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Das Leben - ein Traum - Das Problem der Identitätsfindung in Hartmanns Iwein

Title: Das Leben - ein Traum - Das Problem der Identitätsfindung in Hartmanns Iwein

Term Paper (Advanced seminar) , 1996 , 13 Pages , Grade: 1

Autor:in: Jana Kullick (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Summary Excerpt Details

Im Zentrum dieser Interpretation soll das Problem der Identitätsfindung in Hartmanns "Iwein" stehen. Ich werde damit beginnen, die Prämissen meiner Argumentation darzustellen, um dann auf dieser Grundlage meine Sichtweise illustrieren zu können. Ich isoliere zur Umsetzung meines Anliegens einige Schwerpunkte aus dem umfangreichen Angebot möglicher Aspekte des Romans und kann somit dem Text auch nur auf dieser eingeschränkten Ebene gerecht werden. Mein besonderes Interesse gilt in dieser Arbeit dem nach meiner Meinung dualistischen Aufbau des Textes (Gesellschaftsideal vs. mythologischer Bereich), der Gegenüberstellung beider Pole und den sich aus dieser Konstellation ableitenden Konsequenzen für das Werk als solches.
Mich jâmert wærlîchen, / und hulfez iht, ich woldez clagen, / daz nû bî unseren tagen / selch vreude niemer werden mac / der man ze den ziten pflac. / doch müezen wir ouch nû genesen. / ichn wolde dô niht sîn gewesen, / daz ich nû niht enwære, / dâ uns noch mit ir mære / sô rehte wol wesen sol: dâ tâten in diu werc vil wol. (Vers 48-58)
Mit diesen sowohl klagenden als auch richtungsweisenden Worten beschließt Hartmann von Aue den Prolog zum "Iwein". Die Zeiten großer Heldentaten und deren Ideale seien vergangen; was bliebe, sei allein die Bewahrung einer Erinnerung im literarischen Text. Aus diesem programmatischen Anliegen des Autors resultiert eine Unterordnung des Romans unter funktionelle Aspekte. Ort der Wertediskussion ist das ästhetische Werk, das, auf diese Weise in die Pflicht genommen, eine über die Textebene hinausweisende Interpretation ermöglicht: Nicht das Individualschicksal der einzelnen literarischen Figuren wird in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt, sondern vielmehr deren Funktion als personifizierte Wertvorstellung; deren Rolle innerhalb der Möglichkeiten eines künstlerischen ′Programms′. Das gilt selbst dann, wenn, wie im Falle Iweins, der Protagonist am stilisierten Wertideal (vorerst) scheitert und erst im Verlaufe der Handlung (in einem Stil, der an den Typ des Bildungsromans erinnert) in die Lage versetzt wird, diesem gerecht zu werden.
Der Roman beginnt mit einer allgemeinen Sentenz, die die Kernbegriffe des Romans einführt: güete, sælde und êre. Daran schließt sich eine Erklärung an, die darauf zielt, die Erzählung über König Artus unter diese Aspekte unterzuordnen (Verse 4 ff). Die Erwähnung des Artushofes dient demnach als ein Beispiel, eine Illustration, für ein übergreifenderes Ziel. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Im Zentrum dieser Interpretation soll das Problem der Identitätsfindung in Hartmanns "Iwein" stehen.

2. Die Tendenz zur Funktionalisierung wird weiterhin deutlich, wenn Hartmanns Übertragung im Vergleich zum Chrétiens "Yvain" betrachtet wird.

