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Das Scheitern der Avantgarde? - Ein Gegenbeweis anhand der Untersuchung der Theorien des Dada Zürich

Title: Das Scheitern der Avantgarde? - Ein Gegenbeweis anhand der Untersuchung der Theorien des Dada Zürich

Term Paper (Advanced seminar) , 1996 , 28 Pages , Grade: 1,2

Autor:in: Alexandra Meier (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Im herrschenden Jahrtausendwendetaumel haben "Seher", die vom nahen Ende sprechen - so will es scheinen - Hochkonjunktur. Nostradamus ist über einen Bücherverbund dem normalen Menschen zugänglich, beinahe auf jeder Stehparty fällt der Name "Spengler", die "Kirche Jesu Christi der heiligen der letzten (!) Tage" rechnet wieder etc.etc. Da sollte es nicht verwundern, daß auch Philosophen und Denker in dieses Lament mit einstimmen. Das Ende der Kunst (welches zu Vasaris Zeit zum ersten Mal aufgetreten ist, dann seinen Weg über Hegel in unsere Zeit genommen hat) scheint manifest! Noch vor kurzem war alles möglich, die Dekadenz nahm überhand - und jetzt haben wir's. Gehen wir weiter und glauben Peter Bürgers Theorie der Avantgarde, so könnte man annehmen, daß wir seit dem Scheitern der Avantgarde in und mit diesem Ende leben.

1.1. Das Scheitern der Avantgarde

Obwohl von vielen aufgrund seiner "unorthodoxen" Forschungsmethoden bemängelt, verwundert es doch, wie selbstverständlich Bürgers Hauptpostulat vom Scheitern der Avantgarde in den Sprach- und Denkgebrauch eingegangen ist. Man widerlegt in der Hauptsache seine Beweisführung, macht deutlich, wie willkürlich er diese Beweise oft heranführte - doch, so scheint es, akzeptiert jeder das Urteil. Erst in der letzten Zeit, begründet durch das "anything goes" und damit der Leichtigkeit der Postmoderne, der immer größer werdenden Unerklärbarkeit der Kunstwerke, dem Fehlen von Regeln, bricht diese Kruste langsam auf, und die Kunsttheorie beginnt sich die Frage zu stellen, ob sie es nicht vielleicht ist, die am Ende ist. Noch in den "Antworten an Peter Bürger" finden wir den Text eines Philosophen, der den Blick der bisherigen Kunsttheorie auf etwas anderes lenkt. Dolf Oehler nä mlich greift ein Postulat der Dadaisten (in diesem Falle Duchamps) auf: Die absolute Anarchie, die daraus entsteht, daß jeder einzelne es lernen muß, sich seine eigenen Sinn- und Wertezusammenhänge zu stiften. Es ist bereits klar, daß Begriffe wie Anarchie, Wert und Sinn in einer üblichen Theorie-Diskussion nichts zu suchen haben. Und ich möchte darauf auch nicht weiter insistieren, vor allem, weil ich später darauf zurückkommen werde. Wichtig an Oehlers Text ist bis hierher nur,
daß er bereits den Sinn im Unsinn sehen half, die Betrachtungsweise in eine neue Richtung lenkte.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Das Scheitern der Avantgarde

1.2. "But if you look too rationally for a meaning, you might lose it altogether."

2. Der Züricher Dadaismus

2.1. Der Verlust des Wortes – z.B. Hugo Ball

2.2. Die Suche nach der reinen Form – z.B. Arp und Richter

3. Hauptwerkzeuge des Dadaismus

3.1. Dada – Kunst UND Antikunst

3.2. Der Zufall

3.3. Die Zeitwahrnehmung

3.4. Das Primitive

4. Die Suche nach der vierten Dimension oder

4.1. Zusammenfassung

4.2. "Je n'ai parlé que d'une position insoutenable" oder Magie

5. Und heute? Ist die Postmoderne auf der Suche nach dem Magischen?

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen des Züricher Dadaismus, um Peter Bürgers These vom "Scheitern der Avantgarde" zu widerlegen. Sie argumentiert, dass der Dadaismus nicht als bloße Antikunst, sondern als spirituelle Suche nach einer tieferliegenden, zeitlosen Ordnung zu verstehen ist, die den inneren Wert der Dinge in den Fokus rückt.

  • Theoretische Auseinandersetzung mit der Avantgarde-Kritik (u.a. Peter Bürger).
  • Analyse der dadaistischen Werkzeuge wie Zufall, Simultaneität und Antikunst als Mittel zur transzendenten Erkenntnis.
  • Untersuchung der Rolle der Magie und der Zeitwahrnehmung bei Künstlern wie Hugo Ball, Hans Richter und Arp.
  • Vergleich der dadaistischen Lebenspraxis mit Ansätzen in der Kunst und Philosophie der Postmoderne.
  • Hinterfragung der Linearität und der Rolle des Künstlers als spiritueller Vermittler.

Auszug aus dem Buch

Die Suche nach der reinen Form – z.B. Arp und Richter

Arp und Richter, die beide vom Kubismus kamen und von seinem "Mut zur Fragmentierung" beeindruckt waren, strebten ebenso wie Ball, nur in einem anderen Medium, das "inkorupte Bild" an. Arp, vom Dada-Gott reich beschenkt, versuchte sich dem von Ball bezeichneten Urgrund vermittels der Erkenntnis dessen Konstitution zu nähern und konzentrierte sich dabei auf die abstrakte Kunst.

