In der folgenden Arbeit werde ich Textauszüge aus Uwe Timms Roman „Kerbels Flucht“ und Heinrich von Kleists Novelle „Die Verlobung in St. Domingo“ in den Kategorien Zeit, Modus und Stimme analysieren. Grundlage für diese Analyse werden Matias Martinez' und Michael Scheffels theoretische Überlegungen zur literarischen Erzählung sein, die sie in ihrem Buch Einführung in die Erzähltheorie“ veröffentlicht haben. Abschließend werden diese beiden Textausschnitte noch einem kurzen Vergleich in formaler sowie erzähltheoretischer Hinsicht unterzogen. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Analyse des Romans „Kerbels Flucht“ von Uwe Timm
2.1 Zeit
2.1.1 Erzählzeit und erzählte Zeit
2.1.2 Ordnung
2.1.3 Dauer
2.1.4 Frequenz
2.2 Modus
2.2.1 Distanz
2.2.2 Fokalisierung
2.3 Stimme
2.3.1 Zeitpunkt des Erzählens
2.3.2 Ort des Erzählens
2.3.3 Stellung des Erzählers zum Geschehen
2.3.4 Subjekt und Adressat des Erzählens
3. Analyse der Novelle „Die Verlobung in St. Domingo“ von Heinrich von Kleist
3.1 Zeit
3.1.1 Erzählzeit und erzählte Zeit
3.1.2 Ordnung
3.1.3 Dauer
3.1.4 Frequenz
3.2 Modus
3.2.1 Distanz
3.2.2 Fokalisierung
3.3 Stimme
3.3.1 Zeitpunkt des Erzählens
3.3.2 Ort des Erzählens
3.3.3 Stellung des Erzählers zum Geschehen
3.3.4 Subjekt und Adressat des Erzählens
4. „Kerbels Flucht“ und „Die Verlobung in St. Domingo“ im kurzen Vergleich
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, ausgewählte Textabschnitte aus Uwe Timms „Kerbels Flucht“ und Heinrich von Kleists „Die Verlobung in St. Domingo“ einer detaillierten erzähltheoretischen Untersuchung zu unterziehen. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, wie sich die beiden Texte hinsichtlich der narratologischen Kategorien Zeit, Modus und Stimme unterscheiden und wie diese formalen Unterschiede die Erzählweise prägen.
- Erzähltheoretische Analyse anhand der Kategorien Zeit, Modus und Stimme.
- Theoretische Fundierung durch das Modell von Martinez und Scheffel.
- Untersuchung der formalen Unterschiede zwischen Tagebuchroman und klassischer Novelle.
- Vergleichende Analyse der Erzählsituation und Fokalisierung.
- Kontrastierung von erzählerischer Distanz und Unmittelbarkeit.
Auszug aus dem Buch
2.1.4 Frequenz
Bei nahezu dem gesamten Text handelt es sich um eine singulative Erzählung. Es wird jeweils nur einmal erzählt, was sich einmal ereignet hat.
Die einzige Ausnahme bildet die Erzählung des Passagieraufrufs im Flughafen:
Als sie in die Abflughalle kamen, wurden die Passagiere für die Maschine nach Berlin-Tegel gerade zum zweiten mal aufgerufen.15
Hierbei handelt es sich um eine iterative Erzählung, da nur einmal erzählt wird, was sich jedoch zweimal ereignet hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Analyseziele, der untersuchten Textauszüge und der theoretischen Basis durch Matias Martinez und Michael Scheffel.
2. Analyse des Romans „Kerbels Flucht“ von Uwe Timm: Detaillierte Untersuchung der zeitlichen Struktur, des Modus und der Stimme im Tagebuchroman von Uwe Timm.
3. Analyse der Novelle „Die Verlobung in St. Domingo“ von Heinrich von Kleist: Narratologische Untersuchung der Novelle hinsichtlich Zeitgestaltung, Erzählmodus und Erzählstimme.
4. „Kerbels Flucht“ und „Die Verlobung in St. Domingo“ im kurzen Vergleich: Synthese der Ergebnisse und Gegenüberstellung der formalen und erzähltheoretischen Differenzen beider Werke.
Schlüsselwörter
Erzähltheorie, Zeit, Modus, Stimme, Kerbels Flucht, Die Verlobung in St. Domingo, Analepse, Ellipse, Fokalisierung, Heterodiegetisch, Autodiegetisch, Erzählsituation, Tagebuchroman, Narratologie, Literaturwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine erzähltheoretische Untersuchung und einen Vergleich von zwei literarischen Texten: Uwe Timms Roman „Kerbels Flucht“ und Heinrich von Kleists Novelle „Die Verlobung in St. Domingo“.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die narratologischen Kategorien Zeit, Modus und Stimme, anhand derer die Texte strukturiert und analysiert werden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch Anwendung der Erzähltheorie von Martinez und Scheffel die formalen Merkmale und erzählerischen Strategien beider Texte herauszuarbeiten und direkt miteinander zu vergleichen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine formale und erzähltheoretische Analyse durchgeführt, die sich auf das theoretische Gerüst von Matias Martinez und Michael Scheffel aus deren Werk „Einführung in die Erzähltheorie“ stützt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in zwei analytische Kapitel, in denen jeweils die Zeitgestaltung (Ordnung, Dauer, Frequenz), der Modus (Distanz, Fokalisierung) und die Stimme (Erzählzeitpunkt, Ort, Erzähltyp) für beide Werke separat untersucht werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Erzähltheorie, Analepse, Fokalisierung, heterodiegetischer Erzähler, singulative vs. iterative Erzählung und Tagebuchroman.
Wie unterscheidet sich die Zeitgestaltung in den beiden Werken laut der Analyse?
Die Analyse zeigt auf, dass „Kerbels Flucht“ durch die Tagebuchform eine spezifische Chronologie mit Analepsen aufweist, während „Die Verlobung in St. Domingo“ eine eher chronologische Erzählstruktur mit gezielten Rückwendungen besitzt.
Welcher Unterschied besteht in der Erzählsituation der untersuchten Texte?
Während „Kerbels Flucht“ einen Wechsel vom heterodiegetischen zum autodiegetischen Erzähler (in der Binnenerzählung) vollzieht, bleibt „Die Verlobung in St. Domingo“ durchgehend bei einem heterodiegetischen Erzähler.
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- Katrin Reichwein (Author), 2003, Erzähltheoretische Analyse von Uwe Timms "Kerbels Flucht" und Heinrich von Kleists "Die Verlobung in St. Domingo", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15598