.4.1 Die erste Verhandlungsrunde (Kapitel 5)

2.4.2 Die zweite Verhandlungsrunde (Kapitel 6)

2.4.3 Die dritte Verhandlungsrunde (Kapitel 8)

3. „Peter Schlemihl“ – ein gesellschaftskritisches Werk!

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung und Vorgehensweise des „Grauen“ in Adelbert von Chamissos „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“, um zu klären, inwieweit die Teufelsfigur den traditionellen Vorstellungen entspricht und welche Intentionen hinter seiner Intrigenstrategie stehen.

  • Charakterisierung und Erscheinungsbild des „Grauen“ im Vergleich zum klassischen Teufelsbild.
  • Analyse der verschiedenen Paktphasen und der spezifischen Verführungsstrategien des Teufels.
  • Die Rolle von Schein und Sein sowie materieller Begierde in der Teufelsintrige.
  • Gesellschaftskritische Dimensionen des Werkes und die Relevanz der Schlemihl-Problematik.

Auszug aus dem Buch

Die erste Verhandlungsrunde (Kapitel 5)

Bei dieser Zusammenkunft fehlt dem Grauen zunächst wiederum jedes Anzeichen einer teuflischen Macht, ja er wirkt sozusagen nahezu menschlich, denn es scheint dem Protagonisten so, als ob sich der Graue nach ihm außer Atem gelaufen habe, um ihn einzuholen und ansprechen zu können. Dies muß jedoch wiederum als ein taktisches Mittel des Teufels angesehen werden, da er Schlemihl wieder den Eindruck vermitteln will, daß er in einer überlegeneren Position steht als der Graue. Schlemihl soll also immer noch nicht wahrnehmen, mit wem er es letztendlich zu tun hat. Es ist auffallend, daß der Teufel nach dem gleichen, stereotypen und bereits bekannten Modus der Verhandlungsführung vorgeht: „Wie in der ersten Paktphase, so geht auch jetzt die Gesprächsinitiative vom Teufel aus. Sein Vorgehen ist wiederum durch außerordentliche Zielstrebigkeit gekennzeichnet. Er ergreift „sogleich” das Wort.“

Äußerst hastig versucht der Teufel Schlemihl gleich in seinen ersten Worten zum Seelenhandel zu bringen. Sehr subtil zielt er dabei auf die emotionale Ebene bei Schlemihl ab, indem er verspricht Raskal, der wie Schlemihl ein Auge auf Mina geworfen hat, aus Schlemihls Leben fern zu halten. Somit knüpft er abermals an seine Taktik an.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Die Teufelsgestalt des „Grauen“ – Vom Volksglauben zum „bürgerlichen“ Teufel!: Dieses Kapitel beleuchtet den historischen Wandel der Teufelsdarstellung von grotesken, mittelalterlichen Zügen hin zu einer unauffälligen, bürgerlichen Erscheinungsform in der Romantik.

2. Teufel und Teufelspakt in „Peter Schlemihls wundersame Geschichte”: Einleitend wird der Teufel in Chamissos Werk eingeführt, dessen äußere Erscheinung bewusst keine dämonischen Attribute trägt, um als Vertreter einer nüchternen, modernen Welt zu agieren.

2.1 Gestalt und Charakteristik des „Grauen”: Hier wird die unauffällige, höfliche und gefällige Art des Grauen analysiert, die dazu dient, Schlemihls Vertrauen durch seine Anpassung an das bürgerliche Umfeld zu gewinnen.

2.2 Die Vor-Pakt-Phase: Das Kapitel erläutert, wie der Graue durch die Gartengesellschaft als Medium seiner Intrige Schlemihls Begehren nach materieller Glückserfüllung gezielt verstärkt.

2.3 Die erste Paktphase: Der Schattenhandel: Die Analyse fokussiert auf die Verführungstaktik des Schmeichelns und der unterwürfigen Art des Teufels, die Schlemihl dazu bringt, seinen Schatten aus der Hand zu geben.

2.4 Die zweite Paktphase: Der Seelenhandel: In diesem Abschnitt wird die direkte Einmischung des Grauen beschrieben, der versucht, durch manipulatives Verhalten und die Inszenierung von Mitleid den Seelenverkauf zu forcieren.

