Nur Insider scheinen ihn zu kennen. Medienschaffenden ist er geläufig, vielen
anderen hingegen nicht. Die Rede ist vom Deutschen Presserat. Seine Geschichte ist
wechselvoll, seine Arbeit umstritten, seine Wirkung zweifelhaft. In Verbindung
wird er meist nur mit dem Aussprechen von Rügen gebracht. Doch er wurde
vornehmlich zu dem Zweck gegründet, die Pressefreiheit zu wahren und das in
Artikel 5 des Grundgesetzes festgeschriebene Zensurverbot mittels Selbstkontrolle
in geregelte Bahnen zu lenken.
Die vorliegende Hausarbeit will untersuchen, ob der Presserat in seiner jetzigen
Form seinen Selbstansprüchen gerecht und als Selbstkontrollorgan von den von ihm
vertretenen Medien wahrgenommen und respektiert wird. Einleitend wird der
Begriff Ethik definiert und anschließend auf das Spektrum Medienethik eingegrenzt.
Schließlich resultiert die überwiegende Arbeit des Presserats meist aus Verletzung
journalistischer Sorgfaltspflicht und damit Verletzung ethischer Normen.
Im weiteren Verlauf wird auf die Geschichte, Organisation und Ziele des Presserats
eingegangen. Es folgt eine Auseinandersetzung mit dem Pressekodex, den der
Presserat erarbeitet hat und der den Journalisten und Verlegern heute als
berufsethische Grundlage dient. Danach wird die Wirkungsweise des Presserats im
Hinblick auf Sanktionsmöglichkeiten dargestellt. Den Schwerpunkt bildet dabei die
öffentliche Rüge als härtestes Sanktionsmittel.
Abschließend werden Strukturprobleme des Presserats und mögliche
Lösungsansätze aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ethik
3. Medienethik
4. Der Deutsche Presserat
4.1. Geschichte
4.2. Organisation
4.3. Ziele und Aufgaben
4.4. Pressekodex
4.5. Hinweis, Missbilligung, Rüge
4.6. Aktuelle Beschwerden und Sanktionen
5. Wirkung des Presserats
5.1. Öffentliche Rüge – eine ausreichende Sanktionsform?
5.2. Zufallsprinzip
5.3. Keine Eigenrecherche
5.4. Im Griff der Trägerverbände
5.5. Öffentlichkeitsarbeit und Medienresonanz
6. Strukturprobleme und Lösungsansätze
7. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob der Deutsche Presserat in seiner aktuellen Ausgestaltung seinen selbst gesetzten Ansprüchen als Selbstkontrollorgan gerecht wird und von den Medien als solches respektiert wird. Dabei wird kritisch hinterfragt, ob die gewählten Sanktionsmechanismen – insbesondere die öffentliche Rüge – eine effektive Wirkung erzielen oder ob strukturelle Probleme die Arbeit des Gremiums nachhaltig einschränken.
- Grundlagen der Ethik und Medienethik im Journalismus
- Geschichte, Organisation und Aufgaben des Deutschen Presserats
- Analyse der Sanktionsmöglichkeiten und deren Wirksamkeit
- Kritische Beleuchtung von Strukturproblemen (u.a. Eigenrecherche, Lobbyismus)
- Diskussion über Lösungsansätze für eine effektive Selbstkontrolle
Auszug aus dem Buch
4.1. Geschichte
Mitte der 50er Jahre steht die Einführung eines Bundespressegesetzes zur Debatte. Um einer gesetzlichen Regulierung zuvor zu kommen, gründen am 20. November 1956 fünf Zeitungsverleger und fünf Journalisten den Deutschen Presserat. Nach dem Vorbild des britischen „Press Council“ (gegr. 1953) ist damit eine Instanz publizistischer Selbstkontrolle auf freiwilliger Basis geschaffen. „Medienselbstkontrolle bedeutet, daß die Medien ihr Handeln und dessen Folgen in eigenverantwortlicher Weise prüfen und gegebenenfalls sanktionieren.“ (Debatin, 1998, S. 123).
