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Die Institution der Fehde im späten Mittelalter

Title: Die Institution der Fehde im späten Mittelalter

Term Paper (Advanced seminar) , 2000 , 27 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Mila Francisco (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Die Fehde war eine rechtliche Institution des Mittelalters, die bei der Betrachtung des aktuellen Konzeptes von Staat und Gerechtigkeit auf Unverständnis stößt. Der moderne Staat verfügt über das Monopol der Gewaltanwendung, was im Mittelalter völlig ausbleibt. Der in seiner Ehre Gekränkte durfte zur Selbsthilfe greifen und so sein Recht wiederherstellen. Wie Otto Brunner es ausführt, ist eben das Fehlen der Selbsthilfe das, was den modernen Staat vom mittelalterlichen Staat am stärksten unterscheidet.1 Träger legitimer Gewalt außerhalb des Staates kennt die heutige Zeit nicht mehr.2 Um die damalige Ordnung und die inneren Zusammenhänge von Politik und Staat, von Macht und Recht im Mittelalter verstehen zu können, muss man sich zunächst mit dem Begriff der Fehde vertraut machen. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass nicht die Fehde, sondern der Friede der Zentralbegriff der älteren Verfassungsgeschichte ist, allerdings ein Friede eigener Art, der „rechte Gewalt“ im Innern kennt.3 Die Fehde diente lediglich dazu, einen gestörten Frieden wiederherzustellen.

Die vorliegende Arbeit beschreibt die Institution der Fehde. Es wird im folgenden dargelegt, welche Bedeutung die Fehde in der damaligen Zeit hatte, welche Ziele sie verfolgte und welchen Beschränkungen sie unterlag. Die Untersuchung von Otto Brunner, die das österreichische Rittertum analysiert, war grundlegend für meine Ausführungen zur Fehdeführung. Die Arbeit von Antje Holzhauer liefert tiefe Einblicke in das Vorkommen von Rache und Fehde in der Literatur des 12. und 13. Jahrhunderts.4 Mit Recht legt sie dar, dass man sich mit den Darstellungen der epischen Literatur ein gutes Bild vom Ablauf einer Fehde machen kann. In den Regeln der Durchführung, den Gründen die zu einer Fehde führen, und deren Zielen, spiegelt sich die geschichtliche Realität wieder.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil

II.1. Etymologie

II.2. Die Institution der Fehde

II.3. Der Rachegedanke

II.4.Die Pflicht zur Fehde

II.5. Ablauf einer Fehde

II.6. Regeln der Fehde

III. Schlussbetrachtungen

Zielsetzung und Themenfelder

Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Institution der Fehde im späten Mittelalter, ihre rechtliche Verankerung, ihre symbolische Bedeutung im Kontext von Rache und Ehre sowie ihre schrittweise Eindämmung durch staatliche Landfriedensbemühungen.

  • Etymologische Herleitung und ursprüngliche Bedeutung der Fehde
  • Die Rolle der Rache als legitimes Mittel zur Wiederherstellung von Recht und Ehre
  • Strukturen und soziale Verpflichtungen der Fehdeführung (Verwandtschaft, Freundschaft)
  • Rituale der Fehdeerklärung, Konfliktbeilegung und Unterwerfung
  • Die Transformation der Fehde durch den aufkommenden Territorialstaat und das Rechtssystem

Auszug aus dem Buch

II.5. Ablauf einer Fehde

Die erste grundlegende Voraussetzung zur Führung einer rechten Fehde war das Vorhandensein eines rechtlichen Grundes. Fehlte diese Voraussetzung, so handelte es sich nicht um eine rechte, sondern um eine unrechte, „mutwillige“ Fehde, um „Raub“, „tyrannis“. „Mutwille“ ist in der Rechtssprache des Mittelalters ursprünglich bewusster Wille, Absicht, in einer engeren Bedeutung aber nicht einfach Vorbedacht, sondern mutwillig ist jede Tat, die nicht durch Affekt, Rache oder Notwehr entschuldigt werden kann, die also keinen Rechtsgrund hat.

Trotzdem erschien den Zeitgenossen in vielen Fällen unmöglich zwischen der rechtmäßigen und der rechtswidrigen Fehde zu unterscheiden. Sie beschäftigten sich deshalb intensiv damit, Fehden als „unrecht“ oder als „recht“ zu erweisen. Es hatte in der Praxis oft eine größere Bedeutung, die Öffentlichkeit von der Rechtmäßigkeit des eigenes Vorgehens zu überzeugen und die Schuld am Ausbruch der Fehde dem Gegner zuzuschieben, als die eigentliche Tatsache, ob die Feindschaft rechtmäßig war oder nicht.