"Was Arp wirklich suchte, war das Absolute, die Wahrheit, die sich in den Dingen des uns umgebenden Daseins nicht offenbart, waren Formen, die unter der Oberfläche liegen, konzentrierte Wahrheiten, die man aus dem Leben herausarbeiten muß, durch ein Zusammensein mit der schöpferischen Irrationalität."

Der weniger reich beschenkte Richter, der sich die Gesetze der anderen Welt erst erarbeiten mußte, zeichnet eine viel deutlichere Entwicklung des Weges zu dem Ort hin. Über seine Beschäftigung mit der Urform, der Manifestation des Rhythmuses zuerst in den Rollenbildern und später im Film, fand er schließlich ebenfalls zurück an einen zeitlosen Ort der Einheit.

"To integrate the geometrical with the amorphous, the inorganic with the organic, consciousness with intuition, to express that creatively is an act of new birth, is the way to Oneness we all need. And to express that subtly, intensely and elegantly one must not only want to do it one must want to be it. The road to disslution, into a hopeless nihil, is the feminine way of men, an escape into the collectivization in which the responisibility of the individual ends."

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung hinterfragt Peter Bürgers These vom Scheitern der Avantgarde und führt in das Ziel der Arbeit ein, Dada als eine auf spirituelle Ganzheit ausgerichtete Bewegung neu zu bewerten.

2. Der Züricher Dadaismus: Dieses Kapitel erläutert die Ursprünge des Züricher Dadaismus als revolutionäre Bewegung, die sich von den gängigen Wertvorstellungen und der Logik befreien wollte, um zu einer ursprünglichen, ordnenden Kunstform zu gelangen.

3. Hauptwerkzeuge des Dadaismus: Hier werden die zentralen Mittel der Dadaisten – Kunst und Antikunst, Zufall, Zeitwahrnehmung und das Primitive – im Kontext ihrer Suche nach einer tieferen, magischen Wahrheit analysiert.

4. Die Suche nach der vierten Dimension oder: Dieses Kapitel fasst die dadaistische Suche nach einer höheren Dimension zusammen, in der die Trennung von Intuition, Denken und Sein aufgehoben wird, um den "inneren Wert" der Dinge freizulegen.

5. Und heute? Ist die Postmoderne auf der Suche nach dem Magischen?: Der Schlussteil überträgt die dadaistische Philosophie auf die Gegenwart und reflektiert, inwiefern die Postmoderne – trotz ihres "Anything goes" – eine Rückbesinnung auf spirituelle Werte und eine "echte Erfahrung" vollzieht.

Schlüsselwörter

Dadaismus, Avantgarde, Peter Bürger, Kunsttheorie, Spiritualität, Magie, Zufall, Zeitwahrnehmung, Hugo Ball, Hans Richter, Arp, Urgrund, Transzendenz, Postmoderne, Sinnstiftung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den Züricher Dadaismus nicht als gescheiterte Bewegung, sondern als eine tiefgreifende spirituelle Praxis, die versuchte, die als entleert empfundenen Werte der modernen Welt durch eine neue, "magische" Ordnung zu ersetzen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Kunst zu Spiritualität, die Kritik an linearer Zeitwahrnehmung, der Dadaismus als bewusste Lebenspraxis und die Frage nach dem inneren Wert von Kunstwerken im Vergleich zu konventionellen Interpretationen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, Bürgers verbreitete These vom "Scheitern der Avantgarde" zu widerlegen, indem nachgewiesen wird, dass der Dadaismus erfolgreich einen Weg zu einer zeitlosen, transzendenten Ebene gefunden hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine kunsttheoretische Analyse, die durch philosophische Bezüge (z.B. zu Arthur C. Danto) und eine tiefgehende Untersuchung primärer Quellen und Manifeste der Dadaisten (Ball, Richter, Arp) fundiert wird.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die "Werkzeuge" des Dadaismus wie den Zufall, die Ablehnung des Wortes zugunsten des "magischen" Ausdrucks und die Überbrückung der dreidimensionalen Wahrnehmung hin zu einer vierten Dimension.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Dadaismus, Avantgarde, Magie, Spiritualität, Urgrund, Transzendenz und der Kampf gegen die Dominanz der bloßen Logik.

Wie interpretieren die Dadaisten den Begriff "Zufall"?

Für die Dadaisten war der Zufall kein reines Chaos, sondern ein Werkzeug, um die konventionelle Kausalität aufzubrechen und eine höhere, "magische" Gesetzmäßigkeit zu offenbaren, die jenseits unseres linearen Verständnisses liegt.

Welche besondere Bedeutung kommt dem Lautgedicht bei Hugo Ball zu?

Das Lautgedicht dient bei Ball als Ausdruck der Befreiung von der durch den Journalismus "abgenutzten" Sprache; es zielt darauf ab, zum "innersten Kern" des Seins zurückzukehren und die magische Macht des Wortes wiederzugewinnen.

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Details

Title
Das Scheitern der Avantgarde? - Ein Gegenbeweis anhand der Untersuchung der Theorien des Dada Zürich
College
Friedrich-Alexander University Erlangen-Nuremberg  (Germanistik)
Course
Masse Mensch, HS
Grade
1,2
Author
Alexandra Meier (Author)
Publication Year
1996
Pages
28
Catalog Number
V22997
ISBN (eBook)
9783638262071
Language
German
Tags
Scheitern Avantgarde Gegenbeweis Untersuchung Theorien Dada Zürich Masse Mensch
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Alexandra Meier (Author), 1996, Das Scheitern der Avantgarde? - Ein Gegenbeweis anhand der Untersuchung der Theorien des Dada Zürich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22997
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