3. Ein weiteres Argument, das sich anführen läßt, besteht in der expliziten Definition des âventiure-Begriffes.

4. Es spricht weiterhin für das Egalitäre als auch (programmatisch) Vorbildhafte des Artushofes.

5. Für Iweins Wahnsinn werden im wesentlichen 3 Motive in der Forschungsliteratur genannt.

6. Es spiegelt sich diese Tradition durch den Vergleich mit dem Paradies sowie der Schilderung einer arkadischen Idylle.

7. In welchem Problemfeld befindet sich Iwein nach Lunetes Schuldspruch?

8. Zu einer endgültigen Aussöhnung kann es an dieser Stelle aber nicht kommen.

9. Zur Gesellschaft zurückgeführt wird Iwein in einem allmählichen Prozeß.

10. Die jetzt erlangte Harmonie zwischen Artushof und Laudinenbereich.

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Diese Arbeit untersucht das Problem der Identitätsfindung des Protagonisten Iwein in Hartmanns von Aue Artusroman, wobei der Fokus auf dem dualistischen Spannungsfeld zwischen dem höfischen Artushof und dem mythologisch geprägten Laudinenbereich liegt. Ziel ist es, Iweins Identitätsverlust und seinen anschließenden Läuterungsprozess durch das Konzept der triuwe als zentrales, verbindendes Regelwerk zu analysieren.

  • Dualistischer Aufbau des Romans: Artushof versus mythologischer Bereich.
  • Die Rolle der zentralen Begriffe: triuwe, êre und güete.
  • Iweins Identitätsverlust und seine Flucht in den Wahnsinn.
  • Die Funktion der âventiure-Kette als Läuterungsprozess.
  • Wiedererlangung der Identität durch die Einhaltung ritterlicher Verpflichtungen.

Auszug aus dem Buch

Die Konstituierung des Selbstbildes durch das triuwe-Verhältnis

Im Zentrum dieser Interpretation soll das Problem der Identitätsfindung in Hartmanns "Iwein" stehen. Ich werde damit beginnen, die Prämissen meiner Argumentation darzustellen, um dann auf dieser Grundlage meine Sichtweise illustrieren zu können. Ich isoliere zur Umsetzung meines Anliegens einige Schwerpunkte aus dem umfangreichen Angebot möglicher Aspekte des Romans und kann somit dem Text auch nur auf dieser eingeschränkten Ebene gerecht werden. Mein besonderes Interesse gilt in dieser Arbeit dem nach meiner Meinung dualistischen Aufbau des Textes (Gesellschaftsideal vs. mythologischer Bereich), der Gegenüberstellung beider Pole und den sich aus dieser Konstellation ableitenden Konsequenzen für das Werk als solches.

Mit diesen sowohl klagenden als auch richtungsweisenden Worten beschließt Hartmann von Aue den Prolog zum "Iwein". Die Zeiten großer Heldentaten und deren Ideale seien vergangen; was bliebe, sei allein die Bewahrung einer Erinnerung im literarischen Text. Aus diesem programmatischen Anliegen des Autors resultiert eine Unterordnung des Romans unter funktionelle Aspekte. Ort der Wertediskussion ist das ästhetische Werk, das, auf diese Weise in die Pflicht genommen, eine über die Textebene hinausweisende Interpretation ermöglicht: Nicht das Individualschicksal der einzelnen literarischen Figuren wird in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt, sondern vielmehr deren Funktion als personifizierte Wertvorstellung; deren Rolle innerhalb der Möglichkeiten eines künstlerischen 'Programms'. Das gilt selbst dann, wenn, wie im Falle Iweins, der Protagonist am stilisierten Wertideal (vorerst) scheitert und erst im Verlaufe der Handlung (in einem Stil, der an den Typ des Bildungsromans erinnert) in die Lage versetzt wird, diesem gerecht zu werden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Im Zentrum dieser Interpretation soll das Problem der Identitätsfindung in Hartmanns "Iwein" stehen.: Einleitung und Definition des dualistischen Forschungsansatzes unter Berücksichtigung des Prologs.

2. Die Tendenz zur Funktionalisierung wird weiterhin deutlich, wenn Hartmanns Übertragung im Vergleich zum Chrétiens "Yvain" betrachtet wird.: Analyse der Funktionalisierung des Textes durch die Verwendung allgemeiner Figurenschemata statt individueller Charakterzeichnung.

3. Ein weiteres Argument, das sich anführen läßt, besteht in der expliziten Definition des âventiure-Begriffes.: Erläuterung der âventiure als zentrales, figurenübergreifendes Handlungsschema des Artushofes.

4. Es spricht weiterhin für das Egalitäre als auch (programmatisch) Vorbildhafte des Artushofes.: Untersuchung der Exklusivität und der Vorbildfunktion des Artushofes innerhalb des literarischen Textes.

