Die Institution Schule ist heute ein wichtiger Gegenstand öffentlicher Diskussionen und wissenschaftlicher Disziplinen. Kaum ein Gebiet des gesellschaftlichen Handelns erfährt so viel wissenschaftliche Beachtung.
Kommunikation hat einen großen Stellenwert im täglichen Leben unserer Gesellschaft. Ein großer Teil menschlicher Erfahrungen vollzieht sich verbal und somit spielt auch die institutionelle Kommunikation eine besondere Rolle in unserem Leben, da wir sie alle täglich erleben z.B. in der Schule, am Arbeitsplatz oder auch beim Gang zum Amt. In der Schule findet Wissensvermittlung primär verbal statt.
Diese Arbeit beschäftigt speziell mit der sprachlichen Kommunikation im Unterrichtsprozess und nicht mit Interaktionen, die außerhalb stattfinden (z.B. Pausengespräche), oder außersprachlichen Kommunikationsformen wie Tonhöhe, Gestik, Mimik oder Rhythmus.
Sprache soll nicht nur als einfache Sprachverwendung, sondern als sprachliches Handeln betrachtet werden.
Den theoretischen Rahmen bilden die funktionale Pragmatik, die Beiträge der Sprechakttheorie nach Austin und Searle, die Diskursanalyse und die Ausführungen von Ehlich und Rehbein. Der Aufbau der Arbeit ist Folgender:
Zuerst soll der Begriff der Schule als Institution geklärt werden und in diesem Zusammenhang ihre Funktion erläutert werden. Kapitel drei beinhaltet die verschiedenen sprachlichen Handlungsmuster und soll darstellen, wie der Lehrer im Unterricht sprachlich handelt und welche Handlungsmuster er benutzt. In Kapitel vier geht es dann um die verschiedenen Instruktionsformen, die der Lehrer zur Wissensvermittlung einsetzt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffliche Klärung
2.1 Die Schule als Institution und ihre Organisation
2.2 Funktion von Schule
3. Sprachliche Handlungsmuster
3.1 Vorüberlegungen
3.2 Das Frage – Antwort – Muster
3.3 Das Aufgabe – Lösung – Muster
4. Die verschiedenen Formen der Instruktion und ihre Vorraussetzungen
4.1 Die lehrerzentrierte Form
4.1.1 Der Lehrervortrag
4.1.2 Das Lehrgespräch
4.1.3 Die turn - Organisation
4.2 Die schülerzentrierte Form
4.2.1 Die Diskussion
4.2.2 Die Gruppenarbeit
4.2.3 Die turn – Organisation
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die zentrale Rolle der sprachlichen Kommunikation innerhalb der Institution Schule, um den Unterricht als strukturiertes, sprachlich geprägtes Geschehen zu analysieren und den Zusammenhang zwischen sprachlichem Handeln und Wissensvermittlung darzustellen.
- Institutionelle Rahmenbedingungen und Funktionen von Schule
- Sprachliche Handlungsmuster (Frage-Antwort und Aufgabe-Lösung)
- Lehrerzentrierte vs. schülerzentrierte Unterrichtsformen
- Steuerung der Interaktion durch die "turn-Organisation"
- Asymmetrische Kommunikationsverhältnisse zwischen Lehrenden und Lernenden
Auszug aus dem Buch
3.1 Vorüberlegungen
Ein Merkmal des Wissens, das in der Institution Schule weitergegeben wird, ist seine versprachlichte Form. Das heißt Schule ist auf Sprache angewiesen, um die Kommunikation zwischen Lehrenden und Lernenden zu ermöglichen und Wissen weiterzugeben. Betrachtet man den Fächerkanon, so stellt man fest, dass der Großteil aller Unterrichtsfächer auf Kommunikation bzw. Interaktion ausgerichtet ist. Mit Ausnahme von Fächern wie z.B. Kunst, Musik oder Sport kommt Sprache eine zentrale Bedeutung zu. Von jedem Schüler wird bei Schuleintritt erwartet, dass er bereits sprechen kann und auch der Berufsalltag des Lehrers gestaltet sich meist sprachlich. Ehlich/Rehbein sprechen in diesem Zusammenhang von der „kommunikativen Praxis.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der institutionellen Kommunikation in der Schule unter Einbezug der funktionalen Pragmatik und Sprechakttheorie.
2. Begriffliche Klärung: Definition der Schule als gesellschaftliche Institution und Erläuterung ihrer zentralen Funktionen wie Qualifikation, Legitimation und Selektion.
3. Sprachliche Handlungsmuster: Darstellung der Notwendigkeit von Sprache im Unterricht und Analyse spezifischer standardisierter Muster wie das Frage-Antwort- und das Aufgabe-Lösung-Muster.
4. Die verschiedenen Formen der Instruktion und ihre Vorraussetzungen: Gegenüberstellung von lehrerzentrierten (Lehrervortrag, Lehrgespräch) und schülerzentrierten (Diskussion, Gruppenarbeit) Unterrichtsformen inklusive deren turn-Organisation.
5. Zusammenfassung: Reflexion über die Bedeutung von Sprache im Schulalltag und das asymmetrische Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern im institutionellen Kontext.
Schlüsselwörter
Sprache, Schule, Institution, Kommunikation, Unterricht, Handlungsmuster, Wissensvermittlung, Instruktion, Lehrerzentrierung, Schülerzentrierung, turn-Organisation, Sprechakttheorie, funktionale Pragmatik, Diskursanalyse, Interaktion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die sprachliche Kommunikation im Unterrichtsprozess und untersucht, wie Sprache als Handeln die institutionelle Praxis in der Schule bestimmt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Schule als Institution, die Verwendung sprachlicher Handlungsmuster durch Lehrkräfte sowie die verschiedenen Formen der Unterrichtsinstruktion.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Stellenwert von Sprache im Schulalltag darzustellen und aufzuzeigen, wie Lehrer durch sprachliche Steuerung Wissensvermittlung organisieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird auf die funktionale Pragmatik, die Sprechakttheorie (Austin, Searle) sowie die Diskursanalyse nach Ehlich und Rehbein zurückgegriffen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von sprachlichen Handlungsmustern und eine detaillierte Untersuchung lehrer- und schülerzentrierter Instruktionsformen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere das sprachliche Handlungsmuster, die turn-Organisation, der Lehrervortrag, das Lehrgespräch und die institutionelle Kommunikation.
Warum spielt die "turn-Organisation" eine so wichtige Rolle im Unterricht?
Die turn-Organisation regelt, wer wann das Wort ergreift, und ist ein zentrales Instrument, mit dem der Lehrer die kommunikative Ordnung und den Ablauf des Unterrichts kontrolliert.
Welcher Unterschied besteht zwischen dem Frage-Antwort-Muster und dem Aufgabe-Lösung-Muster?
Beim Frage-Antwort-Muster geht es um den reinen Ausgleich eines Wissensdefizits, während beim Aufgabe-Lösung-Muster der Lehrer den Schüler gezielt zum eigenen Denken und aktiven Lösungsversuch auffordert.
- Arbeit zitieren
- S. C. (Autor:in), 2006, Sprache in der Institution Schule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153109