Wie war die Frau des Mittelalters? Ähnelte sie Eva oder Maria – der Verführerin oder der Heiligen? War sie eine rechtlose Ehefrau oder gar das zurückgezogene Burgfräulein, dessen romantisiertes Bild uns heute noch vor Augen steht? Ob in der mittelalterlichen Literatur oder der Gesellschaft, die Rolle der Frau bleibt verschwommen, mehrdeutig und vor allem von männlichen Autoren der Zeit geprägt.
Dieser Band beleuchtet die Rolle der Frau im mittelalterlichen Alltag ebenso wie ihre Darstellung in der vorherrschenden Literatur und gibt Auskunft über ihre rechtlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Pflichten und Privilegien.
Aus dem Inhalt:
Liebe und Ehe
Erziehung und Arbeit in der mittelalterlichen Stadt
Frauen als Autorinnen
Inhaltsverzeichnis
Christina Gieseler: Erziehung, Ausbildung und Arbeit von Mädchen und Frauen in den Städten des Hoch- und Spätmittelalters. Frauen aus Handwerk und Unterschicht
Einleitung
Allgemeine und konkrete Erziehungsziele in der Zeit des Hoch- und Spätmittelalters
Bildungsstand und -möglichkeiten für Frauen in Handwerkerkreisen und Unterschicht
Mädchenerziehung und Frauenbildung in der mittelalterlichen Stadt – Arbeit im weiblichen Lebenslauf
Schluss
Anna Dück: Liebe und Ehe im Mittelalter. Rechte, Riten und Realität
Einleitung
Eheschließung und Eheform
Eheleben
Die Kirche und die Ehe
Liebe und Ehe
Schluss
Marion Luger: „Stadt der Frauen“ – Frauen der Stadt. Christine de Pizans „Buch von der Stadt der Frauen“ und die Lebenswirklichkeit von Stadtbewohnerinnen im Spätmittelalter
Einleitung
Christine de Pizan: Das Buch von der Stadt der Frauen
Das Frauenbild
Ehe
Die Rechtsstellung der Stadbewohnerinnen
Erziehung und Bildung
Frauen im Erwerbsleben
Zusammenfassung
Dr. Elena Tresnak: Die Darstellung der Kriemhild-Figur im ‚Nibelungenlied‘: Entwicklungsprozess oder Rollenwechsel von der ‚höfischen Dame‘ zur ‚entmenschlichten Rächerin‘?
Einleitung
Die Darstellung der Kriemhild-Figur im ‚Nibelungenlied‘: Kriemhild im ersten Teil
Kriemhild im zweiten Teil
Schluss
Claudine Massard: Die Rolle der Frau in der Literatur des Mittelalters am Beispiel von Enite, der „surziere Cundry“ und Brunhild
Vorwort
Enite
Die „surziere Cundry“
Brunhild
Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die vielfältigen Facetten weiblicher Lebenswirklichkeit im Mittelalter, wobei der Fokus auf den Bereichen Erziehung, Ehe, Recht, Erwerbsleben und literarischer Rollendarstellung liegt. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen kirchlichen Normen, gesellschaftlichen Idealen und der tatsächlichen, oftmals prekären Lebenssituation von Frauen im Hoch- und Spätmittelalter aufzuzeigen.
- Erziehungsziele und Bildungsmöglichkeiten für Mädchen
- Liebe, Eheschließung und rechtlicher Status in der Ehe
- Erwerbstätigkeit und wirtschaftliche Handlungsspielräume in Städten
- Die Konstruktion weiblicher Identität und die Entwicklung literarischer Frauenfiguren
- Einfluss der Kirche und patriarchaler Strukturen auf das Frauenbild
Auszug aus dem Buch
Die „rechte Ehe“
Eigentlich hätte es für die Kirche nahe gelegen, die Friedelehe, die die Zustimmung der Frau zu der Eheschließung forderte, zum allein legitimen Ehetyp zu erheben, doch es liegt an der christlichen Eheauffassung, dass sie dies nicht tat. Die Friedelehe wurde vielmehr zu Konkubinat und Unzucht abgewertet, denn sie begünstigte die Polygamie und war leicht aufzulösen. Nach Meyer war es auch die Gleichstellung von Mann und Frau in der Friedelehe, die den Aussagen der Bibel nach der Auffassung jener Zeit widersprach.166
Im Verlauf des 9. Jahrhunderts wurde die Muntehe zur allein gültigen Eheform erhoben. Alle Beziehungen außerhalb der Muntehe wurden als Konkubinat bezeichnet.167 Die Muntehe wurde die einzig „rechte Ehe“. Hieraus lässt sich auch der Wert erklären, den kirchliche Rechtsquellen auf die Einhaltung der bei der Muntehe üblichen Vorgänge, wie Verlobung und Trauung, legen.168
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Es werden die Forschungsfragen zur Mädchenerziehung, Bildung und Arbeitswelt im Hoch- und Spätmittelalter definiert und der Fokus auf die Handwerkerschicht gelegt.
