Zunächst möchte ich in dieser Arbeit die historischen Hintergründe des Phänomens „russlanddeutsch“ erläutern und beschreiben, wie es dazu kam, dass Menschen aus dem deutschsprachigen Raum in unbewohnte Gebiete Russlands umsiedelten, um sich dort ein neues Leben aufzubauen. Weiterhin werde ich die sprachlich-kulturelle Entwicklung der Russlanddeutschen - insbesondere in ihren Hindernissen - beleuchten sowie Besonderheiten in soziolinguistischen Prozessen herausstellen. Dabei wird unter Berücksichtigung relevanter Kategorien zu analysieren sein, welche Faktoren sich günstig, welche sich wiederum hinderlich auf den Erhalt der deutschen Sprache und Kultur der Russen deutscher Abstammung auswirkten und auswirken. In einem sich daran anschließenden Fazit gehe ich auf aktuelle politische Situationen und Bemühungen der Russlanddeutschen um Autonomie ein und beziehe persönlich Stellung darauf.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Zielsetzung
2. Die Historie
2.1. Zur Initiative der russischen Zarin
2.2. Weiterer Verlauf und sprachliche Situation
3. Die Gegenwart - Demographie und Politik
4. Soziolinguistische Betrachtungen
4.1. Sprache und Identität
4.2. Bedingungen des Spracherhaltes – ein Rückblick
4.3. Sprachloyalität
5. Spracherhalt und Sprachverlust
6. Ausblicke und Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die gegenwärtige soziolinguistische Situation der Russlanddeutschen, wobei der Schwerpunkt auf den Faktoren liegt, die den Erhalt oder Verlust der deutschen Sprache und Kultur in einem russisch geprägten Umfeld beeinflussen.
- Historische Migrationsbewegungen und Besiedlungspolitik
- Soziolinguistische Prozesse und Dialektmischungen
- Demographische Veränderungen und politischer Einfluss
- Identitätsbildung zwischen Tradition und Assimilation
- Perspektiven für den Spracherhalt und Autonomiebestrebungen
Auszug aus dem Buch
2.1. Zur Initiative der russischen Zarin
In diesem Kapitel möchte ich der Frage nachgehen, wie es in der Geschichte dazu kam, dass sich sehr viele Menschen aus dem deutschsprachigen Raum in die Gebiete des Zarenreiches Russland aufmachten, weshalb sie ihre angestammte Heimat verließen, um in ihnen unbekanntem Terrain ein neues Leben aufzubauen. In Beantwortung dieser Frage müssen wir gedanklich ca. 250 Jahre zurückgehen: in die Zeit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, die Zeit des alten Goethe und des großen Schiller, in jene Epoche des Aufstieges und des Falls Napoleons Bonaparte und der Französischen Revolution. Es herrschten im zersplitterten deutschen Raum absolutistische Verhältnisse. Der Keim nationalstaatlicher Bewegungen mit großem Expansionsdrang brachte nicht selten Kriege mit sich, in deren Folge Land- sowie Stadtbevölkerung Zerstörung und Hungersnöte erleben mussten.
Zum Ende des Siebenjährigen Krieges, der für Preußen keine Gebietserweiterung brachte, lud Russlands Zarin Katharina II. (1762-1796), Tochter des Fürsten Christian-August von Anhalt-Zerbst, in einem Manifest Kolonisten aus Mittel- und Südosteuropa, u.a. Deutsche, dazu ein, in die russischen Gebiete hauptsächlich an der Wolga und auf bzw. an der Krim zu migrieren. Diese Einladung geschah vor dem politischen Hintergrund, Russland in den europäischen Raum zu integrieren und es zur europäischen Großmacht aufsteigen zu lassen. Deutsche Bauern sollten dazu beim Aufbau der russischen Infrastruktur helfen und unbesiedelte Gebiete nutzbar machen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Zielsetzung: Einführung in die Thematik der Russlanddeutschen und Darstellung der persönlichen Motivation sowie der methodischen Herangehensweise des Autors.
2. Die Historie: Analyse der Ursachen für die Auswanderung deutscher Siedler nach Russland im 18. Jahrhundert unter Katharina II. sowie deren erste Jahre in den neuen Siedlungsgebieten.
3. Die Gegenwart - Demographie und Politik: Untersuchung der aktuellen demographischen Lage und der politischen Umbrüche, die die Identität und Sprache der Russlanddeutschen maßgeblich beeinflussen.
4. Soziolinguistische Betrachtungen: Erläuterung der engen Verbindung zwischen Sprache und Identität sowie der Bedingungen und Konflikte, die das tägliche Sprachverhalten prägen.
5. Spracherhalt und Sprachverlust: Darstellung der Faktoren, die zum Verlust der deutschen Sprache beitragen, und Analyse der Auswirkungen von Deportationen, Siedlungsstrukturen und Bildungssystemen.
6. Ausblicke und Fazit: Kritische Auseinandersetzung mit der Zukunft der deutschen Sprache in Russland sowie eine persönliche Bewertung der Integrationspolitik und des Wunschs nach Autonomie.
Schlüsselwörter
Russlanddeutsche, Sprachverlust, Dialektforschung, Identität, Migration, Katharina II., Assimilation, Spracherhalt, Soziolinguistik, Wolgarepublik, Minderheitenpolitik, kulturelle Tradierung, Mehrsprachigkeit, Diglossie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der historischen Entwicklung und der heutigen soziolinguistischen Situation russischer Bürger deutscher Nationalität, insbesondere dem Wandel ihres Sprachverhaltens.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf den historischen Ursachen der Migration, den Prozessen des Spracherhalts unter politischen Repressionen und den soziolinguistischen Bedingungen der ethnischen Identitätsbildung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Faktoren zu analysieren, die sich auf den Erhalt der deutschen Sprache und Kultur bei den Russlanddeutschen günstig oder hinderlich ausgewirkt haben.
Welche methodische Herangehensweise wird verfolgt?
Es handelt sich um eine auf historischer und linguistischer Literatur basierende Arbeit, die den Prozess des Sprachwandels und der Dialektmischung anhand von Fachstudien und Quellen belegt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Entstehung, die Auswirkungen demographischer und politischer Veränderungen sowie eine tiefgehende Betrachtung der soziolinguistischen Bedingungen wie Identität, Sprachloyalität und die Folgen von Unterdrückung.
Welche Schlüsselbegriffe sind für die Arbeit entscheidend?
Kritische Begriffe sind unter anderem Russlanddeutsche, Sprachverlust, Assimilation, Identität und Sprachinseln.
Welche Rolle spielt die Politik bei der sprachlichen Assimilation?
Politische Maßnahmen, wie das Verbot des Deutschunterrichts in der Sowjetära oder der Verzicht auf die Wiederherstellung einer Autonomie, haben den Sprachverlust stark vorangetrieben und die russische Sprache als dominantes Kommunikationsmittel festgeschrieben.
Wie bewertet der Autor die Zukunft der deutschen Kultur in Russland?
Der Autor ist pessimistisch und geht davon aus, dass die deutsche Sprache zugunsten des Russischen langfristig zurückgedrängt wird, fordert jedoch mehr Respekt für die kulturelle Leistung der Russlanddeutschen.
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- Dennis Hippler (Author), 2003, Zu Fragen des Sprachverhaltens russischer Bürger deutscher Nationalität. Eine historische Entwicklung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26670