2.4.1 Die erste Verhandlungsrunde (Kapitel 5): Es wird aufgezeigt, wie der Teufel durch den Vorwand der Hilfsbereitschaft und das Ausnutzen emotionaler Schwächen von Schlemihl den Pakt subtil vorbereitet.

2.4.2 Die zweite Verhandlungsrunde (Kapitel 6): Hier wird die Rolle der Tarnkappe und die zunehmende Drohgebärde des Teufels thematisiert, um den Protagonisten in die Enge zu treiben.

2.4.3 Die dritte Verhandlungsrunde (Kapitel 8): Dieses Kapitel analysiert das Scheitern der Intrige, bei der der Teufel schließlich seine Identität preisgibt und als Verlierer vom Protagonisten zurückgewiesen wird.

3. „Peter Schlemihl“ – ein gesellschaftskritisches Werk!: Das Fazit ordnet die Erzählung als gesellschaftskritisches Werk ein, das die Problematik des Identitätsverlusts durch soziale Anpassung und kapitalistisches Streben thematisiert.

Schlüsselwörter

Adelbert von Chamisso, Peter Schlemihls wundersame Geschichte, Teufelspakt, Der Graue, Romantik, Teufelsdarstellung, Gesellschaftskritik, Identitätsverlust, Schattenhandel, Seelenhandel, Verführungstaktik, Motivanalyse, Materielle Werte, Isolation, Bürgertum.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Figur des „Grauen“ in Chamissos Erzählung „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“ und analysiert dessen ungewöhnliche Teufelscharakteristik sowie seine manipulative Vorgehensweise bei den Paktverhandlungen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zentrale Themen sind der Wandel der Teufelsgestalt in der Romantik, die Bedeutung von Schein und Sein, die psychologische Manipulation durch materielle Anreize sowie die gesellschaftskritische Deutung des Schattenverlusts.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das primäre Ziel ist es, nachzuweisen, dass der Graue kein traditionelles, dämonisches Bild des Teufels verkörpert, sondern durch eine hochgradig kalkulierte, „bürgerliche“ Strategie agiert, um den Protagonisten in soziale Isolation zu führen.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die sowohl den Primärtext als auch einschlägige Forschungsliteratur (z.B. von Schwann, Brittnacher und Petzoldt) heranzieht, um die Intrigenstrategien des Grauen textnah zu belegen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Charakterisierung der Teufelsfigur, die Analyse der Vor-Pakt-Phase sowie eine detaillierte Untersuchung der drei Paktphasen, in denen der Teufel versucht, erst den Schatten und schließlich die Seele Schlemihls zu gewinnen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind „Teufelspakt“, „Der Graue“, „Verführungstaktik“, „Gesellschaftskritik“, „Identitätsverlust“ und „Romantik“.

Wie verändert sich das Auftreten des Teufels über die Verhandlungsrunden hinweg?

Der Teufel tritt zunächst als unterwürfiger, fast bittstellerischer „Kavalier“ auf. Im Verlauf der Verhandlungen, insbesondere ab der zweiten Paktphase, wird sein Vorgehen resoluter, hektischer und schließlich offen drohend, als er merkt, dass seine Taktik bei Schlemihl nicht zum gewünschten Erfolg führt.

Welche Bedeutung kommt der Rolle von Herr John in der Intrige zu?

Herr John dient dem Teufel als Instrument oder Stellvertreter. Seine Enthüllung dient als finaler Beweis für Schlemihl, wessen Werkzeug er die ganze Zeit war, und markiert den Moment, in dem die Maske des Teufels endgültig fällt.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Teufel & Teufelspakt: Adalbert von Chamisso - 'Peter Schlemihls wundersame Geschichte'
Hochschule
Universität Augsburg  (Lehrstuhl Neuere Deutsche Literaturwissenschaft)
Veranstaltung
Teufel und Teufelspakt in der Literatur
Note
1,7
Autor
Katrin Miller (Autor:in)
Erscheinungsjahr
1998
Seiten
25
Katalognummer
V27303
ISBN (eBook)
9783638293884
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Teufelspakt Adalbert Chamisso Geschichte Teufelspakt Literatur Schlehmil Motiv Literaturwissenschaft Motivanalyse
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Katrin Miller (Autor:in), 1998, Teufel & Teufelspakt: Adalbert von Chamisso - 'Peter Schlemihls wundersame Geschichte', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27303
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  25  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum