So vielfältige Arten von Kinderliteratur es auch geben mag - Texte für Vorschüler, Erstleser, ältere Grundschüler, Phantasieerzählungen, Krimis, ... - eines ist allen gemeinsam: „Die inhaltliche und sprachliche Ausrichtung auf den jungen Adressatenkreis“. 1 Demzufolge wiesen Kinderbücher stets eine leicht zu erfassende Sprache auf, so dass die Leser leicht an den Abenteuern der Helden teilhaben und in neue Welten eintauchen können. Aber wodurch werden diese neuen Welten geschaffen? Sicherlich durch die meist sehr anschauliche Beschreibung seitens der Autoren, aber auch durch die Namen eines Ortes, Gegenstandes oder einer Person kann schon viel über deren Lokalisierung, Aussehen oder Eigentümlichkeiten aussagen.
Welche in der Kinderliteratur relativ häufig verwendeten Möglichkeiten es gibt, Propria zu erschaffen und welche Wirkung mit diesen Namensgebungsverfahren erzielt werden sollen, wird im Folgenden so weit möglich an Michael Endes „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ (im weitern Verlauf nur kurz „Jim Knopf“ genannt) dargelegt werden.
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitende Gedanken
I. Theorie des Eigennamens: Der Name als sprachliches Zeichen
1. Sprachtheoretische Voraussetzungen
1.1. Universalität
1.2. Historische Bestimmtheit
1.3. Individualität
2. Name und Bezeichnung: die universelle Ebene
3. Name und Bedeutung: die universelle Ebene
4. Funktionen des Namens im Text
II. Eigennamen in der Kinderliteratur
1. Materielle Verfahren
1.1. Orthographische Verfahren
1.2. Phonetisch motivierte Verfahren
2. Inhaltliche Verfahren
2.1. Der redende Name
2.1. Traditionen und Evokationen
2.3. Name und Referenz
III. Sprachwissenschaftliche Untersuchung der Eigennamen in Michael Endes „Jim Knopf“
1. Komposita
2. Wortgruppenlexembildung
3. Kunstwortbildung/Okkasionalismen
4. Präfixoidbildung
5. Zusammenrückung
6. „Gewöhnliche“ Eigennamen
7. Zusammenfassung der Ergebnisse
IV. Abschließende Gedanken
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die vielfältigen Verfahren zur Bildung von Eigennamen in der Kinderliteratur, wobei der Fokus auf deren Funktion für den Aufbau von Phantasiewelten und die Charakterisierung von Figuren liegt. Anhand von Michael Endes „Jim Knopf“ wird analysiert, wie sprachwissenschaftliche Methoden zur Namensgebung eingesetzt werden, um jungen Lesern den Zugang zu fiktiven Orten und Identitäten zu erleichtern.
- Theoretische Grundlagen des Eigennamens als sprachliches Zeichen auf verschiedenen Ebenen.
- Analyse materieller und inhaltlicher Verfahren zur Namensbildung in der Kinderliteratur.
- Sprachwissenschaftliche Untersuchung der Eigennamen in „Jim Knopf“ (Komposita, Wortgruppen, Kunstwörter).
- Die Funktion von Namensgebungen zur Steuerung von Vorstellungskraft und Atmosphäre.
Auszug aus dem Buch
1. Komposita
Die Gruppe der Komposita hat mit 28 Neubildungen den größten Anteil an der Bildung von Eigennamen in „Jim Knopf“. Eine relative Einheitlichkeit besteht innerhalb der Komposita insofern, als dass 26 dieser Bildungen 2 - gliedrig sind (z.B. „Drachengurgel“ [S. 201]) und nur 2 der Zusammensetzungen 3 Glieder aufweisen („Froschlaichpudding“ [S.52], „Baumrindenpüree“ [S.52]).
Innerhalb der Gruppe der Komposita kann man jedoch dahingehend differenzieren, als dass zwischen den Determinativ- und Reduplikativkomposita unterscheiden kann. Während die Reduplikativkomposita mit den Propria „Ping Pong“ und „Tur Tur“ (S.131) nur selten auftreten, werden die Determinativkomposita sehr häufig zur Bildung von Eigennamen herangezogen. So wird etwa das Land, in dem Kinder von Drachen gefangen gehalten werden als „Kummerland“ bezeichnet. Häufig wird diese Art der Komposition auch zur Benennung von Speisen in fremden Ländern gewählt: „Baumrindenpüree“, „Schneckenschleim“ (S.52), „Froschlaichpudding“ oder „Eidechsenmilch“ (S.56).
Hier wird ersichtlich, dass bei den in „Jim Knopf“ gestalteten Komposita, die meist Speisen (20), aber auch Personen (4; z.B. „Frau Mahlzahn“) und Orte (3; z.B. „Kummerland“) bezeichnen, meist zwei Teile miteinander verbunden werden, die dem Leser bekannt sind, sich in der „realen“ Welt aber ausschließen (z.B. „Ameisenklößchen“ [S.52]). Somit wird hierdurch zum Einen die Phantasie der Kinder angeregt, da sie die zwar bekannten, aber sich eigentlich nicht verbinden lassenden Einzelteile der Komposita miteinander in Zusammenhang bringen müssen. Zum Anderen wird den Kindern durch diese außergewöhnlichen Namen bewusst, dass sie sich in einer vollkommen anderen und neuartigen Welt befinden, die sie durch ihre Phantasie mit Hilfe der Propria ausgestalten können.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitende Gedanken: Die Einleitung verdeutlicht die Relevanz der kindgerechten Sprache in der Kinderliteratur und führt in die Fragestellung ein, wie Eigennamen zur Gestaltung neuer Welten beitragen.
I. Theorie des Eigennamens: Der Name als sprachliches Zeichen: Dieses Kapitel erläutert die drei sprachtheoretischen Ebenen – Universalität, historische Bestimmtheit und Individualität – und deren Bedeutung für die Funktion von Namen.
II. Eigennamen in der Kinderliteratur: Hier werden systematisch verschiedene materielle (z.B. lautliche, graphische) und inhaltliche Verfahren zur Bildung von Eigennamen in der Kinderbuchliteratur vorgestellt.
III. Sprachwissenschaftliche Untersuchung der Eigennamen in Michael Endes „Jim Knopf“: Dieser Hauptteil analysiert das Korpus an Eigennamen aus „Jim Knopf“ anhand von Wortbildungsmustern wie Komposita, Wortgruppen und Kunstwortbildungen.
IV. Abschließende Gedanken: Das Fazit fasst zusammen, dass die Wahl von Eigennamen maßgeblich von der Erzählsituation abhängt und entscheidend dazu dient, den Leser in fremde Phantasiewelten zu entführen.
Schlüsselwörter
Eigennamen, Kinderliteratur, Sprachwissenschaft, Jim Knopf, Komposita, Wortgruppen, Namensbildung, Phantasiewelten, Redende Namen, Onomatopoiesis, Alliteration, Propria, Sprachspiele, Semantik, Literaturanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie Eigennamen in der Kinderliteratur gebildet werden und welche sprachlichen sowie inhaltlichen Funktionen sie erfüllen, um junge Leser anzusprechen und Welten zu gestalten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Theorie des Eigennamens, verschiedene Namensgebungsverfahren (materielle und inhaltliche Ansätze) sowie deren Anwendung in der Praxis.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Autoren durch spezifische Bildungsverfahren von Propria zur Charakterisierung von Figuren, Orten und zur Schaffung einer phantasievollen Atmosphäre beitragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine sprachwissenschaftliche Korpusanalyse, bei der die Eigennamen aus Michael Endes „Jim Knopf“ kategorisiert und hinsichtlich ihrer Wortbildungsmuster untersucht werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in Namensgebungsverfahren und die detaillierte empirische Untersuchung der Bildungsformen in „Jim Knopf“, wie etwa Komposita oder Wortgruppenlexembildungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Eigennamen, Kinderliteratur, Sprachwissenschaft, Wortbildungsmuster und Phantasiewelten charakterisieren.
Warum spielt die Untersuchung von Komposita bei „Jim Knopf“ eine so große Rolle?
Da Komposita mit 28 Neubildungen den größten Anteil an den untersuchten Eigennamen in „Jim Knopf“ ausmachen, bilden sie den zentralen Aspekt der sprachwissenschaftlichen Analyse.
Was unterscheidet „gewöhnliche“ Namen von „redenden“ Namen im Kontext dieser Arbeit?
Redende Namen vermitteln direkt Eigenschaften oder Merkmale eines Namensträgers, während „gewöhnliche“ Namen eher der alltäglichen Identifikation dienen und in „Jim Knopf“ eine untergeordnete Rolle spielen.
- Arbeit zitieren
- Kathrin Brandl (Autor:in), 2003, Vorstellung verschiedener Verfahren zur Bildung von Eigennamen in Kinderbüchern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/24429