Allgemeine und konkrete Erziehungsziele in der Zeit des Hoch- und Spätmittelalters: Die Erziehung war primär religiös geprägt und zielte auf die Vorbereitung der Mädchen auf die Rolle als Hausfrau und Mutter ab.
Bildungsstand und -möglichkeiten für Frauen in Handwerkerkreisen und Unterschicht: Es wird die Entwicklung von städtischen Lese- und Schreibschulen sowie die Rolle privater Bildung für Mädchen beleuchtet.
Mädchenerziehung und Frauenbildung in der mittelalterlichen Stadt – Arbeit im weiblichen Lebenslauf: Dieser Abschnitt beschreibt die frühe Integration von Mädchen in Arbeitsprozesse und die Ausbildung im elterlichen Handwerk.
Schlüsselwörter
Mittelalter, Frauenarbeit, Mädchenerziehung, Eheschließung, Handwerk, städtische Gesellschaft, Bildungsgeschichte, Rolle der Frau, Patriarchat, Ehehindernisse, Geschlechterrollen, Wirtschaftsgeschichte, Rechtstellung, Konkubinat, Frauenzünfte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Publikation grundsätzlich?
Die Publikation befasst sich mit der Lebenswelt von Mädchen und Frauen im mittelalterlichen Europa, insbesondere in städtischen Kontexten, und analysiert ihre Bildungs-, Erwerbs- und Ehechancen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Ausbildung in verschiedenen Schichten, der rechtliche Status in der Ehe, die Rolle von Frauen im städtischen Wirtschaftsleben sowie deren Darstellung in der Literatur.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist die historische Rekonstruktion und Analyse der Erziehungsziele, der wirtschaftlichen Partizipation und der rechtlichen Bedingungen für Frauen im Hoch- und Spätmittelalter unter Berücksichtigung kirchlicher und gesellschaftlicher Normen.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zur Anwendung?
Es handelt sich um historische Analysen, die auf einer umfassenden Auswertung zeitgenössischer Quellen und Fachliteratur basieren, um die Lebenswirklichkeit der Frauen zu differenzieren.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte bilden den Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Erziehung und Arbeit, die Analyse rechtlicher Aspekte von Ehe und Eheschließung sowie die Betrachtung literarischer Frauenfiguren.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe sind Mittelalter, Frauenarbeit, städtische Gesellschaft, Geschlechterrollen und die rechtliche sowie soziale Stellung der Frau.
Welche Rolle spielt die Kirche bei der Eheschließung?
Die Kirche übte zunehmend Einfluss auf das Eheschließungsrecht aus, forderte den Ehekonsens und legte Wert auf die Unauflöslichkeit der Ehe, auch wenn die Durchsetzung in der Praxis oft langwierig war.
Wird das Frauenbild im Nibelungenlied besonders hervorgehoben?
Ja, eine der Studien im Sammelband analysiert spezifisch die Figur der Kriemhild und ihren Wandlungsprozess von der höfischen Dame zur entmenschlichten Rächerin.
- Quote paper
- Christina Gieseler (Author), Anna Dück (Author), Elena Tresnak (Author), Marion Luger (Author), Claudine Massard (Author), 2014, Verführerin oder Heilige? Die Frau in Gesellschaft und Literatur des Mittelalters, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270134