5. Für Iweins Wahnsinn werden im wesentlichen 3 Motive in der Forschungsliteratur genannt.: Untersuchung des dualistischen Wechselverhältnisses zwischen Artushof und Laudinenbereich als Ursache für Iweins Identitätskonflikt.

6. Es spiegelt sich diese Tradition durch den Vergleich mit dem Paradies sowie der Schilderung einer arkadischen Idylle.: Darstellung des mythologisch-irrationalen Charakters des Laudinenbereiches im Kontrast zur Ritterwelt.

7. In welchem Problemfeld befindet sich Iwein nach Lunetes Schuldspruch?: Analyse von Iweins Initialschuld durch die Verletzung der triuwe-Verpflichtungen gegenüber Laudine.

8. Zu einer endgültigen Aussöhnung kann es an dieser Stelle aber nicht kommen.: Erläuterung der Unvereinbarkeit der Anforderungen des Artushofes und der Pflichten als Landesherr im Laudinenbereich.

9. Zur Gesellschaft zurückgeführt wird Iwein in einem allmählichen Prozeß.: Beschreibung des Läuterungsprozesses Iweins hin zum 'Ritter mit dem Löwen' durch das Wiedererlernen von Geben und Nehmen.

10. Die jetzt erlangte Harmonie zwischen Artushof und Laudinenbereich.: Fazit über die Konstituierung idealisierter Werte durch die Verknüpfung von männlicher êre und weiblicher güete.

Schlüsselwörter

Iwein, Hartmann von Aue, Identitätsfindung, Artushof, Laudine, triuwe, êre, güete, âventiure, Höfischer Roman, Mittelalter, Identitätsverlust, Läuterung, Rittertum, Literaturwissenschaft

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Identitätsproblem des Protagonisten Iwein in dem gleichnamigen Artusroman von Hartmann von Aue und dessen Entwicklung im Kontext höfischer Normen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen sind der dualistische Aufbau des Romans (Artushof versus Laudinenbereich) sowie die Diskussion ethischer Begriffe wie triuwe, êre und güete.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Iwein durch das Erlernen der Bedeutung von triuwe seinen Identitätsverlust überwindet und seine gesellschaftliche Stellung sowie sein Selbstbild rehabilitiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Interpretation, die den Text auf der Grundlage programmatischer Zielsetzungen des Autors und unter Einbeziehung der Forschungsliteratur analysiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil behandelt die Konflikte zwischen den Werten des Artushofes und denen des Laudinenbereiches, die Rolle von Iweins Wahnsinn und seinen Läuterungsprozess zum 'Ritter mit dem Löwen'.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Identitätsfindung, triuwe, Artushof, Hartmann von Aue, Iwein, êre und Mittelalter charakterisieren.

Welche Rolle spielt der 'Ritter mit dem Löwen' für Iweins Identität?

Die neue Bezeichnung als 'Ritter mit dem Löwen' markiert den Prozess der Läuterung und die Rückkehr zu einer Identität, die auf der Erfüllung ritterlicher Verpflichtungen basiert.

Warum ist das triuwe-Verhältnis für den Identitätsverlust entscheidend?

Iweins Identitätsverlust resultiert aus der Unfähigkeit, die widersprüchlichen Erwartungen von Artushof und Laudine zu erfüllen, was ihm als Untreue (triuwe-losigkeit) ausgelegt wird.

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Details

Title
Das Leben - ein Traum - Das Problem der Identitätsfindung in Hartmanns Iwein
College
Technical University of Chemnitz  (Mediävistik)
Course
Hauptseminar: Hartmann von Aue -Iwein-
Grade
1
Author
Jana Kullick (Author)
Publication Year
1996
Pages
13
Catalog Number
V11862
ISBN (eBook)
9783638179089
Language
German
Tags
Leben Traum Problem Identitätsfindung Hartmanns Iwein Hauptseminar Hartmann
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jana Kullick (Author), 1996, Das Leben - ein Traum - Das Problem der Identitätsfindung in Hartmanns Iwein, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11862
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