Der Fehdehauptmann als Urheber einer erklärten Fehde sammelte zunächst die ihm verpflichteten Männern der Verwandtschaft (Freundschaft) und seine und deren waffentragenden Knechte, ferner die Helfer, durch Lehnverhältnisse oder Vertrag gebundene Leute, oft aber auch Freiwillige um sich.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Diese Einleitung positioniert die Fehde als rechtliche Institution des Mittelalters, die im modernen Verständnis von Staatlichkeit und Gewaltmonopol oft missverstanden wird.

II.1. Etymologie: Das Kapitel beleuchtet den sprachgeschichtlichen Ursprung des Begriffs Fehde im Althochdeutschen sowie dessen Bedeutungswandel in den frühen Rechtsquellen.

II.2. Die Institution der Fehde: Es wird definiert, dass die Fehde ein Selbsthilferecht des Adels darstellte, das eng mit dem Konzept der Rache und der Wahrung der Ehre verknüpft war.

II.3. Der Rachegedanke: Hier wird analysiert, wie Rache als rechtlich legitimiertes Ziel der Fehde diente und durch höfische Einflüsse in ein festes Verhaltensschema eingebettet wurde.

II.4.Die Pflicht zur Fehde: Das Kapitel arbeitet heraus, inwieweit der Verzicht auf Rache als Ehrverlust wahrgenommen wurde und welche Rolle die Verpflichtung gegenüber der Sippe spielte.

II.5. Ablauf einer Fehde: Diese Sektion beschreibt die notwendigen Voraussetzungen, die Mobilisierung von Verbündeten sowie die formale Ankündigung einer Fehde.

II.6. Regeln der Fehde: Hier wird der Prozess der Eindämmung durch Landfrieden und die langfristige Transformation zur gerichtlichen Entscheidungsfindung im modernen Staat behandelt.

III. Schlussbetrachtungen: Das Fazit bestätigt, dass die Fehde eine strukturgebende soziale Institution war, deren Abschaffung eine grundlegende Umwandlung von Staat und Rechtsbewusstsein erforderte.

Schlüsselwörter

Fehde, Mittelalter, Rache, Selbsthilfe, Ehre, Landfrieden, Rechtsgeschichte, Blutrache, Adelsgesellschaft, Gewaltmonopol, Sippe, Fehderecht, Urfehde, Rittertum, Staatswerdung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert die Fehde als rechtlich anerkannte Institution im mittelalterlichen Europa und ihren Wandel hin zur staatlichen Gerichtsbarkeit.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Fokus stehen das mittelalterliche Verständnis von Recht, Rache, Ehre sowie die sozialen und politischen Bindungen innerhalb der Adelsgesellschaft.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die interne Logik der Fehdeführung aufzuzeigen und zu erklären, warum diese erst durch einen tiefgreifenden Wandel der staatlichen Struktur verschwinden konnte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse rechtshistorischer Quellen, literarischer Zeugnisse der Zeit sowie bedeutender mediävistischer Forschungsliteratur.

Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?

Der Hauptteil behandelt die Etymologie, die Institution der Fehde, den Rachegedanken, die Pflicht zur Fehde, den praktischen Ablauf von Fehdehandlungen und deren rechtliche sowie historische Regeln.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind neben Fehde und Rache vor allem die Begriffe Landfriede, Ehre, Selbsthilfe und die Unterscheidung zwischen rechtmäßiger und unrechtmäßiger Fehde.

Welche Rolle spielten die "Mediatoren" in einer Fehde?

Mediatoren waren angesehene Dritte, die vermittelten, um eine unkontrollierte Eskalation der Gewalt zu verhindern, da ihre Entscheidung von den Parteien meist akzeptiert werden musste.

Warum war die Fehdeerklärung (Absage) so entscheidend?

Die formelle Absage war notwendig, um den Konflikt in einen rechtlichen Rahmen zu setzen und den Fehdeführenden davor zu schützen, als gewöhnlicher Krimineller oder Mörder geächtet zu werden.

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Details

Title
Die Institution der Fehde im späten Mittelalter
College
University Karlsruhe (TH)  (Institut für Germanistik)
Course
HS. Zur Semantik mittelalterlicher Lebenswelten
Grade
1,3
Author
Mila Francisco (Author)
Publication Year
2000
Pages
27
Catalog Number
V11837
ISBN (eBook)
9783638178877
Language
German
Tags
Institution Fehde Mittelalter Semantik Lebenswelten
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Mila Francisco (Author), 2000, Die Institution der Fehde im späten Mittelalter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11837
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