Schon in der Aufbauphase des Presserats sieht dieser sich mit Zensur-Vorwürfen konfrontiert, obwohl er sich den Schutz der Pressefreiheit als eines seiner Hauptziele (vgl. Kapitel 4.3.) auf die Fahnen geschrieben hat. Das vom ehemaligen „Stern“-Chefredakteur Henri Nannen angestrengte Gerichts-Verfahren gegen den Presserat wird am 17. Dezember 1959 eingestellt. Das Hanseatische Oberlandesgericht stellt klar, dass die Grundrechte der Meinungs- und Kritikfreiheit den Presserat zu seiner Tätigkeit berechtigen.
Bis Ende der 60er Jahre ist der Presserat vor allem mit der Abwehr staatlicher Eingriffe auf die Pressefreiheit beschäftigt (vgl. Bermes, 1991, S. 112). Nennenswert ist die Spiegel-Affäre 1962, bei der der Presserat die Verhaftung des Spiegel-Herausgebers Rudolf Augstein und seines stellvertretenden Chefredakteurs Conrad Ahlers verurteilt, denen publizistischer Landesverrat vorgeworfen wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Rolle des Deutschen Presserats als Selbstkontrollorgan und definiert die Zielsetzung der Hausarbeit.
2. Ethik: Dieses Kapitel erläutert den Begriff der Ethik und ordnet ihn als wissenschaftliche Kategorie für moralisch richtiges Handeln ein.
3. Medienethik: Der Fokus liegt hier auf der Existenz einer spezifischen Medienethik und der Frage, inwieweit Journalisten besonderen moralischen Anforderungen unterliegen.
4. Der Deutsche Presserat: Das Kapitel bietet einen detaillierten Überblick über die Geschichte, Organisation, Aufgaben und das Regelwerk (Pressekodex) des Gremiums.
5. Wirkung des Presserats: Hier wird die Wirksamkeit der Sanktionen sowie die Arbeitsweise des Presserats kritisch analysiert.
6. Strukturprobleme und Lösungsansätze: Es werden die internen Hürden des Presserats aufgezeigt und mögliche Wege zur Effizienzsteigerung diskutiert.
7. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Problematik zusammen, dass der Presserat trotz seiner Bedeutung oft nur eine Alibifunktion erfüllt.
Schlüsselwörter
Deutscher Presserat, Selbstkontrolle, Medienethik, Pressekodex, Pressefreiheit, Sanktionen, Öffentliche Rüge, Journalismus, Redaktionsdatenschutz, Selbstregulierung, Medienpolitik, Journalistische Sorgfaltspflicht, Beschwerdeausschuss
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Rolle und Wirksamkeit des Deutschen Presserats als Institution zur freiwilligen Selbstkontrolle der Presse in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die ethischen Grundlagen der journalistischen Arbeit, die Geschichte des Presserats, der Pressekodex sowie die Wirksamkeit der Sanktionsinstrumente.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Es soll untersucht werden, ob der Presserat seinen eigenen Anspruch als Selbstkontrollorgan erfüllt und von den Medien tatsächlich respektiert wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender medientheoretischer Werke sowie einer Untersuchung der Spruchpraxis und Organisationsstruktur des Presserats.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische und organisatorische Betrachtung, eine Analyse des Pressekodex und eine kritische Auseinandersetzung mit der Wirkung der ausgeführten Sanktionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Selbstkontrolle, Medienethik, Pressekodex, Sanktionierung und journalistische Sorgfaltspflicht.
Wie bewertet der Autor die öffentliche Rüge als Sanktionsmittel?
Der Autor kritisiert die öffentliche Rüge als häufig wirkungsloses Instrument, da sie oft nicht die notwendige Aufmerksamkeit erzielt und die sanktionierten Publikationen das Ausmaß der Rüge selbst steuern können.
Warum wird dem Presserat im Text eine "Alibifunktion" zugeschrieben?
Aufgrund mangelnder Eigenrecherche, fehlender öffentlicher Akzeptanz und interner Verbandspolitik wird das Gremium oft als "zahnloser Tiger" wahrgenommen, der strukturell daran gehindert ist, eine tiefgreifende Wirkung zu entfalten.
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- Björn Maatz (Author), 2003, Der deutsche Presserat: Relevanz der Selbstkontrolle, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17837